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Als Asperger-Syndrom wird eine eher milde Variante innerhalb des Autismusspektrums bezeichnet, welches seinerseits zum Katalog der sogenannten tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (im Gegensatz zu spezifischen Entwicklungsstörungen) gehört. Die Variante ist vor allem durch Schwächen in den Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation gekennzeichnet, sowie durch eingeschränkte und stereotype Aktivitäten und Interessen.16

Beeinträchtigt ist vor allem die Fähigkeit, nichtsprachliche Signale (Gestik, Mimik, Blickkontakt) bei anderen Personen zu erkennen und selbst auszusenden. Das Kontakt- und Kommunikationsverhalten von Asperger-Autisten kann dadurch merkwürdig und ungeschickt erscheinen. Da ihre Intelligenz in den meisten Fällen normal ausgeprägt ist, werden sie von ihrer Umwelt leicht als wunderlich wahrgenommen. Gelegentlich fällt das Asperger-Syndrom mit einer Hoch- oder Inselbegabung zusammen. Es gilt als angeboren und nicht heilbar und es macht sich etwa vom vierten Lebensjahr an bemerkbar.

Menschen mit Asperger-Syndrom entwickeln oft leidenschaftlich gepflegte Spezialinteressen; dieser Junge beschäftigt sich mit Molekularstrukturen.18

Das Asperger-Syndrom ist nicht nur mit Beeinträchtigungen sondern oft auch mit Stärken verbunden, etwa in den Bereichen der Wahrnehmung, der Selbstbeobachtung, der Aufmerksamkeit oder der Gedächtnisleistung. Ob es als Krankheit oder als eine Normvariante der menschlichen Informationsverarbeitung eingestuft werden sollte, wird von Wissenschaftlern und Ärzten sowie von Asperger-Autisten und deren Angehörigen uneinheitlich beantwortet. Uneinig ist sich die Forschergemeinschaft auch hinsichtlich der Frage, ob man im Asperger-Syndrom ein selbstständiges Störungsbild oder eine graduelle Variante des frühkindlichen Autismus sehen sollte.19