Die Silexzeitung

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Kategorie: Biographie Silex

Riga Januar 1991 – Tod von Andris Slapins

Seit 1998 war ich häufig in Riga gewesen. Es gab Geschäfte mit dem Direktor des Videocentrs Maris Gaulis – später auch der Präsident des Lndes, und auch mein Engagement für die bio-dyn Landwirtschaft. Im Januar hatten die Sowjets beschlossen, die gelockerte Tiktatur wieder in den Griff zu bekommen. Der Irak-Krieg hatte begonnen, und man hoffte, die Welt würde die Aktionen in Vilnius und Riga nicht bemerken.Andris Slapiņš

Omom-Truppen, vergleichbar der GSG9, tauchten in Riga auf und schsossen gezielt.

Ich erhielt einen Anruf in Köln, ob ich nicht für den Präsidenten Godmanis einen Notfallkoffer für Verletzungen besorgen und nach Riga bringen könnte. Freunde besorgten den Koffer und ich flog über Kopenhagen nach Riga. Wegen der Krisenlage war ich der einzige Passagier. Abends kam ich in Riga an. Alle Strassen waren gegen Panzer blokiert mit Lastwagen, Steinen und Wagenladungen voll Holz. Es war kalt, und überall brannten Feuer. Im Hotel hatte sich auch die Regierung versammelt, die Omon schossen und ich mußte vorerst ins Hotel Riga gehen, wo ich Freunde hatte. Schon auf der Fahrt wurden wir immer wieder umgeleitet weil Omon Schützen feuerten. Men Freund Juris – immer filmend, wollte die Omon Schützen aufnehmen. Die waren geschult, und schossen sofort auf die blingenden Lampen der Kamera. So starb mein Freund. Oben sind diese letzten Aufnahmen die er filmte..

In der Nacht war er im Dom aufgebahrt. Mein Fahrer besorgte mir eine Bibel und ich konnte so wenigstens das Johannes Evangelium lesen.

Auch nach 17 Jahren blutet mir das Herz noch.

Montag früh konnte ich im lettischen Fernsehen eine kleine Feier für Andris halten: ich sagte dabei, daß Lettland bald frei sein würde, und wenn man den Finger in der Revolver stecke, sie blokieren würde, und sprach den Steiner Spruch“ Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele sich bildet die ganze Gemeinschaft und in der Gemeinschaft lebet der Einzelseele Kraft.“

Ich bat, mir fiel Filmaterial schnell zusammen zu stellen, daß ich dann in Köln zum ZDF brin zugen würde. Das gelang und meine Kontakte – Hans Peter Kochenrath (http://www.imdb.com/name/nm1118651/) sendeten dies zur Tagesschau.

Vieleicht hat es geholfen, Lettland befreien.

Christoph Silex Mein reiches wildes Leben

Christoph Silex

  Mein reiches wildes Leben   von Hitlers Zeit bis 2015

Inhalt

4 Versuch einer Biographie

23 Waldorfschule

33 USA

48 Pierre in Köln

72 Meine Geschickte: der Coole Vater…

80 Geschichte miterleben – ich durfte!

95 La Ciotat, Marseille und die Ballett Schule von Roland Petit

105 Mein kurzes glückliches Leben als Maler

107 Meine geliebten Autos

121 Meine Geistige Heimat Lettland

123 Begegnung mit Roma

Juris Rund

124 13.9.2007 mein Geburtstag

125 Das Jahr 2014

126 Dienstag, September 11, 2007

127 Mittwoch, November 22, 2006

EINE NEUE TÄTIGKEIT

Mein reiches wildes Leben

Von Hitlers Zeit bis Kretschmar

Am 13.9.1939 wurde ich in Ragow, Kreis Beeskow in der Mark Brandenburg geboren. 13 Tage nach Kriegsanfang, auf dem Gut meiner Großmutter – 7.000 Hektar, ein Schloss, viele Wälder. 14 Tage vor dem Geburtstermin schickte mein Vater meine Mutter mit einer Hebamme dorthin. Sie überwachte alles, und als die Geburt bevorstand rief sie meinen Vater an, der damals Chefredakteur der DAZ, der deutschen Allgemeinen Zeitung war – darauf rief der Vater seinen guten Freund – den Chefarzt der Charitè an, fuhr mit seinem aufgemotzten Steyer zu ihm, holte ihn ab, im Kofferraum lag schon eine Kiste Heidsieck Champagner und raste nach Ragow. Von der Geburt wird erzählt, dass alles problemlos vor sich ging, außer, dass ich nach der Geburt nicht sofort atmete. Der Charitè Chefarzt nahm mich an den Beinen, hielt mich hoch, gab mir einen Klaps und die Lunge arbeitete. Auf dem Weg zum Wickeltisch, wo die Hebamme schon wartete, schiss ich den ganzen Boden voll. Die Hebamme übernahm den Rest und mein Vater öffnete die erste Flasche Heidsieck, goss drei Gläser voll und stieß mit meiner Mutter und dem Arzt an.
Meine Urgroßmutter, eine geborene Riebeck, war eine von 10 Töchtern des ehemaligen Steigers Riebeck, der sich zum größten deutschen Braunkohlen Besitzer hochgearbeitet hatte – so wenigstens geht die Sage. Er gab jeder seiner Töchter 1 Million Goldgulden als Mitgift. Mit dieser Mitgift meiner Urgroßmutter wurde das Gut Ragow gekauft. Denn zu der Zeit war es im preußischen Adel Usus, das der Erste Sohn das Gut erbte, der zweite Offizier wurde und der dritte Pfarrer. Der Herr von Witte, den meine Urgroßmutter heiratete, der war ein zweiter Sohn. Normalerweise hätte er Offizier werden sollen, aber mit der Mitgift seiner Frau konnte er dieses riesige Gut kaufen. Es gab dort unermesslich viel Wald. Das Herrenhaus war eigentlich eher ein Schloss  – vor dem Haus ein runder See mit Schilf und im Sommer Iris und Seerosen. Im Winter liefen die Kinder Schlittschuh oder schleuderten sich mit Schlitten über das Eis. Links vom Haus lagen englische Parks und rechts der landwirtschaftliche Hof, die Kuhställe, die Pferdeställe, die Ochsenställe, die Heuschober, Maschinenhallen, Obst – und Gemüsegärten, Käserei, riesige Misthaufen, sowie das Häuschen des Aufsehers. Ich habe noch den Klang der Mittagsglocke im Ohr – hell, weittragend – die der Aufseher mit dem Klöppel bearbeitete. Die Kühe wurden von 18 Schweizern – so nannte man die Schweizer -, die einen einbeinigen Schemel umgebunden hatten, morgens und abends gemolken – für mich faszinierend zu sehen, wie die Schweizer nach einer leer gemolkenen Kuh aufstanden und mit dem festgebundenen Schemel, dessen eines Bein wie ein Schwanz sich nach hinten reckte, zur nächsten stapften. Es gab Vollblüter zum Reiten, zum Jagen und zum Ziehen der zweirädrigen Dog Karts und der großen Kutschen, mit denen man zum Bahnhof fuhr wenn mal wieder eine Berlin Reise anstand, oder für Besuche in der Gegend. Im Winter in dicke Felldecken eingemummelt und mit verdeckten Kohlenpfannen gewärmt. Sommers gab es oft Fahrten zur Spree oder anderen Picknickplätzen – wo das Gesinde schon alles mit Decken, Geschirr, Essen und Trinken vorbereitet hatte. Kaltblüter arbeiteten auf den Feldern, zogen Wagen, Heuwender, Eggen, Walzen und leichte Pflüge. Die riesigen, aus England importierten Mehrscharpflüge wurden erst von 10 sic! Ochsengespannen gezogen, bis später dann die ersten Raupenschlepper kamen. Damals hat sich dann der Name Schlepper für alle Trecker eingebürgert. Damit man auch hier nicht auf die Annehmlichkeiten der Stadt verzichten musste, gab es einen tief in die Erde gegrabenen Eiskeller, der das ganze Jahr über große, vom See ausgestochene Eisblöcke bewahrte, mit deren Hilfe zu besonderen Gelegenheiten Eis-Sorbet gerührt wurde.
Was es mit der Essensbereitung auf sich hatte, habe ich eigentlich nie begriffen. Meine Mutter durfte als junges Mädchen nie in der Küche sein , ‚tat man nicht‘, lernte so auch nichts, was ihr später auf der Flucht doch sehr fehlte. Aber warum ich nicht in der Küche zuschauen durfte, mich von den Mädchen verwöhnen lassen durfte, ihren Liedern zuhören durfte – „Mariechen saß weinend im Garten, im Grase lag schlummernd ihr Kind …..“ habe ich nicht klären können. Ich bemerkte nur damals eine ziemliche Aufregung meiner Großmutter und tagelanges Getuschel. Allein durfte ich auch nicht in den Wald, es könnten ja Zigeuner mich finden und stehlen. Allein durfte ich auch nicht in den Wald, es könnten ja Zigeuner mich finden und stehlen. Zum Essen gab’s für die Kinder Breie und Marmeladenbrote – Verwöhnen war bei dem preußischen Pietisten vom Teufel. Abhärten gottgefällig. War man dann erwachsen, kam nur Wild und Geflügel auf den Tisch, der Adel aß kein Rind oder Schwein. Vielleicht damit es immer eine Entschuldigung gab statt sich um die Wirtschaft zu kümmern, ständig zu jagen. Wenn größere Einladungen oder Feste anstanden, muste als zusätzlicher Diener beim Essen der Kutscher antreten – eine Anekdote erzählt, daß dieser beim Auftragen eines riesigen gestürzten Wackelpeters dessen Wackeln und eventuell zu Boden Rutschens mit den Worten „oha, oha brrrrr“ zu verhindern suchte. Natürlich gab es ab und an auch nicht eingeladenen Besuch – Meine Großmutter zog dann den Gotha zu Rate und bei negativer Auskunft muste der Besuch wieder abziehen.

Den süßen, etwas muffigen Geschmack von warmem Holundersaft spüre ich heute noch auf der Zunge – Halsweh, Husten, Schnupfen, erzeugten große Mengen davon. Viel später in der Schulzeit war ich oft krank – es gab zwar keinen Holundersaft mehr, aber dafür auch viel weniger Klassenarbeiten.

Meine Urgroßmutter war Hofdame am Hof des Kaisers Wilhelm II. Meine Großmutter hatte einen Herrn von Arnim geheiratet – auch ein zweiter Sohn – und mit ihm 3 Kinder gezeugt. Meine Tante Esther, mein Onkel Diedel und meine Mutter.

Auch im Herrenhaus war etwas moderne Technik eingezogen. Geld war durch die Verkäufe von Holz für die Abstützung der Gänge in Kohlengruben reichlich. Die Landwirtschaft dagegen war im Ergebnis immer unsicher. Meine Mutter hörte ihren Vater im Sommer oft zu seiner Frau sagen, und du wirst sehen, der Regen kommt nicht über die Spree, was eine schlechte Ernte bedeutete. Der Absatzmarkt schwankte so sehr, dass das Getreide oft ‚auf dem Halm‘ an Spekulanten verkauft werden musste, um nur eine geringe Sicherheit zum Überleben zu haben. Erst im dritten Reich wurde ein guter, fester Ankaufspreis garantiert – na ja – so wurden die Junker überzeugt – denn das Auskommen betraf ja nicht nur sie, sondern alle Mitarbeiter mit Familien auf dem Gut für die man sich zutiefst verantwortlich fühlte.
Neben der Beleuchtung durch Gas – später sogar elektrisch – war das Prunkstück ein großer schwarzer Horch, den der Kutscher unter großen Mühen fahren lernte. Man machte Besuche, Ausflüge und gelegentlich die abenteuerliche Fahrt nach Berlin. Mindestens zweimal im Jahr. Im November, um in allen Kaufhäusern nach Geschenken zu stöbern – für alle – so auch Gesinde und Landarbeiter mit Familien – eine langwierige Prozedur. Genauestens versuchte sie jedem gerecht zu werden, ob Köchin oder Dienstmädchen, ob Trecker Fahrer oder Verwalter, ob Schweizer oder Pferdeknecht. Der Kutscher erzählte später mit leuchtenden Augen oft von diesen Festen, wo im hohen Saal ein mächtiger Weihnachtsbaum stand – über und über mit Lametta, Kerzen und Glas behängt. Allein das einzeln Anbringen des Lamettas beschäftigte mehrere Leute für Tage. Am Heiligabend versammelten sich alle, es glänzte und glitzerte überall, Großvater las die Weihnachtsgeschichte, die wunderschönen Choräle Paul Gerhards habe ich heute noch im Ohr und dann kam die Bescherung – jeder suchte seinen Platz mit Namensschild und Geschenken. Abschluss war die feierliche Christmette in der Dorfkirche. Das Weihnachtfest und im Herbst Erntedankfeiern zementierten, heute kaum mehr vorstellbar, die Beziehungen zwischen Herrschaft und Abhängigen. Ein alter Bauer, den ich 1990 beim Besuch meiner Heimat des frühen Kindseins sprach erinnerte nur die schöne Zeit auf dem Gut mit der Herrschaft, fand alles was danach passierte nur ärgerlich und widerlich und haste die nachfolgende Freiheit, die pseudo Freiheit der DDR. Er zeigte mir dann auch das Grab meines Großvaters, der als Junker einfach nur verscharrt wurde – auch ein Grabstein war verboten. Die Menschen im Dorf hatten dieses Grab jahrzehntelang gepflegt. So konnte ich endlich einen Grabstein setzen für ihn, seine Frau und sein Kind. Das war für mich sehr schmerzhaft und tragisch – denn als bei Kriegsende die Russen immer näher rückten floh meine Mutter mit ihren Kindern aus Berlin und besuchte noch einmal ihren Vater in Rittgarten. Er wollte sein Land nicht verlassen, zu tief verbunden war er in seiner Verantwortung mit Gut, Land und Dorf. Es war ja auch in den letzten Kriegszeiten verboten. Gutsbesitzer die flohen wurden sofort aufgehängt. Auch der dringende Wunsch meiner Mutter, ihr auf der Flucht doch wenigstens seine jetzt elfjährige Tochter mit zu geben, wurde abgeschlagen. Als dann die Russen nur noch wenige Stunden entfernt waren, hat er Tochter, Frau und sich vergiftet. Der Bruder seiner neuen Frau, Henning von Treskow, einer der Hauptbeteiligten am Attentat des 20. Juli, war schon gehenkt. In meinem Lebensentwurf, der immer mit der intensiven Frage, woher wir kommen, verknüpft war, fühle ich hier eine besondere Tragik. Viele der Versammlungen der Attentäter fanden auf dem Gut meines Großvaters statt – natürlich ohne sein Wissen. Als das Attentat aufflog, musste mein Großvater nach Moabit, dem Gefängnis in Berlin und erst nach 6 Monaten wurde festgestellt, dass er wohl nichts gewusst hatte und er kam frei als gebrochener Mann.
Mit 14 Jahren eingestellt träumte der alte Landarbeiter noch heute von dem Menschlichen, der guten Behandlung, den Festen. Das Funktionieren dieser Beziehungen ist heute kaum mehr vorstellbar, doch es klappte. Geld gab es kaum, das Überleben sicherten Deputate an Holz, Getreide, Rüben und wahrscheinlich auch Kartoffelschnaps, der auf vielen Gütern reichlich hergestellt wurde. Diese Strukturen lebten von Traditionen wo jeder seine fesste Aufgaben hatte. Die unten arbeiteten und die oben trugen die Verantwortung und Fürsorge. Wenn jemand im Dorf krank war, schickte meine Großmutter einen Arzt und machte mit kleinen Geschenken und Mitgefühl Besuche. Das war man sich ohne zu überlegen der christlichen Überzeugung schuldig. Sicher gab es auch schlimme Herren, doch das war nicht die Regel. Die Tragik liegt eigentlich darin, dass die neue Zeit des Jahrhunderts im Sozialen, in der Politik, in der individuellen Freiheit vom Adel nicht erkannt wurde. So wurde man aus falsch verstandener Sorge um Landwirtschaft, Gut und Dorf NSDAP Mitglied oder Sympathisant und ging zu Grunde weil die tradierten Werte sich ins Gegenteil verkehrten.
Die zweite Fahrt war zur Ballsaison, die gleich nach Sylvester begann und erst mit Aschermittwoch aufhörte. Neben den Bällen vergnügte man sich in Theater, Oper und Ballett. Das Ballett war wohl für den älteren Bruder meines Großvaters eine zu große Versuchung gewesen – er ‚trieb sich‘ mit Ballettratten rum statt sein ererbtes Gut zu bewirtschaften. Das war so genierlich im Familienverband, das ich erst mit 35 davon erfuhr! Für meinen Großvater ein Glücksfall, der nun nach der Scheidung von seiner vermögenden Frau das elterliche Gut übernehmen sollte und tat.

Zurück zur Urgroßmutter – die Riebeck‘ schen Montanwerke entwickelten sich rasant – daraus entstanden dann die IG Farben, aus denen dann Bayer, BASF und Höchst wurden. Nach Kriegende boten die IG Farben Nachfolger 3 % des ehemaligen Wertes als Entschädigung an – meine Großmutter – reich an Aktien – folgte jedoch einem Anwalt, der 10 % forderte und verlor. Damit ging auch der Rest des Vermögens den Bach hinunter. Bargeld, Schmuck und Silber hatte meiner Großmutter auf einer letzten Fahrt mit dem Horch nach Berlin in einem Banksafe deponiert – nach der Teilung lag die Bankfiliale leider im Ostteil und so war alles weg.

Ich habe jetzt mit der Flucht etwas vorgegriffen. Gehen wir zurück zu meiner Kindheit, soweit ich sie noch erinnern kann. Wir lebten in Frohnau, einem Vorort Berlins. Als Chefredakteur musste mein Vater natürlich den letzten Umbruch – die Seitenzusammenstellung vor Druck – bis Mitternacht begleiten – weiter gab es Empfänge, Einladungen, Oper, Konzerte. Aus den Erzählungen meiner Geschwister entnehme ich, dass ich die meiste Zeit von einer – oft nicht sehr freundlichen Kinderschwester betreut wurde. Drei Erinnerungen an meine Mutter zu dieser Zeit sind geblieben – eine wunderhübsche, sanft geschminkte und herrlich duftende Frau beugt sich über mein Bettchen, gab mir den Gutenachtkuss und verschwand – meine Mutter bringt den herrlichen warmen Holundersaft – wir sitzen alle auf dem Bett meiner Mutter und öffnen ein Lebensmittelpaket, das mein Vater – jetzt wieder Kapitän in der Marine, geschickt hatte. Es enthielt unter anderem Ölsardinen, die ich heute noch mag. Meine Schwester aß leider zu viel davon und ihr wurde kotz übel.

 

12.5.1944
Der Zug hielt an. Es war später Nachmittag. Ein kleiner Bahnhof in der Uckermark. Die Mutter nahm die Koffer und reichte sie nach draußen. Es war zu dieser Zeit immer irgendjemand da – Der Bahnhofsvorsteher, der Kutscher des Gutes, Ein Tagelöhner, der sie als Adelstochter erkannte und sofort und freundlich half. Sie nahm Pierre auf den Arm und stieg aus. Das kleine blondgelockte Kind lächelte und schaute noch einmal zurück auf die Waggontüre, jedes Abteil hatte seinen eigenen Ausgang und der Schaffner konnte sich vom einen zum anderen während der Fahrt nur auf Laufbrettern draußen bewegen. Die riesigen Räder der Dampflokomotive – mehr als doppelt so hoch wie Pierre – waren faszinierend und unheimlich. Besonders wenn sie beim Anfahren – zugleich mit dem wilden tschumm — tschumm – tschumttschumm der Dampfkolben erst einmal durchrutschten um dann endlich den Zug vorwärts zu bewegen. Die Lok – schwarz, riesig, dampfend, pfeifend, dieses unvergessliche TUT – TUT – TUT unterschiedlich langgezogen. Unzählige Albträume – die Lokomotiven folgen mir – legen sich die Schienen selbst dahin wo sie fahren wollen um mich zu töten – auf den Straßen, Wegen, hinein ins Haus – die Treppen hinauf – bis auf den Balkon im ersten Stock – wo es keinen Ausweg mehr gab um Wegzulaufen, wo aber endlich doch – bevor ALLES zu Ende war – das Kind zitternd aufwachte. Genauso zitternd, wie es in seinem Gitterbettchen stand, wenn in Berlin die Luftschutzsirenen vor einem neuen Angriff der Spitfires heulten – ein beklemmendes Zittern, daß bei jedem Sirenengeheul – „Des Teufels General“ im Zoopalast Berlin 1958, oder die regelmäßige Überprüfung der Kölner Sirenen 1968 des Kindes, nicht mehr Kindes Brust mit beklemmenden Fassreifen pressten.
Der Kutscher nahm die Koffer, die Mutter nahm Pierre. Die Kutsche, mit zwei Rappen bespannt, vierrädrig, geschlossen, – man konnte allerdings wie im Zug mit einem Lederriemen die Fenster links und rechts herunterlassen – fuhr an. Die Straße, in der Mitte schon Asphalt, auf einer Seite Sandweg für die Reiter, gesäumt von Alleebäumen, welche in Brandenburg, wie Pierre später erfuhr, zu 80 % von seinem Urgroßvater im Auftrag Linnés gepflanzt waren – rollte mit dem sanften Quietschen und Knarzen der ledernen Federaufhängung und dem Rhythmischen, doch unregelmäßigen trapptrapp – trap der Hufe süß, friedlich, einschläfernd dahin.
Die Alleebäume blieben zurück, weite Felder rechts und links – etwas Getreide, soweit es der karge Boden zuließ – sonst Kartoffeln, Kartoffeln, Kartoffeln – der karge märkische Sandboden mit der geringen Bodenzahl von 25 – 32 Punkten ließ wenig anderes zu, war aber für den fruchtigen lieblichen Geschmack genau richtig – solche Kartoffeln konnten im reichen Boden des Rheinlandes nie wachsen. Außerdem konnte man bestens Schnaps damit herstellen, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Gutes. Der Schnaps und die Nazis retteten viele Güter vor dem Bankrott. Der Schnaps, weil er für Arbeit und Einkommen sorgte, viel kleine Bahnnebenstrecken finanzierte einschließlich der Ballsaison in Berlin, im Hotel Adlon – die wunderbaren Bälle, die Oper, das Ballett – dort war auch, wie man nur leises flüsterte der ältere Bruder mit einer Ballettratte versackt, und muste die Güter an den Jüngeren abgeben – die Nazis, weil erst im Dritten Reich der Staat eine Ankaufspreisgarantie für die Früchte des Feldes festsetzten, und die Frucht nicht wie in den 20er Jahren an Spekulanten „auf dem Halm“ verkauft werden musste. Wenn Dann die Ernte schlecht war, verlor man den ganzen Besitzt. Von Pierres Großvater ist überliefert, das er zu seiner ersten Frau im Sommer ständig sagte: “ und du wirst sehen, das Gewitter kommt nicht über die Spree“, was bedeutete, das schon wieder kein Regen viel, und das Getreide vertrocknete, und die eingegangenen Lieferverpflichtungen nicht eingehalten werden konnten. Ende eines weiteren adligen Gutes.
Wer ohne Arg werfe den ersten Stein. Luxus oben, Kargheit unten, aber der Luxus war ohne die pietistische preußisch geprägte Verantwortung nicht denkbar. Wenigstens verhungerten die „Leute“, so der Begriff, mit dem man die Tagelöhner, Dorfbewohner, Kätner oder wie sie auch mit modernem Sozialterminus bezeichnet wurden, nicht wie die Arbeiter im Berlin der 20er Jahre, geschildert so schön von dem unerträglichen Schreiber Fallada in „Kleiner Mann was nun“. Man sorgte für die Leute, und im Krankheitsfall kümmerte sich die Herrin persönlich um Hilfe, Ärzte, Kinderversorgung, Nahrung. Der riesige Horch parkte plötzlich vor der Tür und entließ Herrin, Dienstmädchen, Krankenschwester und Körbe voll Essen. Ein Bauer, den Pierre 1990 traf, behauptete mit Tränen in den Augen, das es die schönste Zeit in seinem Leben war, als er mit 14 vom Gutsherrn als Lehrling eingestellt wurde. Die schönen Sommer und Weihnachtsfeste, der stattliche Herr in Reitstiefeln, der nie ungerecht war, die gemeinsamen Kirchbesuche, wo die schönen Choräle gesungen wurden – besonders Paul Gerhards nun danken alle Gott oder oh Haupt voll Blut und Wunden – alles was danach kam, die widerliche DDR Verwaltung, war nur noch schrecklich. Das Miteinander von Herr und Knecht ging so weit, dass diese Bauern des Herrn Grab, wo auch Tochter und Frau von den Sowjets ohne Namensschild verscharrt worden waren, denn Junker waren ja vom Teufel, 45 lange Jahre pflegten, so das Pierre – 1090 beim einen Besuch der „Heimat“, nach der er sich ein Leben lang gesehnt hatte, nun endlich einen Stein setzen konnte.
Für Pierre war das alles, im weiteren Verlauf seines Lebens, der zuallererst von der ewigen Frage bestimmt war – woher komme ich, wer bin ich, wo gehe ich hin, schon bei der ersten Frage erst nach und nach und sehr schmerzhaft, Stück für Stück eine Antwort zu erhalten. Erst 33 Jahre später erfuhr er, dass sein Großvater kurz vor Einmarsch der Russen sein Kind, Seine Frau und sich vergiftet hatte. Noch später tauchten dann Nachrichten auf, welche die so oft gehörten Worte „man habe es nicht gewusst“ ad absurdum führten. Als Landeshauptmann, für die Verwaltung des Kreises zuständig, muss er von den Euthanasieprogrammen in den ihm unterstellten Krankenhäusern gewusst haben. Was er allerdings nicht wusste, ist die Tatsache, dass auf seinem Gut häufige Besprechungen der Attentäter des 20 Juli stattfanden, was ihm 6 Monate Verdachtshaft in Berlin Moabit einbrachte, die er als „unschuldiger“ aber gebrochener Mann verließ. Pierre hatte noch ein vages Bild von schlanken hochgewachsenen Männern in ideal passenden Uniformen.
Am nächsten Morgen lief Pierre, wie von vorigen Besuchen gewohnt, sofort in die Ställe um die Tiere, Kühe, Ochsen, Schweine, Pferde zu riechen, zu begrüßen, ihnen beim Fressen zu zuschauen, den wunderbaren Geruch des Mistes einzusaugen. Dann fand er bald den alten Kutscher Karl, der – zu alt um die Herrschaft elegant zu kutschieren, jetzt die Aufgabe hatte, mit 2 riesigen, langsamen Kaltblütern irgendwelche Transporte zu machen. Mal durfte Pierre auf dem breiten Rücken eines der Pferde sitzen, wenn eine Egge zum Feld gebracht wurde, mal saß er auf der Schleppe, einem breiten langen Schlitten, der zum Transport in schlechtem Gelände, auch im Sommer, benutzt wurde, um einen Eber, den der Herr am Ende des Sees in sumpfigem Gelände geschossen hatte, zum Gut zurückzubringen, wobei er mit Vergnügen auf den Schultern des Ebers saß – war ja auch viel bequemer als auf den harten Holzbohlen der Schleppe.
Abends saß man auf der Terrasse zum See – die Erwachsenen plauderten, die große Kastanie wurde unheimlicher, der Himmel dunkler, Käuzchen riefen mit fremden, unirdischen Lauten.
Nachts kamen wieder die Ungeheuer. Riesige, ohrenbetäubend laut stampfende Lokomotiven, die sich ihre Schienen selbst legten um Pierre zu verfolgen.
Schweißgebadet wachte Pierre auf, eine Erkältung. Sie löste sofort – nein nicht einen Arztbesuch, sondern große Mengen von warmem Holundersaft aus, der dem Kinde in halbwachem Zustand eingeflößt wurde – dieser erdig – himmlische Duft und der märkische Geschmack blieben immer in Erinnerung. Das war so „göttlich, das Pierre oft alles tat um erkältet zu sein, sich in das eiskalte Wasser des Brunnens gleiten zu lassen, Schals und Mützen draußen sofort zu verstecken – oder einfach ständig zu hüsteln.

Einmal kam sein Vater in Kapitänsuniform zu Besuch. Pierre durfte seine Füße auf die Stiefel stellen, und mit Geschick, während der Vater rückwärts lief, versuchen mit zu laufen – das klappte bald und – höchstes der Gefühle – nun lief der Vater vorwärts und Pierre rückwärts – sehr schwierig!

Im ersten Weltkrieg Kommandant eines Minensuchbootes, im 2. Eines Minenlegers, hatte sein Vater zuletzt Flüchtlinge aus Königsberg evakuiert, aber – vielleicht erfahrener als der Kapitän der Wilhelm  Gustloff eine andere Route gewählt, die ihn vor der alliierten Bombardierung bewahrte, und Kindertaufen und Seebestattungen in Frieden möglich machten.

Mitschuld

Adriana Altaras erzählt in einem Interview, das Ihre Familien Zugehörigkeit zu den Holocaust Opfern – obwohl selbst fröhlichen Gemüts ihr sie immer wieder in tiefe Depressionen fallen lässt.
Meine Geschichte beginnt im preußischen Adel, wegen einer Adoption gibt es auch einen ‚Arier‘ Nachweis.
Doch habe ich seither ich erinnern kann, das verzweifelnde Gefühl, mitschuldig zu sein. 1939 geboren, bei Kriegende 5 Jahre alt, ist eine Täterschaft wohl ausgeschlossen.
Jetzt bin ich 74 Jahre alt, und täglich überfällt mich eine tiefe, im Herzen Wunden öffnende Depression.
Der Tinnitus wird ohrenbetäubend, die Lunge eingeschnürt, atmen wird mühsam, und die Mitschuld lässt vor der Seele blitzartig alles Gesehene und Gelesene, und Gehörte im Kopf herumrasen.
Es gibt kein Entrinnen.
Es heißt immer wieder: aber du warst doch so jung,  du kannst nichts gemacht haben.
Doch ich kann mich doch nicht aus meiner Geschichte ausklinken.

Meine Waldorfschule – Genuss, Freude, Phantasie

Nach vielem Umherziehen landeten wir 1949 in Suttgart in der Heusteigstraße.

Überall gab es zerbombte Häuser und Trümmerschutt. Nach der Schule spielte ich mit einem Jungen, der in einem Resthaus nach der Zerstörung im notdürftig geflickten Erdgeschoss wohnte. Jeden Tag kam ein Polizist, um ihn zur Schule abzuholen. Das gab‘ s damals noch bei Schulschwänzern. Nachmittags streunten wir  durch Breuninger, kletterten in halbfertig wieder gebauten Häusern bis aufs Dach, wo man auf den Latten, die bald die Ziegel halten würden, gehen konnte, irgendjemand hatte uns gesehen und verpetzte uns, was meinen armen Vater dazu veranlasste mich zur Abschreckung verhauen zu wollen, was aber kläglich misslang.

Eines Tages kam mein Freund mit einem kleinen Karton an. Auf einer Seite stak eine kleine Glühbirne – etwa wie die einer Taschenlampe, aus der anderen zwei Drähte. Beim Verbinden der Drähte leuchtete sie. Irgendwie war das ein Schlüsselerlebnis für mich als ich – nach Zahlung einer Mark das Innere sehen durfte. Das hat mein ganzes Leben verändert! Ich nahm alle Spielzeuge, kurz alles was ich fand auseinander, um zu sehen, wie es funktioniert. Vieles konnte ich nicht mehr zusammensetzen, aber das ist eine andere Geschichte.

Dann bauten wir uns aus großen Kugelrädern und Holzlatten mit den Füßen steuerbare Wagen, die mit lautem Krach die steilen Straßen Stuttgarts runter rasten. Für die Kugellager musste man lange sparen, die Latten lieferten die neuen Dächer vor Eindeckung mit Dachziegeln.

So schön zwar nicht, aber überall Spaß.

 

Da ich katholisch getauft war, gab es in der Schule auch Kommunionsunterricht. Neben den Tatzen, man musste  die Hand ausstrecken und der Lehrer schlug mit einem dünnen Rohrstock darauf für irgendeine Strafe, Schwätzen z.B., war das nun die Höhe für mein Gewissen. Eines Morgens sagte der Priester, also nun schreibt mal schön alle Eure Sünden auf, damit ihr sie beim nächsten mal beichten könnt. Da kommt ihr in die Kirche, dort gibt es den Beichtstuhl – ich sitze da drin und ihr kommt vor das Gitter und beichtet.

Mittags zuhause sagte ich heulend zu meiner Mutter – ich bete jeden Abend zu Gott, so weiß er alles, aber beichten, vor einem anderen Menschen, den das gar nichts angeht, das tue ich nicht. In diese Schule gehe ich nicht mehr.  Finde ich heute noch cool und mutig für einen 9 jährigen.

Oft wenn ich aus der Schule kam, hörte ich von irgendwo her ein gleichförmiges Sprachgemurmel “Abraham saß ganz am Abhang” – bald merkte ich, dass meine Mutter Sprachübungen machte – auch Graphologie war eine “Berufung”. Durch diese Aktivitäten hatte sie wohl Kontakte zum Haus Diehl bekommen, ein antroposophischer Arzt nebst Familie und Mutter. Mit dieser befreundete sich meine Mutter, und so vorbereitet, war sie gar nicht überrascht oder erschrocken mit meiner Entscheidung, jedenfalls diese Schule nicht mehr zu betreten. Schnell war ich an der Kräherwaldschule angemeldet, und sofort zufrieden und glücklich! 14 Tage Intermezzo waren noch in der Mutterschule an der Uhlandshöhe, dann endlich die Waldorfschule am Kräherwald.

Schon die Fahrt mit der quietschenden Elektrischen war ein Vergnügen. Kam man früh, gab es einen Stehplatz neben dem Fahrer. Herrlich!. Der mit der Kurbel  den Strom verstärken oder  bremsen konnte.

Bis zum Ausbau waren viele Klassen in modernen Baracken untergebracht. Deren Decken waren aus weichem Dämmstoff – wenn man eine Nadel mit kurzem Faden fand die Decke schleuderte, blieb sie stecken. Am Ende des Unterrichts war die Decke voll – trotz Kichern merkte die Lehrerin nichts.

Bei der Eurythmie stand mal ein Schüler hinter mir und hänselte mich dauernd wegen meiner norddeutschen Aussprache. Irgendwann platzte mir der Kragen, ich drehte mich um und schallerte ihm eine. Die hübsche junge Lehrerin verzog keine Miene und machte ruhig weiter. Das waren doch andere Lehrer als in der Staatsschule, wo es Tatzen gab.

So war auch einfach alles anders als gewohnt. Morgenspruch, Sprachübungen wie Fischers Fritz–, dann zwei Stunden Hauptunterricht – dasselbe Thema für 4 – 6 Wochen, Abschluss mit selbst gemaltem, geschriebenem Heft – Schulbücher gab es nicht

Dann die Monatsfeier – jede Klasse probte ein Stück,  Sprechen, Singen oder Eurythmie, um das dann im großen Saal vor allen aufzuführen. Aufregend, da es bisher nur in der Hausmannstraße einen Saal gab. Also verging der ganze Tag mit hin und her Straßenbahnfahren.

Mit den Händen machte man vieles, Schnitzen, Weben, Nähen, Gartenbau usw.

Ein Jahr verging und mein Vater, der bisher beim Evangelischen Hilfswerk Unterschlupf gefunden hatte, wurde wieder Chefredakteur beim Heidelberger Tageblatt. Wir wohnten auf den nördlichen Hügeln mit Blick auf den Neckar.

Das Englische Institut war nun meine Heimat. Offensichtlich gefiel mir der freie und kreative Umgang mit dem Lernen, denn zum Ende des Jahres bekam ich ein Buch als Klassenbester.

Im Herbst wanderten wir oft im Odenwald – es gab in diesem Laubwald viele Esskastanien – wir sammelten viele und am Abend wurden sie kreuzweis eingeschnitten und geröstet. mmm! Zu Weihnachten stand unter dem Baum eine kleine elektrische Eisenbahn – bei der Bescherung fuhr sie aber nicht zur Verzweiflung des Vaters – er tat mir sehr leid – ich hatte viele andere Geschenke und fand das nicht so schlimm.

Zu St. Martin zogen sämtliche Schüler aller Schulen in einem unendlichen Zug hinter dem Reiter mit halbiertem Mantel her – unsere Schule hatte als Thema für die Laternen Fische. Mit einer Nagelschere schnitt ich wochenlang die Schuppen aus, die dann mit buntem durchsichtigem Papier hinter klebt wurden. Nachts war das dann ein überwältigender Eindruck.

Nach Weihnachten brachte mich die Mutter mit dem Zug nach  Oberstdorf ins Kinderheim Schult. Ich wäre zu dünn und kränklich. Schult war wieder Waldorf und ich lernte viel Neues. Dasselbe wie vorher. Epochenhefte schreiben und malen, usw. Da das Ziel war, den Eltern gemästete Kinder vorzuweisen, gab es morgens schon zwei riesige Portionen Haferbrei – bald wurde ein Sport daraus, wer mehr fressen – pardon – genießen konnte.

Haare ließ man wachsen, damit die Strähnen nicht in die Suppe hingen trugen auch die Jungs Spangen rechts oder links im Haar. Da es Winter war, lernte ich Skifahren und auch auf kleinen Schanzen  springen. So gut, dass es mir später in Klosters und Davos schnelle und glückliche Abfahrten brachte – so der Run Davos 13 km ins Tal, wo man die Bimmelbahn wieder hoch  nach Davos nahm um ein 2. Mal runter zu sausen.

Um den Fettansatz zu beschleunigen musste man nach dem Essen dick eingemummelt auf den Balkonen – ohne zu lesen, was schön blöd war, denn in den Ferien – ich kam dort vor Schulbeginn an, las ich jeden Tag Hanni und Nonni.

Ostern kam, ich wurde abgeholt, Vater kam mit neuem Mercedes 170, super! – und bequem!

Kein Wort, aber nach Ostern ging es zu meinem Entsetzen wieder nach Oberstdorf. War trotzdem ganz schön da – beim Schult und Frau Bartels.

Highlight eine Tagesfahrt an den Bodensee mit langer Dampferfahrt.

Inzwischen waren die Eltern wieder nach Stuttgart gezogen, und man sieht schon, warum ich in meinem Leben 13 verschiedene Schulen kennenlernte.

USA 1954 der erste glückliche Kuss

Mit 14 hatte mich meine Tante  für ein Jahr nach Reisterstown bei Baltimore eingeladen.

Überfahrt mit der MS Gripsholm – 10 Tage!

In New York übernachten wir im Hotel Taft -cool – es gab heißes, kaltes und eisiges Wasser! Am nächsten Tag fuhren wir heimwärts – in dem riesigen Lincoln war genug Platz – ich konnte zwischen Tante und Onkel sitzen – auf diesen langsamen Highways durfte ich dann sogar steuern.

Auf der Fahrt durch Maryland war neu, dass alle Häuser, alle Zäune, überhaupt alles was aus Holz war, weiß gestrichen war.

Die Autos waren riesig, meist in “Tu Tone” (2 Farben) lackiert, und man schlich auf den schnurgeraden Autobahnen mit 90 Kmh gelangweilt dahin. Ein neues, sanftes Erlebnis für mich.

Ein erster Eindruck – alles war größer, schöner, bunter, reicher als zuhause wo alles grau, klein, teils noch in Trümmern hässlich davon abstach. Da wollte ich nie wieder weg.

Ich hatte ein schönes Zimmer im 1. Stock wo ich lernen konnte. Es gab eine Schreibmaschine womit ich die Schularbeiten machen durfte  und ich konnte viel basteln.

Da mein englisch meiner Tante nicht genügte, musste ich jeden Tag etwas übersetzen um besser die US Sprache zu können. Meist war es Silas Marner!

Abends durfte ich unten im Wohnzimmer 2 TV Sendungen zu je 1/2 Stunden genießen. Das hat wohl dem Englisch sehr geholfen. Dann kam der erste Tag in der Franklin High School. Der Direktor begrüßte mich persönlich, eine Schülerin zeigte mir die Klassenzimmer und stellte mich den Lehren vor, die Lehrer blieben in ihrem Raum, man wanderte dann zu den jeweiligen Unterrichts Zimmern. Auch neu waren die Gruppen wie FTA Future Teachers Association, als Mitglied wurde man zur Aushilfe wenn der Lehrer mal zur Konferenz musste um die Klassen zu überwachen, ebenso rief der Chor, – ich sang dort gerne, zu Weihnachten   sangen wir sogar im Fernsehen –  alle hatten dicke Mäntel an, was bei der Studiohitze bös war, und als wir Silent Night vortrugen, sang ich als Highlight einen Vers in Deutsch, wobei die Harmonium Spielerin den Ton um eine 1/2 Stufe tiefer spielen musste, da ich gerade Stimmbruch hatte. Eine Schellak Schallplatte wurde schnell vom Sender für mich gepresst – habe ich heute noch.

Ein bewunderter Mitschüler war bei der Freiwilligen Feuerwehr – bei einem Brand heulte  eine Sirene so laut, dass man es überall hören konnte. Auch in der Schule. Sofort sprang der Mitschüler auf und raste raus um schnellstens zum Feuerwehrhaus zu rennen. Was haben wir ihn beneidet!

Die Schule war zweistöckig und da wegen des dauernden Gerennes in jeder Pause ein riesiger Verkehr stattfand, musste das natürlich auch geregelt werden. Größere Schüler waren dazu abgestellt, in den Gängen darauf zu achten, dass nur im  Rechtsverkehr gerannt wurde.

Frederick Wiseman ist wohl der größte Dokumentarfilmer den ich kenne, z.B. MEAT, dort hat er die Schlachthöfe in Chicago gefilmt.

Die Herrentoiletten hatten keine Türen, scheißend unterhielt man sich mit Anderen, auch den Lehrern.

In der Mittagspause – Schule war von 9 bis 4, gab‘ s Tanzen in der Aula. Dort stand zu diesem Zweck ein Wurlitzer und neben Rosemarie Clooney “This ole house”, und Pat Boone gab‘ s besonders beliebt Elvis mit Jailhouse Rock.

Morgens machte ich mir einen TLM (Tuna Lettuce Mayo) Sandwich für die große Pause und holte mir dazu Milch und Nachspeise. Beim Stöbern nach Fotos im Internet fand ich plötzlich mich in der Cafetaria. Wow!

Es gab zwar keine Schuluniform, doch inoffiziell Mode war: Charcoal Flanellhose, rosa Hemd und schwarzer Strickschlips. Im Sommer dann khaki Pants wie oben. Farmersöhne Jeans, Schwarze gab es keine, Baltimore war gerade südlich der Mason Dixon Line, was hieß, die Schwarzen lebten in Ghettos, man sah sie nur als Fahrstuhlführer o.ä. –

Bei einem Kaufhausbesuch in Baltimore mit der Tante bemerkte sie, nach Verlassen des Fahrstuhls, dass die Scharzen doch sehr unangenehm röchen – und das nachdem das Paar – Der Onkel war Arzt und Jude – 1937 noch fliehen konnten. Selbst unter Vorurteilen gelitten aber andere – Schwarze – so bedenken – das hat mich damals sehr geschockt!

Lustig war der französisch Unterricht – der Lehrer sprach das mit amerikanischem  Accent !

In Englisch gab es einen  Busausflug in ein Kino, das gerade Culius Caesar mit Marlon Brando spielte.

Im Sport musste ich natürlich statt des US Football als Besucher aus ‚old‘ Germany Fußball spielen. Ein Desaster, da ich als Kind schon das nie mochte. Beim ersten Match mit einer anderen Schule, hab’ ich einfach einen viel Größeren, der gerannt kam, gerempelt, so dass der Ball dann unser war – ich war also drin in der Mannschaft, bekam eine Fußballerkluft und einmal pro Monat zu Turnieren mit anderen Schulen. Schon wieder Ausfall des Unterrichts. Das Motto war damals, die Schulzeit solle so schön sein, dass man ein Leben lang daran freudig denke.

Nach der Schule erst die Hausaufgaben, kaum der Rede wert, schnell Kreuzchen auf den Vordrucken der Lehrer bei multiple Choice gemacht. Dann der Tante geholfen, Wäsche aufhängen, den Rasen mähen – zwei Stunden mit einem Handrasenmäher – recht schwer, gut für die Kondition !!! – puh —

Oft verbrachte ich viel Zeit im Drugstore eine Straße weiter. Mein Onkel war ja Arzt und kannte den Besitzer. Der Drugstore bot den Sodafountain für Softdrinks, bei Coke wurde der Becher mit ‚cruched ice‘ gefüllt und dann kam Sirup dazu, es gab Spielzeug, Zeitschriften, Kleidung, Arznei, Bücher usw. Besonders alle wichtigen Comics, die ich kostenlos dank meines Onkels lesen durfte. Besonders liebte ich Tweety Pie und Sylvester, Bugs Bunny, Roat Runner und alle Marels.

Oder ich bastelte zu Hause. Das Rasenmähen brachte pro Mal 2 $ und als erstes kam ein Bastelkasten mit einem ‚Crysal Radio‘. Nach dem Zusammenbau stocherte man mit einem Draht auf dem Kristall rum bis man was hörte.

Ich sammelte mehr $ und ein Fesselflugzeug kam dran. Tagelanges Aussägen, Leimen, Malen, Motoreinbauen. Auf dem Schulhof habe ich Stunden damit  verbracht die Propeller zu drehen bis die Finger wund waren. Ich habe wohl kein Händchen dafür. Außer 2-3 Runden passierte nichts.

Dann gab es noch einen Vetter mit einer wunderschönen Frau, der als Oberschüler natürlich einen ‚Hotrod‘ fuhr und jetzt den ausgefallenen Studebaker.

Und meine Cousine, mit Mann, 8 jährigem Sohn und Ballettschule für Kinder – natürlich kleinen Mädchen, die zur Freude ihrer Eltern 2 mal im Jahr einstudierte Tänze auffführten.:

Es gab 3 dieser Ballettschulen, eine im Haus und 2 in anderen kleinen Städtchen. Also bat mich die Tante, ob ich für den Jungen ‚babysitten‘ würde. Gerne. Wir hatten viel Saß beim simulieren von SF Filmen: “here is D.Vader, calling Strong Power” usw.

Er ging auf eine Privatschule, was fast immer bedeutete, dass sie militärisch aufgebaut war. Mit 9 hatte er die militärische Laufbahn erfolgreich durchlaufen, und ich sehe ihn noch auf dem Schulhof seine “Soldaten” in Uniform zusammen zu schreien. “Attention, at ease, usw”

Sein Fahrrad sah auch etwas anders aus. Im Sommer ließ meine Cousine einen Anbau für die Ballett Schule machen. Faszinierend wie die Bauarbeiter in Kürze aus Holzbohlen “two by four” zusammennagelten. Erst wurden die Wände flach auf dem Boden erstellt, dann aufgerichtet und zusammengenagelt.

Auf das Dach kamen farbige Teerpappenschindeln. So sind fast 90% aller Haeuser in den USA gebaut. Stein, wie bei uns ist kaum bekannt. Die Folgen sieht man jedes Jahr bei den Waldbränden in Kalifornien.

Damit ich nicht negativ schon durch die Kleidung auffiel, fuhr die Cousine mit mir zu einem Superstore – Einkaufszentrum auf der “grünen Wiese”. Alles von Kopf bis Fuß. Unterhosen, T-Shirt, Hemden, Hosen, Jacke, – für Sommer und Winter. Nach erfolgtem Einkauf gingen wir etwas essen – immer Neues versuchend bestellte ich einen Turkey Triple Decker Sandwich. Riesig!. Kurz vor Ende fand ich eine Fischgräte – sofort kam ein Neuer –  puuh – das konnte ich kaum noch runter kriegen.

Das Essen war auch neu. Sowohl Tante als auch Cousine kochten wenig frisch. Grundlage war Tin Food,  Büchsennahrung. Selbst der Tee war gefriergetrocknet. Das habe ich in Deutschland dann sehr vermisst – dort gab es dann nur Eistee mit Zitrone.

Natürlich wurden große Festtage mit stundenlangem Turkey Braten gefeiert.

Oft, wenn der Neffe Schulausflüge machte, begleitete ich die Cousine auf den langen Fahrten zu den auswärtigen Ballettstunden. In dem riesigen Chevrolet lag ich dann auf der Sitzbank – natürlich gab es Lenkradschaltung, mit dem Kopf auf ihrem Schoß.  Und viel später zuhause, ergab sich der erste Kuss – ich erinnere noch mein Staunen: also das  machen die im Kino!

Die Sommerferien dauerten 3 Monate. Erst besuchte ich einen anderen Onkel, der hatte in Gettysburg eine Milchfarm. Das Melken um 5 h morgens übernahm oft der Älteste – ich durfte mitmachen.

Zitzen der Kühe abwaschen, die tragbare Melkmaschine anlegen, nächste Kuh, bis die achtzigste fertig war. Dann der Chlorgestank beim Auswaschen der Geräte.

Beim Frühstück schlürfte der Neffe 3 rohe Einer – puh! Dann ging‘ s aufs Feld um die jungen Mais pflänzchen mit einem John Deere zu hacken. Er fuhr im 5. Gang durch ohne die Maisreihen zu beschädigen, ich schaffte gerade mal den dritten. Es war aber auch recht mühsam, weil der Traktor keine Fußkupplung hatte – also musste mit den Kupplungshebel per Hand bedienen, mit der anderen einen Gang einlegen – mit der Hand wieder einkuppeln.

Danach lud mich die Cousine zu 14 Taden Ferien in Rehoboth Beach am Atlantik ein.

Es gab eine kleine “Cottage” und ich lernte endlich Schwimmen. Mit langen Flossen und im Salzwasser ging das richtig gut, solange bis es auch ohne ging. Zuhause hatte ich das nie gelernt, wohl auch weil wir dauernd umzogen und die Schule nach dem Krieg noch wenig Sport anbot.

 

Weihnachten kam mit Schnee. Oft fuhren wir nachts durch Straßen um all die Lichterdekoration zu sehen. 1954 gab es das zuhause noch nicht.

Die Kirche die wir am 24. nachts besuchten, um die Messe zu feiern, war Episcopal. Dorthin ging ich auch sonntags zum Kindergottesdienst. Oft waren mir die Lieder aus früher Kindheit im evangelischen Gottesdienst bekannt.

Leider war nach einem Jahr die schöne Zeit vorbei. Auch war eine längere Aufenthaltsgenehmigung nicht möglich. Besonders war mir das Herz schwer voll Wehmut wegen des wunderbaren Verliebt Seins.

Zum Abschied bekam ich zwei Gedichtbände – Morgenstern und Rilke.

P.s. Wieder zuhause sah ich alle Amerikanischen Filme an und sehnte mich nach dem Land. Auch um die Wohn- und Lebenssituation zu genießen. Z.B. wunderte ich mich allerdings bei dem Film Omaga Man, wie die Hollywoodmacher  alle diese Straßen in Atlanta abgesperrt hatten. Als ich 1980 wieder dort war, sah ich den Grund. Alle Innenstädte waren vollkommen verlassen. Geschäfte und Bürger ins Grüne gezogen, die City verkam zum Slum. Außer Atlanta war besonders New Orleans bemerkenswert. Im Zentrum Wolkenkratzer wie der von Shell, rundherum Leere. Auch die Bewohner waren verarmt gegenüber 1954. Aber das ist eine andere Geschichte.

Pierre

1998 in Köln

  1. August 1998 6 Uhr morgensErstaunlicherweise zeigte sich der rote Sonnenball immer noch im Osten über dem Horizont als Pierre sein Fahrrad raus holte und durch das zerstörte Köln fuhr. Die meisten dachten, das ihn seine Eltern in alter Kölsch‘ er Tradition mit einem französischen Namen beglücken wollten, die großen Familien in Marienburg waren – wie Namensvergleiche zeigten – langsam von Brüssel über Lüttich, Aachen, Düren eingewandert, aber die Erinnerung an zwei Weltkriege hatte so tiefe Spuren hinterlassen, dass man hoffte, – wie in dem großen Epos des Grafen Tolstoi – mit der Namensgebung den Sohn wenn nicht schützen zu können, doch wenigstens eine Zukunft als tumber Tor, der vielleicht wenig Großes aufbauen würde im menschlichen Sinne aber auch nichts Großes einleiten im teuflischen Sinn.Er fuhr durch die Ehrenstraße, dann die Breite Straße. Vor der Schweizer Ladenstadt hielten Taxis um auf die letzten Discobesucher zu warten, zwei Brotshops hatten schon auf und schenkten Kaffee aus, die alte Frau, klein, dünn, noch recht gut angezogen, die man den ganzen Tag mühsam durch die Stadt wandern sah, und die wohl wie manche andere irgendwo auf einer Bank geschlafen hatte, trottete mit ihrem gepflegten weißen Haar vorbei. Dann Tunis- und hohe Straße, Alter Markt und endlich das Rheinufer. Das Wasser war wohl auch nicht mehr so jungfräulich wie einst als noch die Treidelpfade von Kaltblüter Gespannen zerstampft wurden bei der schweren Arbeit Lastschiffe den Fluss hochzuziehen, nein immer noch war zu viel dem lebenden Nass fremde Chemie darin gelöst, die Ufer waren so begradigt, dass man eher von einem Kanal sprechen konnte, aber allein die ungeheure Menge Wassers, die jede Sekunde vorbeifloss, machte den Fluss doch zum Fluss und Leben, ein Lebendiges, dem die Zerstörung nicht so viel anhaben konnte wie den Steinen der Stadt. Den der Fluss lebte und floss, überschwemmte jährlich seine Ufer, zerstörte hier, verdreckte dort oder versumpfte die Füße der Ulmen in den Auen, die ohne dieses Wässern nicht Auenwälder sein konnten, die Frachten der Kähne trug er wie zu allen Zeiten klaglos, sogar freudig wenn man das Spiel der Wellen am Ufer klatschen hörte. Er floss seit der letzten Eiszeit, veränderte mal das Bett ein wenig, und würde noch bis zur nächsten hier fließen, immer gleich und mächtig ohne das Menscheneinfluss etwas daran ändern könnte oder wollte.Pierre fuhr auf dem Uferweg nach Norden begleitet vom gleichmäßigen Klick – Schgrr der Pedale, die am leicht verbogenen Kettenschutz streiften. Kurz vor der Zoobrücke rechts stand das Fischerhäuschen, ein Relikt der 30 er Jahre, jetzt wurden dort auf den Gartentischen Pizza und Pasta serviert. Früher, ehe die deutsche Industrie, besonders die Chemische, den Fluss  als billige Kloake entdeckt hatte um dort direkt giftige Abfälle reinzuschmeißen oder indirekt über die Landwirtschaft ihre tödlichen Gifte auf die Pflanzen geschüttet, in den Boden sickernd, vom Regen ausgewaschen, in die kleinen Flüsse gespült, um endlich den Rhein zu erreichen, die Pestizide, die aus der Giftgasproduktion des ersten Krieges entstanden, die Stickstoffdünger, geile, fad schmeckende, schlecht ernährende Pflanzen zeugende Gifte, die nicht nur von Liebig erfunden, sondern besonders beworben von der Schießpulverindustrie, deren Produktionsstätten 1920 leicht umgestellt waren und nun neue Absatzmärkte suchten, früher, als das alles noch nicht war, lebten im Fluss Fische, Aale, die von verankerten Aalschokkern nachts mit Netzen gefangen wurden, Schwärme von Maifischen, deren Verzehr im Wonnemond Lokale wie das Fischerhäuschen wachsen ließen, Lachs, der zur Weihnachts- und Silvesterzeit auf den Speisekarten Pariser Feinschmeckertempel oder den Empfängen des Kaisers in Berlin als besondere Delikatesse angezeigt wurde, und dazu alles was sich der Flussfischer wünschen könnte. Fischerbruderschaften hatte es gegeben in Porz, Poll, Deutz, Mülheim, Rodenkirchen, Altstadt, Riehl, Niehl, Merkenich, Rheinkassel, Langel und so fort. Fischer die mit ihren Fliegern, lange schmale Holzboote mit langen, sich verjüngenden Überhängen, an den ruhigen Rändern des noch nicht  begradigten Flusses wo das Wasser nicht mit den drei bis fünf Knoten, die in der Strommitte herrschten, auch gegen den Strom rudern oder, falls der Wind in einzelnen Windungen mal von achtern kam, auch segeln konnten. Die sandigen Strände an den Innenkurven, wo das Wasser langsam floss  und wenig tief war, wurden mit großen Netzen befischt, die eine ganze Bruderschaft, bis zu 30 Fischer, ausbrachte und Hand über Hand voll silbernen Glitzerns einholte, vergleichbar der Strandnetzfischerei am Ozean, wie man sie heute noch in Gambia etwa oder Papua sieht.

    Das Maifischessen war eine Festzeit in Köln, Maifische gekocht, gebraten, eingelegt, in Suppe, im Teig, in Aspik und was sonst noch die zweitausend Jahre alte, von allerlei Kulturen beeinflusste Kölner Zunge sich einfallen ließ, dazu Mosel, Rhein und Badischer Wein, das deftige fast schale Bier aus den obergärigen Brauereien, oder für die Habenden eine Flasche Veuve Clicot, bei deren Trinken man sich eins fühlte mit Wilhelm Busch oder der Petersburger Oberschicht vergangener Zeiten falls man es geschafft hatte im Gymnasium Kreuzgasse nicht nur Unsinn zu treiben wenn von Bildung die Rede war. Der deftige Rauch gegrillter Fische vermischte sich in der Erinnerung in Pierres Nase mit dem merkwürdig miesen billiger Pizzas, dem Geschmack, der bei Hunger Lust erregte und nach erfolgter Speisung für Stunden den Mund mit Ekel ausfüllte.

    Die Rheinuferstraße sprich Niederländer Ufer wurde immer lauter wodurch sich der baldige Beginn der Frühschicht bei Ford in Niehl ankündigte und Pierre flüchtete eine Etage tiefer zum Ufertreidelweg, jetzt schön gepflastert, begrünt, mit Bänken möbliert, eine erster, so hoffte man, guter Eindruck für die vielen Rheinschiffkreuzfahrer, die hier von verschiedenen Stegen aus an Land und in Busse gekarrt wurden, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu genießen. Bei besonders billigen Holländischen Schiffsreisen sparte man sich die Busse, besichtigt wurde zu Fuß, was dann etwa so ablief. Rheinuferbänke besetzt von schlafenden Obdachlosen weil die Schlafheime längst von einem gewichtigen Teil der mehr als 20 Prozent Arbeitslosen in Köln überfüllt waren, Bahnhof und Vorplatz verziert von Punks und Junkies, Domplatte mit mittelalterlichen Belustigungen, draußen Musiker, Gaukler, Pflastermaler, Bänkelsänger aus aller Welt, drinnen – im Dom – Schweizer, Sammelbüchsen, Andenken und Erbauliches, dann das wirklich große Vergnügen der Menge, Einkaufen, Einkaufen, Einkaufen auf der kauflustigsten Meile Deutschlands, Hohe Straße und Schildergasse. Pierre erinnerte noch Zeiten, wo das Flanieren zwischen den Geschäften, den vielseitigen Waren, dem Gegensatz von Qualität und preiswertem Woolworth und dem Espresso bei Campi vor dem Kinobesuch in der Lupe gut war. Jetzt seien die Mieten angeblich so gestiegen, dass es dort nur noch möglich war absoluten Schrott mit betrügerischen Aufschlägen zu verkaufen. Aber wenn 38 Prozent der Bevölkerung Kaufen als ihre liebste Freizeit ansehen, ist die Ware selbst, deren Inhalt, Qualität, Schönheit, Gebrauchsfähigkeit auch Nebensache geworden, sie soll nur noch ein Bild vorspielen, könnte eventuell ganz aus einem Bild bestehen, virtuell natürlich, man wählt den schönen Schein aus, bezahlt mit Plastikscheingeld und erhält des Kaisers neue Kleider.

    Der gepflasterte Weg endete und es ging weiter auf einem schmalen Wiesenpfad. Zu dem Klick-Schgrr der Pedale kamen neue, undefinierbare Klappergeräusche der Schutzbleche oder des Gepäckträgers hinzu. Links sprangen und grasten Schafe in einer hektargroßen Elektrozauneinfriedung, im Sommer wanderte die Herde die Rheinwiesen bis zum Niehler Hafen rauf und runter. Spaziergänger, besonders die mit Kindern freuten sich am Anblick der verrenkten Hälse der Lämmer die an den Zitzen hingen, Jogger rutschen schon mal auf den Hinterlassenschaften aus. Jetzt war außer einem Radler, der mit Stullen Paket und Regenhaube unter den Bügel des Gepäckträgers geklemmt, eilig Richtung Ford Schicht fuhr, ein Relikt ohne Auto aus vergangenen Zeiten, Schulden, Scheidung, oder das Auto nur in der Inspektion, wer sollte ihn fragen, niemand unterwegs. Pierre wollte ihn erst überholen, ermattete aber dann und machte eine Pause im Cranachwäldchen. Am Ufer sitzend, hinter sich die großen Ulmen, vor sich den unermüdlich fließenden Strom, auf dem Kopf die schwarze Schirmmütze, in der Lunge Keuchen, an den Beinen die ersten neugierigen Ameisen, legte er sich nach hinten in das Gras und schaute auf die einzelnen Wolken, die von Südwesten kamen und langsam aber stetig nach Nordosten zogen. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern hatten sie gestern Abend die wilde Kathedrale von Laon überflogen, und gestern Morgen um dieselbe Zeit die Menhir Felder der Bretagne gestreift. Vielleicht waren sie Überbleibsel eines Sturms in der Biskaya, die nach Norden vertrieben waren, vielleicht hatten sie auf einer Bilbao-Portsmouth Fähre die dämlichen Vorstellungen der Animateure gestört, vielleicht stammten sie überhaupt aus Galizien, waren erst die Milchstraße entlang nach Osten gezogen, dann nach Norden geschwenkt um mit dem Sturm zu feiern, denn das war für Wolken immer ein großer Spaß wenn sie vom Sturm gejagt, zerzaust und zum Tanzen gebracht wurden, dann buchten sie eine Reise mit dem stetigen Wind, der fast immer von Südwesten nach Nordosten über Europa zog, überflogen majestätisch Köln und harrten der Vergnügen, die Sachsen, Mark Brandenburg und die Kurische Nehrung ihnen bieten würde, wenn sie überhaupt  so weit kämen und nicht vorher Mitleid mit einem verdurstenden Gurkenfeld hätten und sich ausregnen würden.

    Die Ameisen krabbelten immer höher und bei einer räkelnden Bewegung streifte sein linker Arm eine Brennnessel, die hier Eisen aus dem Boden zog. Er stand auf, schüttelte die Ameisen ab, rieb die brennenden Pusteln mit Spucke ein was etwas Linderung brachte, zog den Schirm der Mütze tiefer, der Rhein machte jetzt einen Bogen nach Osten und die noch niedrig stehende Sonne blendete ziemlich wie die ersten Lichte der Morgensonne es oft tun, nahm sein Fahrrad auf und fuhr weiter. Hier zwischen den Bäumen war der Weg holprig weil die Wurzeln, vom Hochwasser ausgewaschen, an vielen Stellen so in der Luft hingen, daß man an Mangrovenwälder in äquatorialen Gestaden erinnert wurde. Eine der querlaufenden Wurzeln stand so hoch, dass er wohl noch das Vorderrad hochreißen konnte, aber dann mit der rechten Pedale, die gerade unten war, hängen blieb, samt Fahrrad hinfiel, wobei das Vorderrad zur einer leichten Acht verbog und sein linkes Bein von einem abgebrochenen Teil der Wurzeln leicht aufgerissen wurde. Er blieb erst einmal liegen, warf das Rad, das jetzt auf ihm lag, zur anderen Seite, und drehte sich auf den Bauch, weil das angenehmer schien. Vor ihm krabbelte ein Mistkäfer, der aus dieser Entfernung sehr groß schien, auf einem Häufchen Kaninchen Knödel, etwas weiter zog der erste Zitronenfalter an der Blüte einer Margarite,  und unter der Wurzel, die ihn zu Fall gebrachte hatte, war ein tiefer Hohlraum ausgespült an dessen Ende etwas Helles, fast Weißes leuchtete. Er griff rein, fühlte Hartes, Kaltes, Glattes und doch Geriffeltes, kratzte noch Erde fort um den Gegenstand fassen zu können, ein unangenehmes Gefühl zu spüren wie die Dreckwülste unter den Fingernägeln dicker wurden, und hatte endlich das Ersehnte in der Hand. Ein dreiseitiger, schalen ähnlicher, mit vertieften konzentrisch von einem Eckknubbel ausgehenden Strahlen versehener, weißlicher Gegenstand, der, obwohl nicht mehr vollständig, eine Ecke schien rausgebrochen, sehr genau einer Muschel gleichsah, was sich nach genauerer Untersuchung auch bestätigte. Der Durchmesser betrug etwa 8 cm und der Eckknubbel war durchbohrt. Pierre setzte sich auf, lehnte gegen den Baum und klärte so vor sich hin. Der Baum, unter dessen Wurzel er die Muschel gefunden hatte, war vielleicht dreihundert Jahre alt, also war die Muschel schon länger hier. Was macht eine so große Muschel hier, im Fluss hat es das nie gegeben. Warum hatte sie ein Loch? Vielleicht für ein Band an dem man sie umhängen konnte? Wer hängte sich Muscheln um? Was für eine Muschel war es überhaupt? Wo blieb der kleine Gnom, der ihm alles verraten konnte? Er hatte zwar noch nie einen gesehen, hoffte aber immer noch, nachdem er so viel darüber gelesen hatte, und auch tage- und wochenlang an den angeblich dafür richtigen Orten gelauscht und beobachtet hatte, dass er einen sehen würde, obwohl er die Bestätigung eigentlich nicht brauchte, da er fest von ihrer Existenz überzeugt war, aber einen zu sehen wäre doch schön gewesen. Zehn Meter vom Ufer entfernt fuhr eine Spitz mit Französischer Flagge und lautem Tuck, Tuck, Tuck ihre Fracht zu Berg, schmal und kurz genug um all die kleinen Schleusen von Maasbracht bis Paris passieren zu können. Sie hieß Fràres Jaques, was Pierre zum Lächeln reizte, denn das war der Clou der ihm beim Klären noch gefehlt hatte. Dank dir Gnom! Natürlich, es war eine Jakobsmuschel, und Jakobsmuscheln trugen im Mittelalter die Pilger der großem Ströme, deren einer auch von Köln loszog um sich dann mit anderen in der Gegend von Biarritz zu dem endlosen Lindwurm von Gläubigen, Büßern, Sündern, Heiligen, Taschendieben, Steinmetzen, Nonnen, Huren, Geschäftemachern, Küfern, mit dem Ziel Compostela zu vereinigen.

    Der Rest des Weges bis zur Brücke über die Einfahrt des Niehler Hafens verlief ohne Ereignisse. Dank der Shimano-Schaltung schaffte er es gerade noch die Steigung hochzufahren, dann klopfte sein Herz bis in die Ohren so stark, dass er lieber abstieg und dem Verladen der Container zusah. Hunderte vierzig Fuß Behälter waren auf dem Kai gestapelt, zwei motorisierte, fahrbare Monster, Sauriern gleich, griffen mal hier einen, legten dann neue Stapel an, luden sie auf Tieflader oder auf dazu eigens gebaute Eisenbahngestelle, stellten sie den Portalkränen griffbereit hin, die mit ihrer Spinnenhand Frachtschiffe beluden, Pierre hätte sich einen Röntgenblick gewünscht, es war doch zu schade, dass man nicht sehen konnte was verladen wurde und woher es kam oder wohin es ging, obwohl eigentlich die Variation des Gehandelten so abgenommen hatte, dass kaum zu unterscheiden war, ob ein Turnschuh aus Portugal, Ungarn oder Taiwan stammte, die drei Streifen erinnerten nur an schicke Plakate und der Geruch an fremde Länder, der früher den Waren anhaftete und die Phantasie zu einem romantischen Spiel werden ließ, war heute zum Gestank globaler Gleichform verkommen. Dennoch war es schön, den Hafen von oben zu sehen, die Schiffe, die langsam unter der Brücke durchzogen, meist mit holländischer Flagge, einige Deutsch, wobei am Stahlsteuerhaus mit kleinen Scheiben und zurückweichender Front die ehemaligen DDR Frachter zu erkennen waren, deren Aussehen im ganzen Sowjetbereich die übliche Konstruktion zeigte, dann Belgier und wenige Franzosen. Zwei Drittel waren Partikuliere, will sagen der Kapitän ist Eigentümer und nicht Angestellter einer Reederei, was leicht an den Autos auf dem Heck oder dem gelegentliche Kinderspielplatz mit Gitter, einem gigantischen Laufstall ähnlich, auf den Ladeluken zu erkennen war.

    Im Becken C wurden große Miranti Stämme entladen, ein preiswerterer Mahagoniersatz, dort zersägte sie ein Importeur in handliche Stücke, die meist zu Fensterrahmen verarbeitet wurden, leider nicht zu wunderschönen, rötlich leuchtenden Mahagonimöbeln oder Yachten, wie sie England bis zur Jahrhundertmitte noch gefertigt hatte, wegen der Tropenwaldvernichtung traute sich niemand mehr das anzubieten geschweige denn zu kaufen, bei den Fenstern war da etwas anderes, da sie weiß lackiert wurden, sodass der Ursprung nicht mehr erkennbar und das Gewissen, besonders den Mitmenschen gegenüber beruhigt war. Es blieb offen, ob Holz für Möbel oder Brandrodung im Urwald, die den von Zucker- oder anderen Plantagen in Brasilien vertriebenen Bauern ein kärgliches Leben gab, oder Waldvernichtung durch Stauseen und Industrie mehr schadete. Mit diesen Gedanken zerstoben auch die letzten Träume von der Ferne beim Anblick der Holzfracht. Das Alles hatte aber auch sein Gutes, Pierre merkte immer mehr im Laufe der sich aneinander reihenden Jahre, das er zum Überleben nicht mehr Hoffnungen, Sehnsüchte, Träume einspannen konnte, sie waren seit dem Ende des Krieges Stein für Stein von dem Zukunftsbau, der einmal sein Haus hatte werden sollen, abgebröckelt, nein heute fühlte er, dass Gelassenheit im Betrachten des Lebens und Vertrauen auf die Erneuerungskraft der Menschen zum Kern des Wesens werden mussten, eine Gelassenheit von Toleranz getragen, die eigentlich, wenn man mit den besten Gedanken unserer Kultur vertraut war, am Anfang stehen musste, die eine erste Stufe sein sollte, von der aus erst der Aufbau möglich war.

    Mit quietschenden Felgenbremsen fuhr er die Brücke runter, dann den Niehler Damm entlang bis ein Leichenzug an der Kapelle den Weg hemmte. Er fragte einen der Herumstehenden nach der Ursache dieser frühen Bestattung, meist fingen die doch nicht vor neun Uhr an, und erhielt die Auskunft:
    “ Dat is doch dat  Bonbonmariechen, de wor wat spinnert, dat is de leve lange Doch en dr Stadt römjetrokke un hätt sone Kräuterkamelle verdeelt, ever et wor e jote Minsch, un hätt do en Niehl gewohnt, un de Pastör hett wolle er de letschte Wönsch geve, wo et doch alleweil so früh uf wor, dat et och früh no de Kerchhuf kömmt.“
    Pierre erinnerte sich an sie. Er hatte sie einmal in Ehrenfeld beim Strohhut, einmal auf der Kalker Hauptstraße und ein letztes Mal auf der Ehrenstraße vor dem Kino, als es noch City hieß, getroffen, das heißt eigentlich hatte sie ihn getroffen, ihn begrüßt, nach dem Befinden gefragt und einen Kräuterbonbon gereicht mit den Worten alles Gute. Dabei hatte sie freundlich gelächelt. Jedes Mal war es eine Zeit gewesen, die mit trüben Gedanken und trauriger Stimmung durch diese Begegnung erheitert wurde. Solange der Bonbon im Mund aufweichte war Frieden und auch später half die Erinnerung an diese Begegnung mit, die Gedanken in anderen Regionen als den täglichen flimmern zu lassen. Mitten in der Stadt entstand etwas Zeitloses, Immaterielles, nicht Beschreibbares, unscheinbar Wesentliches, das ihm Vertrauen gab ohne, das er wusste wie und weshalb. Pierre betete ein Vaterunser für sie und wartete bis der Zug entschwunden war.

    Die Uferstraße wurde nun von dem Ford’schen Areal unterbrochen. Die Autofabrik hemmte nicht nur seinen Weg am Ufer entlang, sondern hatte auch die Alte Römerstraße, die über Zons nach Neuss führte einfach unter sich begraben. Er fuhr über die Parkplätze Ost, die sich stetig mit Wagen der Verwaltungsangestellten und Schichtarbeiter füllten, sah kurz vor der Emdener Straße rechts das offene Tor einer Maschinenreparaturhalle, wo schon die ersten Meister und Facharbeiter beim Drehen, Schweißen und Bohren zu sehen waren, ein wenig Neid kam auf, er erinnerte sich an Studentenzeiten, wo er einmal bei Daimler in Stuttgart, ein anderes Mal im Druckhaus Deutz Frühschichten gearbeitet hatte, und an die besondere Atmosphäre, die das Tun an und mit Maschinen am frühen Morgen mit sich brachte, ohne dass dabei die Erinnerung an Arbeit auf dem Feld beim Heu laden, Kartoffelroden oder Maisbergen zu früher Stunde verblasste.

    Endlich konnte er nach Merkenich abbiegen, fuhr durch den Ort auf der alten Römerstraße, machte einen Schlenker durch Kasselberg wo rechts die Campingwagen auf der grünen Wiese den Rheinblick genossen und links die Häuser bis in ein Meter Höhe noch die Spuren des letzten Hochwassers zeigten, kam dann nach Rheinkassel und setzte sich auf ein Mäuerchen vor St. Amandus. Die Kirche war restauriert, verputzt und in buntem Rosa, Weiß und Ocker gestrichen, mit natürlichen Farben, und es mag sein, dass die Farbgebung der ursprünglichen Fassung zur Zeit des Bauens entsprach, aber die folgenden Jahrhunderte hatten eher schwere, gut gefügte graue Steine und im Alter tiefbraun gewordenes Holz gesehen, ob diese Buntheit Echtheit zeigte oder nur den Wunsch kleiner Leute aus allem eine touristische Vergnügungspark-Attraktion zu machen, es wirkte fremd und neu, kam doch auch niemand auf den Gedanken griechische Tempel neu zu fassen und zu bemalen, vielleicht musste man nur weitere Hundert Jahre die Augen schließen und alles war wieder in Ordnung.

Meine Geschichte: der coole Vater..

Es ist heute kaum vorstellbar, dass die Welt am Ende des 19. Jahrhunderts noch so wenig Informationen oder Wissen barg, dass ein Mensch wie mein Vater (Autobiographie gebraucht zu binden unter “Karl Silex – mit Komentar) mit 17 das Abitur machen konnte und bald darauf Korvettenkapitän der Kaiserlichen Marine wurde – das Schiff – war ziemlich riesig – fuhr mit Dampfkraft – um Mienen zu suchen, fuhren die Boote im Verband und hatten lange Ketten zwischen sich – diese lösten und sprengten die Mienen. Tragisch für den Kaiser () – man heizte mit Kohle – die Engländer hatten schlauerweise schon auf Öl umgestellt – mit weniger Personal und weiterer Reichweite. Wie man in dem neuen Adlon Film sieht, war der deutsche Kaiser schon ein wenig hinterher und ein ziemlicher Trottel! – Meine Urgroßmutter war dort Hofdame gewesen – ein liebes Wesen mit Haus in Potsdam – zuletzt sah ich sie kurz vor der Flucht 1945 – na – ja-

Das Abitur hatte als Thema in Chemie nur anorganische Chemie – ein Klacks – 1958 wurde ich in Chemie (Externen Prüfung der Waldorfschule ) – mit der organischen Chemie nach einem zehnfach größeren Wissen geprüft.

Ich habe mich oft  gefragt, wie mein Vater mit allen Neuerungen fertig geworden ist. Auto, Flugzeug, Mondlandung, Sputnik – er nahm es wohl alles einfach hin – mit seinem unerschütterlichen Glauben an Wissenschaft und Technik nahm er alles einfach hin, und dachte, “die werden es schon richten.

Jetzt – 2013 – nach so vielen Jahren weiß ich es. Seit einem Jahr dreht sich alles immer schneller. Ich habe immer das STAUNEN zum Prinzip erhoben – mein Vater lebte nach Kant und Schopenhauer…..

Also: ich schlafe, esse, trinke – kurz wie die Schwaben sagen: „schnaufe des ma net berstickt….“  (nach einem Stroke cum Aphasie – linke Gesichtshälfte war weg – macht das Lesen und Schreiben fast unmöglich – gottseidank fand ich ein PS Programm, das vorliest – ohne dass hätte ich nicht

mal die E-mails lesen können – geschweige beantworten, was oft nötig war wegen Fragen zu meinem Aphasie-Programm – www.aphasie.com – immerhin laden jeden Tag etwa 3 – 5 User es für Familienmitglieder herunter – also: Alt werden – ist Scheiße – kleine Nebenbemerkung aus der Talk Show Bettina Bötticher aufgeschnappt –

Heute sind cool fliegende Roboter – gesteuert mit Videoplay Knüppeln, die Typen sitzen in Nevada – 9 to 5 – suchen einen Taliban aus – eliminieren ihn – gehen nach hause – und nicht mal die US Army bestellt das – über 70% der Dronen sind inzwischen vom Geheimgienst bestellt und finanziert – es gibt z.Zt. circa 1700 Drohnen unter US Verwaltung – ein Etat viel grösser als alle Militäretats vorher zusammen

schon früh kam mir die Idee, dass es am wichtigsten sei dass: 1. kein Krieg, 2. keine Diktatur herrsche. So bin ich mit diesem Gedanken seit 1959 aufgemacht und war zufrieden. Beides hatte ich als Kriegskind bewusst oder unbewusst erlebt – obwohl ich zum Ende WW2 erst 5 Jahre  alt war.  Auch heute habe ich einen Horror in Ländern wo dieser Zustand

 

herrschte – z.B. in Algerien, wohin ein Sabena Flug wegen Streiks uns verschlug auf dem Rückflug aus Gambia nach Brüssel. Schon bei der Ankunft empfingen uns finster blickende Polizei -Gestalten mit MP’ s – ganz wie bei der Autofahrt nach Berlin an der Zonengrenze – werde ich nie vergessen..

Was natürlich beim Überleben hilft, ist die Einsicht, dass alles neben der schlechten auch die GUTE Seite hat. Für mich ist es ein Wunder – z.Bs. – dass De Gaulle und Adenauer geschafft haben den ewigen Krieg zwischen ‚Old Germany‘ und France zu enden – ja sogar Freundschaft herzustellen und Reisen / Geschäfte zu befördern. ‚God bless them‘ !

Am Ende kommt es eigentlich nur darauf an, ob man final oder kausal denkt.  Das Finale liegt mir mehr, und ich bedaure alle kausal Denkenden. Was für eine arme Welt! – Wie wird /dann man die ewige Frage beantwortet: woher kommen wir – wo bin  ich – wohin gehen wir – ich kann kaum nachvollziehen, wie man ohne diese Fragen ein anständiges Leben führen kann!

Zwischenbemerkung: haben Sie schon mal bedacht – gedanklich durchgearbeitet, was es bedeutet mit kausalem Denken gestresst zu sein – mit allen Folgen wie Stroke oder Herzinfarkt – oder final denkend immer wieder eine große Gelassenheit zu erreichen – (weil es ja noch so viel Zeit – so viele Leben zu führen gilt – in 20.000 Jahren – ein neues Äon – kann man immer wieder sich neu “ermannen” um dem Zeil entgegen zu kommen. “Cool wa?” (sounds Berlin talk…)

 

Das assoziative Denken ist der erste Schritt zur Besserung – leider denke ich, dass 99 % aller Leser mir nicht zustimmen werden – oft aus Bildungsmangel – wird wem kann ich schon über die 3 Wahrheiten von Felix in der Pädagogischen Provinz? he? diskutieren. Schade – (für Illiteraten: J.W. von Goethe: Wilhelm Meisters Wanderjahre –

seid ihr schon bei mir? – wie ist es mit der Liebe zu Ttristam Shandy – Cervantes (Don Quixote – lol) – Grimmelshausen – oder auch Eulenspiegel? – es gibt nichts schöneres als mit dem ollen  Geist in der Landschaft rum zu springen – z.B. wie auf einer Ebene die Gedanken wandern zu lassen – z.B. Anna, (meine Älteste ) – der Krieg in Mali – (neben Gedanke…) scheiß Taliban – allein schon wegen der Beschneidung der Töchter – vor mich ein Grund mich für mein Man sein zu schämen – vielleicht sollte man die Männer abschaffen – Frauen sind oft eklig zu den Männern, aber sie haben keine böse Geschichte für Kriege, Folterungen, Autodafé usw. – doch brauchen Sie uns offensichtlich nicht – (ficken tut not) – für beide die Quintessenz des Ying & Jang – bei den Griechen gab es den  Wunsch, dass nach der Trennung von Mann und Frau nach der Vertreibung aus dem Paradies – man dafür kämpfen sollte die Geschlechter wieder vereinen , zusammen geführten sollte – Ying Jang

Geschichte miterleben – ich durfte!

Wenn ich zurückblicke, kommen mir immer wieder Bilder vor Augen, wo ich wichtige Ereignisse miterleben durfte. Ein cooles Gefühl, das mich in den Strom der Geschichte “woher kommen wir, wer sind wir, wohin gehen wir” einbettet. Ohne dieses Gefühl könnte ich nicht leben.

Die Abfolge ist mal nicht ganz chronologisch. Weil mein Vater die Kinder der eben geheirateten Frau -adoptieren wollte – dafür war in der Nazi-Zeit ein Arier Nachweis nötig, weiß ich mehr als sonst bekannt über die eigene Historie.

Der Ahn väterlicherseits war Müller in Jena – die Mühle war ein vielbesuchter Ort von Goethe – es gab wohl auch einen guten Ausschank!. Ebenso ein Baumschulenbesitzer, Großvater meines Vaters – in der Lausitz. Von seinen Baumschulen kamen ca 90 % aller Alleebäume in Preußen.

Mütterlicherseits geht das Arnim’ sche Geschlecht auf das 12 Jahrhundert, wo ein Ritter eine wichtige Brücke verteidigte und dafür vom Kaiser geadelt wurde und ebenso große Güter erhielt.

Als ich kommen wollte, hat die Hebamme den Vater angerufen- damals Chefredakteur der Deutschen Allgemeinen Zeitung – die wichtigste internationale Zeitung Deutschlands – mein Vater geriet oft wegen der Artikel mit Goebbels aneinander – (siehe Autobiographie” Mit Kommentar”) – der  benachrichtigte – es war 1 Uhr früh – den Freund – Chefarzt der Berliner Charité – und beide fuhren von Berlin nach Ragow – Spreewald – ohne nicht eine Kiste Heidsiek Champagner zu vergessen.

Ragow gehörte meiner Großmutter – das Vermögen stammte von dem alten Riebeck, Die riebeck’schen Montanwerke – eine Teerverarbeitung, welche der alte Riebeck gegründet hatte – (heute sind daraus z.B. BASF und Bayer, Höchst entstanden) – also der Urahn bedachte jede der Töchter mit einer Mitgift von 1 Million Goldgulden, womit das Ragow’sche Gut von meinem Urgroßvater gekauft werden konnte, denn als 2. Sohn erbte er nichts und hätte – nach preußischer Tradition Offizier werden sollen. Das war er auch vorerst, und wurde dann Hofherr beim Kaiser und seine Frau Hofdame – als Kind bin mich mit der Mutter oft nach Potsdam gefahren um sie zu besuchen.

Als die Situation zwischen Chefredakteur Vater und Goebbels unhaltbar wurde, es hieß er solle, um das zu beenden zur Organisation Todt eingezogen werden – meist ein sicherer Tod der Soldaten – hat ein alter Marinekamerad ihn dorthin requiriert – erst half noch wenn die Nazi-Schreiberlinge auftauchten, dass er schnell die Kapitänsuniform anzog, später übernahm er dann das Kommando über einen Minenleger –  ich durfte ihn in Saßnitz besuchen, und seine Kapitänskajüte sehen – später hat mein Vater mit dem Schiff aus Königsberg Tausende gerettet – schlauer als andere nahm er die nördliche Route, kein Leben ging verloren —

Mein Leben zwischen 0 und 5 Jahren war ein ständiges Reisen zwischen Berlin, Ragow (dem Gut der Großmutter) und Rittgarten (dem Gut des Großvaters – Stammsitz der Arnims in der Uckermark) – Der Großvater hatte wieder geheiratet und eine von Treskow erkoren, Agnes. Ihr Vater war Henning von Treskow – einer der Hauptverschwörer des 20. Juli Attentates. Mit seiner Tochter Heidi habe ich in Rittgarten – wir waren 4-5 Jahre alt – viel gespielt. (eine erste Liebe?)

Auf Rittgarten trafen sich oft die “Verschwörer” – ohne ‘Wissen des Großvaters – er war Landeshauptmann, und musste natürlich in die Partei eintreten, um seine Pflichten als “Vater” der Menschen in Brandenburg erfüllen zu können. Die Sorge für die Menschen war ihm wichtiger als das Unvermögen als Parteiloser nicht mehr helfen zu können – man darf dabei auch nicht vergessen, dass die Nazis zum erste Mal eine Garantie für den Weizenankauf zum Festpreis boten – vorher wurde – so erzählt meine Familie – wegen Dürre – die Mutter erzählt oft, dass der Großvater oft zur Frau sagte – “und du wirst sehen, der Regen kommt nicht über die Spree” – was hieß, dass die Ernte mager war – die Ernte “auf dem Halm” an englische Broker zu geringen Preisen verkauft.

Als alles aufflog, Hitler das Attentat überstanden hatte – erst hieß es wäre geglückt – mein Vater telefonierte beglückt – gottseidank wurde das nie abgehört. Sonst wäre sein Schicksal auch Plötzensee gewesen.

Die Flucht. Im Radio hörte man, die Russen seien nur 24 Stunden von hier – mit Treckern ging es nach Westen – Schleswig Holstein. Im Morgengrauen runter von den Anhängern – britische Tiefflieger brummten immer näher – ich erinnere aus den Straßengräben schauend die Sandfontänen der MG Garben.

In Holstein gab es nur Strohlager – nebenan lagen geflohene SS Soldaten aus Lettland – so jung hatten sie Soldaten werden müssen – und es hieß, entweder tretet ihr ein oder werdet erschossen – sie brachten Ruhr mit – meine Mutter konnte mich im letzten Moment zu einem Arzt bringen – mit den Resten der Darmerkrankung habe ich heute noch zu tun –

Im späteren Weg besuchte ich 13 verschiedene Schulen.

1945 – immer noch  in Hamburg sah ich Riensberg – Crewkamerad des Vaters aus dem 1. Weltkrieg, der Hapag LLoyd leitete.

1946 in Rüspe / Sauerland wo der alte Steinmüller wohnte, der eine weltbekannte Dampfkesselfabrik in Gummersbach besaß.

1949 Stuttgart durch meine Mutter kam ich in das Haus von Dr. Diehl, ein begnadeter Arzt, der u.a. den berühmten Dirigenten Schuricht und Celibidache  später  durfte ich die beiden Dirigenten ins Hotel fahren und C. in Siena  beim Konzert lauschen.

1953 kam ich nach Reisterstown/ Maryland / USA. Die Schwester des Vaters und deren Mann Walter Landau hatten mich eingeladen. Dr. W. Landau war Entwickler von Dramamine – ein Medikament gegen Seekrankheit im Auftrag der Regierung, um den Soldaten die Überfahrt im WW2 leichter zu machen.

1958 – der Führerschein. Erfreut ließ sich mein Vater nun zu den Cocktail Empfängen kutschieren. Einmal sprach ich länger mit Willi Brand – groß, stattlich und mit gerötetem Gesicht – auf diesen Empfängen – z.B. vom Britischen Botschafter eingeladen, wurde viel getrunken.

1960 Studium in Wien.  Abends nach dem Hawelka fand sich eine Kartenrunde, in der auch die Frau von Robert Jung  erschien. Ihn selbst kannte ich nur per Radiointerview –

Der große Sternmarsch auf Bonn” am 11. Mai 1968 war ein Ereignis, dass nicht verpasst werden durfte.

1970 Ausstellung auf dem Kölner Kunstmarkt. Zum ersten Mal  wurden hier “Kopfbilder” von Baselitz gezeigt, er war begeistert, dass sich jemand für diese Bilder interessierte als ich ihn auf seiner Burg bei Darmstadt besuchte. In dieser Zeit brachte mich der Kunsthändler Dahlem zu Beuys, wo wir über Anthroposophie diskutierten. Das 24 Stunden Happening in Wuppertal war dann ein Ereignis.

Später gelang es, das wunderschöne und riesige Bild von Baselitz “Die Große Nacht im Eimer” an den Vorsitzenden des BDI Prof. Stein, zu verkaufen. Wegen des riesigen Formats passte das Bild nicht in Steins modernes Haus. Er kam alle paar Wochen, um einen Earl Gray zu trinken und das Bild zu betrachten. Es hängt jetzt im Ludwig Museum.

1980 gelang es den Rollerskate Boom auf die Wege zu bringen. In einem Jahr verkauften wir in einem winzigen Laden für mehr als 2 Millionen Rollerskates. Im “Stern” erschien ein Artikel mit der Überschrift: Silex, der Rollerpapst von Köln.

1988 wollte ich in Gambia für die Fischer einfache Boote bauen. Dabei  entstand fast eine Freundschaft zum Innenminister.  In Eton erzogen, liebte er die mitgebrachten Bach Cassetten.

1989 begann das Lettland Projekt / Abenteuer.  In Folge war ich auch Februar 1991 in Riga, wo die Sowjetischen Omon Truppen die Stadt Riga – will heissen Lettland – wieder erobern wollten. Ich war im Flieger mit einem Notfallkoffer für den Präsidenten Godmanis. In Riga brannten überall Feuer vor den riesen LKW’ s der Kolchosen, die zum Schutz der Stadt aufgefahren waren. Ich geriet am nächsten Abend in die Nähe der Omon Scharmützel.  Dreimal hätte es mich fast erwischt. Mein Freund Juris Slapins filmte gerade und die Scharfschützen hatten Order auf blinkende  Lichter (der laufenden Kamera) zu schießen.   Volltreffer. Er starb circa 50 m von mir. Dort in Park liegt sein Gedenkstein.

Damit war natürlich auch der Film über den Kurlandkessel, den ZDF vertraglich produzieren wollte, gestorben.

Ich trauere noch um ihn….

Im Zuge unserer Geschäftstätigkeit wurde der nächste Präsident Lettlands – Maris Gailis fast ein Freund.

Ein Intermezzo – 1994 kauften wir ein Haus in LUZ / Algarve. Vorher wohnten wir in einem Feriencenter. Das war im Zuge der Nelkenrevolution von  den  Salazar Oberen aufgelassen und von einem ehemaligen Matrosen requiriert worden. Der neue Besitzer wurde Freund. Der Oberst, der die Nelkenrevolution begonnen hatte, saß bald in Tavira in Haft. Besucht haben wir den Ort, treffen konnte man ihn nicht.

2002 – nach dem Ende meiner Geschäfte – bekam ich die Chance “Facility Manager” im Gloria Theater Köln zu werden. In einem Jahr habe ich den Christopher Street Wagen entworfen und gebaut, bei Events – von mir gestaltet – traf ich …. der meinen Kindern Postkarten signierte.

Nachsatz – 2004 – 2006 habe ich etwa 1260 z.T. großformatige Bilder gemalt und auch 1125 davon verkauft. Sie hängen in Italien, Spanien, Frankreich und England. U.a. hat mir ein Anwalt in Sardinien und ein Lokalbesitzer Lob gesandt.  Das “Große Fressen” hängt noch in seinem Lokal.

La Ciotat, Marseille und die Ballett Schule von Roland Petit

 

Nachdem wir unsere Wohnung in Köln zu einem Superpreis verkauft hatten, zog es uns wieder ans Mittelmeer. Um nicht in einem Touristenort zu landen, wo alle deutsch sprachen, blieb dann La Ciotat. Die Schiffswerft – erst vor kurzem wegen fehlendem Bedarf in Frankreich, die Koreaner schweißten inzwischen billiger, hatten bisher den Touristen Rummel wegen des Krachs der Werften verhindert.

Die Sonnenhungrigen waren fast nur Franzosen, Rentner aus dem Norden, so war, Essen, Nahrung und Sprache Französisch. Der rote VW Bus (T 2) war schnell mit 3 Mädchen und Gepäck vollgepackt. Eifelautobahn, Huxemburg, Nancy, und dann die endlose, schnurgeradeahn, sechsspurige Autobahn Richtung Marseille.

Kurz vor Marseille nach links um La

Ciotat zu erreichen. Ich verlies Köln oft gegen 22 Uhr, und vor La Ciotat erklomm man einen Hügel, und oben sah man plötzlich das blaue Mittelmeer und La Ciotat liegen. Jedes Mal ein ‚mind-blowing‘ Erlebnis. Die Abfahrt ins Tal war so steil, dass man als  Notbremse rechts von der Autobahn eine vierte Spur mit dicken Geröllsteinen angelegt hatte, um LKWs zu bremsen falls deren Bremsen versagten. Kann ja schon mal vorkommen, deshalb dürfen die Steigungen der Autobahnen nicht mehr als 4% betragen. Ältere werden mit ständigem Schilderwald geschützt.

Wir fanden schnell ein Hotel, bald auch ein Haus, das uns gefiel, der Notar, luxuriös antik eingerichtet, übrigens auch wie alle Fach- und Allgemeinärzte, bestellte extra eine Dolmetscherin.

 

Gottseidank hatten wir bald ein Haus mit Garten, der klassischen  Sommerküche, Pinien, Lavendel und einem Gartenhaus zum Vergnügen der Mädchen.

Die Hausverkäufer waren ein elegantes Paar aus Paris, Sorbonne Angehörige, sie mit wilder Afrofrisur, er nackten Füßen in Bootsschuhen, Kaki Hosen, schwarzem T-Shirt und schicken Blazer. Cool! Sie luden uns zum Austern Dinner ein, auch die Mädchen schlürften.

Das Grundstück hatte überall – gut versteckt – Tröpfchen Bewässerung, und all der Kram der nicht mit zurück nach Paris ging, diente uns noch Jahre später als auch wir das Haus wieder verkauft hatten und in Köln waren. Ein Schlauchboot mit 8 PS Evinrude, gute Angeln, ein Mountainbike, das ich auch 10 Jahre später noch fuhr usw.

Das Haus selbst war zweistöckig. Unten Eingangswohnraum, Wintergarten und klassische Küche in deren riesigem Kamin nun der Elektro-Herd stand. Oben kleines Zimmer für die Kids, um es schön zu machen mit schicker Tapete musste ich alles dreimal wieder abreißen und neu kleben. Dann Mittelzimmer für all die Kleider und am Ende das Schlafzimmer, davor ein große Sonnenterasse. Provencalisch sollte es aussehen, also gab es die obligaten Streifen an der Wand.

Wie überall im Süden wurden die Häuserwände nicht mit Beton gegossen, sondern aus Hohlziegeln gemauert. Meist verwendet Mehrlochziegel,  in La Ciotat waren die Wände billig aus Einlochtiegeln. Wohl billig, weil es sich um Häuser für die Arbeiter der Werft handelte.

Die riesige Werft hat eine neue Nutzung als Schiffsdock für Reparatur und Neubau mächtiger Yachten – auch die Ocean Racing Millionenyachten werden hier gemaut, ausgestatten und repariert.

Nachdem der Strom bei der EDF angemeldet war, konnte man mit der Quittung der Überweisung alles andere erledigen. Auch die Anmeldung zur Schule und Crèche (Kindergarten) Ecole Maternelle usw. Also zuerst die Älteste zur Schule, der Weg war nicht weit aber etwas gruselig, denn wegen der Attentate war auch die Schule wie alle öffentlichen Gebäude  weit räumig von Gittern und Polizisten abgesperrt. Nachmittags gingen wir oft in ein Café am Hafen. Die Kinder aßen Sandwiches und wir Salade Nicoise, mit Thunfisch, Oliven und Ei. Bald waren wir Stammkunden. Die Besitzerin war allein mit einem kleinen Sohn und immer gut drauf. Die Musik war cool und französisch – besonders liebten wir Celine Dion.

In der Zeitung fand meine Frau einen Hinweis: zu Ostern sind alle Kinder zu der Ballettschule Roland Petit in Marseille eingeladen zu einem Workshop “Ballett Kennenlernen und Eignung prüfen”. Tochter Anna schien so talentiert, dass die Lehrerin uns dringend bat, sie anzumelden. Eine große Ehre, denn Schüler konnten nur gerufen werden – wir taten das. Da die Fahrt von La Ciotal 1 h dauerte zogen wir also um nach Marseille und fanden eine Wohnung in einer der alten Windmühlen auf dem Viertel Le Panier.

Vor 2.000 Jahren von den Griechen gegründet, ist es das älteste Viertel von Marseille.

Treppen rauf, Treppen runter – die Kinder rutschen lieber. Spielen und  Fahrradfahren.

Am Place de Lenche – oft waren wir hier – und aßen zu Mittag oder abends in einer kleinen Bar.

Blick von unserer Terrasse, die Wohnung lag oben in einer der alten Windmühlen aus dem 16. Jahrhundert. Da damals Holz Mangelware war, wurden oft Reste aus abgewrackten Segelschiffen verwendet.

Stadtcentrum, der Alte Hafen mit Fähren zur anderen Seite – wir wohnten gegenüber, aber Esther und Kitty lernten Ballett auf dieser Seilte – die Fähren kamen gerade recht

Direkt am Hafen: Jazz Restaurant – gutes Essen, gute Jazzband, auch die Mädchen mochten es hier.

Typische Straße – eng und mit vielen Läden.

Am Hafen stand ein altes riesiges und bunt bemaltes Karussell.

Mit Musik rumfahren – die  Pferde gehen hoch und runter – ein fester Platz in Marseille.

Mein kurzes glückliches Leben als Maler

Mit 60 war längst klar, dass ich immer malen wollte aber auch klar, dass ich es nicht konnte.

Doch dieses  Problem hat das Gloria-Theater  gelöst. Ich war dort Hausmeister und bei der Deko für eine Sommerfest Party wand ich im Deko-Lager große Mallen weisen Stoffs.

Gesagt getan, ich schnitt Stücke 130 x 250 cm davon ab, stellte die Töpfe mit Acryl mit den Farben die ich fand vor mich hin, nahm große Pinsel und holte aus. Bei dieser Größe muss man schnell und schwungvoll malen.

Ich erinnerte plötzlich einen Freund früher in Berlin, der für Kino Anzeigeflächen Monster Filmanzeigen gemalt hatte, wobei ich oft zusah. Mit einer breiten Pinselbürste und schwungvollem Ausholen entstand so “Vom Winde Verweht” in der Größe 5 mal 10 Meter. Um bei Ebay in der Menge überhaupt gesehen zu werden, musste man viel mehr Geld für eine Vorzugsstellung ausgeben.  Sonst kein Verkauf. In den drei Jahren malte ich 1.234 Bilder und verkaufte davon 1.108 Stück.

Irgendwann war auch das zu ende. Als ich anfing gab es bei Gemälden etwa 1.000 gleichzeitig – nach 3 Jahren waren es  dann ca 4.000. Da fielen dann auch die Verkäufe unter ein kalkulierbares Maß.

Das Ende meiner Malerkarriere.

Meine geliebten Autos

Ford_Taunus_1953

Mein 1. Auto – den Führerschein bekam ich nach 3 Stunden Praxis – der Prüfer meinte, ich wäre wohl schon früher illegal gefahren – recht hatte er – Traktoren mit 7 Jahren in den Sommerferien auf einem Gut Douglas am Bodensee –.

Das Auto war mein wirkliches Zuhause – die ersten Lieben – die Rückenlehne klappte roch zum Bett, lange langsame Reisen – 105 kmh mit wackelider Lenkung, stundenlange Reparaturen, z.B. Getriebe ausbauen und 2. Gang Zahnrad auswechseln –

Renault_Dauphine_1960

Das 2. Auto:

ein allerliebstes Gefährt – Reckmotor, klein und doch 4 Türen, 1. große Reise zu viert Berlin nach Nizza – es  gab noch keine Autobahn nach Süden, nur die Route Nationale – die war auch schön breit – mit etwas Hupen und Technik fuhr ich am 1. August – Ferien in FR – immer auf der nicht vorhandenen Mittelspur – . Berlin 6 Uhr los, Genf  29 h, Nizza 4 h am nächsten Tag – nachts in der Provence zum 1. mal ein nie gesehener Sternhimmel mit der Milchstraße – strahlend über dem kleinen Schiebedach.

Citroen DS 1955

Das 3. Auto:

Wir hatten gerade die Galerie Tobiès & Silex gegründet. Neben Kunst war ein Schwerpunkt Jugendstil. Alle 2 Wochen hasten wir zum Flohmarkt montags in Paris.  Hauptsächlich Glas, Vasen, Teller, Lampen oder auch Möbel. Sonntags angekommen, hatten wir ein kleines Hotel in der Nähe von dem berühmten Café “Aux deux Magot” (in den 30er Jahren Hemingway, Bicasso, etc). Um die Ecke Couscous. Auf der Heimfahrt längs der Mosel – Autobahn gab es noch nicht – merkte ich im dunkeln (Überschwemmung der Mosel), dass wir durch Wasser fuhren. Mit dem Hebel links konnte man die DS 30 cm hoch stellen und so unbeschadet weiterfahren.

Volvo_544

Das 4. Auto:

Die Göttin (deesse) gab ihnen Geist auf und in Paris wurde Jugendstil dank großer US Aufkäufer unbezahlbar. Also nun Art Deco! – Noch kaum erfasst konnten wir in Brüssel die schönsten Lalique Vasen, Lampen, Glasartikel sehr billig kaufen. Zum Flohmarkt in Brüssel, den Volvo vollgeladen – dank großer Heckklappe und hochklappbarer Rückbank war sogar für Möbel Platz. Kaum in der Galerie zurück – den Sammler in Hamburg angerufen (Designer des STERN mit Villa an der Alster) – große Freude für beide – wir über die Preise – EK 50.- DM – VK 350.– DM ein Tag später – wir froh über Umsatz und er froh über neue Objekte für seine Sammlung/Privatmuseum die er sonst nie gefunden hatte.  Art Deco war noch kein Begriff im Handel.

Alfa Romeo-Giulia_Sprint_GT_Veloce

Das 5. Auto:

Ein kurzer schöner Traum. Bei Auto Becker in Düsseldorf gebraucht gekauft. Wenige Monate Angeber Traum für die Seele. Leider erfuhr ich zu stät, dass die Öl Kanäle des Motors extrem  dünn sind – vor dem Losfahren sollte man mindestens 5 Minuten den Motor warmlaufen lassen um das Motoröl dünnflüssiger zu machen. In der Hitze eines italienischen Sommers natürlich nicht nötig. Also der Öldruck  fiel ständig und Verkauf vor Totalschaden. Das tat richtig weh!

vw-kaefer

Das 6. Auro:

Immer gut schließende Türen, bequeme große Sitze,  ohne Kochen da luftgekühlt zügig über den Gotthard, äußerst scharf über die Corniche bei Nuzza gehetzt entfuhr einem Anhalter ob ich wohl hinten den Motor gegen Porsche getauscht hatte (gab‘ s öfter, nur die Heckklappe stand dann halb auf) – Geschenk der Eltern, sonst kaum meine Wahl. Das Schiebebach machte es erträglich – besonders beim abendlichen flanieren als “Ringadriger”

 

Admiral_2.8_E

Das 7. Auto:

Opels Antwort auf die wunderbaren Mami Schlitten.  Riesig, cool, und dank der De Dion Hinterachse auf Landstraßen mit 260 PS immer der 1. Ich erinnere eine Fahrt Köln – Madrid im Winter (Abstecher nach Mont Segur um die letzte Festung der Katharer zu besteigen) – in den Bergen vor Saragossa Tiefschnee  – mein lieber Admiral zog auch ohne Ketten an allen vorbei.

Nach Kerouac “On The Road” war das Ziel nicht so wichtig, sondern das “Fahren”. Lange Fahrten – etwa Köln – Algarve 41 Stunden, oder Berlin Nizza 31 h. Wow!. Einmal begriff ein japanischer Anhalter das auf einer langen Nachtfahrt Berlin Köln: jetzt verstehe ich was Kerouac meint…

Jaguar E Fiberglas Klone

Das 8. Auto:

Dieser Jaguar E Klone mit Mord Anglia Chassis und Fiberglas Aufbau stammte aus einer von fast 100 kleinen Autoschmieden in der 50er und 60er Jahren in England. Sportliches Fahren zum mini Preis. Niedrig fast wie im Go Kart, direkte Lenkung, röhrender Auspuff, ein königliches Gefühl. Er fuhr wohl nur 120 kmh, aber das Gefühl war immens ! Eine Fahrt ins Sauerland zu meinen Eltern (machten dort Ferien) blieb besonders in Erinnerung.

Ich hatte mich mal wieder “unsterblich” verliebt – die Tochter W. des großen Verlegers B. – und wollte sie den Eltern zwecks Heirat vorstellen. Mit W. verband mich ein schräges Verhältnis – wir siezten uns, schrieben uns täglich Briefe im Stil von Bettina von Arnim, natürlich kein Sex vor der Ehe – alles sehr romantisch.

Am Ende wurde nichts daraus – jemand fuhr den Wagen zu Schrott – diese Heirat wäre wohl auch zu Anstrengend gewesen—

Bedford_1960

Das 9. Auto:

Der englische Ford Bedford Van. Mehr Transport wurde gebraucht zur Boom Zeit 1979 – 1985 von Skateboards, Rollerskates und BMX Rädern. Erheblich grösser und komfortabler als der deutsche Ford. Man konnte im Verkehr wartend leicht über alle PKW’ s schauen – großer Frustabbau beim Warten in der Schlange. Chick mit BLUE DIAMOND beschriftet war der Van in Köln bald bekannt wie ein bunter Hund. Die BMX Kids brachte ich zu ausgesuchten Waldstrecken zu Rennen.

Wenn meine geliebte Engländerin und ich mal wieder nach “Kleinköln” und “Drachenburg” in der Altstadt zu zufiel ins Kölsch geschaut hatten, fuhr sie uns mit Bravour mit dem doch großen VAN nach Hause. Ohne Schrammen in engen Gassen!

 

1968_Mercury_Park_Lane_Brougham

Das 10.  Auto:

.  Als die Belgier eine riesen Luxussteuer einführten, gab es diese Schiffe billig. 5 Liter Hubraum, 350 PS -Wow! In der Stadt brauchte man nur den 2. Gang mit extrem niedriger Drehzahl.  Meine Skating Jungs Max und Mars liebten es mal so richtig damit anzugeben – auf dem Ring, zur Schule usw.

Als mein Vater gestorben war, kümmerte ich mich noch mehr um die Mutter. Mindestens einmal pro Woche fuhr ich mit ihr den ganzen Tag spazieren – nach Holland, Belgien usw. Für diese Reisen war der Mercury doch zu groß und unhandlich. Also musste er einem langweiligen BMW weichen.

Eine coole Eigenschaft des Mercury – wenn man im Winter vergessen hatte Frostschutz einzufüllen, flogen aus jedem Zylinder Stahl Pfropfen raus – der Motor blieb heil. Max, dessen Mutter an der Uni war, schaffte es die Pfropfen nach drehen zu lassen und der M. fuhr wieder.

VW-Bus-T2-L-vor  Vw_bus_t2b

Mein 11. Auto:

Mit 3 kleinen lieben Mädchen war der Bulli nach wenigen Umbauten für lange Reisen nach England, Frankreich, Spanien und Portugal but geeignet. Hinter die Rückbank kam das Gepäck was das Motorgeräusch leisen machte, die Sitze konnte man umdrehen (es war die Luxus Business Version) – auf den linken Sitz umgedreht kam ein Brett mit Matratze, statt des Rechten fand sich ein Campingklo. So konnten wir ohne Anzuhalten bis nach Portugal / Algarve 41 h fast durchfahlen. Im Angebot war damals nur ein Diesel der nur 110 kmh fuhr – lästig bei den langen Strecken!

Schön waren auch die Besuche bei den Großeltern in England – 5 – 6 h Fähre von Ostende noch Dover – die Kinder schliefen in der gebuchten Kabine und wir aßen schick im Schiffsrestaurant. Cool eh?

 

Citroen_ SM

Das 12. Auto:

Nachdem die Älteste in der berühmten Ballettschule von Roland Petit in Marseille aufgenommen war, und der VW Bus immer wieder Macken katte, ließ ich mich zu diesem Luxus verleiten. Nachts, auf leeren Autobahnen schaffte ich dann auch Köln – Marseille in 9 Stunden. Durchschnitt 190 kmh. Das hat schon Spaß gemacht! Ich erinnere auch eine Fahrt von der Wohnung in einer alten Mühle im Viertel von Marseille Le Panier nach Luz / Algarve um den Verkaufsvertrag zu unterschreiben. Etwa bei Barcelona  hieß es: Ich will noch ein Kind! – So kam das vierte Kind ein Junge nach 3 Mädchen zu uns.

 

Vespa 125

Interregnum:

Mit meinem alten Führerschein von 1958 konnte ich diese Vespa fahren.  In Köln sehr wendig – nie Parkplatz sorgen, morgens den Sohn zur Schule – einfach auf den Bürgersteig wenn Müllautos die Straße sperrten – riesen Freude beim Beifahrer –  oder auch längere Strecken zum Campingplatz am Rhein – usw.

 

Das 13. Auto:

T 3 Bus, 2.3 Liter – wassergekühlt, bequeme Reisegeschwindigkeit 145 kmh – Komfort Sitze, Achsverbreiterung, dicke Socken – CP Funk – ich musste immer  ca 5-6 Zulassungsscheine mit schleppen für die Polypen!

2 lange Reisen nach Lettland via Fähre Travemünde – Liepaja – endlich in meiner geistigen Heimat – wie einst in Rittgarten/ Uckerwark: Sand, Birken, Kiefern. Meine Geistige Heimat Lettland.

1998 fuhr ich mit einem Lettischen Freund mit dem Schiff von Travemünde nach Riga.

Wir waren von Juris Janeks – einem Mitglied des obersten Sovjets in Moskau – und Verwalter des Bezirks Liepaja mit 300.000 Hektar, eingeladen worden, die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise dort ein zu führen.

Die Fahrt nach Liepaja erinnerte mich so stark an meine Heimat, die Uckermark, der Sandboden, die Kiefern, die Birken, die leeren Straßen, dass ich nur mit tränendem Blick die Schönheiten sehen konnte.

Der Hafen, die alten Häuser, die Schösser der baltischen Barone, eine Schwester meines Großvaters hatte einen Balten geheiratet.

Janeks war begeistert, in den nächsten 4 Jahren war ich oft dort.

Bald gab es einen Kleinen Verein in Köln.

Zuerst schickten wir LKW voll medizinischen Geräten wie Skalpelle usw. für das Kinderkrankenhaus Riga, 2.000 Betten. Dann Melkgräte für die Bauern, bald gab es etwa 80 Bauern, die bio-dyn arbeiteten.

Dann kam 1991

Die SU gab es nicht mehr. Lettland war frei. Doch im Januar sollte das rückgängig gemacht werden. In Litauen waren 8 Studenten beim Protestmarsch mit Panzern überrollt worden.

Ich flog nach Riga um für den Präsidenten einen Notwallkoffer zu bringen. Es war Abend. Überall gab es Panzersperren aus Holz, Betonblöcken und riesigen LKW von den Kolchosen

Kurz, ich kam von außerhalb, es wurde überall von Omon Scharfschützen geschossen. Drei Mal hätte es auch mich erwischt. Mein bester Freund, der Dokumentarfilmer fand den Tod.

Die Omon Schützen hatten den Befehl auf Rot blinkende Lämpchen zu schießen. Die Filmkameras.

13.9.2007 mein Geburtstag

Seit ich 13 war, habe ich den größten (ich würde lieber ß schreiben, aber die neue Deutsche Budenschreibweise verbietet das) Teil meiner Gedanken, meines Lebens damit verbracht das andere ( die “holde” – so war es für mich immer -Weiblichkeit zu lieben, ohne es nicht leben zu können, mich ihm zur Verfügung zu stellen, und zu erahnen, wie sie “ticken” – kein Erfolg – außer dass ich nun heute weiß, dass sie anders, für Männer unberechenbar – fast immer besser in ihren Entscheidungen ( welche Frau hat einen Krieg begonnen? welche Frau hat durch Ehrgeiz und Machtgelüste Millionen Menschen umgebracht, verhungern lassen, gibt es etwa eine in Israel angeklagte Frau Eichmann? usw. die Liste ist ins Unendliche zu verlängern) – ohne das hätte ich heute keine 4 liebenswerte Kinder gezeugt und wäre ein alternder Hagestolz – ohne dass hätte ich nicht glückliche Jahre in der Algarve, in Hohn/Münstereifel (wo wir ein Haus mit 6.000 qm Land – incl. Garten, Wald, See, Pferdeweide, Eiachstraktor mit Anhänger ( mit dem wir Ausflüge machten – die Kinder festgeschnallt auf dem Hänger, mit dem ich selbst geschlagene Bäume transportiert um daraus mit einer Kettensäge Pfosten für den Weidezaun für unser Camargue Pferde zu machen, zuzuspitzen um sie in – in mit einer 1,50 m Eisenstange gebohrte Löcher mit einem riesigen Vorschlaghammer einzusetzen – und auch in La Ciotat und Marseille, wo die Tochter Anna bei Roland Petit in der 3. besten Ballettschule der Welt (nach Petersburg und London) – ihre Übungen machte ( wir hatten eigentlich nur vor ein Paques (Oster) Try Out mitzumachen, aber die Ballettlehrerinnen waren von Anna’ s (damals 6 Jahre alt) Beweglichkeit und Rhythmusverständnis so begeistert, dass sie uns inständig baten, Anna doch anzumelden, was ein immenser Vorzug war, denn da die Ballettschule staatlich betrieben wurde, konnten sie auswählen – es waren dort Eltern mit Kindern aus allen Ländern Europas – denn diese neue Ballettausbildung kam ohne die hässlichen blutenden Füße und Schläge der englischen oder noch vielmehr Petersburger Ballettausbildung aus –

Dieser Bandwurmsatz hat mich endgültig geschafft – ich kann ihn nicht beenden – neue stehen vor der Tür (dem konfusen Bewusstsein des 66 jährigen – ich muss mich erst langsam an dieses Empfinden gewöhnen –)

Das war eine lange Einleitung um zu den Elementarwesen zurück zu kommen – beim Rumfahren mit der – jetzt so geliebte Vespa – ich fand plötzlich raus, dass ich mit meinem vor 1980 erhaltenen PKW Führerschein 125 ccm eines Rollers oder Motorrads fahren durfte – also mit der GELIEBTEN VESPA 125 ccm – fuhr ich in der Gegend von Stevenweert über die Dörfer – auch nach Linnee – einem Ort nahe der Maas Schleuse nach Roermond – die Undinen leben und sind sichtbar in den Bildern des Wassers – der Fischsteige, der Überläufe – erst da habe ich all’ die WUNDERVOLLEN Gedanken zur “holden” Weiblichkeit endgültig von diesen Undinen in meine Seele einfließen lassen können – siehe die Filme –

.Begegnung mit Roma

In Köln, Portugal und St. Maries de la Mer habe ich viele Zigeuner kennen und schätzen gelernt. Jetzt wo ich in Stuttgart lebe freut es mich besonders, dass die Grünen hier herrschen und auch das die Unterstützung dieser Minderheit der Zigeuner in Gang gekommen ist.

Nicht nur, das ich immer mit den Unterdrückten fühlte, aber diese Kultur, wild, archaisch und von Musik und Freiheit bestimmt hat mich mein Leben lang in den Bann gezogen. Mein Zuhause war seit ich Fahren durfte mein Auto. Nicht irgend  ein Haus oder Wohnung. Oft habe ich in meiner Geschichte geforscht, ob es nicht doch einen kleinen Seitensprung in der Familie gab, der auf Indien kam. (Herkunft der Zigeuner – aus der Sanskrit Zeit)

Die ersten Begegnungen waren in Köln 1970. Meine Freundin trank nicht, tanzte nicht und so ging ich oft abends allein aus. Am Ring gab es damals Das Happy Day, ein riesen Saal, Mischung aus Disco und Säufer Kneipe. Ich lernte viele Teppichhändler kennen, trank viel mit diesen fröhlichen und oft sehr dicken Menschen, unvorsichtiger Weise nannte ich mal meine Adresse, worauf ich Mühe hatte am nächsten Morgen den mit Perserteppichen beladenen “Freund” von gestern wieder ab zu schüttelt.

 

Oft min ich im Sommer gegen 7 Uhr morgens mit dem Fahrrad stundenlang  rum gefahren.  Auf den abgemähten Wiesen hinter dem Westfriedhof  standen dann viele Zigeuner Wohnwagen. Die Frauen wuschen ab und kochten unter den Vorzelten.

Auf den Straßen sah man immer wieder “fliegende” Teppichhändler.

So wie es wärmer wurde, trieb ich mich in den Parks rum. Ich war auch immer am liebsten draußen – unter freiem Himmel. Die Roma auch.

 

Leider ist heute 2015 die Situation nicht mehr so liberal. Die Reichen sind reicher, die Armen ärmer geworden. Da wird man konservativ und engstirnig.

Obdachlose und Zigeuner raus aus der Innenstadt Köln. ” Jetzt wird nur noch gekauft”.

Dienstag, September 11, 2007

Gestern Abend fur ich mit der Vespa durch Köln um für die Website meines Freundes Peter KleinertzFotos zu finden und erreichte gegen 8 Uhr die Rheinwiesen Poll. Es war schon fast dunkel – die Sonne kaum über dem Horzont – die Büsche am Ufer, ein Flecken Grass -.

Ich stand lange und schaute dem Wiegen der Gräser zu – alles fiel ab – eine zufriedene Seele – erinnern an die geliebten Elementarwesen – durch die Gräser sprachen sie zu mir – bildhaft besser imaginativ – nur ein kleiner Fleck zwischen Steinen und Sand – die lieben Elfen und Grassfeen.

Mittwoch, November 22, 2006

EINE NEUE TÄTIGKEIT
Während langer Zeiten meines Lebens habe ich immer wieder versucht mein Sosein durch Erleben meiner Vergangenheit und der Familiengeschichte zu begreifen – sichtbar zu machen – mich in den Strom einzufügen – dazu gehörte auch, daß ich die konkrete Schuld des Dritten Reiches nicht auf Vorgänger schob, sondern mittrug – nur natürlich, wenn ich mich nicht geschichtslos sehen / fühlen wollte. Einer der besonders wunden Gefühle betraf den Schmerz, wenn ich an den Selbstmord (siehe meine Kindheit) meines Großvaters dachte – kurz vor Ende des Krieges. Nach antroposophischer und auch anderen Erkenntnissen haben es diese Wesen schwer sich von der Erde zu lösen und in ihre geistige Heimat zu gelangen. Mit wehem Herzen fühlte ich diese Seele in dämmrigen Wald /Moor Gegenden leiden. Am Ende des Sees in Rittgarten – seinem Gut?
Endlich ist mir nun Hilfe zuteil geworden – ein Einfall – nach langem Suchen – von meinem Engel – Freunden in der anderen Welt – ich lag nachmittags auf dem Bett – Ellbogen aufgestützt und dachte an ein Gebet für Ihn. Mein Rücken wurde im Kreuz wärmer und ich spührte den Arm Jimmys – mein Sohn ist am Wochende immer bei mir, und das Gefühl, daß er anwesend ist habe ich auch, wenn er nicht da ist. Wenn er eingeschlafen ist, arbeite ich oft noch nachts am PC – schaue ab und an zu ihm – auch wenn er nicht da ist spühre ich ihn – fühle sein Wesen im Bett – schlafend und doch bei mir -. Heute, am Dienstag, war er nicht da – aber die Wärme seines Armes -. Ich rief in Bildern die anderen Kinder und meine Frau dazu – wir formten einen Kreis, nahmen Großvater in die Mitte und beteten das Vaterunser. Endlich wurde mir leicht um Herz beim Gedanken an ihn.

Das Jahr 2014

Jetzt bin ich 75.

Ich lebe wieder in Stuttgart.

Nachdem meine Frau sich scheiden ließ und wieder nach England zog, hatte ich versucht, wieder Kontakt zu meiner Judenliebe her zu stellen.

Das ist 48 Jahre her.

Damals waren beide Eltern gegen eine Verbindung. Keiner weiß warum.

Jetzt hat es geklappt.

Es ist schön wie damals.

Ein glücklicher Segen des Himmels.

Engel müssen geholfen haben.

Wir haben einen großen Garten der biologisch-dynamisch gepflegt ist.

Viel Obst, Beeren, Salat und Gemüse, Bohnen, Gurken usw. kommen aus dem Garten.

Einmal im Jahr machen wir Ferien am Mittelmeer. Salzwasser, Wind und Sonne sind Seelennahrung. Auch die Bräune reicht dann für ein Jahr.

Wie gesagt: Ein glückliches und aufregendes LEBEN.

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