jDer Oberschwäbische Jakobsweg ist ein Abschnitt des Jakobswegesin Baden-Württemberg. Der Abschnitt dieses Fernwanderweges führt als Pilgerweg über insgesamt 159 Kilometer vom Münsterplatz in Ulm an der Donau zum Konstanzer Münster am Bodensee und durchquert das westliche Oberschwaben. Der Bodensee zwischen Meersburg und Konstanz wurde mit dem Schiff bzw. wird heute mit der regelmäßig verkehrenden Autofähre überquert. Der Weg findet in der Schweiz alsSchwabenweg seine Fortsetzung.j1

Frühe Geschichte

Dem König des Fränkischen Reiches und späteren Kaiser Karl der Große erschien nach einer Legende in einem Traum der Heilige Jakob. Dieser gebot ihm einen Feldzug zur Befreiung Gothiens von denMauren. Karl führte den Feldzug durch und errichtete an der südwestlichen Grenze seines Reiches die Spanische Mark. Diese Legende ist mit noch drei weiteren Legenden auf dem Karlsschrein inAachen dargestellt. Kaiser Karl weilte mehrere Male in Ulm. Der Überlieferung nach wurde 1181 in Ulm eine dem Heiligen Jakob geweihte Kapelle errichtet, die aber 1538 abgegangen ist. Im Münster finden sich Jakobsdarstellungen aus dem 16. Jahrhundert.j2

Der Dominikanermönch, Pilger und Reiseschriftsteller Felix Fabri lebte im 15. Jahrhundert lange Zeit im Kloster der Dominikanerinnen von Ulm. Er beschrieb in Evagatorium und in Sionspilgerinseine spirituellen und realen Reisen ins Heilige Land, nach Rom und nach Santiago de Compostela, teilweise einzelne Etappen von Ulm bis an den Bodensee.

Oberschwaben Pilgerweg

Oberschwaben Pilgerweg

Ulrich von Winterstetten, auch Schenk Ulrich von Schmalegg genannt, starb vermutlich in Winterstettenstadt. Diesen Ort passiert der Oberschwäbische Jakobsweg auf der dritten Etappe von Steinhausen nach Bad Waldsee.

Neuzeitliche Wiederentdeckung, Einrichtung und Beschilderung

Einen ersten Pilgerstempelauf dem Oberschwäbischen Jakobsweg kann man in der Münsterpforte bekommen, Zugang rechts neben dem Hauptturm.

In Biberach an der Riß betritt der Pilger durch das Ulmer Tor (Turmaufbau links im Bild) die einstige freie Reichstadt und wandert durch die Altstadt zur großen Stadtkirche St. Martin (großer Turm rechts im Bild)

Nach Biberach stellt die Wallfahrtskirche von Steinhausen einen Höhepunkt auf dem Oberschwäbischen Jakobsweg dar. EinPilgermuseum liegt unweit der Kirche.

Eine Vielzahl von Stadt- und Kirchtürmen bietet dem Pilger der Blick auf Ravensburg. Im Vordergrund die Evangelische Stadtkirche, Teil einer Klosteranlage.

Die Figur des Jakobus in der St. Jakobuskirche von Brochenzell.

Kapelle von Braitenbach bei Markdorf.

Spuren mittelalterlicher Jakobspilger in der Dreifaltigkeitskapelle von Braitenbach.

Eine Jakobusfigur aus dem 15. Jahrhundert in der Jakobuskapelle von Nonnenhorn am Bodensee, dem östlichen Endpunkt des Oberschwäbischen Jakobsweges.

Das Staatliche Seminar Meckenbeuren für schulpraktische Ausbildung und die St.-Jakobus-Gesellschaft errichteten auf Anregung des Europarates im Sommer 1996 den Weg von Bad Waldsee nach Meersburg, teils auf schon bestehenden Albvereinswegen mit Anschluss an den ab Konstanz markierten Schwabenweg, der durch die Ostschweiz zumKloster Einsiedeln führt [1]. Zuvor hatte Wolfgang Lipp in einem langen Prozess des Sichtens und Sammelns viele Quellen ausgewertet, die den Wegverlauf historisch untermauerten. Es setzten sich bei der praktischen Umsetzung des Weges die beiden Erkenntnisse durch, dass man nicht „bei einem Konzept so genannter historischer Pilgerwege verharren darf“, sondern dass man auch „Punkte verbinden muss, die den Jakobuskult allgemein dokumentieren“. Zum andern sind Jakobuswege nicht immer die Hauptstraßen. „Anscheinend sind nicht alle Pilger die große Straße entlang gegangen; vor allem am Ende des 15. Jahrhunderts waren sie von Fuhrmännern, Kaufleuten und Geleitsreitern nicht immer gern gesehen. Sie wichen auf unbefahrene Wege aus“ 

Im Jahre 1997 wurde dann die Lücke von Ulm nach Bad Waldsee geschlossen, teils auf asphaltierten Wegen, teils aber auch auf Feld- und Waldpfaden. Die Idee der alten Fußpilgerfahrt hatte jedenfalls auch in Süddeutschland eine konkrete Gestalt gewonnen. Der Weg ist ab Ulm mit der gelben Muschel auf blauem Grund markiert, Blau und Gelb sind die Farben Europas. Muschel und Wanderstäbe sind die Zeichen der Jakobspilger. An vielen Abbiegungen sind Schilder angebracht, im Verlauf dann auch Aufkleber und kleine Wandertafeln.

Entlang des Weges können die Pilger in verschiedenen Kirchen Stempel für den Pilgerausweis erhalten.