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Bogomilen
https://de.wikipedia.org/wiki/Bogomilen
Die Bogomilen (andere Schreibung: Bogumilen; slawisch: „Gottesfreunde“) waren eine streng asketisch lebende Gemeinschaft mit einem doketistischen, dualistischen Lehrsystem. Der Name der Bewegung ist möglicherweise auf einen legendären bulgarischen Dorfpfarrer namens Bogomil oder Bogumil zurückzuführen (von bulgarisch Богомил „Gottlieb“, aus бог bog „Gott“ und мил mil „lieb“) beziehungsweise auf die zu dieser Zeit herkömmliche slawische Weiheformel Bog milui „Gott erbarme dich“

Das Konavle Tal
Südlich von Dubrovnik, zwischen dem kristallklaren Wasser der Adria und dem Sniježnica Gebirge liegt das Konavle Tal.

Der Küstenort Cavtat am nördlichen Ende des Tals ist die größte Stadt und ein beliebter Urlaubsort. Sein kultureller und historischer Charme wurde durch herrliche Gebäude wie den Rektorenpalast, die Kirche Unserer Lieben Frau vom Schnee und das Franziskanerkloster erhalten.

Das Tal zieht sich bis zur Grenze Montenegros im Süden. Molunat ist der südlichste Punkt an der Kuste. Die anderen 30 Dörfer in der Region liegen im Binnenland, darunter Čilipi am Flughafen von Dubrovnik.

Das Konavle Tal eignet sich bestens zum Radfahren und Wandern entlang von Klippen und durch Felder zu niedlichen kleinen Dörfern. Steilere Hänge gibt es am Sniježnica (mit 1234m der höchste Punkt der Region). Wer sich entspannen möchte, sollte an einer Weinprobe in den Winzereien teilnehmen, die für ihre vollmundigen Cabernet Sauvignon und Merlot Weine bekannt sind.

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Sveta Trojca
Der erste Platz, den wir nach längerer Suche tatsächlich finden, ist ein kleines Kloster aus dem Mittelalter, das etwas verloren auf einer Wiese steht: Sveta Trojca heißt es, „Heilige Dreifaltigkeit“. Klein sind die für uns bedeutsamen Gebäude, die wir auf unserer Reise zu sehen bekommen, fast alle: keine triumphalistischen Herrschaftsgebäude, sondern intime, fast verletzlich anmutende Häuschen, die auf eigentümliche Weise Teil der Landschaft geworden sind.

Kein Mensch ist hier zu sehen, keine Tafel erläutert irgend etwas. Nur der Sommerwind streicht aufmunternd durch das einsame, spärlich besiedelte Tal. Und doch wissen wir: Sveta Trojca war gar kein Ort der Bogumilen – es war ein „Gegen-Ort“. Das Klösterchen wurde im 13. Jahrhundert eigens gegründet, um die „Häresie“ der Bogumilen zurückzudrängen. Daher auch der – ausgesprochen katholische – Name. Die Bogumilen, eine christliche „Häresie“, glaubten nicht an das Dogma der Dreifaltigkeit.

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„Kolo“ bedeutet Kreis

Rituelle Tänze sind darauf zu sehen. Kolo, „Kreis“, heißen diese Tänze bis heute. Es handelte sich aber damals nicht um bloße Folklore. Dargestellt wurde die gemeinsame Bewegung im Rhythmus des Kosmos, angeführt von geistigen Führungspersönlichkeiten, oft etwas größer als die Mittänzer dargestellt. Beschrieben wurden möglicherweise auch Spiralbewegungen, die den Weg der Seele andeuteten: ihre Einverleibung in den menschlichen Körper, aber auch ihren Weg in jenseitige Welten. Die Wiedergeburt wurde von den Bogumilen zwar als Möglichkeit gesehen, nicht aber angestrebt: Ihr Ziel war die Überwindung der Materie, die im gnostischen Sinne als Hervorbringung des „Bösen“ angesehen wurde, also das Freiwerden vom Rad der Wiederverkörperung.

Spirale

Die Steine der Bogumilen sind die lebendigsten Zeugnisse ihrer Epoche. Mehr als 50 000 sollen es noch immer sein, verstreut über Bosnien, die Herzegowina und Kroatien. Weniger als zehn Prozent allerdings nur sind bebildert. Doch diese Bilder vermitteln einen ganzen Kosmos von anrührenden Symbolen, über deren Deutung bis heute keine Klarheit besteht. Unwillkürlich könnte man bei dieser Fülle von Zeugnissen einer untergegangenen christlichen Bewegung an das Jesus-Wort über seine Jünger denken: „Wenn diese aber schweigen, werden die Steine rufen.“

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Zadar

Offiziell war die Stadt zwar katholisch. Aber die Bogumilen hatten damals in Dalmatien durchaus viele Anhänger. 20 Jahre zuvor hatte man sie durch Beschluss einer Synode in Split zwar aus den Küstenstädten vertrieben. Doch im Hinterland gab es noch viele von ihnen.

Die Kreuzritter ließen – bis auf die Kirche – in Zara keinen Stein auf dem anderen, nicht ohne die Stadt zuvor vollständig auszuplündern. Den Winter über unternahmen die katholischen Gotteskrieger noch einige „Strafexpeditionen“ ins Hinterland. Angeblich soll es dem päpstlichen Gesandten Casamaris wenig später sogar gelungen sein, den bosnischen Herzog Kulin Ban, der die Bogumilen tatkräftig unterstützte, auf Geheiß des Papstes zum Abschwören und zur Rückkehr zum katholischen Glauben zu bringen. Prof. Jaliman äußerte jedoch die Ansicht, das Dokument sei nur ein Entwurf gewesen, auf dem die Unterschrift des Herzogs fehle. Möglicherweise wollte Rom durch die Vortäuschung dieser Unterwerfung das katholische Ungarn (zu dem Bosnien damals nominell gehörte) gegen die orthodoxe Reiche der Serben und Bulgaren (die ebenfalls darauf Anspruch erhoben) unterstützen. Doch auch wenn Kulin tatsächlich abgeschworen haben sollte, dann tat er es nur zum Schein. Wenig später war Bosnien wieder fest in bogumilischer Hand.

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Split
So wiederholt sich die Geschichte: Kaiser und Papst bekämpften gemeinsam die katharischen „Ketzer“, so wie später Lutheraner und Katholiken trotz ihrer Glaubenskriege gemeinsam Täufer und „Hexen“ verbrannten. Und so wie Rom (z.B. mit Hilfe der Ungarn) und Byzanz (auch mit Hilfe der orthodoxen Serben) gleichermaßen die bogumilische „Häresie“ bekämpften und bekriegten. Eine „dritte Kraft“ hatte so auf Dauer keine Chance.

Nach einem Streifzug durch die Altstadt steuern wir das Museum kroatischer archäologischer Denkmäler an (nicht zu verwechseln mit dem eher an der Antike orientierten Archäologischen Museum). Unser landeskundlicher Führer hatte rechtzeitig eine Drehgenehmigung für die „alten kroatischen Steine“ eingeholt – wohl wissend, dass es unklug gewesen wäre, nach „Bogumilensteinen“ zu fragen. Warum? Weil in Kroatien vielerorts (auch unter „Gelehrten“) die Meinung vorherrscht, es könne sich nur um kroatische Steine handeln. Andernfalls müsste man nämlich „zugeben“, dass man hier etwas vor sich hat, das weit häufiger noch in Bosnien zu finden ist, das heute von Muslimen bewohnt wird. Oder, noch schlimmer, dass hier eine „ketzerische“ Bewegung am Werk war, die sich zuvor im orthodoxen Serbien verbreitet hatte und die aus Mazedonien oder gar Bulgarien stammt! Aus dem Herzland des Balkan, von dem man sich doch unbedingt distanzieren will!

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– Gorni Seget
Und die Steine? Wir finden sie tatsächlich; allerdings muss man genauer hinsehen. Die weißen Bogumilensteine wurden der Einfachheit halber in die Friedhofsmauer mit eingebaut, einer sogar als Türpfosten für den Friedhofseingang verwendet. Sonne und Mond sind auf einem der Steine zu sehen, laut Kutzli ein „Gralszeichen“: Der Mensch als Gefäß soll die Kraft der inneren Sonne in sich zum Leuchten bringen. Gemeint ist die Christuskraft, auf einem anderen Stein als einfaches Kreuz dargestellt.

Die Bogumilen haben also, ehe sie von dort vertrieben wurden, an der gesamten dalmatinischen Küste ihre Spuren hinterlassen. Am Tag zuvor haben wir – dank Baedeker 10) – sogar wenige Schritte von einem Strand entfernt die typischen Steine gefunden: in Tučepi an der Makarska Riviera. Man biegt von der Hauptstraße ab und hält vor einer kleinen Kirche – und in deren Schatten, unter alten Bäumen, sind sie leicht zu finden. Aber welcher Tourist verirrt sich schon hierher?

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Gorni Seget
Und die Steine? Wir finden sie tatsächlich; allerdings muss man genauer hinsehen. Die weißen Bogumilensteine wurden der Einfachheit halber in die Friedhofsmauer mit eingebaut, einer sogar als Türpfosten für den Friedhofseingang verwendet. Sonne und Mond sind auf einem der Steine zu sehen, laut Kutzli ein „Gralszeichen“: Der Mensch als Gefäß soll die Kraft der inneren Sonne in sich zum Leuchten bringen. Gemeint ist die Christuskraft, auf einem anderen Stein als einfaches Kreuz dargestellt.

Die Bogumilen haben also, ehe sie von dort vertrieben wurden, an der gesamten dalmatinischen Küste ihre Spuren hinterlassen. Am Tag zuvor haben wir – dank Baedeker 10) – sogar wenige Schritte von einem Strand entfernt die typischen Steine gefunden: in Tučepi an der Makarska Riviera. Man biegt von der Hauptstraße ab und hält vor einer kleinen Kirche – und in deren Schatten, unter alten Bäumen, sind sie leicht zu finden. Aber welcher Tourist verirrt sich schon hierher?

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Udora
Auf einem der Kreuze sind Sonne und Mond gleichermaßen zu sehen – möglicherweise ein Symbol für die Sonnenkraft des Christus, die der Mensch, gleich einem Mond, widerspiegeln soll. Ein Kreuz mit einem Halbmond darauf ist aber in dieser Gegend, in der sich Kreuz und Halbmond seit Jahrhunderten feindlich gegenüberstehen, auch eine uralte Aufforderung zur Versöhnung.

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Radimlje – Bosniens größtes Bogumilen-Steinfeld

Was für ein Verhältnis hatten die Bogumilen zum Tod? Mit Sicherheit ein anderes als wir heutigen Menschen. Die materielle Welt war für sie kein irdisches Paradies, sondern eine Folge des Abfalls von Gott. Der menschliche Leib war das äußere Gefängnis ihrer unsterblichen Seele. Hinzu kamen die ständigen äußeren Verfolgungen. Der Tod war für sie das Hinübergehen in eine bessere Welt – zumal dann, wenn sie entsprechend ihrer inneren Bestimmung gelebt hatten. Im Johannesevangelium, das die Bogumilen als einziges der vier Evangelien anerkannten, findet sich der Satz: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Und viele dieser Steine sehen ja aus wie Häuser. Könnte es nicht sein, dass die Bogumilen hierher kamen, weil sie ihre Sehnsucht auf das himmlische Jerusalem richteten?

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