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Kategorie: Mittlemeer

Christoph Silex – Wirrungen der Liebe – Roman – Illostriert

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verwirrungen

 Der Zigeuner

 

Inhalt:

1. Der Zigeuner

2. Das Mädchen Lijia

3. Verwirrungen

Einführung

Bilder

 1. Der Zigeuner

 

 geiger

 

Man schrieb das Jahr 1231.

Das Meer war aufgewühlt, und auf den Wellen tanzte ein kleines Boot.

Es kämpfte ums Überleben. Alle Segel waren gerefft. Und dennoch hatte der Steuermann alle Mühe, das Boot auf Kurs zu halten – nach Westen.j.cordez

Ein schlanker, hochgewachsener Mann, mit stählernen Muskeln, dunklem Teint – Der Zigeuner.

Das Ziel war St. Marie de la Mer. Seine Heimat. Denn dort war er geboren,  aufgewachsen – und dorthin wollte er wieder.

Die Stadt der Zigeuner. Der Schwarzen Madonna – die über das Meer gekommen war und dort ein Heiligtum gegründet hatte.

Die Wolken hasteten über den Himmel und Gicht flog so dicht über den Wellen, dass man kaum etwas erkennen konnte. Und doch tauchte plötzlich ein zweites Boot – das sich durch Sturm und Wellen kämpfte, auf.glück

Es kam näher und versuchte sein Boot zu rammen offensichtlich in der Absicht es zu versenken. Erfolglos.

Beide Boote waren aus starken Eichenbohlen gebaut. Die brachen nicht.

Also zog der Ankömmling sein Messer. Der Zigeuner zog das Seine. Während die Kämpfer versuchten den Anderen zu verletzen, waren die Boote führerlos, da niemand sie durch diesen Sturm steuerte.

Die Großbäume schlugen im Sturm heftig hin und her – beide mussten sich ständig ducken – mühsam im schwankenden Boot die Balance haltend.

Endlich zeigte es sich, dass der Zigeuner der Kräftigere, der Schnellere und der Erfahrenere war.

Der Großbaum schlug gegen den Kopf des Anderen, schmetterte ihn zu Brei, und der Zigeuner konnte endlich seine Fahrt fortsetzen.kopfv

Es begann zu regnen. Der Wind flaute plötzlich ab, das gereffte Segel flatterte wild und musste geborgen werden. Keine Fahrt im Kahn – endlich konnte er das Tuch bergen. Er setzte sich an die Ruder und brachte mit kräftigen Stößen das Boot wieder in Fahrt.

Es war noch ein langer und mühsamer Weg durch die klatschenden Wellen.

Aber seine Muskeln waren stählern, und er ruderte und ruderte, und ruderte, und ruderte – sechs Stunden lang, bis er endlich den schützenden Hafen erreichte.

Es war Abend geworden.

Einige Fischer, die noch müssig herum standen, halfen ihm das Boot mühsam die Düne hoch zu ziehen, so dass es außer Reichweite der Fluten und Wellen kam.

Er takelte das Segel ab, verstaute es in einer Kiste und ging dann nach Hause – nach Hause zu seiner Mutter.hütte

Es war ein kleines ärmliches Haus – eher eine Hütte, mit geringem Raum und einem halb vermoderten Schilfdach.

Als er durch die Tür trat begrüßte ihn die Mutter – überglücklich, dass er noch lebte.

Während sie ein kleines Feuer anfachte, um ihm einen Fisch zu braten, den der Bruder im Meer gefangen hatte, das Holz für das Feuer hatte sie am Vortag am Strand gesammelt, angeschwemmtes Strandgut aus kleinen und größeren Stücken, begann der Zigeuner vor sich hin zu summen, dann verwandelte sich der Ton, es wurde ein Gesang daraus, mit gutturalen Tönen, Krächzern, der Cante Jondo, dem Flamenco.fisch

Der Fisch, den er mit immer fettigen Händen von den Gräten ab gepult hatte, und glücklich in den Mund geschoben, lag ihm nun wohlig im Magen.

 

Endlich konnte er ausruhen nach dem Kampf auf dem Meer, dem Kraftverlust durch stundenlanges Rudern – und er legte sich zufrieden rücklings auf den Boden.

Im Dämmern, kurz vor dem Einschlafen, beruhigte ihn das friedliche Rauschen des Regens auf dem dünnen, löchrigen Dach.

Er fiel in ein tiefes Loch, immer schneller, und mit letzter Kraft stemmte er sich dagegen und kam langsam wieder ans Licht.

Der Mond schien, ein dunkelblauer Himmel, übersäht mit Sternen, die Milchstraße blendete ihm fast die Augen.

Die Milchstraße, la Voie lactée, die den Sternenweg von St. Maries de la Mer bis Cantiago  de la Compostela zeigte.

Jahrhunderte später, so sah er, würde ein Pilgerweg nach Compostela sehr besucht werden, weil die katholische Kirche einen Ablass gewährte, das heißt, wenn man diesen Weg zu Fuß erwanderte, eine Jacobs-Muschel umgehängt, so wären alle Sünden schon im Diesseits vergeben.330px-Basílica_de_Santiago_02

In Compostela angekommen, man brauchte für den erfolgreichen Abschluss des Weges, bestätigt durch viele Stempel von allen Stationen des Weges, zeigte sich die Kathedrale in herrlicher Gotik, und Besonderheit dieser Kirche war ein riesiges Weihrauchgefäß, das  von Novizen durch gemeinsames Ziehen an langen Stricken in Bewegung gesetzt wurde.

Langsam begann es hin und her zu schwingen, immer stärker, bis es endlich durch die ganze Weite des Kirchenschiffs den hohen Raum mit Weihrauch erfüllend, alle Pilger betäubend, die Andächtigen in Trance versetzte und glücklich machte.

 

Er wachte auf. Durch das löchrige Dach schienen erste Strahlen einer goldenen Sonne. Seine schmerzenden Glieder hatten sich erholt, er stand auf, begrüßte seine Mutter, gab ihr einen Kuss und eine Umarmung, setzte sich und aß ein wenig. Eine Hand voll Grütze in einer hölzernen Schale, genügte ihm.

Er ging nach draußen.

Seine Kleider, zerrissen und lumpig, schlotterten ihm um die Beine.

Das erste Ziel war die Kirche von St.  Maries de la Mer. Er wollte in die Kirche gehen und der Schwarzen Madonna danken für die glückliche Heimkehr.

So früh am Morgen war die Kirche noch leer. Später würde sie sich füllen, denn es war der Tag des Festes der Schwarzen Madonna.

Und von überall her weit gereist kamen die Roma und Sinti um ihr zu  huldigen.

Dort in der Kirche, so früh am Morgen, sah er sie zum ersten Mal.madonna

Eine große, zarte Gestalt, mit dunklen, tiefen, liebevollen Augen.

Der bunte Stoff des faltenreichen Rockes schmiegte sich sanft an ihre Beine wenn sie ging.

Während sie zum Altar ging, um zu beten, und Fürbitte für Jemanden zu sprechen, er wusste nicht für wen, flogen Ihre Haare liebevoll um ihren schlanken Hals.

Während er noch in ihren Anblick versunken war, hatte sie ihr Gebet schon beendet, und war im Nu verschwunden.

Lange saß er noch dort in der hölzernen Bank und träumte von ihr.

Dann sprach er sein Dankgebet, ließ seine Augen über die Säulen und Bögen des Seitenschiffs der geliebten Kirche wandern und ging dann langsam wieder hinaus.

Ein zartes Sehnen, Kribbeln im Bauch konnte man es noch nicht nennen, erfasste ihn.

Er wanderte ziellos durch die Straßen als jemand ihn rief.

„He Zigeuner, du bist wieder da?

Komm mit – ich habe gerade neue Pferde gekauft. Lass uns ausreiten“.

Er ging mit zu den Ställen, es waren die weißen

Camargue Pferde. Sie zogen sie aus dem Stall und sattelten sie.

Wie üblich waren die Sättel vorn und hinten hoch gebaut.  Das gab Reitern Halt genug um mit einer Hand die Zügel zu halten und mit der Anderen ein Lasso zu schwingen, wenn Kälber ein zu fangen waren,  um ihnen das Brandzeichen des Besitzers einzubrennen.

„Komm“ sagte der Freund.

„Nach diesem langen, einsamen Segeln wirst zu sicher gerne wieder durch das Land reiten, wie unsere wunderschöne Camargue sich dir zeigt“.

Sie ritten über grüne Wiesen, die sich durch die Landschaft zogen, umgeben von wasserarmen Flussläufen, Seen – ein buntgescheckter Teppich, zwischen Grün und Blau, den Wiesen und dem Wasser.etang

In den seichten Gewässern stolzierten Flamingos, auf einem Bein stehend,  das Wasser scharf beobachtend, um mit blitzschneller Bewegung mit dem langen, spitzen Schnabel Fische zu erhaschen – und auf den Wiesen grasten große Herden von weißen Pferden, Kühen und schwarzen Stieren.

Während sie gemütlich im Schritt ritten, galoppierte plötzlich  mit wehenden schwarzen Haaren ein junges liebreizendes Wesen vorbei.

Das war das zweite Mal, dass er sie sah.

Sein Herz begann wild zu pochen.

Trotz der weiten Röcke saß sie nicht im Damensitz. Normal im Sattel sitzend, breitbeinig männlich, schoben sich die Röcke hoch und ihre weißen, sanften Schenkel reizten ihn.

Sein Glied, sich aufrichten wollend, aber doch nicht könnend wegen der engen Reithosen fing an zu schmerzen.

Gott sei Dank ritt sie so schnell, dass sie bald  ihren Blicken entschwand.

Um sich ab zu lenken richtete er sein Augenmerk auf die vielfältigen Gräser und Pflanzen auf den Wiesen.

Nein, es war nicht nur borstiges Gras das hier wuchs.

Auf der heißen trockenen Erde wuchsen auch vielerlei Kräuter, die der Provence eigen sind.

Thymian, Majoran, Salbei, Oregano, Minze.

Er hielt den Gaul an, beugte sich hinunter, soweit er konnte, und roch den Duft dieser wilden Landschaft.

Er konnte fast das Aroma eines Gerichtes, zubereitet mit diesen Kräutern in der Nase, auf der Zunge spüren.

Lammkeule, die von Schafen oder Lämmern stammte, die auf diesen Wiesen, duftenden Wiesen, Kräuterwiesen  gefressen hatten.

Seine Mutter war so arm, dass sie diese Gerichte nicht kochen konnte.

Er nahm sich vor, viel und schnell zu arbeiten um ihr das zu ermöglichen.

Die arme Mutter.

Abgehärmt, allein, der Vater war mit seinem Boot nach der letzten Fangreise nicht mehr zurückgekehrt.

Es war Mittag geworden. Der Freund – Django  – lud ihn zu sich nach Hause ein. Dort bürsteten sie sich den Staub von den Kleidern, wuschen  Gesicht und Hände.

Sie gingen aus dem Haus.

Django meinte dann „komm  – ich weiß ein Lokal das heute gerade aufregend sein wird, wo das Essen gut schmeckt und die Musik wild ist“.

Sie schlenderten durch den Ort.

An jeder Ecke hörte man Musik, Musik der Zigeuner mit gezupften Instrumenten und Gesang. Fetzen von Cante Jondo wehten herüber.

Ihre Beinkleider wurden unten staubig und dreckig durch das Wandern auf den matschigen Wegen, nur an wenigen Stellen mit Pflastersteinen befestigt.

Bald kamen sie zu dem vom Freund ausgesuchten Lokal.

Ein riesiger Raum, die Tische, Klötze aus dicken, durchgesägten Baumstämmen, die Bänke aus Treibholz zusammen gezimmert.

Der Raum war fast voll Besucher, die das Fest der Schwarzen Madonna feiern wollten. Überall rannten kleine und größere Kinder, und manchmal, wenn ein  Viluelaspieler (Vorläufer der Gitarre) angefangen hatte – ganz spontan – eine Flamenco Melodie zu zupfen – fielen sie ein mit ihren hohen Kinderstimmen und versuchten mühsam das Dunkle  der Cante Jondo  mit zu machen.reinhard

Es gab Fisch – Schwertfisch. Ein Raubfisch mit wenig Gräten und äußerst geschmackvollem Fleisch.

Plötzlich sah er sie wieder.

Ganz hinten, in der Ecke des Lokals war sie aufgestanden – offensichtlich hindern die Klänge der Musik sie daran sitzen zu bleiben.

Sie stand auf und tanzte.

Sie schien schon vor längerer Zeit gekommen zu sein.

Der Wein hatte ihr Gesicht erglühen lassen und machte sie noch schöner als er sie in Erinnerung hatte.

Ein Mädchen brachte ihnen Literkrüge mit Rotwein. Das Bewusstsein gedämpft, spürte er wieder heiße Wallungen durch seinen Körper beim Anblick dieser Frau.

In einer Ecke des großen Raumes sang und spielte ein Zigeuner mit rauer Stimme.

Immer wieder kamen andere Männer dazu um ihn zu begleiten.

Plötzlich beugte sich der Sänger, winkte einen Jungen zu sich und flüsterte ihm ins Ohr.

Nach einer Viertelstunde kam der Junge wieder und führte einen Blinden mit sich.

Er half ihm liebevoll sich auf einen Hocker in der Nähe des Sängers hin zu setzen.

Dann begann der Blinde auch zu singen. Dem Zigeuner wurde heiß und die Tränen tropften aus seinen Augen, weil das ein so wunderbarer Gesang war.

Inzwischen war der zweite Liter Rotwein geleert. Die Seele löste sich von den Alltagssorgen und der Zigeuner war glücklich.

Links spielte der Blinde, im Saal hinten tanzte das Mädchen.tanz

Endlich fasste er sich Mut, um aufzustehen, zu ihr zu gehen um mit ihr zu sprechen, vielleicht auch um ihre Hand nehmen zu dürfen –  aber da war sie schon verschwunden.

Der Zigeuner ging zum Strand, legte sich in den heißen Sand auf den Rücken, schaute in den Himmel, klar blau – tiefer und noch tiefer – je tiefer er schaute, so dunkelblauer wurde der Himmel – ab und an zogen Wolken silberweiß vorüber – und dann schlief er ein.

 

Um ungestört zu sein, hatte er sich entfernt von der Stadt und eine Düne gefunden, wo er bequem im Sand lag.

Wachträumend, kurz bevor er tief einschlief, spürte er plötzlich eine sanfte Berührung am Körper. Es war das Mädchen.

Statt der weiten, vielfältigen Röcke, hatte sie sich ein leichtes Hemd übergeworfen.

Er hatte nur einen leichten Schurz angelassen, um auf seiner nackten Brust die wärmenden Strahlen zu spüren.

Sie schmiegte sich an ihn.

Sie streichelte mit den  Fingern seine Wange.

Er wurde wacher, es wurde ihm heißer.

Er beugte sich über sie, und berührte mit seinen Lippen ihre Stirn,  ihre Augenbrauen, ihre Wangen, ihre Nase, und endlich streifte er ganz sanft ihren Mund, der weich und warm und wie fast geschwollen wirkte.

Seine Männlichkeit, stramm und größer werdend, fühlte sich eingezwängt von dem Stoff.

Beide streiften alles von sich, rutschten zu einander, berührten sich, mit ganzen Leibern, rollten hin und her im Sand, immer wilder, bis sie endlich zu einander fanden.liebe

Die Erfüllung war so wunderbar, dass sie beide das Bewusstsein fast verloren, und so vereint noch lange bei einander lagen, bis langsam die Erregung abflaute, und beide sich heiß umschlingend einschliefen.

Plötzlich wurden sie aus einander gerissen.

Es waren ihre Brüder.

Einer der Brüder hatte bemerkt, dass sie mit dem Zigeuner gegangen war, dem Zigeuner, der aus einem anderen Stamm stammte.

Die Stämme waren tödlich verfeindet.

Die Brüder suchten das Paar. Einer sah sie am Strand, und holte die anderen.

Sie zerrten das Mädchen fort.

Das durfte nicht sein!

Und dann schlugen sie mit Knüppeln auf den Zigeuner ein – auf die Beine, den Bauch, die Arme, zuletzt schlug einer ihm mit Wucht auf den Kopf.

Dann gingen sie.

Der Zigeuner war nun sicher tot.

Doch er lebte.

Nach Stunden wachte er langsam auf.

Seine Muskeln waren so gut gestählt und hart, dass sie alle Schläge überstanden, und den Kopf hatte die dichte Wolle der Haare geschützt und den Schlag gedämpft.

Er musste fliehen.

Die Brüder des Mädchens hatten ihn für  tot liegen lassen.

Das verschaffte ihm ein wenig Zeit.

Er lief zur Mutter um sich zu verabschieden, und machte sich auf den Weg.

Er wusste, dass Familien seines Stammes an der Algarve wohnten.

Kurz überlegte er, ob er zu Fuß, oder über das Meer mit seinem Boot dorthin fliehen sollte.

Auf dem Meer konnten ihn die Verfolger nie finden.

Denn die Brüder, die einen Totengräber zu seiner Leiche geschickt hatten, hörten bald, dass er noch lebte und verschwunden war.

Plötzlich fiel ihm ein, dass die Brüder sicher auch versuchen würden, den Fluchtweg von der Mutter zu erfahren – wenn nötig mit Gewalt.

Das durfte nicht sein.

Er rannte also nach Hause, schlich sich vorsichtig, falls die Brüder schon da waren, zur Mutter.

Sie war allein.

Er umarmte sie, und sagte, dass er in die Algarve segeln würde zu den Verwandten – sie könne das ruhig allen erzählen, denn auf dem Meer könnte ihn niemand finden.

Nun die letzte Hürde – das Boot zu erreichen und los zu segeln.

Für Proviant war keine Zeit mehr – er konnte immer angeln, und den Fisch roh zu essen war er gewohnt.

Trinkwasser war nötiger, aber es würde schon irgendwann regnen.

Im Tuch des Segels aufgefangen, sammelte sich schnell viel trinkbares Wasser.Dhau2

„Sansibar Dhau2“ von Ikiwaner – Eigenes Werk. Lizenziert unter GFDL 1.2 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sansibar_Dhau2.jpg#/media/File:Sansibar_Dhau2.jpg

Den Anker aus dem Sand  gerissen, das Boot mit letzter Kraft zum Wasser gezogen, Mast und Segel gesetzt, in Sekunden war er unterwegs bei einer leichten Brise, die ihn schnell vom Ufer entfernte.

Nach einer Stunde war er außer Sichtweite und änderte dann den Kurs nach Osten.

Nach einiger Zeit steuerte er wieder näher ans Land – so konnte er leichter sein Ziel, Marsilia, ansteuern.

Der Zigeuner hatte seinen Plan geändert.

Nicht nur fliehen wollte er, nein, der Plan war nun erst viel Geld zu verdienen, dann die Mutter und das Mädchen zu holen, und mit ihnen in ein Land zu reisen, wo sie für immer sicher sein würden.

Denn das Mädchen liebte er – wollte immer mit ihr zusammen sein – und die Mutter sollte endlich ohne Sorgen und Schrecken altern dürfen.

In dem alten – von Griechen vor 17 Jahrhunderten gebauten –  Hafen, fand er schnell Platz für sein Boot.

Später hatten die Römer in die Kaimauern dicke Eisenringe eingelassen, an denen er nun das Boot festmachte.

Als er da so müde und erschöpft im Boot saß, sprach ihn ein Fischer vom benachbarten Boot an.

„ He, komm rüber, du siehst völlig fertig aus“.

Er kletterte in das andere Boot.

Der Fischer gab ihm einen Krug.krug_malawi

„Trink erstmal einen Schluck Wein, dann gibt’s auch was zu essen“.

Der rote Wein tat gut.

Er entspannte sich.

Dann ein Kanten Brot und gebratener Thunfisch.

„Danke – ich musste plötzlich von zu Hause fliehen, da blieb keine  Zeit für Proviant“.

„Und was willst du jetzt machen“?

„Ich muss Geld verdienen – um mit Mutter und Frau fort reisen zu können.

Weit fort.

In ein Land, wo mein Stamm das sagen hat und wir für immer sicher sind.

Kannst du helfen? Als Fischer Geld zu verdienen ist das hier wohl nicht möglich, wenn ich all die Boote sehe“.

„Es wird ständig viel gebaut hier – der Handel blüht, und die Händler mit ihren Waren aus allen Städten des Mittelmeers brauchen neue Häuser und Lagerhallen.

Versuchs doch mal dort als Handlanger. Du siehst kräftig aus. Ziegel hoch schleppen. Das klappt bestimmt“.

Der Zigeuner kletterte auf den in die Steine eingelassenen Eisenstäben hoch, schaute kurz, ob er irgendwo Häuser im Rohbau sah, ging dann nach rechts und kam in das alte  Griechenviertel von Marsilia Le Panier.panier

Auch hier wurden wegen des zunehmenden Handels über das Mittelmeer ständig neue Kontore gebraucht.

Vierstöckige Wohnhäuser, oben wohnte die Familie, darunter Küche und Personal, Köche, Dienstmädchen, Angelernte – oft aus fremden Ländern und wie Sklaven gehalten, darunter im zweiten Stock das große Kontor mit vielen Schreibern an Stehpulten, und endlich Parterre das Lager voll Spezereien, Stoffen, Seide Ballen, Gewürzen aus Indien, Bernstein von der Ostsee.

Er sah mehrere Rohbauten und ging zum Größten.

Ein großer, dicker Herr, der einen Knüppel trug, sah wie der Aufseher aus.

Er ging zu ihm, verbeugte sich höflich.

„Habt ihr Arbeit für mich“ fragte er den Aufseher.

Der betrachtete ihn von oben bis unten, besonders die breiten, starken Schultern und die Größe der Armmuskeln.

„Gut – du kannst gleich anfangen“, und wies ihn an einen schmächtigen Mann mit verschmitztem Grinsen und einem Pnüppel in der Hand.

„Der Aufseher schickt mich. Ich soll mich bei dir melden“

„Gut – hier ist eine Trage für den Rücken um Ziegel zu laden. Die müssen in den vierten Stock. Nimm dort die Leitern“.

Das wog zusammen etwa 90 Pfund – im dritten Stock musste er stark keuchen – aber er schaffte es doch.

So ging das viele Tage lang.

Zu essen gab es trockenes Brot und Fisch. Fisch, der am Hafen wohl gerade der billigste war.

Die Arbeiter schliefen auf dem nackten Boden.

Sobald  die Dämmerung kam, und man etwas sehen konnte, schrie der Antreiber laut, wer nicht sofort aufstand bekam einen Hieb mit dem Prügel, dann wieder Fisch und Brot.

Und dann die Ziegel hoch tragen.

Jetzt war er als fleißig und willig bekannt.

Es gab sicher besser bezahlte Arbeit.

Er brauchte für seine Pläne viel Geld.

Er ging zum Aufseher.

„Herr, ihr kennt mich jetzt als fleißig und sorgsam. Ich bitte nun um eine andere Arbeit – mit besserem Lohn.“

„Sprich – sag was du meinst“.

„Herr, ich bin Fischer. Und das Boot habe ich selbst gebaut. Ich habe viele Jahre gelernt gute, schnelle und schöne Boote zu bauen.

Wenn es euch gefällt, setzt mich als Zimmermann ein – beim Hausbau und mit mehr Lohn“.

Der Aufseher überlegte kurz und meinte, „gut, zeig mal was du kannst. Mein Herr lässt nicht nur dieses Haus bauen, sondern oben auf dem Berg eine Windmühle.

Die wachsende Stadt Marsilia braucht immer mehr Nahrung.

Der ganze Dachstuhl muss ausgebaut werden. Leider gibt es wenig Holz. Das ist ein großes Problem.

Deswegen ist die Mühle noch nicht fertig.

Der runde Turm steht, aber das Holz fehlt für das Dach.

Wenn du dieses Problem lösen kannst, hast du den Auftrag und wirst fürstlich entlohnt“.

„Gut, ich werde mal alles prüfen, ich bin in zwei Tagen wieder hier“.

Erst ging er ans Meer, um zu sehen, ob es Treibholz gäbe.

Was er bei langem Wandern am Strand sah, wäre niemals genug für das Dach.wrak

Am nächsten Tag ging er zum Hafen. Dabei kam er zu einer versteckten Seite des Hafens.

Dort wurden Segelschiffe abgewrackt.

Sie hatten Jahrzehnte ihren Dienst getan – in Stürmen und Flauten, in eisiger Kälte und glühender Hitze, das bekommt keinem Holz und sei es auch aus Eichenbohlen.

Das war‘s! Der Zigeuner sprang fast in die Luft vor Freude.

Jetzt war alles gerettet.

Er rannte um den ganzen Hafen herum um wieder nach Westen zu kommen wo er den Aufseher fand.

„Ich kann das Holz liefern“ sagte er. „Holz von

abgewrackten Schiffen. Eiche und anderes Holz, das noch gut viele Jahrhunderte übersteht. Hab‘ ich das Geschäft?“

Der Antreiber wurde informiert, und der Zigeuner fing am nächsten Morgen an, das Dach der Windwühle auszubauen.wm

Von dem ersten Verdienst beschaffte er sich das notwendige Werkzeug.

Ein guter Hammer, geschmiedete Nägel in allen Längen, eine scharfe Säge, dicke Bohrer für Zapflöcher bei Verbindungen und große Schnitzmesser.

 

Nun war er fast selbständiger Unternehmer.

Er brauchte Handwerker, Arbeiter und einen Koch.

Unten in dem Turm gab es einen großen  hohen Raum, der später als Lager für die Mehlsäcke und auch für das Reparaturmaterial dienten sollte.

Hier sollten alle schlafen, essen, wohnen.

 

Einige Tage suchte er die Mannschaft zusammen. Zigeuner seines Stammes.

Damit hatte er  eine Familie – eine Familie, die zu ihm stände, ihn nicht verraten würde, und weil er guten Lohn gab, fleißig sein würde. Nicht wie die bedauernswerten Sklaven des Antreibers.

Bald hatte er 10 Leute, auch Zimmerleute und Steinmetzen waren dabei. Die Mühlsteine mussten behauen werden, Löcher für die tragenden Balken ausgestemmt, Treppen angelegt und vieles mehr.

Als alle endlich beisammen waren in dem großen Raum, trat er vor sie hin und sprach:

„Gut, dass ihr da seid. Wir sind von einer Gesinnung. Je schneller wir fertig werden, so schneller können wir etwas Neues anfangen.

Und das wird dann unser eigener Bau sein.

Alle sind beteiligt. Wie in einer Familie.

Die Kranken werden versorgt, die Kinder lernen Lesen, Schreiben und Rechnen, die Alten haben Wohnung und Brot.

Bei Dämmerung stehen wir auf, unser Koch hat ein Mahl zubereitet, so auch mittags und abends.

Auch schon hier werden die Kranken versorgt. Wie es sich für eine Familie gehört.

Danke.

Hier  sind Heu und Stroh für das Nachtlager.“

„Chef, was ist  das mit dem Lesen und Schreiben? Kannst du es? Und wieso?“

„Ja, ich kann`s, mein Vater war Fischer und ist eines Nachts bei einem riesigen Sturm wohl ertrunken.

So war ich mit 6 Jahren Halbwaise.

Es war die Zeit der Gutmenschen – die Weisen der Katharer.

Eines Tages kam wieder einer in die Gegend.

Er schwätzte mit mir, fragte dies und das, fragte endlich ob ich lesen und schreiben lernen wolle.

Klar, wollte ich!

Wir gingen zur Mutter, die sofort zustimmte. Ich sollte lernen, viel lernen, so würde ich es später besser haben.

Er nahm mich mit zu einem Grafen von Carcassonne  Raimund II. Trencavel der den Gutmenschen wohl gesonnen war, und den Minnesang pflegte und für die Kinder eine cssSchule organisiert hatte.

Später kam ich in ein Kloster, zu Mönchen, die mir Mathematik, Algebra und manch viel Gescheites und nützliches beibrachten.

Diese Wissenschaften kamen von den ungläubigen Arabern, aber das störte niemanden.

Selbst die Zahlen von 1 bis 10 waren arabisch.“

Während die anderen noch alles bequatschten, ging der Zigeuner nach draußen.

Die nächsten Schritte bedenken.

Der Ausbau würde sicher jetzt schnell voran gehen – das entnahm er den fröhlichen Stimmen nach seiner Rede.

Als nächstes das Getriebe, welches die Kraft der Windflügel auf die Mahlsteine führte.

Eiche für die Zahnräder, Eiche für die Achse, Steine für das Mahlwerk.

 

Es war Abend geworden – die beste Zeit um sich zu sammeln, zu meditieren – wie er es von den Gutmenschen gelernt hatte, und beim Blick nach oben zu der Milchstraße nach zums denken, Einfälle zu erhaschen.

Am nächsten Morgen, als er die Arbeit verteilt hatte, und sah, dass es gut voran ging, verließ er seine Mannschaft oder besser Familie.

Erst das Eichenholz.

Hier im Süden nicht zu finden. Das wuchs nur im Norden.

Er ging zum Hafen und weiter an die Mündung der Rhone, und sah schon von weitem was er suchte. Lange Holzflöße. Bestimmt gab es auch Eiche.

Mit kräftigen Flaschenzügen und Stangen zum Hebeln hievten Arbeiter die Baumstämme auf das Land. Andere sägten mit großen Baumsägen je zu zweit Stücke ab.

Oder standen auf einem Gerüst,  einer oben, der andere unten, und sägten dicke Bohlen für Schiffs– oder Hausbau.

Das hat ja gut geklappt.

Er suchte sich aus was er brauchte, und rief ein paar Fuhrleute, die das Holz zur Mühle fahren sollten. Dann bezahlte er das Holz mit Goldmünzen und gab auch den Fuhrleuten eine Anzahlung.

Das wäre erledigt.

Am Hafen des Port St. Louis de Rhone suchte er etwas zu Essen.pdr

Ein Schilfdach, verschiedene Sitzgelegenheiten, ein Holzfeuer mit darüber hängendem großen  Kessel, noch ein Feuer zum Braten und grillen, dunkle schöne Gesichter – das waren sicher Landsleute.

Der Zigeuner ging hin und setzte sich.

„Rotwein und was zu essen“.

Der Wirt nickte bejahend und seine langen schwarzen Haare unterstrichen die Zusage.

Bald kam der Wein und schmeckte köstlich. Guter roter Wein aus dem Langedoc.

Jetzt konnte er entspannen, den Wellen des Mittelmeers und den Möwen lauschen.

Man nannte es wohl Kreischen, aber in seinem Ohr klang es wie die schönste Melodie, der Gesang der Möwen.

Zigeuner waren  wohl die ersten, heute auch als Kesselflicker bekannt, die schon vor vielen Jahrtausenden sich auf Kupferverarbeitung verstanden.

Der Wirt brachte eine große Kupferschale und einen Löffel aus Holz.

„Eintopf der Provence“, sagte er, „Rind, Kartoffeln, Bohnen und Kichererbsen.“

Hmm – das schmeckt und bringt Kraft.

Als der Wirt auf sein Winken hin noch Wein brachte, fragte er:

„Und die Gewürze? – was tust du rein, damit es so gut schmeckt?“

„na ja, Salz, Thymian,  Majoran, Salbei, Pfeffer, etwas Emmer Mehl – das war‘s wohl, und das köchelt dann schon seit heute Morgen“.

Zufrieden holte er ein paar Münzen aus dem Beutel, der am Hals unterm  Hemd hing, zahlte und ging in Gedanken versunken wieder zur Mühle.

Bis auf den Pfeffer gab es alles hier für gute Gerichte. Die Kräuter musste man nur sammeln, das Salz kam von den Salzgärten an der Küste.

Die Salzgärten werden mit Meerwasser gefüllt, das Wasser verdampft, wieder Füllen, bis dicke Schichten entstehen. Zusammenschaufeln, Verkaufen.Salinen_Camargue_220

Ja, dachte er, das mit dem Pfeffer – warum sagte man Pfeffersäcke – und meinte nicht die Säcke, sondern reiche Händler.

Da war doch was dran. Großer Reichtum kam vom Handel und Import von Spezereien aus Ländern im Südosten wie Indien, Länder die schon Alexander der Große erobert hatte.

Auch der Handel mit Geld brachte Reichtum. Darum waren die Händler im Tempel, die Jesus vertrieben hatte, auch so erbost, dass Christus dafür sterben musste.

Doch das musste warten.

Obwohl es ihn juckte, selbst Handel mit Spezereien  zu betreiben.

In der Mühle ging alles gut. Alle arbeiteten

schnell und exakt.

Seine `Familie`. Das Herz wurde ihm warm.

Doch die Sorge um die Mutter ergriff ihn plötzlich. Ob alles gut war? Die anderen ihr geglaubt hätten? Und sie nicht erneut bedroht hatten, als sie ihn nicht fanden?

Er musste unbedingt einen sicheren Ort für sie schaffen.

Aber wo?

In der alten Heimat, aus der sie vor zwei  Generationen ausgewandert waren – Afghanistan, konnte er die Mutter nicht bringen. Noch brauchte er viel mehr Geld dafür.

Geld, ja das nächste Problem. Wo aufbewahren. Die ersten Münzen hatte er am Hafen in einem Loch der Kaimauer versteckt. Da passten jetzt keine mehr rein. Er wurde gut bezahlt und es wurden immer mehr Münzen.

Wenn er Besorgungen machte, neues Material bestellte, Handwerker für knifflige Aufgaben, wie etwa die genaue Herstellung der Zahnräder für das Mahlwerk, hörte er sich um, wie andere das mit dem Geld machten.

Nach einigen Wochen gab jemand auch den Tipp.

Versuchs mal bei den Tempelrittern. Genaues wusste er aber auch nicht.

Der Zigeuner fragte sich durch, und so fand er den Weg zur Komturei von Marsilia.

Er wurde freundlich aufgenommen und trug sein Anliegen vor. Man hätte ihm gesagt, sein Geld wäre bei ihnen sicher.

Er wurde freundlich empfangen, und zuerst herum geführt, wobei einer der Tempelritter in weißem Gewand und Mantel mit dem roten Andreaskreuz darauf ihm  die Aufgaben der Ritter erläuterte.

Sein Geld wäre hier sicher. Er könne die Münzen hier abgeben und als Quittung gäbe es ein Papier mit der Summe und dem Abdruck seines Daumens. Die Linien auf dem Daumen sind bei jedem Menschen anders – so anders, dass es keine Verwechslung geben könne.

Diese Quittung könne er später überall in einer anderen Komturei – etwa in Frankreich, Deutschland, England, Österreich einlösen – er erhielte dort das Geld zurück.

Jetzt begriff er, warum der Handel überall so aufblühte.templer

Ohne Raubritter und Wegelagerer, ohne marodierende Söldner gediehen die Städte,  die Landwirtschaft, der Fischfang, die Künste und Universitäten.

„Doch ehe wir das Geschäftliche regeln, sollst du sehen, wes Geistes Kind wir sind. In unserer Kirche findet alle Stunden eine Messe statt. Ich möchte, dass du das miterlebst.“

Der Templer nahm ihn bei der Hand und sie gingen zur kleinen Kirche der Komturei.

Die kurze Predigt handelte von der Ehrfurcht vor dem Schönen, dem Wahren und dem Guten.

Dann gingen sie in ein Gewölbe aus schweren, festen Steinen. Die Schatzkammer.

Seine Goldmünzen wurden gezählt und er erhielt die Quittung mit seinem Daumenaufdruck.

Das war gut so.

Keine Angst mehr vor Überfällen.

Plötzlich dachte er an seine Mutter.

Er hatte doch Angst.

Ob die Feinde sie wohl in Ruhe gelassen hatten?

Könnte er doch etwas tun.

Der Templer bemerkte seine Verzweiflung und fragte, ob er helfen könnte.

Der Zigeuner erzählte von der Verzweiflung, dass seine Mutter nicht  sicher sei, und auch besonders, weil er dieses Mädchen vom anderen Stamm liebte.

„Ja schon, es gibt Dörfer der Templer die zum Schutz aller Verfolgten gebaut worden waren, -in unwirtlichen Gegenden, und von Tempelrittern bewacht.“

„Dort wären deine Lieben sicher.“

„La Couvertoirade ist nicht weit – in den Bergen von Larzac – geh‘ dorthin“

Ein Stein fiel ihm vom Herzen. So könnte er beruhigt seine Ideen verwirklichen, der Wunsch, soviel Geld zu verdienen, bis alle in der ursprünglichen Heimat seines Stammes, nach Afghanistan  gehen konnten und sicher und zu Hause bei Verwandten leben könnten.burg

Nun überlegte er, wie er die Mutter dorthin bringen könnte.

Aber dazu musste er erstmal nach St. Maries de la Mer gehen, und dann sie unbemerkt holen.

Nicht so einfach.

Erst dachte er, einer der Jungen seiner Baufamilie, ein kleiner, so 11 Jahre alt, würde keinen Verdacht schöpfen – die Feinde des anderen Stammes wären so leicht getäuscht.

Doch dann kam ihm ein viel besserer Gedanke.

Ein Mönch in einer Mönchskutte, etwas abgerissen, die Kapuze über dem geneigten Haupt – niemand würde ihn erkennen oder anhalten.

Er besuchte die Templer wieder, und dort bekam er was er wollte. Denn die Tempelritter waren dafür bekannt, alte Kleider zu sammeln aus denen ihre Schützlinge sich Neues nähen konnten.

Die Kutte fand sich bald und der Zigeuner regelte noch alles für die nächsten Arbeiten auf der Turmmühle und ging sein Boot klar zu machen.

Etwas Proviant, Wasser, und am nächsten Morgen segelte er gen Norden.

Nach zwei Tagen erreichte er St. Maries de la Mer.

Außer Sichtweite hinter einem zerklüfteten Felsen zog er das Boot an Land.

Gegen Mittag, als viel Volk unterwegs war, schlüpfte er in die Kutte und ging gemessenen Schrittes, den Kopf gesenkt zur Hütte der Mutter.

Zu erkennen gab er sich erst, als er sie mit ruhigen Worten und einem kurzen Segen gefasst sah.

Die stille Freude der Mutter überzog ihr Lächeln mit seligem Glanz.

Selige Tränen stürmten ihr aus den Augen.

Bald kam auch der Bruder.

Bisher hatte sein Plan geklappt. Die Feinde hatten sie in Ruhe gelassen, waren wohl zufrieden mit den Nachrichten vom Fluchtweg des Zigeuners.

Er fragte, ob man von dem Mädchen etwas gehört hätte, wenig genaues war die Antwort,  man erzählte sich allerdings, dass wohl eine Hochzeit bevor stünde.

Wie Eisenklammern zog es sich um sein Herz.

Und er konnte nichts machen.

Noch nicht.

Nur der Gedanke, dass er bald mit dem Mädchen, der Mutter und dem Bruder in ein sicheres Land ziehen würde, tröstete ihn.

Schnell suchte die Mutter das Wichtigste zusammen – nur das Nötigste wie der Kessel zum Kochen, Brot und Fisch – denn es durfte nicht so aussehen, als ob sie fliehen würde.

Sie gingen einzeln zum Meer – der Zigeuner und die Mutter zu seinem Boot, der Bruder zu dem eigenen.

Er half der Mutter ins Boot, verstaute den Kessel und die wenigen Habseligkeiten  unter der Luke unter dem Vorderdeck.

Dort lagerten auch schon die Netze, Angelschnüre und Angeln, etwas Werkzeug, der Anker, ein kleineres Sturmsegel – es war rot weil es mit Ochsenblut getränkt dichter und haltbarer wurde, sowie sonstige Taue im Trockenen.

Im Heck war eine Kiste für Fische eingebaut. Sie war dicht mit dem Bootsboden verbunden und unten seitlich mit Löchern versehen. So war in der Kiste immer frisches Wasser für gefangene Fische, die dort atmen konnten und so frisch an Land verkauft wurden. Auf dem  Deckel konnte die Mutter bequem auf einem Kissen sitzen.

Das Wetter war schön. Ein tiefblauer Himmel mit wenigen weißen Wolken, die ziemlich schnell gen Westen zogen, getrieben von einem  Wind zwischen vier bis fünf Stärken, versprach eine gute Reise.

Der Bruder hatte ihm geholfen, das Boot ins Wasser zu schieben und hielt es fest während er auftakelte. Das Segel war schnell hoch gezogen, das Ruder eingesteckt – der Bruder schob es noch gegen die Windrichtung.

Das große Segel flatterte hin und her bis der Zigeuner mit der Pinne nach Lee steuerte und das Boot schnell Fahrt aufnahm.

Der Wind aus Süden, und so konnten sie mit einem Schlag nach Westen kreuzen.

Sie nahmen schnell Fahrt auf. In Böen krängte das Boot so stark, dass die Mutter etwas ängstlich blickte.

Doch sie vertraute ihrem Sohn. Setzte sich dann aber doch lieber auf den Boden statt auf der Fischkiste hin und her zu schaukeln oder herunter zu rutschen.

Da der Wind nicht stärker wurde, hielt der Zigeuner diese wilde Fahrt bei ohne zu reffen oder ein kleineres Segel an zu schlagen.

In dem offenen Boot wurde leider auch die Mutter völlig durchnässt, aber sie wusste ja wie wichtig die Eile war, die Eile, so schnell vor den jetzt feindlichen Zigeunern des anderen Stammes zu fliehen.

Bei der Abfahrt sah es noch besser aus sonst hätte der Sohn aus der Vorschiffsluke ihr eine geölte Jacke rausgesucht.

Gegen Abend waren sie schon so weit entfernt von St. Maries de la Mer, dass es sicher war an Land zu gehen. Der Zigeuner fand eine geschützte Bucht wo sich ein kleiner Sandstrand hinter einigen Felsen verbarg.

„Halt mal die Pinne, und steure gerade aufs Land zu“. Die Mutter wusste ja worum es ging von langen Fischfang Reisen mit dem Vater als noch keine Kinder geboren worden waren, und steuerte geschickt auf den Strand zu.

Blitzschnell löste er die Fallen, barg das Segel und sprang auf den Sand um das Boot höher zu ziehen.

Dann half er dem Bruder mit seinem Boot.

In der letzten Stunde hatte die Dämmerung eingesetzt und der Himmel verfärbte sich.

Im Süden vergoldete die Sonne die Wolkenränder, weißgraue Streifen über immer tiefer blauem Himmel, der schon erste Sterne zeigte – Venus links und der Orion höher rechts, auch eine zarte Sichel des Mondes war zu erahnen.

Jetzt war es Nacht, der Sternhimmel prächtig und strahlend, die Milchstraße zog ihr Band durch das All.

Die Brüder sammelten genug Treibholz für ein Feuer. Erst sollte sich die Mutter wärmen und trocknen, gleichzeitig wartete der große Kupferkessel darauf mit Fleisch, Bohnen und Kichererbsen gefüllt zu werden.

Beim Schein des Feuers, das so angelegt war, dass es hinter den Klippen weder vom Meer noch dem Land gesehen werden konnte, setzten alle sich um endlich zu essen und sich zu entspannen.

Die Aufregung, ob die Flucht auch gelingen würde, legte sich.

Der Zigeuner kramte einen Beutel Rotwein aus der Bootskiste, die Mutter summte sanfte Weisen – jetzt war die Familie endlich wieder zusammen, der eigene Puls pochte nicht mehr so laut in den Ohren und hinter den Felsen war die laute Brandung nur noch ein leichtes Plätschern im Sand.

Es dämmerte erst, als die Mutter im Morgengrauen die ersten Schreie der Möwen  hörte und aufwachte. Wie alle älteren Menschen hatte sie einen  leichten Schlaf und dachte nun an ihren toten Mann.

Auch wenn er oft beim Heimkommen von großer Gefahr in den Stürmen draußen erzählte, manches Mal mit leckem Boot und ohne Fang wiederkehrte, so war sie doch zufrieden mit dem Leben gewesen – sie hatten sich früh verliebt und geheiratet.

Noch heute schwankte ihr Herz zwischen höchstem Glück des ersten verliebt Seins – die Zeiten wo sie gemeinsam auf dem schnellen Boot gesegelt und gefischt hatten und sie gemeinsam den Fang im Hafen von St. Maries de la Mer verkauften, wo sie sich auf dem heißen Sand geliebt hatten, und nun das Gefühl der Trauer, und der Schmerz, als eines Tages nach einem Sturm wohl sein Boot halb zertrümmert aber nicht der Mann an den Strand geschwemmt wurde.

Sie dachte oft an ihn. Irgendwie ahnte sie, dass er von den Sternen zu ihr herab schaute, er  ihr Kraft gab, das Gedeihen der Söhne begleitete.

Und jetzt auch in dieser Gefahr eine schützende Hand über die Familie hielt.

Kurz darauf – der Himmel wurde heller, kaum konnte man die Sterne noch erahnen, weckte sie die Söhne.

„ Es ist Zeit. Wir müssen los. Wer weiß wie lange das Wetter hält.“

Ihr verstorbener Mann hatte bei jeder Ausfahrt sie ständig darauf hingewiesen auf alles zu achten. Der Himmel, die Wolken, die Wellen, die Brandung, die Himmelsrichtung des Windes, auch die Richtung der Wellen, die Farben von Himmel, Meer und Brandung. Zu jedem Wechsel, und aus der Gesamtheit all dieser Merkmale konnte man spüren wie sich das Wetter auf dem Meer ändern würde, mehr oder weniger Wind, bleibende oder sich ändernde Windrichtung, war Segeln mit oder gegen den Wind möglich und wie lange würde man segeln um ein Ziel zu erreichen.

Ihre Erfahrung sagte ihr, dass die Weiterreise mühsamer werden würde.

Auf einem kleinen Feuer hatte sie schon den Rest des Eintopfs von gestern aufgewärmt. Ein kurzer Morgen-dank, und alle begannen zu essen.

Bei Menschen, die oft gefahrvoll leben – wie es besonders Fischer tun – ist Frömmigkeit mit Fürbitten und Danksagungen ein wichtiger Teil ihres Lebens. Nur so können sie in allen Situationen den Mut und die Gelassenheit aufbringen diese zu Meistern.

Jetzt war es hell genug um die Reise fort zusetzen. Die Mutter wusch den Kessel in Meerwasser, der Bruder verwischte mit einem Zweig alle ihre Spuren im Sand, damit auch niemand zufällig die Richtung ihrer Fahrt erkennen könnte und ihnen folgte.

Der Zigeuner hatte schon alles wieder im Boot verstaut, sie zogen die Boote ins Wasser, die Mutter zog die Schuhe aus und watete zum Boot, hielt es dann fest, wie sie es auch immer für ihren Mann getan hatte, damit der Zigeuner das Ruder einstecken und die Segel hochziehen konnte.

Dann halfen sie auch dem Bruder sein Boot segelklar zu machen.

Jetzt war die Sonne im Osten aufgegangen, die Sterne verschwunden, der Wind wehte kräftig aus der richtigen Richtung, so dass der Kurs mit leichtem Kreuzen gehalten werden konnte.

Heute war der Zigeuner besser vorbereitet auf das überkommende Wasser und er hatte für sich und die Mutter eine dichte geölte Plane aus dem Vorschiff gekramt und über ihre Beine gelegt. Beim Segeln störte es ein wenig, bei plötzlichen Böen, die das Boot so weit krängten, dass schnelle Manöver erforderlich waren um nicht zu Halsen oder in Lee Wasser  zu übernehmen – das barg  die akute Gefahr ganz um zu kippen.

Aber lang geübt in allen Wetterlagen, hatte er sich daran gewöhnt blitzschnell zu handeln, besonders weil ihm ein sechster Sinn eine Warnung vor den Problemen von Wind und Wetter blitzschnell in den Bauch schoss.

Erst fuhren sie wie gestern weit aufs Meer hinaus – weg vom Land – um nicht entdeckt zu werden.

Der Horizont versank bald, doch die Sturmmöwen begleiteten sie mit ihren melodischen Schreien weit hinaus.

Wieder gab es nur wenige Wolken am blauen Himmel, das Wasser plätscherte und gurgelte an der Bordwand.

Nach zwei Tagen ständigem Wehen aus derselben Richtung waren die Wellen noch größer geworden, die Fahrt war so schnell, dass es schien als würden sie mit leichtem Boot gleiten können.

Auch die Mutter saß jetzt weit hinten, der Bug hob sich aus dem Wasser und bei starken Böen zogen die Segel das Boot so schnell, dass ein halbes Gleiten entstand.

Nach zwei Stunden tauchte in der Ferne ein großes Frachtschiff auf. Ein Dreimaster voll getakelt, sehr schnell – er musste wohl vollgeladen sein  – so konnte er ohne zu reffen schnelle Fahrt machen.

Die Flagge im Top zeigte die Farben von Venedig.

Der Zigeuner änderte den Kurs um näher an das Schiff zu kommen.

Der Dreimaster kam ihm bekannt vor.dreimaster

Jetzt konnte er auch ein Winken erkennen.

Ja, er hatte das Schiff in Marsilia im Hafen gesehen, sich mit dem zweiten Offizier angefreundet und oft mit ihm Backgammon gespielt, was beide von den Griechen in der Stadt gelernt hatten.

Der zweite Offizier  hatte wohl sein Boot an den roten Segeln erkannt.

Bald war das Schiff außer Sicht, mit einer viel größeren Länge konnte er auch erheblich schneller segeln.

Der Zigeuner änderte den Kurs in Richtung Küste näher zum Land, denn der Wind schien an Kraft zu zunehmen und würde sich bald zu einem Sturm entwickeln.

Alle Anzeichen sprachen dafür. Die Wolken wurden dichter, die Wellen hatten immer öfter Schaumkronen, Gischt flog zu weilen durch die Luft, die Möwen kamen nicht mehr gegen den Wind an und ließen sich treiben.

Der neue Kurs war trotz halbem Wind aus Lee mit dieser Beseglung zu halten. Er fierte die Großschot soweit, dass das Segel nur halbvoll stand. Dennoch rasten sie mit hoher Geschwindigkeit dahin.

Das war immer eine tückische Entscheidung.

Aussitzen und schnell an Land gelangen, oder die Segel reffen und riskieren in einen gefährlichen Sturm zu kommen.

Vorher konnte auch der Erfahrenste nicht wissen, welche Entscheidung besser wäre.

Auch sein Vater – der als einer der  erfahrensten

Bootsführer bekannt gewesen war, hatte wohl die falsche Entscheidung getroffen und die Mutter einsam gemacht.

Der Bruder hatte längst ein Reff eingedreht, war aber wegen des geringeren Gewichts des Bootes gleichschnell.

Der Himmel wurde immer düsterer.

Er blickte kurz zur Mutter, aber sie zeigte keine Furcht.

Wildes Segeln war sie aus der Zeit mit ihrem Mann gewohnt, und wusste um die Notwendigkeit einem Sturm zu entkommen.

Endlich kam die Küste in Sicht.

Und der schützende Hafen von Marseillan im Etang de Thau.grau

Sie waren wohl schneller gen Westen gekreuzt mit besserem hoch am Wind liegendem Kurs als er vermutet hatte.

Sie rasten mit voller Geschwindigkeit durch den schmalen Einlass zwischen hohen Kaimauern in das ruhige Wasser des Hafens, und fanden auch schnell eine Boje zum fest machen wo sie in Ruhe abtakeln konnten.

Das rote Segel musste schnell geborgen und verstaut werden – das Rot war zu bekannt an der ganzen Küste und konnte ihre Anwesenheit leicht verraten.

Der Bruder ließ sein Boot an der Boje, stieg zu ihnen über und sie ruderten an Land.

Der Zigeuner fragte sich nach der Kompturei der Templer durch und bald sahen sie auch die stolze Burg.

Eine mächtige Festung und sicherer Ort, wo die Ritter dem Umland, den Reisenden, den Verfolgten Schutz boten.

Der Torwächter grüßte sie freundlich, fragte nach dem Begehr, und rief dann einen Novizen, der sie zur Verwaltung brachte.

Da sie vom Wind und dem harten Segeln ermattet schienen, bot man ihnen zuerst etwas zu Essen und Trinken an. Doch der Zigeuner zeigte schnell sein Papier als Ausweis und bat, um einen sicheren Anlegeplatz für die Boote.

Während die Mutter in die Küche geführt wurde, wurde ein anderer Knappe angewiesen ihnen einen sicheren Platz im Hafen für beide Boote zu zeigen. Ein Platz, der den Templern gehörte, und wo niemand es wagen würde etwas zu Stehlen oder zu beschädigen.

Der Abend dämmerte und es wurde finsterer, doch sie kamen noch gut zum Hafen, verlegten ihre Boote und gingen dann zur Mutter.

Inzwischen war es Nacht geworden, überall beleuchteten Kienspanfackeln und Kerzen die Flure, Säle und Zimmer. Im flackernden Schein führte sie der Knappe zum Zimmer der Mutter und dann zum Refektorium.

Ein großer und hoher Saal, ein riesiger Tisch in der Mitte, vorne ein erhöhtes Pult wo während des Essens ein Ritter aus der Bibel las oder christliche Legenden von Heiligen erzählte.  Auch die Tagesereignisse, etwa Berichte von Reisenden aus aller Welt wurden hier besprochen und diskutiert.

Knappen trugen die Speisen und Getränke auf, Wein gab es und  dicke Suppe mit Bohnen und Hammelfleisch.

Der Knappe fand einen Platz für sie zwischen Mönchen auf der einen Seite und Reisenden saalauf der anderen.

Vorne erzählte der Vorleser gerade von den Leiden der Thebäischen Legion in Köln, eine römische Legion, die alle zusammen den Märtyrertod erlitten hatten.

Dann machte er eine Pause, setzte sich auch an den Tisch um zu essen.

Der Zigeuner fing bald ein Gespräch mit den Reisenden an. Es waren Händler, die mit Maultieren Waren aus Spanien brachten. Die Güter waren für Marsilia bestimmt. Diese große Stadt hatte so viel Hunger, dass man dort alles zu guten Preisen loswurde.

Sehr interessiert hörte der Zigeuner zu. Das wollte er ja auch machen. Handel mit kostbaren Waren.

Gewürze, Seide, Goldschmuck, Geräte aus Bronze.

Er fragte immer weiter, und endlich sah er das ganze Bild vor sich.

Rings um das Mittelmeer, an allen Küsten, auf allen Inseln handelte man.

Transport mit Schiffen oder Galeeren, zu Land mit Maultieren, Pferden oder Ochsenkarren.

Das ganze Mittelmeer war nur ein gigantischer Basar!

Und er brauchte nur zuzulangen!

Die Freude lief ihm durch die Glieder und er küsste die Mutter und den Bruder glücklich lächelnd.

Der Bruder stupste ihn an und meinte, die Mutter wäre von der Reise im Sturm ermattet und müsste schlafen.

Sofort stand er auf und führte sie liebevoll zu ihrem Zimmer.

Mutter und Bruder kuschelten sich in warme Decken. Das Licht der Kerzen war erloschen. Durch das obere Fenster schien ein silberner Mond, der zunahm.

Trotz Müdigkeit, lag er noch lange wach. Dachte über alles nach was die Kaufleute erzählt hatten. Den Handel rings um das Mittelmeer, und auf dem Mittelmeer.

Gut, dass er als Kind in der Schule bei den Mönchen aufgepasst hatte.

Alles was mit Handel zu tun hatte, kam ihm in den Sinn. Besonders der Transport über Wasser.

Erst die Ägypter, die schon vor 5 tausend Jahren mit großen Schiffen den Nil hoch und runter segelten.

Dann die Phönizier, die Jahrhunderte lang das Mittelmeer beherrschten. Mit großartig gebauten Triremen. Handels- und Kriegsschiffe. Besonders nachdem sie sich in Karthago festgesetzt hatten. Von dort eroberten sie alle Länder rings um das Mittelmeer und schickten sogar Elefanten zum Schrecken der Römer. Gewaltig.

Bald träumte er von mächtigen Schiffen und klobigen Ochsenkarren, alles kam durcheinander, die Schiffe hatten Räder und fuhren die Berge hoch und schnell wieder ochsenhinunter, bei den Karren waren viele Segel aufgezogen und die Ochsen tanzten  hinterher.

Zwischendurch lächelte das Mädchen und schwebte dann auf den Mond. Sie hatte den Mond so gedreht, dass er zur Hängematte diente und schaukelte dann leicht hin und her.

Einmal winkte sie auch.

Nach tiefem Schlaf wachte er vom Gesang der Möwen auf.

Die Träume stellten Bilder vor seine Gedanken – noch im Halbschlaf wusste er plötzlich, dass es dem Mädchen gut ging. Das sah er in dem Traum.

Er weckte den Bruder und die Mutter und sie gingen zum Refektorium.

Um punkt sieben begann der Vorleser in vollem Templer Ornat mit der Morgenandacht.

Die Novizen begannen mit einem Gregorianischen Choral, und alle Anwesenden fielen so gut sie konnten ein.

Denn nicht alle Anwesenden waren Christen, die Templer machten keine Unterschiede und empfingen in ihrem sicheren Schutz alle ohne Ansehen der Herkunft oder Religion.

Man sah auch Türken, Berber und Wikinger –

wie auch Mongolen und Araber.

Die Kompturei lag an einem wichtigen Hafen, einem Schnittpunkt der Handelswege.

Nachdem der Vorleser die Andacht mit dem üblichen Gleichnis – heute dem Bild von den Vögeln, die nicht sähen oder ernten und doch Nahrung haben – beendet hatte, begrüßte er alle Gäste, und bat Platz zu nehmen.

Auf dem großen Tisch standen viele Kessel mit warmer Grütze und Krüge mit Milch.

Zur Kompturei gehörte natürlich auch ein großes Landgut für die Nahrung der Templer, hospitder Reisenden und der Kranken im angeschlossenen Hospiz. Genauso wie in der  ersten Kompturei in Jerusalem.

Unsere kleine Familie ging auch zu dem Tisch und fand Platz bei zwei Arabern in weißen langen Gewändern.

Der Bruder holte drei Holzschalen, füllte sie mit Grütze und Milch und brachte sie der Mutter und dem Zigeuner.

Dann noch Krüge mit Milch. Auf dem Tisch stand kein Wein. Den würde es wohl erst am Abend geben.

Dieses einfache Gericht, die Grütze mit Milch kannten sie nicht, denn Milch war selten in der Heimat St. Maries de la Mer. Stiere gab es und Pferde, aber Kühe nur für die Stierzucht.

Nach den ersten Bissen wendete sich der Zigeuner zu den Arabern und fragte höflich woher sie wohl kämen. Hier sähe man diese schöne weiße Kleidung nur selten.

Die Männer schauten hoch, sprachen kurz miteinander auf Arabisch, und dann sagte der Jüngere in gebrochenem Dialekt der Provence

„wir kommen weither aus dem Süden. Aus Sinai. Kommt noch Frage? Handel mit Elfenbein. Kommt aus Afrika. Elfenbein geschnitzt. Schachfiguren. Teuer in Paris.“

„Das ist ja sehr aufregend. Und was macht ihr gegen die Räuber?“ – das war in diesen Zeiten die erste Frage an reisende Händler.

„Hilft uns Garde von Mamluken“.ml

„Und wo sind  diese? Warum nicht hier zum Essen“?.

„Essen draußen. Wenn arbeiten, kein Dach wollen. Gefährlich, Feind oder Räuber von oben kommen“.

Dann fragten sie nach seiner Familie und hörten von dem Problem wegen des Mädchens vom anderen Stamm.

„Kennen wir. Bei uns gleich. Falsche Heirat, manchmal umbringen“.

Der Zigeuner dachte an seine Probleme – die Angst stieg plötzlich wieder hoch bis zum Hals. Doch die Familie war ja sicher hier.

„ Wo ist Sinai genau? Am Mittelmeer? Hab` ich noch nie gehört“.

„Nein“ antwortete der andere, „weiter im Süden – Meer ist arabisch. Segeln nach Indien“.

„Segeln?“ fragte er zurück, „Segelboote“?

„Ja, nennt man Dhau“.

Jetzt wusste der Zigeuner plötzlich woher der Vater diese Boote kannte, und bauen konnte, und es ihm gezeigt hatte. Der Vater musste dort gewesen sein. Der Vater hatte ihm aber nie Zeichnungen gezeigt. Nur erklärt, wie man solch ein Boot baut.

Er fragte weiter: „Ich habe solch ein Boot. Aber nie Pläne gesehen. Mein Vater hat mir nur gezeigt wie es geht“.

„Keine Zeichnungen gibt. Plan im Kopf bei Bootsbauern. Hab‘ oft als Kind gesehen wie machen. Erst Blanken zusammen genäht mit Schnur bis fertig, dann geformte Spanten eingesetzt – heißt geschnürter Bootsbau.“

Als der Zigeuner endlich fragte, wo man diesen Bootsbau lernen könne und ob es auch große Frachtsegler gäbe, antwortete plötzlich der Ältere: „Komm zu uns. Du bist herzlich dhaueingeladen. Bring auch deine Familie mit. Hier sind sie sicher. Der Gast ist bei uns heilig. Auch als Christ, wie ich an der goldenen Kette mit dem Kreuz an deinem Hals sehe.

Da du die Technik schon kennst wirst du nicht lange brauchen um zu lernen wie man auch große Lastschiffe baut. Im südlichen Meer kennt man solche Schiffe mit 200 Tonnen Frachtladung.“

Der Zigeuner dankte ihm gerührt.

„Ich muss vorher meine Mutter in Sicherheit bringen. In den Bergen des Larzac gibt es ein Templerdorf – fast so groß wie eine Stadt, das von den Rittern beschützt wird. Dort sind alle Verfolgten sicher. Wir sind eingeladen. Ich bringe die Mutter dorthin, und mein Bruder wird bei ihr bleiben bis ich sie und auch mein Mädchen in ein fernes Land zu unserem Stamm bringen kann“.

„Die Einladung steht – komm wann immer du kannst“.

Der Bruder ging mit der Mutter zu ihrem Zimmer damit sie sich ausruhe und der Zigeuner zur Administration.

Er nannte seinen Namen, bezahlte zwei Nächte und tauschte etwas Geld mit seinem Papier, das er für die weitere Reise zum Dorf brauchen würde.

Der Verwalter sprach ihn gleich an:“ Der Eleve, der dich hierher geführt hat erzählte von deinem Boot mit Bewunderung. So etwas hätte er noch nie gesehen. Er meinte, das Boot wäre sicher sehr schnell und seetüchtig. Kannst Du es mir zeigen? Auch eine kurze Tour aufs Meer mit mir machen?

Wir Templer suchen immer Möglichkeiten um das Reisen besser und sicherer zu machen. Deshalb das Papiergeld, deshalb die sicheren Wegstationen, deshalb haben wir auch leichtere Räder für die Wagen entwickelt, wobei wie bei einem Fass Eisenringe auf fragile Räder heiß aufgeschlagen werden. Das ist weit besser als die schweren Ochsenkarren wo die Räder aus Vollholz sind.

Und bei Postkutschen wird jetzt der ganze Wagen mit Lederriemen aufgehängt. Das macht das Reisen viel bequemer“.

„Es ist gerade schönes Wetter“ antwortete der Zigeuner „wir können gleich gehen“.

Der Verwalter stimmte zu, übergab den Empfang einem anderen Templer, zog einfache pkKleidung an, warf noch schnell Ölzeug über den Arm und ging mit dem Zigeuner zum Hafen.

Der Verwalter fragte ständig, wollte alles Wissen, über das Segeln. Über das Meer, über Schiffsbau, über die Erfahrungen, und dann als er hörte, woher der Zigeuner stammte, über dessen Heimat St. Maries de la Mer.

Der Verwalter war in jungen Jahren selbst dort gewesen, im Studium hatte er sich lange mit den Reisen beschäftigt, durch welche das Christentum verbreitet wurde.

Besonders alle Reisen des Paulus – auch mit den Überlieferungen wie aus Saulus der Paulus wurde, aber dann auch ganz besonders mit dem Ursprung von St. Maries de la Mer.

Sie tauschten sich über ihr Wissen aus, und so entstand für beide ein neues Bild,  der Geschehnisse vom Ursprung der Stadt.

Im Jahre 40 nach Christi Geburt, die Christen waren aus Palästina vertrieben.

Joseph von Arimatia – ein weitgereister Kaufmann, suchte einen Ort, wo die wichtigsten Christen sicher vor der Verfolgung durch die Römer sein konnten. Denn Augustus konnte natürlich mit Christus keinen Weltherrscher dulden.

Die unwirtliche Küste der Camarque mit Sümpfen und Mückenschwärmen war für römische Soldaten zu unwirtlich.

Ein Boot ohne Segel trieb übers Meer von Palästina aus und brachte dann alle dorthin.

 

Es waren Maria Jacobäa, die Tante Jesu, Maria

Salome, die Mutter der Apostel Johannes

und Jacobus, auch Lazarus, den

Jesus von den Toten auferweckte, mit

seinen beiden Schwestern Martha und

Maria Magdalena. Weiter waren dabei Maximin, Sidonius, der geheilte Blinde

und Sarah, die schwarze Dienerin.

Sie erreichten den Strand.

Zum Dank errichteten sie an dieser Stelle eine einfache Gebetskapelle zu Ehren Maria,sar

der Mutter Jesu.

Maria Salome und ihre schwarze Dienerin Sarah blieben in der Camarque und wurden dort auch beerdigt.

Ihre Gräber wurden bald angebetet.

Im 9. Jahrhundert kam statt der Kapelle eine Kirche, die später zur Festungskirche ausgebaut wurde.

So kannten beide sie.

In der Krypta der Kirche liegen die Reliquien der heiligen Sarah, der Schutzpatronin der

Roma und Sinti.

Jetzt waren sie am Hafen. Ein Knappe setzte sie über zum Boot des Zigeuners.

Der Zigeuner steckte Pinne und Ruder ein, zog das Segel hoch, und machte das Tau von der Boje los.

Kurz riss er das Ruder hin und her um etwas Fahrt zu machen, dann fing sich eine Böe im Segel und sie konnten mit zwei Schlägen die Hafenausfahrt erreichen.

Die große Mole blieb bald hinter ihnen, der Seegang nahm zu, größere Wellen klatschten gegen den Bug.

Der Zigeuner dachte bei sich, das war wohl eine gute Einleitung um dem Mitsegler all die Schönheit des Segelns, die Geschwindigkeit eines Bootes auch bei mittlerem Wind und die Ruhe, die jeden Menschen ruhig und gelassen sein kann, zu zeigen.

Seine Überzeugung nach vielen Jahren auf dem Wasser war es, das alles was man tut im Leben mit Gelassenheit besser gelingen würde.

Das Segeln, besonders das Segeln in Einsamkeit kommt dem Meditieren im Kloster gleich, Leben und Meditieren in der Stille.

Ihm jedenfalls waren immer dort die wichtigen Dinge eingefallen, die Einfälle, wie der Name sagt, waren Gedanken, die fallen, von oben herab fallen, aus der anderen Welt, einer Welt wo vielleicht auch sein Vater jetzt war, er brauchte nur mit seinen Gedanken einen Trichter aus Augen, Atem, den Gefühlen in allen Gliedern zu formen, und auf die Einfälle, die guten Gedanken, die Lösung eines Problems zu warten während der Wind über alle sensitiven Zellen seines Körpers strich, die Ohren das Rauschen und Plätschern der Wellen und die Schreie der Möwen, die sich zu Melodien formten, hörten.

Eine Stunde lang segelten sie auf das offene Meer hinaus. Er wollte seinem Begleiter erst das Gefühl dieses Segelns, die friedliche Gelassenheit, das meditative der Gedanken, und die Weite des Meeres vermitteln.

Zwischendurch kreuzten sie hoch am Wind und der Templer wurde zum Ausreiten immer nach Luv beordert, mit schnellen Bewegungen, die viel Aufmerksamkeit erforderten. Bald ging das auch ohne Kommando.

Nach etwa einer Stunde segelte der Zigeuner bei leichtem Wind mit etwa drei Windstärken aus Süden wieder in Richtung Hafen.

Jetzt konnte man sich gut unterhalten, und der Zigeuner begann das Gespräch.

„Vor dem Abend gestern hätte ich nicht gewusst, ob und wie man größere Frachtsegler bauen könne. Doch beim Abendessen saßen wir neben Arabern aus Sinai.

An den Küsten dieser Halbinsel werden Frachtsegler mit bis zu dreißig Tonnen Zuladung gebaut. Der Schiffstyp heißt Dhau.

Wie das Boot in dem du jetzt sitzt.

Als ich nach Plänen fragte, hieß es: die gibt es nicht. Der Bootsbauer lernt lange Jahre lang bei einem Meister. Dann hat er den Bau der Boote im Kopf.

Kurz – mich hat mein Boot immer schnell und sicher überall durch gebracht. Ich muss wohl als Kind meinem Vater beim Bootsbau geholfen haben.

Jetzt weiß ich auch, nach den Gesprächen mit den Arabern, dass mein Vater aus dieser Gegend stammen muss. Der Sinai Halbinsel.

Die Händler haben mich zu sich eingeladen. Dort könnte ich alles lernen. Auch den Bau größerer Segler.“

Eine Weile hörte man nur das Rauschen und Plätschern der Wellen.

Er fand im Bug noch etwas Fladenbrot vom Proviant von gestern und warf den Möwen kleine Bröckchen zu.

Im Flug noch haschten sie die Bissen.

Der Zigeuner sprach wieder.

„Lange Zeit wollte ich mit Handel das Geld für meine Familie und mein geliebtes Mädchen verdienen, damit wir in die sichere Urheimat unseres Stammes ziehen könnten, aber nun, denke ich immer mehr an den Bau von großen Seglern.

Alles was du mir erzählt hast, die Sicherheit der Reisenden und Kaufleute, die blühenden Städte, die Hospize, sagt meinem Herz, dass es gut ist, den Templern zu dienen und deren Belange zu fördern.“

Sie schwiegen eine Weile.

Das Boot zog ruhig segelnd nach Norden, zum Hafen.

Plötzlich gab es einen riesen Krach und das Boot flog in die Höhe, fiel wieder ins Wasser, dann zur Seite gedrückt bis in Lee Wasser überkam, das Wasser brodelte und zischte, Gischt wehte fort.

„Am Boot festhalten“ schrie der Zigeuner, er wusste gleich  was passiert war, ein riesiger Fisch hatte sie gerammt.

Und wieder krachte es, jetzt kam der Stoß von der anderen Seite, dann von Luv hinten, und immer kochte die See, und die Gischt nahm alle Sicht.

Endlich nach Augenblicken, die ihnen ewig lang vorkamen, eine Pause und rechts tauchte der große Fisch an der Oberfläche auf.

Es war ein Blauhai. Ein alter Blauhai. Die Haut war schrundig und  voller Narben. Er musste wohl schon früher den Fischern entkommen sein. Im Rücken steckte eine abgebrochene Harpune. An einem metallenen Widerhaken hingen Fetzen eines groben haiNetzes.

Das linke Auge blickte den Zigeuner böse an, oder jedenfalls sah das so aus.

Der würde nie aufgeben. Er hatte in seinem langen Leben so viel Unbill erlitten. War wohl oft den Netzen der Fischer entkommen. Und jedes Mal schlauer geworden. Und nun nur noch voll Hass. Hass gegen alles Menschliche.

Nein, der würde nie aufhören bis das Boot zertrümmert wäre und die Gegner ertrunken.

Das Auge zeigte diesen Willen zur Zerstörung, einer Zerstörung, die erst mit dem Tod des Gegners enden würde oder einen Schwimmer unter Wasser drücken würde bis der Atem ausging.

Blitzschnell rasten diese Gedanken dem Zigeuner durch den Kopf.

Eine Möglichkeit blieb ihm. Kämpfen und den Gegner töten.

Und das so schnell wie möglich, bevor irgendwelches Blut weitere Haie anlocken würde.

„Halt dich fest“ schrie er den Templer an, „auch an einer letzten Planke, wenn das Boot zertrümmert ist“.

Dann riss er sein Messer aus dem Gürtel und tauchte in das Wasser.

Es gab nur zwei Möglichkeiten zu überleben.

Die erste und einfachste war, tiefer zu tauchen, unter den Fisch zu schwimmen und mit dem Messer den Bauch auf zu schlitzen.

Das Messer war aufgeklappt recht lang, in Toledo geschmiedet und wahnsinnig scharf.

Doch da gab es ein Problem.

Das Blut des Haies würde sofort andere anlocken und da konnten sie nicht mehr entkommen. Zum Schwimmen war die Küste zu weit, auch mit Boot ging es nicht, es schwamm wohl noch, aber Segeln war nach diesem Krachen und Splittern nicht mehr möglich.

Also blieb nur die zweite Möglichkeit.

Dem Blauhai das Messer direkt in das Gehirn zu stoßen!

Sofort und genau gezielt.

Der Augenblick war vorbei.

Der Hai tauchte und fing wieder an das Boot in die Luft zu schleudern.

Wieder krachte es auf das Wasser.

Wieder brachen noch mehr Holzteile.

Wenn das Boot als Dhau nicht so flexibel geknotet gebaut worden wäre, hätte dieser Aufprall das Ende bedeutet.

Der Zigeuner beobachtete den Fisch.

Der wälzte sich bei jedem Angriff auf die Seite, um auch mit seiner Schwanzflosse das Boot zu zerschlagen.

Nach drei Versuchen kam plötzlich das Hirn des Fisches genau vor sein Messer.

Ein Stoß mit aller Kraft, die dem Zigeuner nach dem Tauchen blieb, stieß er zu und alle Muskeln des großen Fisches erschlafften.

Sie waren gerettet.

Der Fisch war tot.

Das Boot war halb zertrümmert und Segeln konnten sie nun nicht mehr.

Der Zigeuner war auf die Trümmer geklettert und versuchte wieder zu Atem zu kommen. Der andere hielt ihn derweil fest, damit er mit dem Wellengang nicht wieder ins Wasser rutschte.

Dann banden sie ein großes Teil des zerrissenen Segels an den zerbrochenen Mast und setzten ihn wieder in den Mastfuß.

So würden sie leichter von anderen Boote gesehen werden.

Der Nachmittag kam, niemand bemerkte sie, die Dämmerung kam und immer noch waren sie allein.

Eine Hoffnung hatten sie, der Wind blies gen Norden,  und langsam trieben die Wellen sie in die richtige Richtung. Richtung Land und Hafen.

Endlich, kurz ehe es dunkle Nacht wurde, entdeckte sie ein Segler.

Der Fischer näherte sich, ließ sein Segel flattern, kam längsseits und sie konnten in das andere Boot klettern.

Sie waren gerettet.

Nun war es Nacht. Der Himmel war wolkenlos, alle Sterne funkelten im tiefen Blau.

Der Mond war halbvoll und so schien genug Licht für den Fischer um zu sehen wohin er segeln wollte und bald war auch die Einfahrt des Hafens und die große Mole zu sehen.

Als er sie am Kai absetzte bat der Zigeuner, er möge doch am nächsten Tag in die Kompturei kommen damit er ihn belohnen könne.

Das versprach der Fischer, grüßte und wünschte gute Nacht.

Müde schlichen die Beiden mehr als sie gingen zur Kompturei.

Der Zigeuner ging zu seiner Familie.

Keiner fragte etwas.  Sie kannten das. Wie ein Mensch aussieht, der auf dem Meer gekämpft hatte.

Die Mutter hatte eine Schüssel mit Eintopf in einer Decke warm gestellt und der Bruder goss ihm einen großen Krug Wein ein.

Als endlich die Anspannung  des Kampfes von ihm wich, füllten sich seine Augen mit Tränen.

Einzelne große Tränen tropften auf seine Wangen.

Erst ein großer Zug aus dem Rotweinkrug, warten, tief atmen, jetzt konnte er essen.

Das warme Bohnengericht verschwand Löffel für Löffel in seinem Magen.

Je mehr der Eintopf sein Inneres füllte, desto wohler wurde ihm. Die ersten klaren Gedanken wurden sichtbar.

Alles, was er geplant hatte, würde auch weitergehen. Auch ohne sein geliebtes Boot.

Das Krachen und Splittern des Bootes fuhr ihm wieder als verzweifelter Schmerz in die Glieder, seine Gedanken und das Herz.

Ein großer Schluck Wein beruhigte ihn.

Er wusste ja, wie man Boote baut. Die Technik des Nähens der Bretter.

Es wird alles gut beruhigte er sich.

Als er den ersten Hunger gestillt hatte, begann er zu berichten.

Keiner hatte bisher etwas gefragt, aber die Sorge und die Fragen standen in beider Augen.

Er berichtete von dem Wunsch des Vorstehers das Boot kennen zu lernen, ihr Segeln und Kreuzen nach Süden aufs offene Meer hinaus, die Gespräche über St. Maries de la Mer, den Bootsbau.

Dann die Umkehr, die schnelle Fahrt mit vollem Segel und zuletzt der Kampf mit dem riesigen Fisch, einem alten erfahrenen Blauhai.

Obwohl er versuchte, nur die mageren Geschehnisse zu berichten, wusste er doch, und in den Augen und an der Mimik sah er, dass beide wussten wovon er sprach.

Die Mutter zitterte bei dem Gedanken an diesen Kampf der beinahe sein letzter geworden wäre, wenn der Fisch ihn unter Wasser gedrückt und dort festgehalten hätte, und stand dann auf um den Sohn fest zu umarmen und beider Herzen klopften im Gleichtakt laut.

Nun waren alle erleichtert, sie waren wieder zusammen und der Zigeuner konnte wieder scherzen und neue Überlegungen und Ideen mit ihnen besprechen.

Ohne Boot konnte er nicht bleiben.

Aber die Reise zu dem sicheren Templerdorf stand auch an.

Die Mutter meinte, dass die Reise ja nicht so dringend war. Sie könnten sicher hier in der Kompturei bleiben bis das neue Boot fertig wäre.

Der Bruder meinte, sein Boot wäre ja auch noch da, und er fände es besser, aufzubrechen und die Mutter in dem Dorf zu wissen, wo sie ein eigenes kleines Haus haben würde, ein richtiges neues Haus mit verschiedenen Zimmern, Küche mit einem großen Kamin, der das Haus wärmte und Feuer zum Kochen bot, Schlafraum, Vorratsraum und so weiter, vielleicht gar ein Garten für Hühner und Gemüse Anbau.

Die Mutter strahlte bei den Gedanken an diese neue Heimat.

Das gab den Ausschlag.

Sie beschlossen auf die Reise zu gehen.

Am nächsten Morgen ging der Zigeuner zum Vorsteher, um alles zu besprechen und besonders zu fragen, wie es ihm ginge, ob er sich erholt hatte, und keine Schmerzen ihn plagten. Denn er hatte erst nach dem Tod des Fisches bemerkt, dass der Freund stark an mehreren Stellen blutete, und durch den Blutverlust ermattet wirkte.

Da er am Abend bevor der Fischer sie rettete nichts tun konnte, hatte er auch nicht gefragt. Nun gestand der Freund, dass er auch noch bei dem hin und her des Bootes mehrmals heftig gegen die Bordwand geschleudert worden war und das Knie verletzt und den linken Fuß verstaucht hatte.

Aber die Versorgung seiner Wunden im Hospiz – wo er dann auch zuerst mal gegessen hatte, hätte ihn wieder hergestellt.

Der Zigeuner war sehr erleichtert und froh darüber.

Dann sprach er von dem Familienbeschluss, dass alle zuerst die Mutter in das sichere Templerdorf bringen würden, und er selbst dann den Bau größerer Segelschiffe für die Aufgaben der Templer in Angriff nehmen würde.

Die Reiseroute, so erklärte der Freund ihm, beginnt westlich von hier an der Küste wo ein Fluss ins Meer mündet. Der nächste Treck beginnt übermorgen um acht Uhr nach dem Frühstück.

Leichte und bequeme gefederte Reisewagen von ausdauernden Pferden gezogen für die Flüchtlinge und begleitet von den üblichen Tempelrittern zu zweit würden sie bald dorthin bringen.

Der Weg führte auf einer alten Römerstraße nach Norden in die Berge.

Der Zigeuner zahlte für sie drei mit seinem Daumendruckpapier.

Jetzt war alles für die Sicherheit der Mutter geregelt. Gegen die Tempelritter kam in dieser Zeit niemand an.

Da  fiel ihm plötzlich das Mädchen ein.

Die Liebe zu ihr, der Wunsch sie zu beschützen, das musste jetzt das erste Ziel sein.

Noch vor dem Wunsch mit seinen Fähigkeiten, besonders auch der Fähigkeit Boote zu bauen, wollte er alle Gedanken, jede Überlegung darauf verwenden sie zu schützen und zu sich in eine sichere Heimat zu holen. Und dann eine glückliche Familie zu gründen.

Mit großer Willenskraft versuchte er seine Gedanken zu ordnen, kaum machbar, denn jedes Mal tauchten ihre Lippen vor ihm auf, die Empfindung  ihrer zarten Haut schlich sich unter seine Finger, das Herz schlug höher.

Ein tiefer Atemzug und er hatte sich gefangen.

Der Zigeuner fragte sich nach der Schmiede durch. Nach den Reden des Freundes war der Schmied dieser Kompturei einer der besten die es in ganz Frankreich gab. Er hatte wohl in Toledo sein Handwerk gelernt. Toledo – so erzählte man – war seit vielen Jahrhunderten toledodas Zentrum der Schmiedekunst. Dorther kamen die besten Messer und Schwerter.

Auch sein Messer, das Messer, das den Fisch getötet hatte kam aus Toledo. Ein Messer aus Damaszener Stahl. Der Stahl, bei dem das Eisen immer wieder glühend gemacht wird, dann zusammen gefaltet, dann mit Hämmern glühend geschmiedet, wieder geglüht, wieder zusammen geschmiedet und das so oft, bis der Kohlenstoff des Eisens fast völlig verschwindet und der härteste Stahl entsteht. Endlich hat der Stahl die bekannte Maserung des Damaszener Stahls.stal

Dort war die Schmiede direkt neben der Kirche.

Diese Nähe schien dem Zigeuner plötzlich eine Bedeutung zu haben.

Waren die Schmiede nicht die ältesten Handwerker der Welt?

Vom Göttersohn Hephaistos begonnen?

Hephaistos den Zeus aus Unwillen etwas verkrüppelt hatte? Oder hinkte er?

Er musste den Schmied fragen.

Hoffentlich waren nicht nur die Gesellen da.

Ein festgefügtes Steinhaus mit großem Tor. Natürlich, die Wagen, Reisewagen, Leiterwagen und Kutschen wurden hier repariert, mit Federn versehen, den Rädern neue Metallreifen aufgezogen.

Rechts fand er eine kleine Tür und ging hinein.

Ein melodischer lauter Krach empfing ihn.

Links hinten war eine riesige Esse, zwei Lehrlinge sprangen auf Blasebälgen auf und ab um das Kohlefeuer heiß zu halten. Andere hielten mit langen Zangen Eisenstücke ins Feuer bis sie rotglühend in der richtigen Temperatur geschmiedet werden konnten. Ständig kamen andere mit neuen Teilen, Nägel, Bolzen, Federn, Messer und Schwerter, Rollen für Flaschenzüge, die Hufeisen der Pferde nicht zu vergessen.

Rechts standen sieben große Ambosse, an denen je zwei Gesellen schmiedeten.

Es war wohl laut, ohrenbetäubend sogar, aber erträglich durch den Rhythmus des Hämmerns und die Melodie der unterschiedlichen Töne, je nachdem ob große oder kleine Metallstücke  bearbeitet wurden.

Der Zigeuner setzte sich auf einen alten Wagen und schaute zu. Das Geräusch, die Melodie, der Rhythmus begeisterten ihn immer mehr.

Nach einer Weile konnte er am Klang unterscheiden, ob es ein Hufeisen, ein Messer, eine Stahlfeder oder nur kleine Nägel waren.

Plötzlich fühlte er sich heimatlich, so zu Hause, wie er es auf dem Meer war. Ding pling, deng pleng, dong plong, ding pling, deng pleng, dong plong. Ein Lied mit wechselndem schmiedTon und Rhythmus.

Plötzlich ein anderer Ton. Neben der Tür hingen zwei unterschiedlich lange Metallstäbe. Ein  Lehrling nahm einen dritten Stab in die Hand und klopfte hin und her auf die Anderen. Kling, Klong, Kling, Klong – die Frühstückspause.

In der Schmiede wurde es still – ein Stück Speck, Brot und Wein standen jedem zu.

Jetzt tauchte auch der Schmied auf. Ein großer stattlicher Mann. Kräftig gebaut, schwarzes wildes Haar, eine imposante Erscheinung.

Der Zigeuner stellte sich vor, erwähnte auch den Freund, der ihm den Kontakt zum Schmied empfohlen hatte.

Der Schmied lud ihn zu seiner Vesper in einer Ecke der Schmiede ein. Dort war ein erhöhter Platz wo man alles überblicken konnte, wo aber auch die Gesellen ihn schnell fanden wenn Fragen zu einem geschmiedeten Teil beantwortet werden mussten.

Der Schmied stellte zwei Becher mit Rotwein auf den Tisch und holte aus einer Kiste Brot, Speck, Oliven, Räucherfleisch und gesalzene Heringe.

Kein Wunder, dachte der Zigeuner, dass der Schmied so kräftig, ja fast dick aussah.

Der Zigeuner erzählte kurz aus seinem Leben, über das Fischen, das  Segelboot und die aktuellen Probleme mit der Flucht. Er wusste, dass er nach solch einer  Einleitung andere  schneller  ausfragen konnte, ohne zu viel Neugier zu zeigen.

Denn neugierig war er, besonders als er den Schmied genauer ansah, die Gesichtszüge, die wilden Haare, die sonnengebräunte Haut. Er fühlte sich zu ihm hingezogen, so hingezogen als ob eine Seelenverwandtschaft  bestünde.

Sie tranken Wein und langten beide kräftig zu. Pause.

Dann sagte der Schmied „ich sehe die große Frage in deinen Augen. Du hast Recht. Ich bin auch Roma. Und nicht nur das, sondern offensichtlich auch vom gleichen Stamm. Meine Eltern kamen aus einer Sippe, die – so geht die Überlieferung – ihren Ursprung vor etwa dreitausend Jahren in Persien  hat.“

Der Zigeuner fragte „aber was hat das mit der griechischen Sage vom missgestalteten Sohn des Zeus Hephaistos zu tun? Dem Begründer der Schmiede Kunst? „

„Denk‘ doch mal nach“ antwortete der Schmied.

„Die Schmiede braucht jeder, aber sie sind den Menschen unheimlich. Da entsteht plötzlich aus Feuer, schwarzer Kohle und Steinen pures Gold. Das müssen doch Zauberer sein. Besser sie wohnen vor dem Dorf.

Die Griechen verpackten Wahrheiten oft in Sagen. Die Wahrheit ist jedenfalls, dass oft heute noch alle Schmiede Roma oder Sinti sind. Die hier und die draußen als wandernde Kesselflicker.

Was du hier machst, weiß ich nicht, aber was ich weiß ist, ich fühle mich wie ein Bruder zu dir. Salve! Die Pause war zu Ende. Geh‘ einfach überall rum und sieh dir an, was wir hier schmieden.“

Der melodische Lärm begann und hallte aus allen Ecken wieder.

Erst wusste der Zigeuner nicht, wo er zuerst zuschauen sollte, Seilzugrollen mit Kerbe für das Seil, Wagenräder, Fassreifen, Hufeisen – dann suchte er jedoch was ihm am Herzen lag, Damaszener Stahl.

Er fand den Platz nahe der großen Esse. Denn öfter als beim Schmieden anderer Werkstücke musste dieser Stahl ständig erhitzt, gefaltet, zusammen gehämmert, und immer wieder und wieder, bis die Kohle fast völlig aus dem Metall getrieben war.

Er sah lange zu, wie ein Schwert entstand. Erst der geschmiedete Rohling mit dem typischen Damaszener Muster, dann die Form schleifen, dann der Knauf und zuletzt die Inschrift darauf, die jedes Templerschwert zierte:

Non Nobis, Domine, Non Nobis, Sed Nomini Tuo Da Glorium
Nichts für uns, Herr, nichts für uns, sondern für die Ehre deines Namens.

Als alles fertig war, hielt ein Geselle das Schwert waagerecht mit der Schneide nach oben.

Der Schmied wurde gerufen. Er nahm eine Daunenfeder und ließ sie auf die Klinge fallen. Zwei Hälften segelten herab. Das Schwert war fertig und konnte den Tempelrittern übergeben werden.

Der Zigeuner folgte mit den Augen  den beiden langsam zu Boden segelnden Federteilen.

Klar, dass die Tempelritter alle Schlachten gewönnen. Klar, dass sie alle Reisenden beschützen könnten. Auch die Reise seiner Familie.

Über die Schärfe dieser Schwerter gab es unzählige Geschichten: etwa wie ein Feind es nicht merkte, dass sein Bein abgeschlagen war, er war einfach weiter gerannt bis er hinfiel. Oder einer ohne Kopf lief, wie es Hühner beim Schlachten oft tun.

Der Zigeuner blieb den ganzen Tag lang und fragte pausenlos den Schmied und alle Gesellen über alle Techniken des Schmiedens.

Am nächsten Morgen ging der Zigeuner in die Schreinerei. Der Meister begrüßte ihn. Sein Templer Freund hatte ihn angekündigt, weil dort ja irgendwann große Lastsegler gebaut werden sollten.

Eine große Halle, das Kreischen von Kreissägen, das Rattern der auf und ab sägenden Gitter einer Brettersäge, Bohren, Schnitzen, Hämmern, überall Haufen von Sägemehl, Hobelspänen, lange schwingende Ledertreibriemen, die Kraft kam von einer Wassermühle vor dem Sägewerk.

Ja, das sah gut aus dachte der Zigeuner. Hier war alles da. Maschinen, Handwerker, Holz, ja hier könnte man große Segler bauen.

In der Frühstückspause fragte der Schreinermeister was denn besonders Interessant wäre, und war voll begeistert, als er vom Schiffsbau hörte.

Klar, dachte der Zigeuner, Schiffe sind für jeden Menschen etwas geheimnisvolles, der Sehnsucht Nahes, fast alle Menschen verbinden mit der Schifffahrt Träume und Glück.

Mit einem Stück Holzkohle zeichnete der Zigeuner die Einzelheiten seines Bootes auf ein Brett, dann die Einzelheiten, wie die Rumpfbretter ausgeschnitten werden, wie das Nähen mit Schnüren das Boot flexibel und sicher macht, wie Mast und Maststuhl aussehen, und besonders sprach er von den verschiedenen Hölzern, die man verwenden könne.

Im Nu war die Pause zu Ende, der Meister strahlte, klopfte dem Zigeuner auf die Schulter und sagte: “ ja, das machen wir. Ich besorge alles nötige Holz. Wenn du dir wieder ein Boot bauen willst, werden alle Schreinergesellen dir helfen.“

Kurz überlegte der Zigeuner, aber ohne Boot wäre er nur ein halber Mensch.  Wenn die Familie sicher im Templerdorf war, könnte er doch den Anfang des Bootes hier noch überwachen bis er wieder zur Turmwindmühle musste.

Mit dem Schreiner besprach er also alles, was schon vorbereitet werden konnte. Welches Holz, welche Stärken, welche Nägel aus der Schmiede und so fort.

Er verabschiedete sich und ging sinnend zum Zimmer der Mutter.

Am nächsten Morgen standen zwei Reisewagen vor dem Eingang der Komturei. Die kleine Familie kletterte zusammen mit den anderen Flüchtlingen – insgesamt sechzehn Personen – in die vierspännigen Kutschen, vorne zwei Tempelritter, hinten zwei Tempelritter und los ging es.

Erst ging es eine Weile nach Westen bis man auf die alte Römerstraße traf. Schnurgerade und mit starken Steinen gepflastert bog sie ab in die Berge und folgte dem Fluss, der seine Quelle dort oben in den Bergen des Templerdorfes hatte.

Die Ebene des Tales am Meer stieg langsam an, der Weg wurde steiler, rechts sah man den Fluss sich durch sein Tal schlängelnd, das Gespann musste kräftiger ziehen.

Wegen der Gefahr von Überfällen fuhren die Wagen ohne Rast zügig weiter.

Mit der Zeit legte sich die Aufregung des Aufbruchs, und das klirren und singen der Hufeisen wurde zum beruhigenden Rhythmus.

Bald näherte sich die Straße einem Wald aus Korkeichen, Pinien, Zypressen und Aleppo-Kiefern.

Gegen Mittag packten die Reisenden ihre Beutel mit Essen aus, die Sonne stand nun hoch am Himmel und wärmte alles, besonders der Duft der Bäume war berauschend.

Trotz der guten Federung aus breiten Lederriemen schaukelten die Wagen doch beträchtlich.

Die Mutter reichte den Beutel den Söhnen ohne alles schön und appetitlich aus zu breiten.

Dann reichte der Zigeuner einen großen Lederbeutel mit Wein herum. Das reichte für alle in diesem Wagen. Man bedankte sich, doch niemand vergaß dabei aufmerksam die lfUmgebung zu beobachten. Je früher man Überfälle durch Wegelagerer bemerkte, desto schneller konnte man reagieren und kämpfen. Denn es gab zuweilen Räuberbanden, die so groß waren, manchmal bis zu fünfzehn Mann stark, die auch Tempelritter angriffen.

Beim ersten Anzeichen bließ der Kutscher ein spezielles Signal. Die Ritter zogen ihre Schwerter und die Reisenden Messer – auch die Frauen hatten natürlich große Messer zum Schneiden von Fleisch, Fisch oder Gemüse.

Die Reisenden im Wagen unterhielten sich gerade über die Überfälle als plötzlich der Kutscher des ersten Wagens sein Hornsignal der Gefahr ausstieß.

Schon tauchten die ersten zerlumpten Gestalten aus dem Dickicht des Waldes auf, die Templer zückten ihre Schwerter, jeder bewaffnete sich so gut er konnte, doch die in der Sonne blitzenden Schwerter und Messer funkelten so stark in der Sonne, dass die Zahl der Verteidiger größer schien als gedacht und die Räuber aufgaben.

Als auch die Pferde gefüttert und getränkt waren, formierte sich die Reisegesellschaft wieder und es ging weiter den Berg hoch.

Am späten Nachmittag war man endlich am Ziel.

Die Wächter des Burgdorfes öffneten das mächtige Tor, und die Reisegesellschaft zog ein.

Das Tor wurde wieder geschlossen, ein Templer begrüßte alle, fragte nach den Namen und wies einen anderen Ritter an, die Wohnungen zu zeigen.

Mutter und Bruder waren in Sicherheit.

Sie sprachen ein Dankgebet in der Kirche.

Dem Zigeuner fiel ein Stein vom Herzen.

Der Tempelritter führte sie zu einem zweistöckigen kleinen Haus, wo sie Platz im unteren Geschoss fanden.

Mit Tränen in den Augen dankte die Mutter  dem Führer.

Schnell war alles ausgepackt, und die Mutter machte ein Feuer in der Kochstelle.

Erst gab es heißen Kräutertee, dann buk sie Fladen und dazu gekochte Bohnen und Kichererbsen.

Am nächsten Morgen fanden sie den Markt, wo man alles kaufen konnte.

Salz und Mehl, Gewürze und Bohnen, etwas Fleisch und Milch und Käse von den Ziegen, die dort oben in den Felsen kletterten, und starke, wohlschmeckende Bachforellen aus marktdem schnellen Fluss.

Wieder in der neuen Heimat – ihrer Wohnung, besprachen sie alles Weitere.

 

Der Bruder würde bei den Templern arbeiten, als Dank, und um genug zu verdienen für ihr Auskommen.

Den Abend verbrachten sie noch zusammen, und am nächsten Morgen ging der Zigeuner wieder fort.

Zu seiner `Baufamilie`.

Einige Tage folgte er dem Fluss, der von den Bergen talwärts rauschte. Er wollte nicht auf der Straße wandern, zu gefährlich für einen einzelnen Wanderer. Am Fluss entlang dauerte es zwar  länger, aber er wollte schauen, ab wann Holzflöße möglich wären.

Mehrmals rastete er an besonders schönen Stellen und probierte auch aus, ob er mit bloßen Händen Forellen fangen könnte.

Ein Versuch wäre es wert.

Er stieg zum Flussbett hinunter, krempelte die Hosenbeine hoch und watete in das Wasser.

Nun tauchte er die geöffnete  Hand an einer Stelle ein, wo Forellen im Strom fast reglos bachstanden.

Man musste nur warten. Nicht nach den Fischen haschen. Nein warten. Dann schwammen sie gegen den Strom in eine Höhle. Wie sie dachten. Es war aber die Hand.

Jetzt zugreifen und eine Forelle zappelte in seiner Hand.

Der Zigeuner war glücklich darüber, dass er noch schnell genug war.

 

Als der Fluss in ruhige Wasser der Ebene kam, konnte er mit einem der Frachtkähne bis ans Mittelmeer mitfahren.

Von dort nahm ihn ein Segler bis Marsilia mit.

Die Turmmühle war fast fertig ausgebaut, das Dach mit gebrannten Rundziegeln gedeckt, und man war gerade dabei die Zahnräder mit den Mühlsteinen zu verbinden.

Die Arbeiter erzählten, dass es sehr kompliziert gewesen war, die Steine mit mächtigen Flaschenzügen hoch zu hieven.

Einem war dabei der kleine Finger zerquetscht worden, Gott sei Dank nicht der Knochen.

Sie schickten nach einem Arzt – einem Heiler aus dem gleichen Stamm.

Der badete den Finger in einem Sud aus Kräutern, die er teils selber gesammelt, teils von einem Händler gekauft hatte, bei dem er geheimnisvolle Heilpflanzen fand, wie es sie  nur in fernen Ländern gab.

Danach kam ein Verband mit einer Salbe, die geheimnisvoll roch.

Dem Zigeuner war die Heilwirkung bekannt – auch wusste er, dass zu den Ingredienzien kostbare Metalle wie Gold Silber, Kupfer und Zink gehörten.

Wie immer bei wichtigem Tun, betete der Arzt für das gute Gelingen.

Der Verband wurde alle zwei Stunden erneuert. Nach drei Tagen war der Finger geheilt.

Das war gut so, dachte er, auf seine Familie konnte er sich verlassen, alle –  die Arbeiter, die Gesellen, die Schreiner und andere Handwerker.

Den Koch nicht vergessen und die Lehrer für das ABC der Kinder.

Heute war Mittwoch, am Sonntag sollte die Einweihung der Mühle sein.getriebe

Jetzt im Herbst würde sicher auch genug Wind wehen, um die Mühle zum ersten Mal anzutreiben.

Es gab viel zu tun. Noch mussten die Segel am Windrad befestigt werden, ein kurzer Probelauf zeigte, dass alles gut war.

Schwere Leiterwagen mit Ochsengespannen brachten viele Säcke mit Korn, Stapel leerer Mehlsäcke aus dichtem Tuch standen bereit, der Koch bereitete mehrere große Kupferkessel mit Gulaschsuppe vor, Fässer mit Rotwein lagerten im Keller.

Der Sonntag konnte kommen.

Da es die erste große Mühle im Stadtzentrum  der Stadt war, wurden alle wichtigen Leute der Stadt eingeladen.

Schon früh am Morgen trudelten die ersten Gäste ein.

Eingeladen waren natürlich die Honoratioren, der Bürgermeister von Marsilia, die Stadträte, Oberarzt der Kranken- und Siechenheime, die Kirche mit Kardinal und die Mönche und die Templer mit ihrem Ordensgeneral.

Wenn all die Gewerke und auch die Gitane seines Stammes und alle, die arm waren und prozsich eine Mahlzeit erhofften auch kamen, könnten es leicht zwei bis drei hundert Menschen werden.

Um 11 Uhr, als die Menge sich auf der Wiese hinter der Mühle versammelt hatte, ging plötzlich ein Raunen durch die Wartenden.

Ein feierlicher Zug mit dem Erzbischof in vollem Ornat kam aus dem Tal hoch, Weihrauch schwenkende Messdiener, Priester, Benediktinermönche in Schwarz, die Templer in Weiß mit dem roten Andreaskreuz auf der Brust, die Zünfte, Maurer, Schmiede, Tischler, – die katholischen Zigeuner mit flatternden Fahnen und Wimpeln und Musik.

Den Chor nicht zu vergessen.

Auf dem vorbereiteten Platz angekommen, und nachdem der Chor einen Choral beendet hatte, begann der Erzbischof mit dem Hochamt zur Segnung der Turmmühle.

So viele Menschen waren gekommen, dass es zwei Stunden dauerte bis alle das Abendmahl bekommen hatten.

„Dies heute ist ein bedeutendes Ereignis für unsere Stadt Marsilia“,  sprach der Erzbischof.

„Unsere Stadt wird immer größer, unsere Stadt wird immer reicher und unsere Stadt wird damit auch immer stärker.

Wohlgenährt können wir allen Sturmfluten standhalten – Sturmfluten aller Ungläubigen wo immer sie auch her kämen. Wikinger aus dem Norden, Tartaren und Hunnen aus dem Osten, Söhne Allahs aus dem Süden.

Egal ob zu Fuß, zu Pferd oder per Schiff.

Hiermit sei diese Mühle geweiht und gesegnet damit sie immer genug Mehl für das Brot der Menschen mahlen werde. Und nun sind alle eingeladen zum Fest dieser Feier. Lasst es euch schmecken!“

Nachdem die Prozession des Erzbischofs außer Sicht war, begann die Menge der Zuschauer sich auf zu lösen und die Tische mit dem Essen zu suchen.

So viele Menschen auch kamen, es reichte doch.

Der Koch hatte sich mit dem Zigeuner besprochen und die großen Mengen gekocht.

Um am Festtag alles zubereiten zu können, hatte er fünf Helfer aus den Reihen der Familie.

Mit weißen Schürzen und blauen Schifferkappen bot es ein prächtiges Bild.

Riesige Kessel mit Eintopf aus Rind, Bohnen und Gewürzen dampften.

Ein Holzkohlengrill mit vielerlei Fisch, Rotbarsch, Thunfisch, Seezunge, Zander, Kabeljau, Tintenfisch und Stockfisch.

Auf einem zweiten Grill briet allerlei Fleisch und Speck. Rind, Hammel und Schwein zur Auswahl. Sogar die köstlichen schwarzen Schweine aus den Korkeichenwäldern schmorten vor sich hin garend.

Dann Fässer voll Salzheringen von der Ostsee, Fässer saftig eingelegter Oliven, und noch viel mehr  – kaum konnte man es zählen.

Alle waren zufrieden und lagerten essend, trinkend und quatschend auf den Wiesen an dem Hügel der Mühle.

Ein buntes Volk mit all ihren Farben der Zünfte, der Geistlichen in schwarzen Sutanen, der Zigeuner, der Armen in geflickten Lumpen und der Zugereisten. Juden mit langen schwarzen Gewändern, runterhängenden Schläfenlocken und Hut, Wüstensöhne in weis und Turban, Türken mit weiten Hosen, dunkle Inder und schwarze Händler aus Afrika.

Man sah, das Marsilia eine Weltstadt geworden war. Alles war vertreten wie man an der Kleidung sehen konnte.

Normannen, Wikinger, Deutsche, Schwaben, Russen, Byzantiner, Araber, Berger, Ägypter, Perser, Mohren und Marokkaner.

Der sanft von der Mühle abfallende Hügel bot eine gute Sicht.

Der Zigeuner war glücklich – jetzt hatte er erreicht, dass er in der Gesellschaft anerkannt wurde.

Jetzt waren auch alle satt und zufrieden – leicht trunken, und man rief nach Musik.

Die Zigeuner hatten natürlich schon begonnen ihre Lieder zu singen und zu spielen – und auch zu tanzen.

Die weiten bunten Röcke wogten sanft um die Hüften – bald waren es über 30 Mädchen araberdie so ein verwirrendes Farbenkaleidoskop erzeugten.

Daneben tanzten die Griechen in Reihen den Sirtaki, Berberfrauen trillerten die hohen schrillen Schreie, in einer stillen Ecke sangen Minnesänger Liebeslieder.

Das Fest war aus.

 

Am nächsten Morgen wurden die Segel aus  weißem Leinen an den Flügeln festgeschürt, in die richtige Stellung gebracht, und dann drehten sich die Windflügel immer schneller, und das Mahlwerk knirschte ächzend.

Die Mühle begann zu arbeiten.

Der Wind wehte stetig aus der richtigen Richtung.

Als die ersten Körner zwischen die Malsteine gerieten wurde das Geräusch lauter.

Die ersten unter das Mahlwerk gehängten Säcke füllten sich  mit  Dinkelmehl – weiß und sehr fein – das würde gutes Brot geben.

Der Mühlenbesitzer dankte dem Zigeuner noch mal, besonders für die schnelle Fertigstellung.

Das sparte viel Geld.

Das freute den Mühlenbesitzer und er gab dem Zigeuner als Dank eine große Summe Dukaten.

Das würde seine Pläne sehr beschleunigen.

Und jetzt konnte er daran gehen selbst ein Haus zu bauen. Ein Kontor, wie sie mehr und mehr für die Händler gebraucht wurden.

Im Panierviertel fand er eine geeignete  Baulücke, die nahe  am Hafen lag.

Der Platz war groß genug für zwei Häuser.

Eines wollte er dann verkaufen, das andere für seine `Baufamilie` behalten.

Mit dem Eigentümer war er sich schnell handelseinig. Beim Notar wies er das Papier mit dem Daumenabdruck vor und Zug um Zug wurde er Eigentümer.

Unheimlich, dachte er, mit welch großen Schritten sein Ziel näher kam.

Rechts auf dem Grundstück zimmerten sie schnell eine Hütte zum Schlafen, Essen und für die Werkzeuge, links sollte das erste Kontor gebaut werden.

Am nächsten Morgen machte er sich auf, einen guten Baumeister zu suchen.

Die Besten kamen aus der Ausbildung der Tempelherren.

Die Templer hatten damals in Jerusalem ihre Burg auf dem Platz gebaut, wo einst der Bau Salomons mit der Bundeslade stand.

So konnten sie unbemerkt danach graben in der Hoffnung noch Heiliges zu finden.

Was sie auch taten.

Das Wissen über die rechten Maße, göttliche Maße, die nicht der irdischen Geometrie, sondern dem goldenen Schnitt entsprachen.

Bald fand er auch einen Landsmann, der ihm helfen würde, zwei Kontore  zu bauen, die festgefügt, stabil und mit den besten Eigenschaften wie Hypokausten Heizung,  fließendem Wasser und Entsorgung versehen waren.

Nach einem Besuch in der Schatzkammer der Kompturei erhielt der Baumeister Johann der Ältere auch ein Zahlungsavis mit seinem Daumenaufdruck und der Bau der neuen Kontore konnte beginnen.

Er war erschöpft.

Besonders die letzten Tage – die Mühle, das Fest, die neuen Grundstücke – und alles musste bestens organisiert sein – dann die Gedanken an die Mutter – ihre Sicherheit – Tränen kamen ihm vor Erschöpfung.

Er nahm seinen  schwarzen Hut mit der breiten Krempe und ging einen Platz suchen, wo er unter Zigeunern friedlich Wein trinken konnte.

Vorne am Hafen, man sah das Meer, Schiffe segelten draußen vorbei, Fischerboote tanzten in den Wellen mit ausgebrachten Schleppnetzen, auch pullten Matrosen eifrig um zu ihren Schiffen, die auf Reede lagen, zu kommen.

Die Weinstube war eigentlich nur ein lockeres Dach gegen Sonne und Regen, dort nahm er Platz.

Inzwischen sah er so wild aus, dass er lange allein blieb und in Ruhe den ersten Liter Rotwein trinken konnte.

Die in den letzten Wochen unerträgliche Spannung löste sich allmählich.

Beim zweiten Liter setzte sich eine blutjunge Roma zu ihm, bat um einen Schluck Wein, trank und schmiegte sich an ihn.

Ein angenehmes Gefühl, das er lange vermisst hatte. Es war ihm jetzt schon egal, ob sie nur Wein wollte, oder einsam war, oder sie seine Muskeln gerne streicheln würde, oder Geld brauchte.

Jedenfalls war es schön.

Und auch erregend.

Besonders als sie ihn berührte.

Die Stelle wurde heiß.

Erregung.

Musik erklang – Flamenco.

„Komm“ sagte sie, und zog ihn hoch.

Bald waren sie eng umschlungen und wiegten sich in den fröhlichen Rhythmen.

Mehr Wein.

Mehr Tanzen.

Mehr Erregung.

Als sie mal wieder saßen um sich zu erholen, fühlte er plötzlich ihre linke Hand, die langsam und vorsichtig sich an seinem linken Bein hochschob.

Als die Hand dort war, wo sie hinwollte, konnte er die Erregung seiner Sinne kaum mehr aushalten.

Er winkte dem Wirt, das Handzeichen bedeutete, er würde später zahlen.

Hand in Hand rannten sie an den Strand und liebten sich.

Wieder zurück,  mehr Wein, mehr Tanz, und wieder der Strand.

Währen er sich noch den Sand von den Kleidern schüttelte, war sie schon verschwunden.

Ohne ein Wort oder auch nur ein Winken.

Nur ein glückliches Lächeln spiegelte sich  in ihren Augen.

Es war Nacht geworden und am Himmel funkelten die Sterne.

Die Spannung ließ langsam nach.

Da, eine Sternschnuppe zog über den Himmel – von rechts oben nach links unten – fast zielte sie auf sein eigenes Herz.

Als wollte sie ihm etwas sagen.

Sprechen von dem Mädchen, seiner Liebe, die vielleicht in Nöten war, in Nöten ob der Zwangsheirat. Denn das konnte es nur sein, wenn sie nicht mit ihm – wo sie sich doch so sehnte bei ihm zu sein.

Der Abend heute, bekam einen schalen Beigeschmack.

Was so unschuldig begonnen hatte, Wein, Essen, Tanz, Musik – die flüchtige Begegnung, sah plötzlich gar nicht mehr so unschuldig aus.

War es aber doch.

Sympathie, unschuldiges Begehren – mit der Liebe zu dem Mädchen hatte das nichts zu tun.

Er stand auf, ging zum Wirt, zahlte und ging heim.

Das durfte nicht sein, dass sein Mädchen litt, unglücklich war, vielleicht sogar mit Zwang verheiratet wurde.

Er beschloss, sie zu entführen. Alles andere musste warten.

Mit dem Baumeister war ja schon alles geregelt. Er konnte ihm vertrauen, sein Leumund durch die Templer war gut.

Er verabschiedete sich um nun die Holzfrage am Oberlauf der Rhone zu klären und ein Floß mit besten Hölzern zu bestellen.

Jedenfalls würden alle, die nach ihm fragten diese Auskunft erhalten. Während er zu den beiden Marien segelte.

 

 

 

 

 

 

 

2

 

Das Mädchen

 

Lijia ging frühmorgens aus dem Haus. Der Morgen dämmerte fast und erste Vögel zwitscherten vergnügt. Es würde ein schöner, warmer Sommertag werden.

Sie war gerade 18 geworden, hatte einen weiten bunten Rock von der Mutter genäht bekommen und der Vater würde sicher erlauben, dass sie nun auch tanzen dürfe – nicht himmelnur wie die Kinder auf dem großen Platz vor der Kirche St. Maries de la Mer, sondern auch in den Flamenco Sälen.

Vergnügt ging sie zur Kirche um zu beten wie jeden Morgen, sondern besonders auch um den Maries zu danken für den heutigen Tag, an dem sie den neuen Rock anziehen und beim Tanz alle Blicke auf sich ziehen würde.

Das schwarze, wuschelige lange Haar wippte bei jedem Schritt vergnügt und auf den Pflastersteinen machten die neuen Schuhe tak tak.lijia

In der Kirche war es noch ziemlich düster, erst nachdem die ersten Fürbitten zu Ende waren, und das Vaterunser kam erhellte sich der Raum mit den goldenen Strahlen der ersten Sonne.

Es war noch still so früh am Morgen. Unbemerkt in der Ecke verborgen hörte sie plötzlich Schritte. Feste männliche Schritte.

Ein etwas schlampig gekleideter Zigeuner, groß, mit breiten Schultern und einer wilden Mähne auf dem Kopf. Er ging zum Altar des Heiligen Andreas in der Seitennische und betete. Also ein Fischer, der seinem Schutzpatron dankte.

Da sah sie ihn zum ersten Mal.

Verwirrt flüchtete sie aus der Kirche.

Ihr Herz klopfte bis zum Hals, tiefes Atmen zeichnete die Konturen ihrer zarten Brüste wogend unter dem bunten Hemd.

Sie war verwirrt – wusste nicht was ihr geschah.

Sie ging zum Strand und setzte sich auf einen bequemen Stein.

Die anderen Mädchen ihres Alters hatten schon oft über verliebt sein geschnattert.

Wie man sich fühlte, wie einem heiß wurde, wie der Atem die Brust fast sprengte, oder es einem eiskalt wurde, wie die Mutter das bemerkte und meinte: Kind, du bist ja verliebt!

Und der Vater dazu grinste.

Sie fasste allen Mut zusammen um die Eltern um etwas zu bitten.

Nein, kein Geschenk.

Sie hatte alles was sie brauchte.

Schöne Kleider. Ein Goldkettchen am Hals mit goldenem Anhänger welches die Gottesmutter zeigte – Maria, den Kopf geneigt und milde lächelnd.zgi

Fünf Brüder, die sie beschützten und ein Pferd, welches sie wie der Wind über die wohlriechenden Wiesen der Camargue trug.

Wiesen voll Thymian, Majoran, Salbei und viele mehr, und die Blüten lockten Bienen an.

Für Honig zum Süßen der Gerichte, des Tees, der Kuchen und Nachspeisen.

Doch eins hatte sie nicht.

Die Freiheit zu gehen wohin sie wollte, die Freiheit zu machen was sie wollte, und besonders zu lieben wen sie wollte.

Auch tanzen war sie noch nie abends gewesen.

Alles durften die Brüder.

Männern war alles erlaubt.

Gemein.

Es könnte doch alles so schön sein.

Doch sie war traurig und ein wenig verzweifelt.

Schon früher hatte das geholfen.

Reiten.

Sie ging zum Stall, sattelte das Pferd, zog es hinter sich her nach draußen und sprang in den Sattel.

Reiten auf ihrem Hengst in wildem Galopp über die Wiesen, durch die flachen Gewässer, auf den staubigen Wegen.

Der Wind zerzauste ihr Haar.

Sie war nun glücklich.

Fühlte sich frei und Herr der Dinge und wusste, dass nun alles gut werden würde.

Da sah sie ihn zum zweiten Mal.

Ein Blitz durchzuckte sie.

Schwer atmend zügelte sie den Hengst, ihr zarter Busen bebte, glühende Wellen schossen durch ihren Körper bis in den Schoß.

Ein nie gekanntes Verlangen.

Langsam ritt sie nach Hause zu den Eltern und den Brüdern.

Keiner durfte etwas merken. Die Mutter hätte sofort erkannt was passiert war.

Im Stall sattelte sie ab, trocknete den Hengst mit Stroh, bürstete ihn lange bis das Fell glänzte und gab ihm Futter und als Belohnung mehrere Möhren.

Endlich verzog sich die Röte ihres Halses und der Atem wurde flacher.

Sie ging ins Haus.

Jetzt kam der schwierige Teil. Die Erlaubnis zum Fest zu gehen.

Also fasste sie allen Mut zusammen und bat die Eltern um Erlaubnis heute Abend zum Fest der beiden Marien tanzen gehen zu dürfen.

Dort, wo die Musik spielte, dort wo die melancholischen und die Flamenco Weisen, die aller Blut zum Kochen brachten, erklangen.

Der Vater ging in die Luft.

Die Mutter schaute ihn lange an – schweigend – bis er leiser wurde und wieder ansprechbar schien.

Du hast fünf Söhne die aufpassen – traust du auch denen nicht? Was für ein Quatsch!

Der Vater sah nun schon nicht mehr hochrot aus, der Atem wurde ruhiger und endlich erlaubte er den Ausgang am Abend zum Fest.

Es war Nachmittag geworden.

Sie zog die neuen Kleider an, eine seidene bunte Bluse, den weiten bunten Rock und eine große seidene Schleife, die ihr volles üppiges Haar glänzend zur Geltung brachte.

Es klopfte.

Der älteste Bruder rief laut: „komm` Lijia, wir gehen jetzt. Oder willst du doch nicht mit“?

„venga“ rief sie auf Spanisch „ich komme“.

Diese wohlhabende Familie, adelig, weitgereist, in fünf Sprachen ausgebildet, mit Geschäftsinteressen überall dort wo Pferde der besten Rassen von Lusitanern bis Arabern, oder auch schwarze Stiere für Corridas – besonders in den Stierkampfarenen von Arles stierund Nimes, gefragt waren.

Als sie in der Tür erschien, entfuhr dem Bruder ein anerkennendes „Bon“.

„Da müssen wir ja zu fünft alle zusammen aufpassen, damit du nicht hunderte von Verehrern anlockst und entführt wirst – so schön wie du aussiehst“!

Beim Gehen winkten sie noch den Eltern und verließen die Stadtwohnung in Richtung des Tanzsaales.

Vor der Tür lungerten junge Burschen die jedes Mädchen mit Pfiffen begrüßten. Je schöner die Maid war, je lauter und melodischer pfiffen sie.

In der Ecke, etwas ruhig und abseits der Menge, fanden sie ihren Tisch, der reserviert war.

Die Familie war bekannt und hochgeachtet. Ein hübsches Mädchen mit Schürze brachte auch gleich ein kleines Fass mit teurem Wein und sechs Gläsern.

Erste Flamenco Töne. Mehrere Viluela Spieler und ein Sänger begannen vorsichtig in den Rhythmus zu kommen.viluela

Erst kleine Mädchen, dann auch die Buben drehten sich und ahmten den Tanz der Großen nach.

Sie sah den ältesten Bruder fragend an.

Der nickte und sie stand auf um zu tanzen.

Schon kamen andere Mädchen nachdem das Eis nun gebrochen war.

Ein bunter Wirbel fliegender Farben – sich drehend, Kreise, die sich ineinander zogen und wieder auseinander liefen.

Dann zog sie auch noch die Kastagnetten aus dem Rock und klickte im Rhythmus dazu.

Fast eine Stunde lang tanzte sie Flamenco bis sie erschöpft wieder zu den Brüdern ging.

Nur einer war am Tisch geblieben um sie zu schützen.

Sie setzte sich, der Atem ging wieder leiser, vor Aufregung stürzte sie das erste Glas Wein schnell runter und blickte in die Runde der Tanzenden.

Da sah sie ihn zum dritten Mal.

Noch schöner schien er ihr.

Noch wilder, noch begehrenswerter.

Sie musste jetzt allein sein.

Nichts anmerken lassen.

Besonders die Brüder durften nichts merken.

Sie hätten sie nur gefoppt, oder wären sogar misstrauisch geworden.

Das musste sie unbedingt vermeiden.

Den bunten Schal über den Kopf geworfen, bat sie den Bruder neben ihr, er möge sie doch bitte nach Hause bringen – sie sei vom wilden  Tanzen müde geworden.

Zu Hause, in ihrem Zimmer, zog sie die Tanzkleider aus und warf nur ein leichtes längeres weißes Kleid über.

Es war noch hell und sie wollte zum Strand – mit bloßen Füßen durch den warmen Sand schlurfen, ihre Gedanken sammeln, und wieder zu Atem kommen.

Sie hatte den Kopf nachdenklich gesenkt und wäre fast über ihn  gestolpert.

Der große starke Zigeuner lag kaum bekleidet vor ihr im Sand und schlief.

Sie kniete nieder und betrachtete ihn lange Zeit.

Wie jung er war, wie stark er aussah, und wie gut seine wilde Mähne ihm stand.

Sie beugte sich, roch den Schweiß seiner Haut – herrlich – und streifte seine Wange leicht mit den Fingern.

Dann schmiegte  sie sich an ihn voll Begehren, so dass sie sich überall berührten.liebende-iii

Plötzlich rutschte seine Hand runter – die volle Hand legte sich zwischen ihre Beine, ein Finger suchte zart die Öffnung.

Sein festes Glied suchte den Eingang und wie yjn und yang brachte die Vereinigung ihre Sinne zum Tosen bis die Ohnmacht nahte.

Ermattet lagen sie nebeneinander als sie plötzlich auseinander gerissen wurden.

Die fünf Brüder – mit festen Prügeln bewaffnet, schlugen auf den Geliebten so oft ein, dass er für tot galt.

Sie ließen ihn liegen und brachten sie nach Hause. Die Mutter nahm sie fest in die Arme.

Ihr wirbelten die Gedanken so wild durch den Kopf, dass ihr fast schlecht wurde. Das Kind musste schnellstens aus den Augen des Vaters.

Womöglich würde der sie erschlagen in gekränkter Eitelkeit.

Ja, zu ihrem Vater, zum Großvater.

Sie rief ihren vertrauten Diener und gab den Auftrag zwei schnelle Pferde zu satteln und ihr Kind zu ihrem Großvater zu bringen.

Keiner durfte etwas merken.

In wenigen Minuten stoben die Beiden aus dem Hof.

Nach zwei Stunden kam die Dämmerung, aber sie schafften es noch bis Aigues – Mortes.

Um alle Spuren zu verwischen, ritten sie zu einem Freund, den wohl niemand kannte.

Der besorgte für das Mädchen auch Männerkleidung und eine große Mütze. Die langen Haare mussten im Auftrag der Herrin auch geschnitten werden.

Niemand sollte sie erkennen.

Die zwei Pferde waren beste Araber und sehr schnell, aber in der Gegend gab es so viele, dass sie nicht auffielen.pferd

Sie versorgten die Pferde. Lijia kannte sie – war oft mit jedem ausgeritten und hatte eine große Zuneigung zu ihnen gefasst – sie striegelte sie endlos und sorgte für eine große Portion Hafer.

Der Freund briet große Stücke Filet zur Stärkung und guten Wein gab es auch.

Während Lijia auf einer Decke in der Ecke einschlief, redeten die Männer noch eine Weile.

Beide mochten das Mädchen, sie war immer freundlich zu jedem, lachte viel, und reiten konnte sie wie der Wind.

Sie würden sie immer beschützen.

Am nächsten Morgen, kaum, dass man den Weg sehen konnte, ritten sie weiter.

Das Gut des Großvaters lag idyllisch am Étang de l‘Ór, eine Wasser und Sumpflandschaft, die durch Schwemmland vom Meer abgetrennt, aber noch immer sehr seicht, vielfältiger Fauna und Flora Schutz bot.

Gegen Mittag erreichten sie ihr Ziel, ritten in den Hof, dann noch um das Rasenrondell und hielten vor der Freitreppe des Gutshauses.

Der Diener sprang vom Pferd, rannte ins Haus und gab dem Großvater einen Brief von seiner Tochter.

Jetzt war alles gut. Das Mädchen war gerettet.

Der Großvater umarmte seine Enkelin und sie gingen in das Gutshaus.

Da kam auch schon die Großmutter und drückte Lijia warm an ihren Busen.

Schnell wurden in dem geräumigen Speisesaal zwei weitere Gedecke aufgelegt und die vier setzten sich. Der Großvater am Kopf des Tisches sprach wie üblich das Tischgebet

Bescher uns, Herr, das täglich Brot;
vor Teurung und vor Hungersnot
behüt uns durch dein´ lieben Sohn,
Gott Vater in dem höchsten Thron.

Alle bekreuzigten sich und die Speisen wurden aufgetragen.

Der Tisch war mit Porzellan aus China gedeckt.

Das war der ganze Stolz des alten Herren. Das Porzellan, das er in Arles gefunden hatte, als er einmal dorthin sechs große schwarze Stiere in die Arena brachte.

Das Porzellan, war von immer anderen Händlern aus dem fernen Osten längs der Seidenstraße nach Europa und dann Südfrankreich gelangt, und hatte unendlich viel gekostet. Das ganze Geld für die wertvollen Stiere ging dabei drauf. Seine Stiere waren deshalb so teuer, weil sie bei jeder Corriga wegen der Größe und ihres Mutes extra Applaus von der Arena ernteten.

Aber Stiere züchten konnte er ja, die waren zu ersetzen, aber nun war er der Einzige unter den Großgrundbesitzern, der mit Porzellan bei großen Festen, zu denen oft die Familien von mehreren Landgütern eingeladen waren, glänzen konnte.

Man versuchte natürlich es ihm nach zu machen, aber Porzellan ist nie wieder in der Gegend angeboten worden.

Diener mit Platten und Schüsseln reichten die Speisen jedem einzelnen.

Erst kam gebratenes Rinderfilet, dann dazu Schüsseln mit Reis, Kichererbsen, Bällchen aus Grütze und Bohnen.

Auf dem Tisch standen Schalen aus Silber mit Salz und Pfeffer.

Die blinkenden Gläser wurden mit Weißwein gefüllt und der Großvater sagte zu der Enkelin:“ Willkommen liebes Kind, ob der Anlass deines Kommens auch traurig ist, denn so sollte sich kein Vater aufregen, so sehr, dass man um dein Leben fürchten muss, so freuen wir uns doch sehr, dass du hier bist.

Lange Zeit haben wir dich nicht gesehen, unverzeihlich, denn wir kennen deine Liebe zu den Tieren, den Pferden und besonders zu den Stieren. Prost!“

Sie aßen nun mit großem Appetit, besonders Lijia und ihr Begleiter verschlangen noch eine zweite Portion da der schnelle Ritt sie ausgehungert hatte.

Als der erste Hunger gestillt war, fragte die Enkelin dem Großvater Löcher in den Bauch. Wie ging es den Pferden und den Stieren, gab es viele Fohlen und Kälber, waren alle gesund und kräftig, lebte der alte Tierarzt noch und ging es ihm gut, war der Heuschober gut gefüllt und die Hafervorräte für die Pferde ausreichend nach der letzten Ernte im September.

„Iss auch mal was, für all die Fragen haben wir noch genug Zeit“.

Als die Mamsell in der Küche hörte, dass Lijia angekommen war, kochte sie noch schnell einen Karamellpudding. Sie erinnerte sich auch noch nach dieser langen Zeit, dass das Mädchen den über alles liebte.

Alle waren jetzt satt. Die Großmutter ließ den Tisch abräumen und klingelte nach dem Nachtisch. Süßes Gebäck, Orangen und Melonen, und Süßspeise.

Die Mamsell ließ es sich nicht nehmen, den Pudding selbst für das Kind herein zu bringen und stellte ihn stolz in die Mitte des Tisches.

Lijia sprang auf, lief zu ihr hin, umarmte sie und gab ihr einen großen Schmatz auf die Wange.

Früher hatte sie oft in der Küche auf dem Schoß gesessen oder Naschwerk bekommen, jetzt musste sie sich zu ihr hinunter beugen.

Sie versprach, sie bald in der Küche zu besuchen.

Das Mittagessen war beendet, die Großeltern zogen sich für einen Mittagsschlaf zurück, der Reiter ging in die Küche, wo immer alle Dienstboten sich oft aufhielten um Bekannte zu begrüßen, und Lijia ging in den ersten Stock in ihr altes Zimmer.

Sie war lange nicht mehr hier gewesen.

Doch es war alles noch so wie sie es verlassen hatte. Früher waren die Besuche bei den Großeltern das beste und liebste in ihrem Leben.

Doch seit sie vierzehn Jahre alt geworden war, bestand ihr Vater darauf in den Ferien mit ihr und der Mutter zusammen zu verreisen.

Mal fuhren sie nach Avignon, um die Bilder im Palast der Päpste an zu sehen, Mal nach Sagres in Portugal, um das Ende Europas und die Kompassrose mit Steinen eingelassen zu besuchen. Diese Reise war sehr aufregend gewesen, weil man mit einem Schiff fuhr.

Bordeaux kannte sie und auch Lyon.

Doch nun war sie hier und als sie sich umschaute, all die Sachen ihrer Kindheit wieder entdeckte, die Spielzeuge, mit denen sie so oft gespielt hatte, die Spieluhr, die neben ihrem Bett hing, fühlte sie sich wieder wie früher glücklich.

In der Ecke stand auch noch das große Schaukelpferd.

Sie setzte sich drauf und wiegte sich lange hin und her. Der lange Schweif aus echtem Rosshaar wehte, fast als wäre es ein wirkliches Pferd.

Beide, der Vater als auch der Großvater hatten früh dafür gesorgt, dass sie Reiten lernte.

Mit vier bekam sie ihr erstes Pony, und einen guten Reitlehrer.

Sie lernte zuerst voltigieren, konnte bald stehend galoppieren, und war schnell sicher im Sattel ob im Damen- oder Herrensitz.

Beide Männer, Vater und Großvater waren sehr stolz auf das Kind. Oft übersahen sie lächelnd wenn die Schularbeiten nicht so sorgfältig geschrieben waren wie sie es sein sollten.

Sie rutschte von dem Schaukelpferd, griff ihre Mütze, rannte die Treppen runter und ging in den Hof hinter dem Gutshaus. Der ganze Gebäudekomplex war so groß und herrschaftlich angelegt wie es eigentlich nur der Adel – der mit einem  De vor dem Namen etwa De Corbeille – erbauen konnte.

Der Großvater hatte kein De vor dem Namen, Zigeuner gehörten nie dieser Adelskaste an, aber er wurde von allen in der Provence geachtet und respektiert und das nicht nur wegen seines Reichtums.

So saß er auch im Verwaltungsrat des Distrikts und viele Entscheidungen, die dem Fortkommen dieses Bezirks dienten wie sich oft später herausstellte, hatte er vorgeschlagen.

 

Das Gutshaus, wie es immer genannt wurde, war eigentlich ein Schloss aus dem neunten Jahrhundert, das immer wieder umgebaut worden war. So waren jetzt alle Räume  heizbar  mit großen Öfen, die von den Fluren beschickt wurden, denn im Winter fegte oft der eisige Mistral von Norden herunter durch das Rhone Tal.

Auch gab es Toiletten und fließendes Wasser, die Technik dafür hatte Seneca der Jüngere so gut beschrieben, dass der Großvater diese mit Hilfe eines arabischen Handwerksmeisters  anlegen konnte. Der hatte erst auf einem kleinen Felsen eine größere Zisterne angelegt. Von dort führten Bleirohre das Wasser zum Schloss. Die Zisterne wurde von einem kleinen Bach gespeist, der selten austrocknete.

Nur einmal vor sechsundzwanzig Jahren war er ausgetrocknet, sodass man Wasser mit großen Fässern herbei schaffen musste.

 

Von dort lief sie nach rechts um an das Wasser des Etangs zu kommen.

Dort am Wasser war ihr liebster Platz immer gewesen.

Dort gab es eine hölzerne Anlegestelle und ein Bootshaus.

Sie setzte sich.

Schaute aufs Wasser.

Sah den Wellen zu, wie sie fortwährend schräg gegen das Ufer plätscherten und wieder zurückgingen.

Ein ewiges Spiel, das wohl schon viele Jahrtausende lang dauerte.

Ewig vielleicht sogar.

Von links kam mit leichter Brise ein Fischerboot an.

Segel runter, Boot fest machen und auf den Steg springen wo sie saß war eins.

Der Fischer mit bunter Wollmütze, wildem Bart, blauem Ölzeug und schweren Stiefeln sah sie prüfend an. Sie kam ihm bekannt vor. Konnte sie das sein?

Wenn ja, hatte er sie zum letzten Mal als Kind gesehen.

„Hallo Lijia, bist du das? Meine kleine Lijia?

Oft habe ich dich auf den Armen getragen. Du wusstest immer, wann ich frischen Fisch für die Herrschaft brachte und hast am Steg auf mich gewartet.“

Lijia erinnerte sich sofort, umarmte ihn und gab ihm einen großen dicken Schmatz auf die Nase.

Wie früher.

Sie setzen sich auf die Bank auf der sie vorher gesessen hatte, er kramte eine Meerschaumpfeife aus der rechten Hosentasche hervor, stopfte sie, zündete sie an und zog zufrieden den ersten Rauch in die Lunge.

„Du bist ja in der ganzen Provence bekannt wie ein bunter Hund!“ Sagte er.

„Neulich war ich auf dem Mart in Sète. Da sah ich dort auch einen Bänkelsänger. Der hatte die üblichen Schautafeln aufgestellt und berichtete von den neuesten Nachrichten. Und weißt du was eine der Nachrichten war? Du glaubst es nicht. Das war die Nachricht von deiner Liebe zu dem Zigeuner! Wie ihr euch in der Kirche von St. Maries de la Mer zum ersten Mal gesehen habt.“ Er war nun ganz atemlos geworden, verschnaufte kurz und sprach weiter.

„Wie ihr euch 3 Mal noch saht, euer Begehren, eure Liebe und dann das schreckliche Ende!“

Jetzt kam eine dramatische Pause.

„Und dann aber ging ein zufriedenes Aufatmen durch die Menge. Der Sänger berichtete vom Überleben des Zigeuners.“

Aus den Augen Lijias stürzten Tränen der Erleichterung. Sie dachte er sei totgeschlagen worden.

Der Fischer sah die Tränen und wusste nun, dass sie geglaubt hatte, der Liebste sei tot.

Er umarmte sie zärtlich und trocknete ihre Tränen.

Sie sprang auf, zog den Fischer mit sich und verführte ihn zu einem wilden Freudentanz.

Es dröhnte laut auf den Brettern des Steges, einzelne knackten, als ob sie brechen wollten doch sie waren aus gutem Eichenholz gefertigt.

Allerdings zog der Lärm einige Zuschauer an.

Gärtner mit ihrem Lehrjungen, die Besatzung eines Frachters, die gerade neues Mehl für die Bäckerei, Holz für die Räucheröfen und Holz für die Kachelöfen, sowie auch Hafer für die Pferde brachten.

Von dem Rummel angelockt rannten mehrere hübsche Dienstmädchen herbei und es entwickelte sich zu einem wilden Fest das zum glücklichen Ausgang der Liebe ihrer jungen Herrschaft gefeiert wurde.

Jemand hatte auch die Großeltern informiert – sie kamen beide glücklich an, und der Großvater ließ gleich ein Fass Wein holen.

Natürlich war er auch glücklich, aber so ein spontanes Fest trug viel dazu bei, dass sich alle Mitarbeiter vom Dienstmädchen bis zum Schmied und auch dem Verwalter einer großen Familie zugehörig fühlten. Es lief dann alles wie ‚geschmiert‘.

Nun war es spät geworden – man verlief sich und Lijias ging mit den Großeltern zum Abendessen.

Bei Tee und Marmeladebroten plauderten die drei noch lange.

Es gab ja noch so viel zu erzählen, Lijias berichtete von dem Fischer, der beim Nachspielen der Mär des Bänkelsängers selbst zum Schauspieler wurde und mit großem Ausdruck das Drama den Zuschauern präsentierte.

„Ich weiß, wen du meinst“ warf der Großvater ein, „der Typ könnte wahrscheinlich mehr Geld als Erzähler verdienen denn als Fischer“.

„Auf jeden Fall“, fuhr der Großvater fort „ist deine größte Sorge nun vorbei. Lass uns mal überlegen, wie es weitergehen soll. Erstmal bleibst du hier, und vielleicht solltest zu auch länger bleiben. Wir würden uns sehr freuen!“

Die Großmutter dachte kurz über das Kind nach. Lijia war hier auf dem Gut immer richtig glücklich gewesen. Liebte die freie Natur, liebte die Tiere und hatte auch zu allen, ob Kund, Katze, Pferd, Kuh oder Corrida-Stier sofort eine intensive Verbindung hergestellt, konnte die wildesten streicheln, und wusste auch immer bald was einem Tier fehlte.

„ich hätte da eine Idee“ warf  die Großmutter ein, „du hast doch schon nach dem alten Tierarzt gefragt. Er lebt noch. Es geht ihm auch ganz gut. Aber jünger wird wohl keiner.“

Sie machte eine kurze Pause. Lange Reden ermüdeten sie schnell.

„Mein liebes Kind. Bleib einfach hier. Und lerne wie man den Tieren helfen kann. Werde Tierarzt!“. Bei diesem Gedanken gefiel sich die Großmutter außerordentlich: das Kind wäre hier bei dem alten Paar, geliebt, sie wäre erstmal sicher, sie konnte lernen was sie gern sein wollte,  Tierarzt, was Besseres konnte es gar nicht geben.

Später würde sie in Arles weiter studieren, wo es die beste Ausbildung weit und breit zur Tierärztin gab.

Der Großvater sah seine Frau überrascht an. Wie es alle Männer tun, wenn ihre Frauen etwas Gescheites sagten, obwohl er doch  eigentlich aus Erfahrung wusste, dass sie immer alles zusammen besprachen, so funktionierten sie schon immer zusammen – so hatten sie sich verliebt, so die Hochzeit geplant, sie die Hochzeitsreise nach Cordoba unternommen, so das Gut aufgebaut, so die erfolgreichen Stiere gezüchtet.

 

Nun meinte er: “Genau das machen wir – natürlich nur wenn du willst“.

Auch die Enkelin hatte die Rede der Großmutter mit Überraschung, dann Staunen, und endlich mit einem strahlenden Lächeln aufgenommen.

Aus dem Schrecken der Vergangenheit wurde die fröhliche Zukunft im Herzen des Kindes.

Helfen, helfen wo sie konnte, sei es den Mädchen beim Tischdecken, der Köchin beim Kartoffelschälen, im Stall beim Ausmisten, auf der Weide beim Pferde einfangen, dem Schmied beim Hufeisenschmieden, den Vöglein mit einem gebrochenen Flügeln – es machte sie einfach zufrieden und glücklich.

Lijia sprang auf und umarmte und küsste erst den Großvater und dann die Großmutter.

„Danke, danke euch beiden“ sagte sie.

„Das habe ich mir heimlich immer gewünscht!

Ich war als Kind so oft bei Euch, das war meine schönste Zeit. Schon mit 3 Jahren – so erinnere ich, war ich lieber bei den Fuhrleuten auf den Äckern und den Melkern im Kuhstall als mit den Spielsachen nur so zu tun was die Erwachsenen arbeiten. Wenn das Getreide geerntet wurde, führte ich die Pferde zum nächsten Platz wo die Garben standen und der Fuhrmann konnte beim Aufladen helfen, oder als die Feigen auf dem gepflasterten runden Platz zum Trocknen ausgelegt wurden half ich beim Umdrehen.“

Ihre Augen wurden still und gedankenverloren währen sie weiter in der Erinnerung kramte.

„Einmal hatte Großvater einen riesigen Eber erlegt, und ich durfte auf der Schleppe sitzen als der alte Bauersmann das Tier holte. Das war ein Spaß“!

Der Großvater grinste seine Frau verschmitzt an. Beide waren überglücklich über diese neue Wendung. Vielleicht würde nun ein junger Mensch das Gut beleben und erneuern, und vielleicht sogar fortführen.

Er stand auf, bat man möge kurz warten, ging in den tiefen Keller, fand eine gute Flasche Champagner, kam wieder zurück, schenkte drei Gläser voll und sagte“ Das muss gefeiert werden! Prost!“

Am nächsten Morgen ging Lijia zu dem kleinen Haus des Tierarztes. Es war noch sehr früh, aber nur dann wäre er zu Hause bevor er nach den kranken Tieren sah.

Sie klopfte – 2 kurz drei lang, der alte Mann erkannte das Zeichen und kam um die Tür zu öffnen.

Glücklich sah er sie an und  umarmte sie.

Sie war groß geworden. Kein Mädchen mehr – nein eine schöne, stolze Frau.

Fast hätte er sie nicht erkannt. Aber die lieben blitzenden dunklen Augen verrieten sie.

Er nahm sie bei der Hand und zog sie nach drinnen. Sie setzten sich an den großen Küchentisch und er schenkte für beide eine Tasse Tee aus. Seit seine Frau vor 7 Jahren gestorben war, fühlte er sich einsam und verlassen in der Leere des Hauses. Umso fröhlicher wurde er, als Lijia von dem Plan erzählte bei ihm zu lernen.

Als Kind war sie oft mit ihm gegangen wenn er zu einem kranken Tier gerufen worden war.

Sie hatte zugesehen, wie er mit den Händen über den Bauch einer Kuh strich, die Koliken hatte – immer wieder strich mit nach innen gekehrtem Blick, um über die Heilmedizin zu meditieren.

Dann mischte er eine Flasche mit Olivenöl, Weißdornextrakt und weiteren geheimen Pülverchen und gab es der Kuh zu trinken.

Das half fast immer sofort.

Meist kamen die Koliken von zu frischem Gras, da half eine Kur mit Heu im Stall.

Sie plauderten eine Weile, dann holte der Tierarzt oben von einem Bücherbrett ein abgegriffenes Heft herunter.

„ Das ist mein größter Schatz“ sagte er.“ Ein handgeschriebenes Buch mit Bildern über die wichtigsten Tierkrankheiten und Heilungen. Es ist eine lateinische Übersetzung aus dem Arabischen und von Mönchen der Benediktiner Abtei im französischen Norden ins Lateinische übersetzt worden.“

„Hier“, sagte er, und gab dem Mädchen die Schrift, „Dein Lehrbuch. Es ist so kostbar, dass es hier im Haus bleiben muss. Du kommst jeden Morgen um 7 Uhr –  außer am Sonntag, wo wir alle in der kleinen Kapelle des Gutes die heilige Messe feiern, und dann lernst du drei Stunden lang. Nach dem Mittagessen, das wir zusammen mit allen Arbeitern und Handwerkern des Gutes essen, kommst du mit mir zu den kranken Tieren.“

Er machte eine kleine Pause.

„So lernst du alles am Schnellsten.

Theorie und Praxis.

Auch ist es wichtig, dass du einen Platz in unserer sozialen Gemeinschaft findest, der Gruppe der Arbeitenden.“

Lijia freute sich riesig.

Sie würde Tierärztin sein.

Und konnte helfen!

„Danke, Danke!“ sagte sie strahlend.

Der Tierarzt brummelte gerührt vor sich hin, legte das Buch vor sie hin und ging dann um zu hören, ob es erkrankte Tiere gäbe.

Lijia schlug die erste Seite des Buches auf, betrachtete die Bilder und begann laut zu lesen.

„Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygieia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen an, dass ich diesen Eid und diesen Vertrag nach meiner Fähigkeit und nach meiner Einsicht erfüllen werde.
Ich werde den, der mich diese Kunst gelehrt hat, gleich meinen Eltern achten, ihn an meinem Unterricht teilnehmen lassen, ihm, wenn er in Not gerät, von dem Meinigen abgeben, seine Nachkommen gleich meinen Brüdern halten und sie diese Kunst lehren, wenn sie sie zu lernen verlangen, ohne Entgelt und Vertrag. Und ich werde an Vorschriften, Vorlesungen und aller übrigen Unterweisung meine Söhne und die meines Lehrers und die vertraglich verpflichteten und nach der ärztlichen Sitte vereidigten Schüler teilnehmen lassen, sonst aber niemanden.
Ich werde nicht schneiden, sogar Steinleidende nicht, sondern werde das den Männern überlassen, die dieses Handwerk ausüben.
In alle Häuser, in die ich komme, werde ich zum Nutzen der Kranken hineingehen, frei von jedem bewussten Unrecht und jeder Übeltat, besonders von jedem geschlechtlichen Missbrauch an Frauen und Männern, Freien und Sklaven.
Was ich bei der Behandlung oder auch außerhalb meiner Praxis im Umgange mit Menschen sehe und höre, das man nicht weiter reden darf, werde ich verschweigen und als Geheimnis bewahren.
Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.“Na, das fängt ja schön an, dachte sie, das muss ich sicher noch öfter lesen bis ich alles verstanden habe.Jetzt folgten Bilder von den wichtigsten Nutztieren wie Pferde, Kühe, Schafe und Hunden, die zwar nicht gegessen wurden, aber überall gebraucht waren als Hüter der Herden und Bewacher der Häuser.Alle diese Tiere hatten oft Würmer und nicht nur, dass sie darunter litten, aber diese ließen die Tiere abmagern, was weniger Fleisch oder Milch bedeutete.Lijia blätterte durch das Buch.Wie sollte man das alles denn lernen!Puhh –entfuhr es ihr.Ader dann begann sie von vorne und ackerte sich mühsam durch die ersten Seiten.Sie goss sich nochmal Tee ein, und merkte gar nicht wie die Zeit verging.Als sie mal aufblickte waren die Schatten an der linken Seite der Küchenwand ganz woanders – es war kurz vor Mittag geworden.Sorgfältig legte sie das Buch an seinen Platz und da kam auch schon der Tierarzt um sie zum Mittagessen zu holen.Sie gingen zu der großen Küche, die alle Gutsleute versorgte.Von allen Seiten strömten sie – auch viele Frauen waren dabei. Oft konnte man die Tätigkeit an der Kleidung erkennen. Die Arbeitskleidung verriet die Tätigkeiten.Besonders fiel Lijia auf, dass typische Berufe auch vom jeweils anderen Geschlecht ausgeführt wurden. Frauen kamen aus der Schmiede oder trugen die Livree der Kutscher. Na, das fand der Großvater sicher schön! Auf langen Fahrten mit einer hübschen jungen Frau zu quatschen als immer nur die einsilbigen der Kutscher ‚heuer steht das Korn gut oder die Störche ziehen schon wenn es Herbst wurde, zu hören.Von den jungen Frauen konnte er erfahren wie die allgemeine Stimmung war, wer heiraten wollte oder nur verliebt sei, ob der Verwalter streng und gerecht oder jähzornig sei, oder gar was beiseite schaffte.In der Küche fanden sie einen Platz neben einem alten mageren Schafhirten. Überall rannten ältere Kinder umher und brachten jedem eine Holzschale mit Essen.Als alles verteilt war, stand der Schmied auf.

Das Reden und Lachen verstummte und er sprach ein Tischgebet.

„Das Brot ernährt uns nicht, was uns im Brote speist, ist Gottes ewiges Wort, ist Leben und ist Geist.“

Sie schenkte für ihre kleine Runde drei Gläser voll Rotwein aus und alle langten kräftig zu.

Die dicken Möhrenscheibchen in würzigem Schmand schmeckten vorzüglich.

Ein Essen ohne Fleisch war für Lijia neu, zuhause und auch bei den Großeltern gab es immer Wild oder auch Fisch am Freitag.

Sie schaute sich um. Alle schienen kräftig und gut genährt. Brauchten sie auch in der Landwirtschaft. Sie fragte“ gibt es auch mal Fleisch?“

Der alte Schäfer antwortete:“ sicher, wichtig ist aber die Abwechslung. Kraft aus Milchprodukten ist anders als Kraft aus Fleisch. Beides ergänzt sich. Ist besser als nur das Eine. So sind die Arbeitenden immer zufrieden, werden nicht so schnell müde und sauer. Stattdessen fühlen sie sich wohl beim zügigen arbeiten. Das zeigt sich auch daran, dass oft gesungen wird. Wie von selbst sprudeln die Lieder aus ihnen heraus.  Langsame oder schnelle Weisen, je nach dem Rhythmus, der zur Arbeit passt. Getreide zum Beispiel hat beim Mähen einen anderen Rhythmus als beim Dreschen.

Gemäht wird mit den Sensen in langen Schwüngen: zisch, Pause, zisch, Pause…

Beim Dreschen mit dem Dreschflegel auf der Tenne ist der Rhythmus klack, klack, klack, wenn drei Drescher abwechselnd auf das Korn schlagen. Manchmal eignet sich ein kurzer Kanon.“

Lijia schaute ihn überrascht an, das hatte sie noch nie bemerkt, und sie war froh,  den alten Schäfer kennengelernt zu haben. Eine neue Welt des Wissens und der Erfahrungen tauchte vor ihr auf. Das war richtig gut!

Auch der Tierarzt hörte interessiert zu, obwohl ihm vieles geläufig war.

Nachdem der Schäfer eine Weile geschwiegen hatte, drehte er sich zu dem Arzt  plötzlich um und fragte, ob der ihm wohl helfen könnte. Bei den meisten Problemen seiner Schafe könne er selbst helfen, aber ein besonders kräftiger Bock, der für Zucht wichtig sei, kränkelte seit kurzem, und er hätte schon alles versucht, aber nichts  hätte richtig geholfen. Er würde immer schwächer und fraß auch nur wenig. Ein paar Büschel Gras, Wasser trinken, am Salzblock lecken, Heu statt Gras – er wüsste jetzt auch nicht weiter.

Gegenüber  am Tisch saß ein kleiner dicker Junge. Der Kopf war auch ziemlich groß, das Gesicht breit, die Augen weit voneinander, sie lächelten fast immer, der Mund oft geöffnet, manchmal tropfte Speichel herab.

Plötzlich sagte er, ob er wohl mit ihnen kommen könne, wenn sie zu dem Widder gehen und überlegen wie man helfen könne.

Der Tierarzt schaute ihn prüfend an und spürte sofort eine große Sympathie mit dem Jungen. Auf dem Kopf saß eine bunte Pudelmütze mit einem dicken Bommel, der ständig hin und her hopste.

„Wie heißt du denn?“ fragte er ihn.

„Jules“, war die Antwort.

„Gut Jules, du kannst mitkommen.“

Der Tierarzt trank den letzten Schluck Wein aus, stand auf und ging raus in ein Gespräch mit dem Schäfer vertieft. Lijia und Jules folgten ihnen und fragten wissbegierig

sich gegenseitig aus.

Jules erzählte von vielen kleinen Streichen, aber auch wie er oft in den Ställen, der Küche, bei der Ernte geholfen hatte, und wollte immer mehr hören von St. Maries de la Mer, der Gitane Wallfahrt und der Musik bis sie endlich ein kleines Lied  anstimmte.

Sie waren am Schafstall angekommen wo der kranke Widder angebunden war.

Gott sah der krank aus dachten alle.

Der Schäfer hatte ja schon alles versucht, der Tierarzt untersuchte nun alles, die Augen waren etwas trüb, der Bauch gebläht, auf zureden konnte er kaum aufstehen und schien große Schmerzen dabei zu haben, roch am Urin, beklopfte das stolze Gehörn.

Er überlegte lange, schien aber zu keinem Ergebnis zu kommen. Eine Wurmkur hatte der Schäfer natürlich schon gemacht.

Lijia schaute interessiert und wissbegierig zu und Jules ging dann zu dem Tier, umarmte es und flüsterte etwas in das Ohr des Widders.

Dann legte er sein Ohr an dessen Mund und schien aufmerksam zu zuhören.

„Das ist ja ein Ding!“ sagte Jules zu den Anderen, „Er hat einen Nagel verschluckt. Keinen sehr großen. Der lag wohl unbemerkt  zwischen einem Büschel Gras und er hatte das übersehen. Er sei sonst immer sehr vorsichtig, besonders weil man in der Familie erzählte, das sei auch der Großmutter passiert, und die sei daran gestorben. Und jetzt habe er Angst.“

 

Die drei anderen waren erschrocken. Sowohl  der Arzt als auch der Schäfer wussten, dass man dem Tier den Bauch nicht einfach auf schneiden konnte um den Nagel heraus zu holen. Manches ging eben nicht. Wie zum Beispiel ein gebrochenes Bein bei Pferden. Die mussten getötet werden.

„Und, kann man da nichts machen? Es muss doch einen Weg geben!“ fragte Lijia.

„Leider nein“, antwortete der Tierarzt „wenn wir den Bauch aufschneiden, stirbt er qualvoll. Es ist alles ziemlich schwierig, Auch bei Pferden – haben sie ein Bein gebrochen, muss man sie töten.

„Quatsch, sicher kann man was machen“, sagte Jules, „ich frag‘ mal meinen Zwerg“.

Er drehte sich etwas zur Seite und schien mit Jemandem zu sprechen, den aber keiner der Anderen sah.

Es sah so aus, als ob Jules wild mit dem Zwerg diskutierte, das wirkte so komisch auf die Anderen, denn sie sahen ja nur Jules fuchteln und ein Gelächter brach aus.

„Das ist überhaupt nicht komisch“, sagte Jules“, der Zwerg meinte, das ist kompliziert, schlachtet doch den Brocken, das gibt einen saftigen Hammelbraten!“

„Doch ich ließ nicht locker, bis er endlich mit einer besseren Möglichkeit herausrückte.

Nimm deine linke Hand, sag das Mantra, welches ich dich lehre, und greif einfach in den Bauch rein – wenn du das Mantra richtig sagst, geht das ganz einfach, und hole den Nagel raus. Der Bauch des Widders schließt sich dann wieder völlig. Er kann wieder alles fressen.“

Stille.

Lijia, die selbst als Kind oft Zwerge gesehen  hatte, „das ist schön! So musst du das machen“.

Der alte Schäfer wusste davon, in seiner Jugend hatte er das auch mal miterlebt bei einem kranken Bruder.

Der Tierarzt hatte bei seinem Studium in Cordoba alles darüber gelesen, aber bis jetzt wohl noch nicht soweit gelernt und meditiert um es zu können.

Aber ein Mensch wie Jules, der hier auf der Welt ein anderes Dasein führte als es das Schicksal der meisten war, konnte dem Tier sicher helfen.

Nachdem alle zugestimmt hatten, führte der Junge den Widder zu einem Korkeichenhain.

Er bat, die anderen mögen hier warten und er ging mit dem Bock in die Mitte des Hains.

Er legte das Tier so hin, dass es gemütlich lag, streichelte es, sagte das Mantra, griff sanft in den Bauch, fühlte herum bis er den Nagel fand, lockerte ihn und zog ihn leise heraus.

Mit dem Mantra und Streicheln schloss er die Wunde, sammelte frisches Gras, Thymian und Rosmarin, zog noch aus der tiefen Hosentasche ein Salbe, die er dem Widder auf die Lippen strich und setzte sich dann erschöpft ins Gras.

Nach einer Weile ging er zu den Anderen und berichtete vom Erfolg. In seiner noch kindlichen Sprache erzählte er alles.

Und nach kurzem Zögern auch vom Öffnen des Bauches und dem Nagel, und der Heilung.

 

Lijia hatte fast zitternd gebangt, ob alles gut werden würde.

Ihr kam ein Gedanke – die Medizin, ihre Ausbildung, was war es, was sie werden wollte, eine Tierärztin die alles erdenkliche Leiden heilte.

 

Der Schluss war gefasst.

 

Mit den Dreien, dem Tierarzt, dem alten Schäfer und dem Jungen als Lehrer würde sie alles lernen, alles, womit man den kranken Tieren helfen könnte.

 

 

 

 

 

3

Verwirrungen

Die Eltern hatten wochenlang diskutiert und gestritten wie es wohl Lijia ginge, bis der Vater endlich sagte, das hätte so keinen Zweck. Er werde sie besuchen und dann entscheiden.

„Dann komm ich mit“ meinte die Mutter, „so verrückt wie du bist, fängst du nur einen Krawall an und die Großeltern schmeißen dich raus und du siehst Lijia nie wieder. Und ich auch nicht.“

So ging das ein paar Tage mit reden am Morgen, reden mittags, reden am Abend und selbst mitten in der Nacht wenn der eine oder der andere plötzlich mit Alpträumen aufwachte – die Mutter, weil sie geträumt hatte, der Vater hätte im Zorn die Tochter erschlagen, der Vater, der im Traum zusehen musste, wie seine geliebte Tochter den verhassten Zigeuner zum Traualtar führte.

Es gab kein Entrinnen.

Also beschlossen sie die Reise zum Gut des Großvaters zu machen.

Der Vater regelte alles mit dem Verwalter und sagte dem auch, dass er sich mit klauen zurückhalten solle, und damit das auch klappte, würde er ihm für jeden Tag, an dem er die ganze Verantwortung allen trüge, eine feste Summe von 10 Goldmünzen geben.

Der Verwalter bestritt natürlich, je gestohlen zu haben, und dankte überschwäng­lich.

Der Vater war ein begeisterter Segler und so kam die Frage erst gar nicht auf, ob der Land- oder Seeweg genommen werden sollte.

Ein Diener wurde zum Kapitän des Schiffes geschickt, damit der den Segler klarmachte und für die Reise Proviant besorgte.

Normalerweise würde man für die Reise nur einen Tag brauchen, aber jeder wusste, dass der Vater jede Reise zu Schiff soweit wie möglich ausdehnte, so wie seine Frau es zuließ ohne radikal zu protestieren. Als Kind schon wollte er immer Kapitän werden, und war lange Zeit frustriert und unglücklich als er das Gut übernehmen musste.

Dennoch gelang es ihm als Junge in den Ferien eine kleine aber schnelle Jolle von den Eltern zu erbetteln, mit der er ständig auf dem Wasser war.

Einmal gelang es ihm sogar – als er schon 18 Jahre alt war, die Erlaubnis zu erhalten, mit einem großen Frachtsegler einmal um das Mittelmeer herum zu fahren.

Diese glückliche Zeit kam ihm auch im hohen Alter immer wieder vor die Seele.

Und Wehmut kroch in sein Herz.

Und in die Augen des Mannes.

Am nächsten Morgen brachte ein Landauer das Paar zum Hafen und sie schifften sich ein.

Kräftige Ruderer pullten sie zur Reede, wo man schon dabei war die Segel zu setzen.

Der Anker kam mit dem Klirren der Kette aus dem Wasser, der Kapitän gab das Kommando ‚Ruder hart Backbord‘, die große Dhau legte sich sanft gen Lee und nahm langsam Fahrt auf.

Perfektes Manöver, dachte der Vater und war wieder froh, dass er lange nach diesem Kapitän gesucht hatte.

Bill, der Engländer, hatte auf Kriegsschiffen als Schiffsjunge begonnen, und sich in 10 Jahren zum Kapitän hochgedient.

Die Küste von London südwärts, der Ärmelkanal, Holland, Belgien, Frankreich, Portugal bis Cabo Vincente, dann das Mittelmeer einmal links herum, einmal rechts herum, Spanien, Frankreich, Istanbul, Griechenland, – er kannte alle Orte.

Der Vater, der selbst viel gesehen hatte, lauschte doch gerne den Erzählungen des Kapitäns, der auch die kleinsten oder unbedeutendsten Orte mit blumigen, oft auch schaurigen Beschreibungen malerisch ausstattete.

Die Stierkämpfe in Kreta, die Fahrten des Odysseus, der Kampf um Troja, die Eroberungen der Wikinger, die Riesen des Atlas – woher der Kapitän all das wusste war nicht heraus zu bekommen. War er so belesen? Oder berichtete er von Erzählungen alter Männer, die überall an den Küsten des Mittelmeeres die alten Überlieferungen weitererzählen, weitererzählten über viele Jahrhunderte? Wurden die Sagen und Märchen plötzlich Wirklichkeit?

Ein Geheimnis schlummerte im Herzen des Kapitäns.

Das Wetter war schön, der Wind führte das Schiff mit leichter Brise nach Westen.

Der Smutje hatte mit Hilfe der mitgekommenen Dienerin ein leichtes Mal mit Fischpastete zubereitet und jetzt war auch die Mutter zufrieden und glücklich.

War schon recht, dass sie diese Reise mit dem Schiff machten.

Nach einer Weile, entdeckten sie in Luv eine Schaar Delfine, die fröhlich herumtollten, wenn man diesen Kindergedanken verwenden mochte.

Sie zogen schnell am Schiff vorbei, ließen sich zurückfallen, schwammen größere und kleinere Kreise, sprangen in die Luft und ließen sich mit lautem Knall wieder ins Wasser fallen.

Der Kapitän stand an der Reling, und als die Delfine ihn entdeckten, begrüßten sie ihn – jedenfalls sah es so aus.

Auch der Mutter war das aufgefallen.

Die Eltern schauten gebannt auf dieses Spiel.

Erst war es wie eine Zeichensprache zwischen den Delfinen und dem Kapitän. Wie Arabesken einer unbekannten Schrift tanzten die Fische im Wasser, ein faszinierendes Bild, plötzlich schauten sie auf den Kapitän, der nur  mit kaum merkbaren Fingerspielen zu antworten schien.

Dann plötzlich hörten sie sanfte Laute von den Fischen, wenn sie auftauchten. Sie wechselten sich ab, oft nickte der Kapitän zustimmend, es schien, als ob sie etwas erzählten.

Dann wieder schien er mit den Fingerzeichen eine Frage zu stellen, die Delfine antworteten, der Kapitän lächelte, dankte und ging wieder ans Steuer.

Merkwürdig.

Was hatten sie da wohl gesehen, oder war das nur Zufall?

Oder doch eine Verständigung?

Sein Kapitän sprach mit den Delfinen?

Die Eltern tuschelten unter einander und gingen dann auf die Brücke zum Kapitän.

Als der Kapitän sie kommen sah, lächelte er verschmitzt.

„Ich habe sie bisher nie zusehen lassen. Ich wollte nicht, dass es falsch aufgefasst wird. Aber wir kennen uns nun schon lange, und ich glaube, es ist Zeit über diese Dinge zu sprechen.“

Er machte eine Pause, schaute wieder auf den Bug, der sanft die Wellen teilte.

„Ja, Sie vermuten richtig. Ich habe gelernt die Sprache der Delfine zu verstehen, und gelernt so zu sprechen, dass sie mich verstehen.

Als kleiner Schiffsjunge gerieten wir an der östlichen Küste Italiens in einen bösen Sturm. Das Schiff zerschellte an einem Felsen und sank. Ich konnte mich kurz an einem Holz festklammern. Als ich immer schwächer wurde, und die Finger vom Balken rutschten, ich schon den Tod des Ertrinkens vor mir sah, kam ein Delfin, schwamm unter mich und hob mich aus dem Wasser. Ich konnte mich an ihn klammern und er brachte mich zu einer sandigen Küste. Ich war gerettet.“

Er machte eine Pause, noch heute ließen die Gedanken an den nahen Tod ihn schaudern.

„Sie kennen vielleicht die Sage von dem Jungen auf dem Delfin.

Seit dieser Rettung habe ich alles über Delfine gelesen, überall wohin ich kam nach Berichten über Delfine gefragt, sie beobachtet von Deck aus auf den langen Reisen, die Muster ihres Schwimmens, ihre Töne belauscht.

Erst fühlte, ahnte ich, dass ein System sich langsam entwickelte,

keine bekannte Sprache, mehr eine Verständigung in Stimmungen, Gefühlen, inneren Bildern.“

Die Eltern fühlten seinen Blick auf sich ruhen. Ein Blick, der tief in ihr Inneres schaute.

Warm und friedlich.

Als es dämmerte trafen sich die drei im Salon.

Zwei Schiffsjungen in blau–weißer Matrosenuniform servierten.

Es gab Thunfischsteaks, gebratene Hirseschnitten und Algengemüse.

Der erste Krug Rotwein lockerte die Stimmung und eine Unterhaltung kam in Gang.

Nach den Berichten des Kapitäns dachte die Mutter, vielleicht könnte man mit ihm über das Problem mit Lijia sprechen.

Vielleicht wüsste er einen Rat. Er hatte doch so viel erlebt, so viel erfahren, so viel gefühlt – sicher gäbe es eine neue Facette für die Lösung.

Der Vater grummelte erst bei dem Gedanken, einen Fremden mit einzubeziehen, stimmte dann aber doch zu.

Also schilderten sie abwechselnd die ganze Geschichte mit dem unglückseligen Zigeuner mit allen Einzelheiten, wie sie sich in der Kirche von St. Maries der la Mer getroffen hatten bis zum Totschlagen des Jungen und dessen Überleben.

Die Mutter war in der Schilderung sanfter, es war zwar nicht richtig, was geschehen war, aber schließlich war es doch ihre Tochter, und deren Glück zählte schon, der Vater hatte nur die Ehre – vielmehr die verlorene Ehre im Kopf und zeigte sich in den Schilderungen unnachgiebig.

Der Kapitän hörte erst still zu, stellte ab und an eine Frage, und sann dann lange vor sich hin.

Ab und zu ein Schluck Wein und es sah so aus, als lauschte er in sich hinein.

Endlich räusperte er sich und sprach mit ruhiger Stimme.

„Ich habe in meinem langen Leben gelernt, meine Entscheidungen nicht von einer vorgefassten Meinung, einem einmal gefassten Entschluss bestimmen zu lassen.

Besonders das Fahren auf See erfordert das auch.

Wenn ich von A nach B segeln will, und plötzlich ein Sturm aufkommt, werde ich immer einen Umweg machen um ihm zu entgehen. So vermindere ich die Gefahr eines Schiffbruchs.

Vielleicht können Sie mal darüber nachdenken.

Wie wichtig ist es mit dem Kopf durch die Wand zu gehen?

Wie wichtig ist es ihre Tochter unglücklich zu machen?

Wie wichtig ist es, sie ein Leben lang leiden zu lassen?

Nur damit der Stolz des Vaters befriedigt ist?“

Er schaute die Eltern abwechselnd tief an.

Hier ging es wohl nur um den Vater. Die Frau würde sich immer für das Glück der Tochter entscheiden. Väter sind oft vom vermeintlichen Stolz zerfressen.

Keine einfache Sache.

Er musste ihn bei einer größeren Ehre als der des Vaters, und der Ehre des anderen Stammes packen.

Er kramte in seinem Wissen, suchte nach allem, was er in anderen Epochen finden konnte, suchte nach einem Zusammenhang, der stärker wäre als die Vorurteile des Vaters.

„Ja,“ begann er wieder, “was sind schon Meinungen gegenüber neuem Leben eines Paares, das Kinder zeugt.“

 Was sind schon die Fehden der Roma und Sinti  gegenüber den alten Verfolgungen aller Zigeuner in der Geschichte, sie sind doch zusammen aus der Heimat in Indien geflohen.

Und jetzt ist für die Zukunft jedes neue Leben wichtig. Der Fortbestand des Volkes.“

Als es still wurde, schaute die Mutter den Vater an.

Lange und tief.

Und ihre ganze Liebe zum Mann strömte zu ihm – sein Herz.

Der Vater fühlte endlich eine Lösung seines gestressten Brustkorbs. Die Gedanken konnten plötzlich in alle Richtungen wandern.

Und auch die Argumente des Kapitäns wurden sichtbar.

„Danke Kapitän“ sagte er. „So wollen wir es machen. Wir nehmen den Zigeuner in unserer Familie auf. Eine große Hochzeit wird gefeiert werden. Die schönste Hochzeit, die man je gesehen hat.

Auf dem Gut der Großeltern. Sobald wir im Hafen sind morgen früh werde ich überall hin Boten schicken.

Und auch nach dem Zigeuner suchen lassen.“

Nach wenigen Tagen des Herzklopfens und Wartens konnte Lijia den Zigeuner umarmen, herzen und küssen.

Die Tränen strömten.

Die Liebe hatte gesiegt.

Obwohl es endlich wie ein günstiger Zufall schien, hatte hier das Schicksal mit der Liebe ein Einsehen gehabt und alles so gefügt, alle Menschen so inspiriert, dass alles zu einem guten Ende kam.

Die Hochzeit erregte die Menschen im ganzen Land.

Die Bänkelsänger zogen mit ihren bunten Schaubildern durch viele Gegenden – die Nachrichten erreichten bald auch ferne Länder und dort auch die Sinti und Roma, und manche Eltern sahen die Liebe ihrer Kinder mit freundlicheren Augen an und erlaubten gelegentlich sogar eine Wunschheirat.

Nach vielen Jahrhunderten wurde diese Heirat zur Legende und gelangte in den Märchen und Sagen Schatz Europas, und wurde von den Großmüttern den kleinen Enkeln erzählt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einführung

Das Buch spielt im 13.Jahrjundert in der Provence.

Der Zigeuner ist in St. Maries de la Mer geboren.

Geschichtliches:

Nach dem Tod des Christus beschlossen einige Anhänger die Wichtigste Person des Christentums außer Land zu schallen vor den Nachstellungen der Römer. Diese konnten keinen neuen Herrscher – Christus – gebrauchen, er musste Vernichtet werden.

Diese Anhänger – Joseph von Arimatia? – organisierte eine Seereise für Maria Magdalene und deren treuer Begleiterin die Schwarze Sarah.

Das Segelboot – ein Bild davon in der Kirche von St. Maries de la Mer eingemeißelt, landete am Strand. Dort schufen Maria Magdalena und Sarah die erste kleine Kapelle.

Sarah wurde heiliggesprochen. Sie ist die Schutzpatronin aller Sinti und Roma.

Bald wurde es Wallfahrtsort.

Der Tag der Zigeuner Wallfahrt ist der 24. Mai.

Aus ganz Europa pilgern die Sinti und Roma dorthin. Dort wählen sie auch das neue Oberhaupt.

Literatur: bester Überblick  http://roma-und-sinti.kwikk.info/

 

Ursprung: http://www.efodon.de/html/archiv/geschichte/augustin/2006-SY2%20augustin_saintes_maries-de-la-Mer.pdf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder

 

 

 

 

Das Boot des Zigeuners – schnell, kann gegen den Wind kreuzen – Linien einer Arabischen Dhau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Hütte der Mutter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Siegel der Templer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kirche in St. Maries de la Mer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Getriebe aus Holz gezapft der Turmwindmühle.

Material: Eiche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flamenco Tänzerinnen mit Castaghetten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viluela – Vorläufer der Gitarre

 

 

 

 

 

 

 

Marsilia 12. Jahrhundert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Blauhai erreicht normalerweise eine Körperlänge von etwa 3,40 Metern, kann in Einzelfällen jedoch auch deutlich größer werden. So hatte der bislang längste gemessene Blauhai eine Länge von 3,83 Metern und unbestätigte Berichte sprechen sogar von Tieren mit über 4,5 Metern Körperlänge. Das maximal bekannte Körpergewicht eines Blauhais lag bei 205,9 kg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

La Couvertoirade Templerburg in den Bergen von Larzac

 

 

 

 

 

Dolch des Zigeuners – Damaszener Stal

La Ciotat, Marseille und die Balletschule von Roland Petit

view

 Nachdem wir unsere Wohnung in Köln zu einem Soperpreis verkauft atten, zog es uns wieder ans Mittelmeer. Um nicht in einem Touristenort zu landen, wo alle deutsch sprachen, blieb dann La Ciotat.Die Schiffswerft – erst vor kurzem wegen fehlendem Bedarf in Frankreich, die Koreaner schweißteninzwischen billiger, hatten bisher den Touristen Rummel wegen des Krachs der Werften verhindert.

250px-StateLibQld_1_127603_Commissaire_Ramel_(ship) Die Sonnenhungrigen waren fast nur Franzosen, Rentner aus dem Norden, so war, Essen, Nahrung und Sprache französisisch. Der rote VW Bus (T 2) war schnell mit 3 Mädchen und Gepäck gepacht. Eifelautahn, Huxemburg, Nancy, und dann die endlose, schnurgeradeahn, sechsspurige Autobahn richtung Marseille.

Kurz vor Marseille nach links um Laciotat zu erreichen.Ich verlies Köln oft gegen 22 Uhr, und vor La Ciotat erklomm man einen Hügel, und oben sah man plötzlich das blaue Mittelmeer und La Ciotat liegen. Gedesmal ein ‚mindblowing‘ Erlebnis. Die Abfahrt ins Tal war so steil, dass man als  Notbremse rechts von der routeciotatAutobahn eine vierte Sur mit dicken Geröllsteinen anfelegt hatte, um LKWs zu premsen falls deren Bremsen versagten. Kann ja schon mal vorkommen, deshalb dürfen die Steigungen der Autobahnen nicht mehr als 4% betragen. Ältere werden mit ständigegem Schilderwald geschützt.

notarWir fanden schnell ein Hotel, bald auch ein Haus, das uns gefiel, der Notar, luxeriös antik eingerichtet, übrigens auch wie alle Fach- und Allgemeinärzte, bestellte extra eine Dolmetscherin.

 

sommerküche Gottseidank hatten wir bald ein Haus mit Garten, der klassischen  Sommerküche, Pinien, Lavendel und einem Garenhaus zum Vergrügen der Mädchen.

Die Hausverkäufer maren ein elegantes Paar aus Paris, Sorbonne Angehörige, sie mit wilder Afrofrisur, er nackten Füßen in Bootsschuhen, Kakihosen, schwarzem T-Shirt und schicken Blazer. Cool! Sie luden uns zum Austerginner ein, auch die Mädchen schlürften. schlauchboot

Das Grundstück hatte überall – gut versteckt – Tröpfchen Bewässerung, und all der Kram der nicht mit zurück nach Paris ging, niente uns noch Jahre später als auch wir das Haus wieder verkauft hatten und in Köln waren. 1 Schlauchboot mit 8 PS Evinrude, gute Angeln, ein Mountainbike, das ich auch 10 Jahre später noch fuhr usw.

Das Haus selbst war zweistöckig. Unten Eingangswohnraum, Wintergarten und klassische Küche in deren riesigem Kamin nun der El-Herd stand. Oben kleines Zimmer für die Kids, um es schön zu machen mit schicker Tabete musste ich alles dreimal wieder abreissen und neu kleben. Dann Mittelzimmer für all die Kleider und am Ende das Schlaftimmer, davor ein grosse Sonnenterasse. Provencalisch sollte es aussehen, also gab es die obligaten Streifen an der Wand.

bauziegelWie überall im Süden wurden die Häuserwände nicht mit Beton gegussen, sondern aus Hohlziegeln gemauert. Meist verwendet Mehrlochziegel,  in La Ciotat waren die Wände billig aus Einlochtiegeln. Wohl billig, weil es sich um Häuser für die Arbeiter der Werft handelte.

 

Die riesige Werft hat eine neue Nutzung als Schiffsdock für Reparatur und Neubau mächtiger Yachten – auch die Ocean Racing Millionenyachten werden hier gemaut, ausgestatten und repariert.

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Nachdem der Strom bei der EDF angemeldet war, konnte man mit der Quitung der Überweisung alles andere erledigen. Auch die Anmeldung zur Schule und Crèche (Kindergarten) Ecole Maternele usw.ecolem Also zuerst die Älteste zur Schule, ter Weg war nich weit aber etwas gruselig, denn wegen der Atentate war auch die Schule wie alle öffenlichen Gebeude weitreumit von Gittern und Posizisten abgesperrt.

 

 

 

Nachmittags gingen wir oft in ein Cafè am Hafen. Die Kinder aßen Sandwichessalade

und wir Salade Nicoise, mit Thunfisch, Oliven und Ei.Bald waren wir Stammkunden.

 

 

Die Besitzerin wa allein mit einem kleinen Sohn und immer gut trauf. Die Musik war cool und französisch – besunders liebten wir Celine Dion

http://youtu.be/6rWnRnwT5J8
cafe

 

 

 

 

 

la_ciotat__france_photo

In der Zeitung fand meine Frau einen Hinweis : zu Ostern sind alle Kinder zu der Balletschule Roland Petit in Marseille eingeladen zu einem Workshop „Ballet kennenlernem und Eignung prüfen“.

schule

balletpSONY DSCTochter Anna schien so talentiert, dass die Lehrerin uns gringend bat, sie anzumelden. Eine grosse Ehre, denn Schüler konnten nur gerufen werden – wir taten das. Da die Fahrt von La Ciotal 1 h dauerte zogen wir also um nach Marseille.

schulvorführungSchulvorführung

Also zogen wir nach Marseille und fanden eine Wohnung in einer der alten Windmühlen auf dem Viertel Le Panier.

Vor 2.000 Jahren von den Grichen gegründet, ist es das älteste Viertel von Marseille.

marseille portMarseille – alter Hafen

strasse-le-panier_marseilleTreppen

treppen5panierTreppen rauf, Treppen runter – die Kinder rutschen lieber

spielplatzSpielen und  Fahradfahren

prace dw lenchePlace de Lenche – oft waren wir hier – Caffee, Mittag

barBar

wäscheWäscheleine über die Straße

gom obstObst, Gemüse

obenBlick von unserer Terasse, die Wohnung lag oben in einer der alten Windmühlen aus dem 16. Hahrh. Da damals Holz Mangelware war, wurden oft Reste aus agrewrackten Segelschiffen verwendet.

cafeAm Place de Lenche

chariteeCharitee – oben auf den Hügeln

obenMarseille

marseille portStadtcentrum, der Alte Hafen mit Fähren zur anderen Seite – wir wohnten gegenüber, aber Esther und Kitty lernten Ballet auf dieser Seilte – die Fähren kamen gerade recht

jazcafeDirekt am Hafen: Jazz Restaurant – gutes Essen, gute Jazzband, auch die Mädchen mochten es hier

typstrasseTypische Straße – eng und mit vielen Läden

drehorgelMit Musik rumfahren – die  Pferde gehen hoch und runter – ein fester Platz in Marseille

 

 

 

 

D

 

Es wird langsam Zeit für die Diktatur der Grünen Revolution

„Der Mensch ist der grösste Feind der Erde“ – sagt der Club of Rome.

Er verbraucht zu viele Resourcen. Das Klima wird derart erwärmt, dass ein Ende des Lebens auf der Erde absehbar ist.

So kann das nicht weitergehen.

Wenn die Menschen nicht freiwillig genügsamer leben, d.h. SPAREN bei allem, haben wir die Verpflichtung die Gaia zu retten.

Eine weltweite Ökodiktatur muss her.

Mit der Verbreitung von Angst in einer permanenten Krise können wir das schaffen.

Konsum auf ein Minimum reduziert.

Freiheit auf ein Minimum reduziert.

Geist auf ein Minimum reduziert.

Wir haben wichtige Helfer:

Club of Rome.

Gorbachev Foundation of North America.

sieh‘ mal hier :

A massive campaign must be launched to de-develop the

United States. De-development means bringing our
economic system into line with the realities of
ecology and the world resource situation.

Paul Ehrlich,
Professor of Population Studies

(hat ja schon ganz gut geklappt – nach der Krise sind die meisten Amerikaner pleite, und die Todesstrafe ist auch noch

da –

danke Skulls and Bones ,und  Austan Goolsbee (1991), staff director to and chiefeconomist of President Barack Obama’s Economic Recovery Advisory Board.)

Einige Mitglieder der Club of Rome und Partner Organisationen: mehr…

 

 

Al Gore – former VP of the USA, leading climate change campaigner, Nobel Peace Prize winner, Academy Award winner, Emmy winner. Gore lead the US delegations to the Rio Earth Summit and Kyoto Climate Change conference. He chaired a meeting of the full Club of Rome held in Washington DC in 1997.

Javier Solana – Secretary General of the Council of the European Union, High Representative for EU Foreign Policy.

Maurice Strong – former Head of the UN Environment Programme, Chief Policy Advisor to Kofi Annan, Secretary General of the Rio Earth Summit, co-author (with Gorbachev) of the Earth Charter, co-author of the Kyoto Protocol, founder of the Earth Council, devout Baha’i.

Mikhail Gorbachev – CoR executive member, former President of the Soviet Union, founder of Green Cross International and the Gorbachev Foundation, Nobel Peace Prize winner, co-founder (with Hidalgo) of the Club of

Madrid, co-author (with Strong) of the Earth Charter.

Diego Hidalgo – CoR executive member, co-founder (with Gorbachev) of the Club of Madrid, founder and President of the European Council on Foreign Relations in association with George Soros.

Ervin Laszlo – founding member of the CoR, founder and President of the Club of Budapest, founder and Chairman of the World Wisdom Council.

Anne Ehrlich – Population Biologist. Married to Paul Ehrlich with whom she has authored many books on human overpopulation. Also aformer director of Friends of the Earth and the Sierra Club, and a member of the UN’s Global Roll of Honor.

Hassan bin Talal – President of the CoR, President of the Arab Thought Forum, founder of the World Future Council, recently named as the United Nations ‘Champion of the Earth‘.

Sir Crispin Tickell – former British Permanent Representative to the United Nations and Permanent Representative on the Security Council, Chairman of the ‘Gaia Society’, Chairman of the Board of the Climate Institute, leading British climate change campaigner.

Kofi Annan – former Secretary General of the United Nations. Nobel Peace Prize Laureate.

Javier Perez de Cuellar – former Secretary General of the United Nations.

Gro Harlem Bruntland – United Nations Special Envoy for Climate Change, former President of Norway

Robert Muller – former Assistant Secretary General of the United Nations, founder and Chancellor of the UN University of Peace.

The Dalai Lama – The ‘Spiritual Leader’ of Tibet. Nobel Peace Prize Laureate.

Father Berry Thomas – Catholic Priest who is one of the leading proponents of deep ecology, ecospirituality and global consciousness.

David Rockefeller – CoR executive member, former Chairman of Chase Manhattan Bank, founder of the Trilateral Commission, executive member of the World Economic Forum, donated land on which the United Nations stands.

Reagan and Gorbachev diskutieren, 1987 Bild: Ronald Reagan Presidential Library photo id C31982-11

Stephen Schneider – Stanford Professor of Biology and Global Change. Professor Schneider was among the earliest and most vocal proponents of man-made global warming and a lead author of many IPCC reports.

Bill Clinton – former President of the United States, founder of the Clinton Global Iniative.

Jimmy Carter – former President of the United States, Nobel Peace Prize Laureate.

Bill Gates – founder of Microsoft, philanthropist

Garret Hardin – Professor of Human Ecology. Originator of the ‘Global Commons‘ concept. Has authored many controversial papers on human overpopulation and eugenics.

Other current influential members:
(these can be found on the membership lists of the COR (here, here, and here), Club of Budapest, Club of Madrid and/or CoR National Association membership pages)

Ted Turner – media mogul, philanthropist, founder of CNN
George Soros – multibillionare, major donor to the UN
Tony Blair – former Prime Minister of the United Kingdom
Deepak Chopra – New Age Guru
Desmond Tutu – South African Bishop and activist, Nobel Peace Prize Laureate
Timothy Wirth – President of the United Nations Foundation
Henry Kissinger – former US Secretary of State
George Matthews – Chairman of the Gorbachev Foundation
Harlan Cleveland – former Assistant US Secretary of State and NATO Ambassador
Barbara Marx Hubbard – President of the Foundation for Conscious Evolution
Betty Williams – Nobel Peace Prize Laureate
Marianne Williamson – New Age ‘Spiritual Activist’
Robert Thurman – assistant to the Dalai Lama
Jane Goodall – Primatologist and Evolutionary Biologist
Juan Carlos I – King of Spain
Prince Philippe of Belgium
Queen Beatrix of the Netherlands
Dona Sophia – Queen of Spain
José Luis Rodríguez Zapatero – current Prime Minister of Spain
Karan Singh – Former Cabinet Member of India, Chairman of the Temple of Understanding, Ambassador to U.S.
Daisaku Ikeda – founder of the Soka Gakkai cult
Martin Lees – CoR Secretary General, Rector of the UN University of Peace
Ernesto Zedillo – Director of The Yale Center for the Study of Globalization
Frithjof Finkbeiner – Coordinator of the Global Marshall Plan
Franz Josef Radermacher – Founder of the Global Marshall Plan
Eduard Shevardnadze – former Soviet foreign minister and President of Georgia
Richard von Weizsacker – former President of Germany
Carl Bildt – former President of Sweden
Kim Campbell – former Prime Minister of Canada and Senior Fellow of the Gorbachev Foundation
Vincente Fox – former President of Mexico
Helmut Kohl – former Chancellor of Germany
Romano Prodi – former Prime Minister of Italy and President of the European Commission
Vaclav Havel – former President of the Czech Republic
Hans Kung – Founder of the Global Ethic Foundation
Ruud Lubbers – United Nations High Commissioner for Refugees
Mary Robinson – United Nations High Commissioner for Human Rights
Jerome Binde – Director of Foresight, UNESCO
Koïchiro Matsuura – Current Director General of UNESCO
Federico Mayor – Former Director General of UNESCO
Tapio Kanninen – Director of Policy and Planning, United Nations
Konrad Osterwalder – Under-Secretary-General of the United Nations
Peter Johnston – Director General of European Commission
Jacques Delors – Former President of the European Commission
Domingo Jimenez-Beltran – Executive Director of the European Environment Agency

Lindenberg – Vom Ursprung geistiger Gegenwart Bild: Amazon

Thomas Homer-Dixon – Director of Peace and Conflict Studies, University of Toronto
Hazel Henderson – Futurist and ‘evoluntionary economist’
Emeka Anyaoku – former Commonwealth Secretary General, current President of the World Wildlife Fund
Wangari Maathai – Nobel Peace Prize Laureate, founder of the Green Belt Movement

Na, ist das nicht eine gute Liste? Noch Zweifel?

Anmerkungen:

Christoph Lindenbergs Ahnungen, gebraucht bei Amazon

1984 – man dachte es gäbe noch die Möglichkeit sich in unwirtliche Regionen zurück zuziehen – das ist heute vorbei…

Zum Nachdenken: Gorbachov – Treffen Reagan, Ende der SU nach Perestroika, Gorbatchev Foundation – Solarpark in der Sahara, Lust auf Offroadcars – Prekariat – Harz VI – Absinken der Bürgerklasse – 20:80 Geselschaft, u.s.w.

Alternativen: Soziale Dreigliederung, Bleep, Teleportation, Steiner persönliches Sparen….

p.s. mein sitemeter zeigt an, dass google bot mich 2-3 mal pro Tag besucht – und google.com 1 mal – was heisst das? bin ich suspekt? oder mag google soziales Engagement? oder wie? – hat jemand eine Erklärung?

Bei ca 3 gepflegten Seiten: http://www.aphasie.com/, http://www.phadp.de/ und http://www.kurtdiehl.de/ ist das nicht der Fall!


Wenn ihr denkt es geht so weiter, habt ihr euch gekniffen..

Was ist, wenn der Benzinpreis auf 5 Euro steigt? oder 10 sogar?

Blickpunkt Bundestag 1974, Zitat: „Wie ein Schock drückt sich im Herbst 1973 die Ölkrise in das Bewusstsein. Im Krieg mit Israel haben die arabischen Staaten die Erdöllieferungen an die westlichen Staaten gedrosselt, um deren proisraelische Haltung zu erschüttern. Binnen kürzester Zeit vervierfacht sich der Rohölpreis. Die Bürger unternehmen Hamsterkäufe.“

Am 21. Februar 2011  stieg der Ölpreis an der Börse erheblich. Man fürchtet, dass einige Stämme in Libyen die Pipelines unterbrechen. Das trifft good old Germany empfindlich. Und die Politiker sind angsterstarrt, Frontex soll es mit Gewalt richten, doch wo sind die Glückwünsche zur beginnenden Revolution in Libyen ? Vielleicht  könnte man die Demokratie unterstützen? Und endlich mal agieren? Und dann weiter etwas Öl beziehen? (Von den menschlichen Qualitäten  „eine zivilen“ Gesellschaft  schweigt man hier besser – )

Denn das ist nur der Anfang. Jeder weiss, dass die Ölvorräte zuende gehen. Schon seit langem. Nur seit kurzem viel schneller. Allein Indien und China sind unersättlich.

Das Energieproblem wird sich auch mit Solar nicht lösen lassen. Es wird zuviel gebraucht.

Und Sparen, jetzt „radikales“ Sparen ist ein absolutes Unwort. Schon eine Rückbesinnung auf 1979 würde den Energieverbrauch um ca 70% senken. Und da ging es doch allen schon bestens. Genug zu  Essen. Warme Wohnung. Urlaub in Rimini.

Oder zurück in die 50er Jahre. Als wir später in Hohn bei Münstereifel wohnten, lernte ich einen Bauern kennen. Die 5 Kinder schliefen noch 1950 unterm Dach. Im  Winter wehte der Schnee durch die Ziegel auf die Decken. Der erste Traktor kam 1953 ins Dorf.

Oder 1922 – in „kleiner Mann was nun“ schildert Fallada noch einfachere Verhältnisse.

Und heute? Die Autos werden immer grösser. Die Reisen immer weiter und öfter. Alle reden vom Umweltschutz, aber bei Fragen wie etwa “ warum fliegt ihr auf die Malediven?“ – endet jedes Gespräch sofort.  Man wird angestarrt, als hätte man Aussatz.

So wird das nicht gehen.

Allerdings werden die Autobahnen doch für etwas gut sein. Jeder Pferdewagen rollt leichter und mit grösseren Lasten als zur Zeit Goethes – er schildert dort so schön  das Rumpeln und Holpern auf der Italienischen Reise –


Tunesien Flüchtlinge nicht ertrinken lassen – wir brauchen sie! und nicht EU Festungsmentalität

In einem Tagesschau Interview heute 15.2.11 mit dem Vorsitzenden des Menschenrechtsvereins borderline-europe, Bierdel, wird klar, dass das Mittelmeer-Flüchtlingsproblem nicht mit noch mehr Kanonenbooten, Zäunen und Geld an Gadhafi zu lösen ist.
Ich hatte schon vor Jahren die Vision, dass sintflutartig die Menschenströme uns überfluten wenn wir weiter so deren Existenzgrundlage vernichten. Z.B. Hunger – wer frisst wem alles weg?

Hier das ganze Interview:

Interview zur Flüchtlingslage

„Europa setzt auf schauerliche Strategien“

Das Flüchtlingsdrama auf der italienischen Insel Lampedusa ist als Abschreckung politisch gewollt, wie der Vorsitzende des Menschenrechtsvereins borderline-europe, Bierdel, meint. Im Interview mit tagesschau.de prangert er das Vorgehen der EU an und fordert ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik.

tagesschau.de: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage auf Lampedusa?

Elias Bierdel: Uns überrascht es nicht, dass jetzt verstärkt Boote kommen. Es ist vollkommen klar, dass nach dem Ende des bisherigen Schreckensregimes in Tunesien auch zusammenbricht, was die EU mit den Mittelmeer-Anrainerländern ausgehandelt hat – nämlich, dass sie gefälligst für uns die Grenzen dicht machen.

Flüchtlinge auf Lampedusa (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Hoffnung auf ein besseres Leben: Auf Lampedusa ankommende Flüchtlinge. ]
Auf Lampedusa herrscht zurzeit Chaos, was auch politisch gewollt ist seitens der italienischen Regierung. Sonst hätte sie umgehend die dort bereitstehenden Einrichtungen öffnen können. Es gibt hier eine Strategie der Abschreckung. Man versucht, Menschen in eine unwürdige Situation hineinlaufen zu lassen, um andere davon abzuhalten, es ihnen gleichzutun. Das ist nur ein Teil der Abwehrstrategien Europas, aber ein besonders schauerlicher.

„Wilde Horden sind eine europäische Wahrnehmung“

tagesschau.de: Ist denn der Zusammenbruch des Regimes der Hauptgrund für den Flüchtlingsstrom?

Bierdel: Ich würde den Begriff „Flüchtlingsstrom“ so nicht benutzen. Es ist eine europäische Wahrnehmung, dass da wilde Horden sitzen, die nur darauf warten, hier herüberzukommen. Es gibt in der Tat einen Auswanderungsdruck, und der steigt auch über die Jahre. Für mich wäre der richtige Schritt, darüber nachzudenken, wie weit auch europäische Staaten und die EU Fluchtgründe schaffen.

Zur Person:

Elias Bierdel ist Vorsitzender von Cap Anamur
Elias Bierdel ist Vorstand des Vereins „borderline europe – Menschenrechte ohne Grenzen e.V.“, den er 2007 gründete. Zuvor war der gebürtige Berliner erst Projektmitarbeiter und später Vorsitzender der Hilfsorganisation Cap Anamur. Bierdel lebt heute als Autor und Journalist im Burgenland in Österreich.

Die EU ist speziell in Afrika unmittelbar am Fortdauern der dortigen Elendsverhältnisse beteiligt. Zum einen durch äußerst unfaire Handelsbeziehungen, wo Preise gezahlt werden, die weit unter den Welthandelspreisen liegen. Zum anderen kippen wir unsere Überschussproduktion auf die Märkte. Das ist vor allem in Westafrika der Fall, wo subventionierte Lebensmittel der EU, die man früher hier vernichten musste, dort so billig auf die Märkte gelangen, dass sie die Strukturen der einheimischen Landwirtschaft zerstören. Zudem überfischen wir die Gewässer vor der westafrikanischen Küste, so dass die Menschen dort einfach keine Fische mehr fangen können.

Und am Ende kommt nun auch noch der Klimawandel auf bestimmte Zonen Afrikas zu. Da müssen wir uns doch fragen: Wer ist dafür verantwortlich? Ganz sicherlich nicht der afrikanische Kontinent, der nicht einmal mit fünf Prozent an der Emission von Treibhausgasen beteiligt ist. Wir müssen uns fragen: Wie gehen wir nun um mit denen, die einen Anteil am Reichtum der Welt suchen oder die in ihren Heimatregionen nicht mehr bleiben können, weil wir sie dort vertrieben haben?

„Die europäische Politik steht kurz vor dem Offenbarungseid“

tagesschau.de: Wie geht die EU denn bislang damit um?

Muammar al-Gaddafi (Foto: picture alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Muammar al Gaddafi: Ein Alleinherrscher soll die Flüchtlingsprobleme der EU lösen. ]
Bierdel: Sie übt massiven Druck auf die Mittelmeer-Anrainer im Süden aus, um sie dazu zu zwingen, uns diese vermeintliche Last vom Hals zu halten. Die EU und speziell Italien haben es sich viel Geld kosten lassen, zu verhindern, dass Menschen ihre Ursprungsländer verlassen. Wenn man dieses menschenrechtlich äußerst sensible Feld in die Hand gibt von Leuten wie dem libyschen Staatschef Muammar al Gaddafi, dann darf man sich nicht wundern, wenn Menschen in irgendwelchen Foltercamps verschwinden, dort vergewaltigt oder erschlagen werden.

Die europäische Politik steht kurz vor dem Offenbarungseid, wenn sie einen libyschen Diktator zu ihrem Menschenrechtsbeauftragten an der Südgrenze ernennt. Der EU-Afrika-Gipfel vor wenigen Monaten in Tripolis hat nochmal gezeigt, dass Gaddafi rund 30 Milliarden Euro für seine Dienste an der Südgrenze haben möchte, und es steht zu befürchten, dass er die auch bekommen wird. Ich halte das für eine schändliche Vereinbarung.

tagesschau.de: Ist das Vorgehen in Tunesien vergleichbar gewesen?

Bierdel: In Tunesien ist das nicht ganz in dieser Härte abgelaufen, aber es handelte sich auch um eine Diktatur, die technisch aufgerüstet wurde, um Menschen mit Gewalt daran zu hindern, einen Hafen zu verlassen. Ich habe mir das ansehen können: Es gab ein engmaschiges Netz der Kontrollen über den Häfen in Tunesien. Es war praktisch nicht mehr möglich, unentdeckt dort abzufahren – und das war genau die Intention der EU.

„Völkerrechtswidriges Handeln im großen Stil“

Ob aber unter den Menschen, die da hätten losfahren wollen, vielleicht welche waren, die mit völligem Recht bei uns in Europa Schutz und Hilfe hätten suchen können, das wissen wir auf diese Weise eben nicht, weil wir sie pauschal daran hindern, in ein Boot zu steigen. Allerdings ist es laut Genfer Flüchtlingskonvention völkerrechtswidrig, Gruppen von Menschen pauschal daran zu hindern, bei uns um Asyl zu bitten. Aber genau das passiert im großen Stil.

tagesschau.de: Wie geht die EU selbst vor, wenn die Menschen erst einmal in den Booten auf dem Weg nach Europa sitzen?

Bierdel: Sie hat bis heute kein einheitliches Asylrecht für Menschen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen. Stattdessen hat sie sich nur auf gemeinsame Abwehrmaßnahmen verständigt, in Gestalt der EU-Agentur Frontex zur Koordinierung der Schutzmaßnahmen an den Außengrenzen, die mit gemeinsamen Operationen im Mittelmeer unsere europäischen Küsten abschirmt.

Da geht es im Mittelmeer besonders schauerlich zu. Die Opferzahlen sind amtlich nicht erhoben, es gibt keinen einzigen europäischen Beamten, der sich mit dieser Frage beschäftigt, das tun ausschließlich NGOs. Dokumentiert sind über die vergangenen 15 Jahre circa 16.000 Tote an den europäischen Außengrenzen. Die Europäische Kommission geht von drei- bis viertausend Toten pro Jahr aus.

Flüchtlingsschiff Lampedusa (Foto: REUTERS) [Bildunterschrift: Wie sich die Bilder gleichen: Schon 2004 kamen überladene Boote mit Flüchtlingen über das Meer …]
Flüchtlingsboot vor der Küste Lampedusa (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: … und stellten die Verwaltung auf Lampedusa vor große Probleme – wie auch im Jahr 2008. ]

„Am Ende sind von 79 Menschen gerade noch fünf am Leben“

Gerade im Seegebiet vor Lampedusa werden Menschen in Booten hin- und hergeschoben, keiner will sie haben. Am Ende sind dann zum Beispiel von 79, die losgefahren sind, gerade noch fünf am Leben, die anderen sind unterwegs verdurstet, unter den Augen europäischer Beamter. Aber bisher hat das nicht zu dem großen Aufschrei geführt, den ich für angemessen halten würde.

Bis Anfang der 90er-Jahre gab es gar keine Visabestimmungen, keine Probleme, keine Einschränkungen für die Überfahrt übers Mittelmeer. Da konnte jedes Boot hin- und herfahren, wie es wollte. Warum Europa gerade in den vergangenen Jahren versucht, sich als Wohlstandsfestung abzuschotten, ist ganz schwer nachzuvollziehen. Die Entscheidung dazu ist von keinem Parlament getroffen worden, das hat sich so entwickelt.

tagesschau.de: Was könnte Europa denn statt der bisherigen Maßnahmen tun?

Bierdel: Wir brauchen in Europa Zuwanderung und wir werden sicherlich in kurzer Zeit dazu kommen – in der Wirtschaft gibt es bereits entsprechende Signale -, eine solche auch zu erlauben. Viele Spezialisten sagen, warum sehen wir diese Migrantionsbewegungen nicht als Chance? Als Chance, unsere Bevölkerung zu verjüngen, als Chance, Menschen zu haben, die bereit sind, sich einzusetzen und die möglicherweise hier auch gebraucht werden.

„Flüchtlinge müssen über die EU verteilt werden“

Auffanglager auf Lampedusa (Foto: ANSA) [Bildunterschrift: Seit Jahren zeigen die Probleme auf Lampedusa: Die EU braucht eine neue Migrationspolitik. ]
Dringend erforderlich ist, dass Europa einen gemeinsamen Mechanismus findet, mit diesen Menschen umzugehen und ihre Anliegen zu prüfen. Zum Beispiel, indem man sie über die europäischen Mitgliedsländer verteilt und dort entscheidet, wer hat Anrecht auf Asyl, wen wollen wir als Migranten hier zulassen. So lange es diese innereuropäische Solidarität nicht gibt, werden sich immer wieder an den Außengrenzen die Verhältnisse so dramatisch zuspitzen.

tagesschau.de: Wie wird es kurzfristig weitergehen auf Lampedusa?

Bierdel: Nach dem, was ich sehe, kann man momentan die Bewegung von Booten nicht stoppen. Das erschöpft sich aber irgendwann, das ist jetzt so eine Welle. Ich warne noch einmal vor dem Eindruck, dass es einen plötzlichen Ansturm gibt: Wir beobachten seit vielen Jahren eine konstante Bewegung hin auf die EU. Und das vor allem auf legalem Weg: Die überwiegende Zahl sogenannter illegaler Migranten reist nicht auf dem Seeweg, sondern ganz legal beispielsweise über Flughäfen mit einem Visum ein, verlässt das Land dann aber nicht wieder.

„Botschafter der Ungerechtigkeit“

Hier ist viel Propaganda im Spiel und viel Heuchelei auf Seiten der EU, die am liebsten die Augen verschließen möchte davor, wie weit sie selbst schuldhaft verstrickt ist, wenn es darum geht, dass Menschen ihre Heimat verlassen.

Der katholische Priester Herbert Leuninger, ein Mitbegründer von ProAsyl, nannte die Menschen in den Booten „Botschafter der Ungerechtigkeit“. Die, die da kommen, bringen uns eine Botschaft, die lautet: „Diese Welt ist ungerecht aufgeteilt!“ In der Verantwortung dafür stehen vor allem die entwickelten Länder. Und damit vor allem die EU.

Das Interview führte Johanna Bartels, tagesschau.de.

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es geht weiter: NTV

Pressestimmen
Fast 6000 Tunesier sind bereits über Lampedusa nach Europa gekommen. Fast 6000 Tunesier sind bereits über Lampedusa nach Europa gekommen.
(Foto: AP)

Montag, 14. Februar 2011

Flüchtlingsdrama auf Lampedusa“Grundrecht auf Asyl gilt nicht mehr“

Seit Mitte Januar sind knapp 5300 tunesische Flüchtlinge in Italien angekommen. Die Regierung in Rom verlangt Geld aus Brüssel, um den Flüchtlingsansturm bewältigen zu können, und will 200 zusätzliche Soldaten zur Kontrolle der Auffanglager abkommandieren. Was ist zu tun?, fragen sich die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen, denn es ist zu befürchten, dass noch Zehntausende aus Nordafrika fliehen wollen.

„Die EU muss endlich eine glaubwürdige Entwicklungspolitik in Tunesien und den Nachbarländern betreiben“, liest man dazu in der Leipziger Volkszeitung. Und die EU dürfe sich nicht darauf beschränken, „die Grenzen der nordafrikanischen Despotenstaaten mit polizeilicher Hilfe noch besser abzusichern. Nun geht es vor allem darum, mit bevölkerungsnahen Hilfsprojekten Millionen von verarmten Nordafrikanern Arbeit und Perspektiven zu geben. Trotz aller Fensterreden zeichnet sich Europas Nordafrika-Politik vor allem durch Hilflosigkeit aus: Seit Jahren werden die Wüsten-Diktatoren mit Brüsseler Millionen-Hilfe unter dem Etikett ‚Mittelmeer-Partnerschaft‘ bei Laune gehalten.“

Einlass in die neue Welt. Einlass in die neue Welt.
(Foto: dpa)

Die Financial Times Deutschland fragt sich, warum die EU den aktuellen Ansturm auf Lampedusa nicht zum Anlass nimmt, ihre gesamte Asylpolitik zu überdenken und die Flüchtlinge, die in Italien landen, auf andere Mitgliedsländer zu verteilen. „Das rüttelt an lieb gewonnenen Illusionen jener Länder, die keine Südgrenzen haben. Bisher setzt die Gemeinschaft vor allem darauf, die Schotten so dicht wie möglich zu machen – und nimmt sehenden Auges in Kauf, nicht nur Wirtschaftsflüchtlinge, sondern auch politisch Verfolgte auszusperren. Das Grundrecht auf Asyl, das im Grundgesetz verankert ist, gilt längst nicht mehr. Hinzu kommt, dass jährlich hunderte Menschen im Mittelmeer ertrinken, weil sie in wackeligen Booten nach Europa streben. Eine Möglichkeit wäre, die Flüchtlinge in Nordafrika abzufangen – politisch Verfolgten dort aber anders als bisher die Möglichkeit zu geben, Asyl zu beantragen.“

Die Augsburger Allgemeine zeigt erst einmal Verständnis: Europa könne ja nicht jeden Tunesier aufnehmen, der arbeitslos geworden ist. „Europa wird auch überfordert sein, wenn die Flüchtlingsströme aus Schwarzafrika, künftig auf die direkte und nicht mehr abgesperrte Route über Tunesien umschwenken. Dies heißt aber nicht, dass sich Europa komplett abschotten darf. Es ist eine humanitäre Verpflichtung unseres Kontinents, Emigranten aufzunehmen. Aber der augenblicklich chaotische Prozess muss durch ein kontrolliertes Verfahren abgelöst werden. Langfristig können Flüchtlingsströme nur reduziert werden, wenn die Menschen in ihrer Heimat ein gutes Leben führen können. Dabei zu helfen, wird in Zukunft eine der großen Aufgaben Europas sein. Schon im eigenen Interesse.“

Der Kommentator der Stuttgarter Zeitung erinnert an die Festungsmentalität Deutschlands und ganz Europas. Sie sei inhuman und im Umgang mit den noch jungen Demokratien Nordafrikas schlicht nicht mehr praktikabel. „Neben der Hilfe vor Ort, die die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton gestern zugesagt hat, könnte eine Idee Wolfgang Schäubles aus seiner Zeit als Bundesinnenminister den Ausweg weisen: Die zirkuläre Migration, eine legale Einwanderung auf Zeit also, würde nicht nur den Druck an Europas Außengrenzen reduzieren. Sie böte den Nordafrikanern auch eine Entwicklungsperspektive. Sie hätten die Chance, nach der Rückkehr mit europäischem Know-how am Aufbau ihrer Länder mitzuwirken. Für Europa gilt es, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.“

Die Frankfurter Rundschau vermutet, dass Italien vom Sturz der Regime in Tunis und Kairo noch überraschter als andere westliche Regierungen war. Dabei stehe es Nordafrika nicht nur geografisch nahe, sondern auch kulturell und historisch. „Auf den Flüchtlingsansturm antwortet die Regierung mit der bekannten Mischung aus Alarmismus, politischer Härte und Hilflosigkeit. Immerhin hat sie von Massenabschiebungen vorerst abgesehen. In einem Punkt aber hat sie recht. Es ist kein rein italienisches Drama, das sich jetzt wieder im Mittelmeer abspielt, sondern ein europäisches. Doch auch Europa glänzt mit vertrauten Reaktionen: abwarten, ausweichen, abschotten.“

Der Kölner Stadt-Anzeiger meint, dass die Europäer nun gleich doppelt gefordert sind: „Sie müssen Italien helfen, mit den Flüchtlingen menschenwürdig umzugehen. Und sie müssen vor allem Tunesiern und Ägyptern so schnell die Perspektiven zum Verbleib im eigenen Land verschaffen, wie sie einst die europäischen Banken retteten. Allen sollte nämlich klar sein: Man kann die Menschen nicht mehr in ihren eigenen Ländern einsperren. Die Chance, auf die Entwicklung in Nordafrika positiven Einfluss zu nehmen, hat die EU jetzt. Dass in Brüssel noch nicht über einen Sondergipfel diskutiert wird, ist ein schlechtes Zeichen. Das Geld ist ja da. Es wurde bisher den Despoten in die Taschen gesteckt.“

Zusammengestellt von Peter Richter


Ägypten und der Hunger – wer frisst wem alles weg?

In dem 1904 erschienen Roman Nostromo von Josef Conrad sagt ein Kalifornischer Gouverneur „wir brauchen keinen Krieg um die Welt zu gewinnen, wir machen das mit Nahrung.“

.Ein schönes Beispiel sah ich 1988 im Hafen von Banjul / Gambia. Ein zwanzigtausend Tonnen Schiff wurde entladen.

Säcke mit Reis. Mit der Aufschrift „This is a gift from the People of the United States of America to the people of Gambia.“

Dem Gambischen Staat geschenkt, durfte dieser den Reis für kleines Geld verkaufen.

Die gambischen Reisbauern verkauften nichts mehr. Der Preis war zu klein.

2 Jahre später verfielen die Reisfelder. Danach gab es nur nuch Reis aus USA. Dort säht man mit Flugzeugen. Alles funktioniert maschinell. Menschen, Bauern, Arbeiter werden nicht mehr gebraucht. (In den USA wird der Reis mit Hilfe von Flugzeugen auf leicht geflutete Felder gesät und dann von den abgetrockneten Feldern mit Mähdreschern geerntet. Die USA sind einer der größten Reisexporteure weltweit: 14 % des Reises auf dem Weltmarkt stammen aus den USA. Arkansas, Kalifornien und Louisiana machen dabei über 80 % der gesamten Reisanbauflächen der USA und der Gesamtproduktion von USA-Reis aus.)

Das gleiche passierte 1991 nach der Unanhängigkeit in Lettland.

Kurz nach der Unabhängigkeit überflutete Unilever das Land mit billigem Langnese Honig. 1991 gab es im Land ca 150.000 Bienenvölker. Drei Jahre später nur noch ca 55.000. Hunderttausend Existenzen waren ruiniert. Und die Befruchtung – wo nötig – in Frage gestellt.

Durch Einfuhr billiger Milch und Butter sank die Grossvieh Zahl innerhalb von 3 Jahren um 80 – 90 %. Vorher hatte Lettland die Städte Leningrad (Petersburg) und Moskau versorgt. Jetzt kauften nichteinmal die Letten ihre Milch und Butter auf den lokalen Märkten. Die Viebesatz sank unter das Niveau von 1945 – Kriegsende.

Dies nur 2 Beispiele die ich persönlich sah.

Weitere Literatur bei Greenpeace.

Zum Beispiel Cargill einer der grössten Food Konzerne der Welt. Sitz in Minnetonka, Minnesota. Privat – nicht an der Börse – keine Offenlegungspflicht der Bücher.

Zur Zeit des Buches EinPlanet wird geplündert, 1975 von Herbert Gruhl, hatte Cargill schon fast 80% des Welthandels mit Weizen in der Hand. Mit Hilfe eigener Güterzüge und Getreidesilos  konnte man leicht die Farmer so lange warten lassen, bis sie billig verkaufen mussten.

Heute beliefert Cargill komplett u.a. die Kette McDonald USA  und GB mit Eiern und Hänchen, deren Futter kommt z.B. von Soja- und Ölpalmplantagen weltweit. Dafür muss der Regenwald in Süd- und Mittelamerika sowie Ozeanien weichen. Ebenso die Kleinbauern. Die riesen Slums nehmen sie auf. Oder sie verhungern einfach.

Aus Nahrung wird auch Fleisch und neuerdings Benzin. 2008 stieg der Preis für Mais – der Grundnahrung in Mexiko – wegen Umbau auf Bezinproduktion statt Maismehl um 25 %. Seit jahren wieder die ersten Hungersnöte.

In Deutschlands Maisgürtel sind schon über 25 % für die Produktion von Energie reserviert. Auch Weizen. Bald wird das

Bier teuer.

Kürzlich haben die Kriegsgewinnler des Finanzkrachs entdeckt, dass man die riesigen Gewinne  mit der Spekulation auf zukünftige Ernten noch vergrößern kann. 2011 ist der Weizenpreis (weltweit)  25 % höher als 1010. Dementsprechend stieg der Brotpreis in Ägypten um 25 – 30 %.

Auf Kakaoplantagen von Cargill in dem Afrikanischen Staat Elfenbeinküste, der größten Kakaoanbaufläche der Welt, arbeiten im Nachbarland gefangene Kindersklaven. Kein Lohn, wenig Essen, dafür 12-16 Stunden Arbeit.

usw. usw.


Die Mönche in Byanmar

Mein Herz zerreist, wenn ich lese, dass in den letzten 12 Monaten 120.000 Afrikaner per Boot nach -Europa geflüchtet sind – 10.000 sind dabei ertrunken – wie fühlt man sich als Deutscher, wenn wir die Kriegschiffe bezahlen, die Flüchtlinge mit maroden Schlauchbooten abweisen, wohl wissend, dass diese dann später als Leichen in Marbella angeschwemmt werden?
(der soziale Lernprozess scheint doch Jahrtausende zu dauern – obwohl Wissenschaftler wie Zigmunt Baumann behaupten, dass (man verzeihe die neue DUDEN Schreibweise ohne sz (ß) die menschliche Entwicklung nur unter der Prämisse „liebe deinen Nächsten wie dich selbst) überhaupt möglich war (siehe auch Hannah Ahrend).
Doch heute erfasst mein Herz die Proteste in Myanmar – die buddhistischen Mönche, die plötzlich auf die Strasse gehen, demonstrieren gegen das faschistische Regime, sich erschiessen, mit Gewehrkolben sich das Gehirn zermatschen lassen, sich mit den bekannten Polizeiknüppeln zu Krüppeln schlagen lassen, sich in diese üblen Gefängnisse abtransportieren lassen, auch die Nonnen werden ncht verschont – China und Indien hemmen die internationalen UNO Proteste – was Indien damit zu tun hat, ist noch etwas schleierhaft, außer dass dort der Buddhismus in den früheren Jahrhunderten vom Islam und dem Hinduismus überrollt wurde – bei China sind natürlich die Gas und Öllieferungen äußerlich massgebend – (auch die Franzosen halten sich wegen des Engagements der französischen Ölmultis zurück) – doch im wahren Hintergrund steht der Versuch der „negativen Mächte“ – wie auch schon in Tibet – eine geistige Kultur, welche der Wahren Wirklichkeit entspricht, und die natürlich den ungeistigen Materialismus der China KPD völlig infrage stellt – zu vernichten. Leider haben die Chinesen bis heute nicht begriffen, obwohl sie deutlich die Gefahren der „Geistigen Kultur“ erkennen – sonst würden sie nicht so heftig auf den Empfang des Dalai Lama durch unsere Kanzlerin reagieren – dass die Zukunft nicht aufzuhalten ist – eine Zukunft, die von der aktuellen Physik längst erkannt – als fast schon Dogma – nur das Erkennen der Ursprünge allen menschlichen und physischen SEINS aus dem Geist – (oder WORT, wie es die Bibel schildert) postuliert.
Deutlich muss nocheinmal gesagt werden, dass der Buddhismus nie zu Kriegen Vorwand war – nie zu Unterdrückung – nie Versklavung – nie zum Quälen von Mensch, Tier und Pflanze – und für alle, die dem Lauf der geschichtlichen Entwicklung anhängen – (Abfolge der Kulturen etwa vom Indischen, Persischen, Ägyptischen, Israelischen bis zum Christentum) – ein deutliches Vorläuferstadium des heutigen Daseins (christliches Verständnis des Verwandelns der Erde durch Arbeit – Nächstenliebe etc.) bedeuten sollte.
Es bricht mein Herz, wenn ich heute wieder (ich war sehr aktiv in der 68er Zeit) Worte wie damals hören sollte (Tibet? Ungarn?, das sind normale Opfer der Revolution!!!) – und heute: Wirtschaft, Politik, Globalisierung – der Hedonismus der „immerhin doch möglich überlebendend“ europäischen Bevölkerung hindert diese „gottseidank“ am Kriegführen für „VOLK und VATERLAND“ – aber nicht an mangeldem Mitgefühl -obwohl dieses das Überleben und Fortbestehen der Menschheit erst möglich macht.
Mögen die Elementarwesen uns helfen –


Link: sevenload.com


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