Kategorie: Orakel

Orakel:Tarot

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Tarot (maskulinum oder neutrum, ausgesprochen [ta’ro:] ist ein Satz von 78 Spielkarten, der zu psychologischen Zwecken oder als Wahrsagekarten verwendet wird. Er wird eingeteilt in die großen Arkana, die 22 Trümpfe nummeriert von 0 bis 21, und die kleinen Arkana, die 56 Farbkarten: 10 Zahlen und 4 Bildkarten in jeweils 4Farben (z. B. Stäbe, Münze, Kelche und Schwerter). Arcanum steht lat. für ‚Geheimnis‘, es leitet sich von arca ab, welches ‚Kiste‘ bedeutet (was in einer Kiste liegt, ist von außen unsichtbar, und damit geheim).11

Die Geschichte der im Artikel Tarock behandelten Tarotspielkarten war bis Ende des 18. Jahrhunderts mit den als Deutungswerkzeug benutzten Tarots identisch. Seitdem enthalten Kartensätze, welche explizit als Deutungswerkzeuge gedacht sind, zunehmend symbolische Inhalte.

Nach einer Legende des französischen Mystikers Papus ist der Tarot im alten Ägypten entstanden: Das alte ägyptische Reich stand einst vor einigen tausend Jahren vor der Bedrohung, zerstört zu werden. Die Weisen des Landes berieten deshalb, wie das jahrtausendealte Wissen des Reiches vor der Zerstörung bewahrt werden könne.12

Der Vorschlag, es in Zeichen und Symbolen in die Wände der Pyramiden einzumeißeln, wurde verworfen, da auch die stärksten Mauern von Menschenhand erbaut und vergänglich seien. Auch der Vorschlag, die zehn weisesten und klügsten Köpfe des Landes in die Geheimnisse einzuweihen, die es dann anderen weitergeben könnten, fand keine Zustimmung, da schon oft aus einem Weisen ein Narr geworden sei.13

So einigte man sich darauf, das Wissen und die Weisheit dem Laster anzuvertrauen, da dieses alle Schwankungen und Veränderungen der Zeit überdauere. So ging man daran, das gesamte Wissen in Bildern auf Spielkarten zu zeichnen, die dann dem Volk übergeben wurden, damit es seinen Lastern und Leidenschaften fröne.

Tatsächlich gibt es keine Beweise für die Annahme, der Tarot beruhe originär auf ägyptischen oder hebräisch-kabbalistischen Weisheitslehren.

Aus dem Visconti-Sforza Tarot

Spielkarten sind in Europa seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bekannt, wie sich aus urkundlichen Erwähnungen von 1367, Bern, und etwas später ergibt. Sie scheinen sich sehr schnell über ganz Europa verbreitet zu haben, wie man aus Erwähnungen schließen kann, die sich meist auf Verbote des Kartenspiels beziehen. Über die Gestaltung und die Anzahl dieser Karten ist nur wenig bekannt, wesentliche Information gibt allein ein Text des Johannes von Rheinfelden 1377 aus Freiburg im Breisgau, der neben anderen Versionen als grundlegendes Spiel das immer noch geläufige 4×13-Blatt nennt, wobei hauptsächlich König, Ober und Unter („Marschälle“) als Hofkarten genannt werden, aber Damen oder Königinnen auch schon bekannt sind.

Orakel: China und Tibet

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In China waren insbesondere Orakel mit im Feuer erhitzten Tierknochen sowie mit Schafgarbenstängeln gebräuchlich. Vgl. hierzu Chinesisches Orakel.2Im Rahmen des tibetischen Kulturkreises findet man Orakel sowohl im Bön, der vorbuddhistischen Religion Tibets, als auch in einigen Schulen des tibetischen Buddhismus.1

Das erste Mal, dass im tibetischen Buddhismus eine weltliche Gottheit mit dem Körper eines Menschen vereinigt wurde, der als physisches Medium funktionierte, war im 8. Jahrhundert.6Eines Tages vereinigte Padmasambhava vor dem König und seinen Ministern einen der vier großen Könige (die Beschützer der vier Richtungen, die oft an den Türen von tibetischen Tempeln dargestellt sind) mit dem Körper eines jungen Mannes. Indem er den Körper des Jungen als Medium benutzte, konnte die hellsehende Gottheit die Geister identifizieren, die Schwierigkeiten machten. 5Die Gottheit erklärte, dass der Geist Thangla für den Blitzschlag auf dem Marpori (dem roten Hügel, der später Sitz des Potala-Palastes wurde) verantwortlich war, und dass der Geist Yarla Shempo die Flut ausgelöst hatte, die den Phangthang-Palast wegschwemmte. Durch das Medium gab die Gottheit Vorhersagen und Ratschläge ab. In der Folge wurden auch andere Schutzgottheiten als Orakel zu Dienste gezogen. 3

In der buddhistischen Gelug-Schule ist insbesondere das Nechung-Orakel bekannt. Die buddhistische Schutzgottheit Pekar, der ehemalige Schutzgeist des Klosters Samye (errichtet um 775), bedient sich, nach der Überlieferung, seit mehr als vier Jahrhunderten regelmäßig eines Mönchs als Medium, um zukünftige Geschehnisse vorherzusagen und um die tibetische Regierung durch Ratschläge zu leiten. Der als Medium dienende Mönch hat daher größtes Ansehen im Gelug-Orden. Aufgrund seiner häufigen, sehr kräftezehrenden Orakel-Trancen, hat er aber in aller Regel nur eine geringe Lebenserwartung. DasNechung-Orakel ist heutzutage noch immer wichtigstes Staatsorakel der tibetischen Exilregierung und des Dalai Lama. Es gibt mindestens ein weiteres Orakel, das einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt, das Orakel von Dorje Shugden.

Abhängig von dem zu Rate gezogenen Orakel können die erhaltenen Prophezeiungen differieren.  Das tibetische Wort für Orakel ist Mo.

Orakel Nordafrika: Siwa

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Die Oase Siwa (ägyptisch: Sekhetam = „Palmland“; tamazight ⵙⵉⵡⴰ, arabisch ‏واحة سيوة‎, DMG Wāḥat Sīwa) liegt als die westlichste Oasengruppe Ägyptens in der libyschen Wüste und erstreckt sich zwischen der Qattara-Senke im Norden und dem Ägyptischen Sandmeer im Süden. Sie erstreckt sich über eine Länge von 80 km und eine Breite von 2-20 km und liegt als Depression im Durchschnitt 18 m unter dem Meeresspiegel.21

Siwa ist die Heimat von ca. 23.000 Einwohnern, die Mehrheit gehört der Bevölkerungsgruppe der Berber an. In Siwa wird die Berbersprache Siwi gesprochen. Die Oasengruppe ist somit die einzige berberische Sprachinsel Ägyptens.22

Außer dem Hauptort Siwa sind noch einige Dörfer (Aghurmi, Abu Schuruf, Chamisa, Bilad ar-Rum und Bahi ad-Din) undMilitärstationen in der Oase verstreut. Die großen Gärten und Plantagen in Siwa bestehen vor allem aus ca. 300.000Dattelpalmen und ca. 70.000 Olivenbäumen. Für den lokalen Verbrauch werden gleichzeitig aber auch Gemüse, Trauben, Feigen, Orangen, Aprikosen und andere Agrarprodukte angebaut.24

Die Geschichte der Oase lässt sich bis in die 18. Dynastie (1500 v. Chr.) zurückverfolgen. Der Haupttempel, der dem GottAmun geweiht wurde[1], und die Sprüche seines Orakels waren weit über die Grenzen des Reichs der Pharaonen bekannt. Der bekannteste Besucher des Orakels ist zweifellos Alexander der Große, der Macht und Einfluss des Orakels nutzte und sich in Siwa als „Sohn des Zeus“ begrüßen ließ.20

In der Antike war Siwa unter dem Namen Ammonion bzw. Ammonium als Orakelstätte der Beduinen bekannt (siehe Orakel von Siwa). Am Ende des 18. Jahrhunderts war die Lage der so genannten Ammon-Oase, in der Alexander der Große das Orakel befragte, in Europa kaum bekannt. Nach Johann Michael Wansleben (1664) besuchten erst William George Browne(1792) und Friedrich Konrad Hornemann die Senke und lieferten durch eigene Anschauung Hinweise für die Gleichsetzung von Ammon-Oase und Siwa.

Orakel in Europa: Didyma

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Didyma liegt in der Nähe der Hafenstadt Milet an der Westküste Kleinasiens. Die natürliche Verbindung war der Seeweg. Zusätzlich wurde ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. abseits der Küste eine Straße gebaut. Diese „Heilige Straße“ verband Milet mit Didyma. Der Name verweist auf ihren sakralen Charakter, da sie für Prozessionen bestimmt war.

Lage10

Didyma liegt in der Nähe der Hafenstadt Milet an der Westküste Kleinasiens. Die natürliche Verbindung war der Seeweg. Zusätzlich wurde ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. abseits der Küste eine Straße gebaut. Diese „Heilige Straße“ verband Milet mit Didyma. Der Name verweist auf ihren sakralen Charakter, da sie für Prozessionen bestimmt war.

Der Name12

Die Herkunft des Namens „Didyma“ ist umstritten: er kommt entweder aus dem Karischen (und damit aus der Zeit vor der griechischen Besiedlung der kleinasiatischen Westküste) oder aus dem Griechischen (didymos heißt „Zwilling“, womit Apollon und Artemis gemeint sein dürften). Auf der Peloponnes im Gebiet der südöstlichenArgolis existiert ebenfalls ein Ort mit dem Namen Didyma, dort auf zwei Dolinen bezogen oder auf den Hausberg, der mit zwei Gipfeln ebenfalls Didymos benannt ist. Vielleicht wurde der Name also von einer Ortsbezeichnung aus dem griechischen Kernland übernommen, was auch für andere frühe griechische Gründungen an der kleinasiatischen Westküste vermutet wird.

Der Apollon-Tempel

Das Apollonheiligtum

Geschichte

Herodot und Pausanias berichten, dass die Ionier um die Wende zum 1. Jahrtausend v. Chr. einwanderten und eine ältere Kultstätte übernahmen, an der in vorgriechischer Zeit eine weibliche Naturgottheit verehrt wurde. Bisher ist eine Gründungszeit im 2. Jahrtausend v. Chr. jedoch archäologisch nicht nachweisbar.13

Die Kultlegende berichtet, dass Leto am Ort der Orakelstätte ihren Sohn Apollon von Zeus empfangen habe. Später erschien Apollon einem einheimischen Hirten namens Branchos, dem er die Sehergabe verlieh. Auf diesen Hirten führte sich daskarische Priestergeschlecht der Branchiden zurück, die bis in die Zeit der Perserkriege Namensgeber und Vorsteher des Heiligtums waren. Daher kommt auch der frühere Name „Branchidai“; später wurden die Priester von Milet eingesetzt und gehörten zu angesehenen Familien der Stadt.14

Das Orakel hatte schon im 7. Jahrhundert v. Chr. einen überregionalen Ruf. Dies belegt zum einen Herodot, der von Weihgeschenken des ägyptischen Pharao Necho und des Lyderkönigs Kroisos berichtet, zum anderen der tatsächliche Fund zahlreicher Weihgeschenke.15

Herodot berichtet, dass nach dem Zusammenbruch des ionischen Aufstandes und dem Fall von Milet 494 v. Chr. der Perserkönig Dareios die Tempel von Didyma und das Orakel plünderte und in Flammen aufgehen ließ. Strabon und Pausanias berichten wiederum, dass Xerxes nach seiner Niederlage bei Plataiai 479 v. Chr. das Heiligtums von Didyma zerstörte. Die Branchiden sollen freiwillig die Tempelschätze dem Perserkönig übereignet haben und nach Persien geflohen sein. Archäologisch ist eine Brandzerstörung weder für 494 noch für 479 v. Chr. nachweisbar. Tatsache ist aber, dass für die nächsten 150 Jahre neue Baumaßnahmen aussetzten.

Im letzten Drittel des 4. Jahrhunderts v. Chr. wurde das zuvor regionale Heiligtum Bestandteil der Polis Milet. Milet gab den Auftrag zum Neubau des Apollontempels und setzte Jahresbeamte als prophetes und Opferpriester ein.

In römischer Zeit erweiterte Gaius Iulius Caesar den Asylbezirk. Angeblich versuchte Caligula, sich den Apollontempel anzueignen bzw. diesen fertigzustellen. Trajanließ um 100 n. Chr. die Heilige Straße ausbauen und innerhalb des Heiligtums pflastern. Kaiser Hadrian war selbst Prophet im Heiligtum. Commodus ließ ab 177 n. Chr. die Kommodeia als Kaiserkult feiern.

Der religiöse Betrieb des Orakels kam im Verlauf des 4. Jahrhunderts zum Erliegen. In der Spätantike war Didyma Bischofssitz und wurde durch Kaiser Justinian I. mit dem Titel Iustinianopolis geehrt, bevor der Ort im Frühmittelalter einen rapiden Niedergang erlebte. Vom 10. bis 12. Jahrhundert war Didyma erneut Sitz eines Bischofs, und es lässt sich christliche Bautätigkeit nachweisen. Zweimal zerstörten Erdbeben Didyma, im 7. und im 15. Jahrhundert. Letzteres führte zur Aufgabe der Siedlung. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts besiedelte man den Ort wieder.

Seit dem 18. Jahrhundert wird der Ort erforscht, zuerst durch englische, dann französische, schließlich durch deutsche Archäologen. Einzelne Fundstücke aus Didyma befinden sich im British Museum in London, im Louvre in Paris und im Pergamonmuseum in Berlin. Auch aktuell finden in Didyma Grabungen der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und des Deutschen Archäologischen Instituts statt.

Architektur

Der hellenistische Großtempel hatte zwei Vorgängerbauten aus archaischer Zeit. Der eine Bau stammt aus der Zeit um 700 v. Chr., der andere aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Bereits damals erhielt die Anlage eine von Säulen getragene Ringhalle, die in ihrer Gestalt das hellenistische Heiligtum vorwegnahm. Da das archaische Heiligtum unter den Steinmassen des hellenistischen Tempels liegt, ist relativ wenig darüber bekannt. Im Tempelhof sind noch Reste der Vorgängerbauten zu sehen.

Der Apollon-Tempel

Mit dem Bau des hellenistischen Heiligtums wurde um 330 v. Chr. begonnen. Es wird mit dem Besuch Alexanders des Großenin Milet 334 v. Chr. und der Eingliederung Didymas in die Polis Milet in Verbindung gebracht. Für die Planung des Tempels beauftragte man den milesischen Baumeister Daphnis und den führenden Architekten seiner Zeit, Paionios von Ephesos.

Rekonstruktion des Apollontempels von Didyma

Der Tempel hat eine doppelte Ringhalle: der äußere Säulenring hat 10 × 21 Säulen, der innere 8 × 19 Säulen. Der Stylobat (oberste Stufe des Tempelunterbaus) hat eine Größe von ca. 51 m × 109 m. Die 120 ionischen Säulen sind 19,70 m hoch. Den oberen Abschluss bildete über dem Architrav ein Fries aus Ranken, Löwenfiguren und Medusenhäuptern.15

Die Ringhalle erhebt sich auf einem siebenstufigem Unterbau, dem Stereobat. Sein Eingang liegt im Osten und führt über eine Freitreppe von 14 Stufen. Von dort gelangt man, nach dem Durchschreiten der Ringhalle, in die Vorhalle (Pronaos), die wegen ihrer 3 × 4 Säulen auch Zwölfsäulensaal (griechisch Dodekastylos) genannt wird. Anstelle einer Cellatür befindet sich hier ein über 14 Meter hohes unverschließbares Portal mit einer Schwelle von knapp 1,5 Metern Höhe. Sie war also unüberschreitbar. In das Innere des Tempels führen seitlich des Portals zwei Tunnelgewölbe. Diese Tunnelgänge sind die einzigen Zugänge.

Im Inneren des Tempels liegt ein Hof, der in Inschriften als Adyton bezeichnet wird. Im Westen des Hofes finden sich die Fundamente eines Baus mit einer Größe von 8,24 m × 14,23 m. Dieses Gebäude diente zum Schutz des Kultmals, einer Süßwasserquelle. Die Bedeutung dieser Quelle erschließt sich daraus, dass Didyma auf einem wasserarmen Kalkplateau liegt. An der Ostseite des Hofes führt zwischen den beiden erwähnten Tunnelgängen eine Freitreppe mit 24 Stufen zu einer Dreitürenwand (griechisch Trithyron). Diese Wand hat zwei korinthische Halbsäulen und bildet innerhalb des Hofes eine Außen- und Fassadenarchitektur. Gottfried Gruben bezeichnet sie als den „architektonischen Brennpunkt des Tempels“. Dahinter liegt ein Saal mit zwei gegenüberliegenden Treppenhäusern und dem so genannten Großen Portal. Auch hier sind die Schwellen mit einer Höhe von 50 Zentimetern relativ hoch und konnten nur mit Hilfsmitteln überschritten werden. Die Treppenhäuser werden labyrinthoi genannt. Der Bau wurde wohl nach eindeutig kultischen Vorgaben erstellt. Über die genaue Nutzung und Funktion gibt es allerdings nur Mutmaßungen.

Medusenhaupt

Obwohl man etwa 600 Jahre am Tempel arbeitete, wurde er nie fertiggestellt. Strabon berichtet, der Tempel sei wegen seiner Größe ohne Dach geblieben. Tatsächlich fehlen die Dachzone des Pronaos und der nie vollendeten Ringhallen. Auch wurde die letzte Glättung der Wände nicht ausgeführt. So blieben dort umfangreiche antike Werkzeichnungen erhalten, die erst 1979 von Lothar Haselberger entdeckt wurden. Es handelt sich dabei offensichtlich um Arbeitspläne für Säulen, Gebälke und andere Details. In der Antike wurden die Wände vor der Ritzung mit Rötel eingerieben, so dass die Linien deutlich sichtbar waren. Die großflächigen Zeichnungen umfassen bis zu 25 Meter lange Geraden und Kreisbögen mit Radien bis zu 4,5 Metern. Die Linien sind mit Metallstichel, Lineal und Zirkel in die Oberfläche der Marmorquader geritzt und bis auf wenige Millimeter genau.

Didyma gehörte zusammen mit Delphi, Dodona und Klaros zu den bedeutendsten griechischen Orakeln. Der genaue Ablauf beim Erteilen einer Prophezeiung ist nicht bekannt; ihre Endform in Versen erhielten die Orakelsprüche jedenfalls durch Priester. Die letzte große Blütezeit des Heiligtums war im 1. und 2. Jahrhundert.

Im Südosten des Tempels liegt ein Stadion, in dem man seit ca. 200 v. Chr. Wettkämpfe abhielt. Die Stufen des Stylobats an der südöstlichen Langseite des Tempels dienten dabei den Zuschauern als Sitzgelegenheit.

Bei Ausgrabungen in den Jahren 2010 und 2011 wurden die Überreste eines Theaters gefunden, in dem vermutlich die inschriftlich für Didyma bezeugten musischen Agone stattfanden.16

Aus Inschriften ist bekannt, dass es in Didyma einen Artemistempel gab. Seit 2012 werden Bauteile eines kleinen hellenistischen Tempels erforscht, der vermutlich der Göttin Artemis geweiht war. Außerdem wurde 2013 wahrscheinlich das Fundament dieses Tempels entdeckt.

Orakel in Europa: Klaros

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Klaros (griechisch Κλάρος, lateinisch Clarus) war in der Antike ein bedeutender Orakelort des Gottes Apollon an der Westküste von Kleinasien (heute etwa 16 km westlich von Selçuk in der Türkei).2

Es gehörte zu der ca. 13 km entfernten Stadt Kolophon, obwohl es wesentlich näher bei der Stadt Notion lag. Die ältesten Hinweise auf Klaros stammen aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., aber vermutlich ist das Orakel bedeutend älter als die griechische Kolonisation. Eine heilige Höhle deutet darauf hin, dass hier vor Apollon die kleinasiatische Göttin Kybele verehrt wurde. Bis in die römische Zeit genoss Klaros einen Ruf, der dem von Delphi und Didyma vergleichbar war. Klaros wurde bei einem Erdbeben weitestgehend zerstört.3

Nach einer antiken Legende war dem Seher Kalchas prophezeit worden, er werde sterben, wenn er einen Seher treffe, der ihm überlegen sei. Bei Klaros begegnete ihm der Seher Mopsos, und Kalchas forderte ihn auf, die Zahl der Früchte an einem Feigenbaum zu nennen. Als die Antwort, die Mopsos gab, sich bis auf die letzte Feige bestätigte, starb Kalchas. Mopsos gilt auch als der sagenhafte Gründer von Klaros.4

Alexander der Große suchte das Orakel von Klaros auf, um einen Traum deuten zu lassen, in dem er eine Stadt am Berg Pagos gründet. Das Orakel erklärte den Traum als Aufforderung, die Stadt Smyrna wieder aufzubauen.5

Durch den Archäologen Carl Schuchhardt wurde Klaros gegen Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt. Die systematische archäologische Erschließung begann am Anfang des 20. Jahrhunderts durch Theodor Macridy und Charles Picard. 1951 bis 1960 gruben hier Louis Robert und Roland Martin. 1988 bis 1997 fanden weitere französische Grabungen unter Leitung vonJuliette de La Genière statt.6

Besonders sehenswert ist Klaros wegen der umfangreichen Fragmente der überlebensgroßen hellenistischen Kultstatuen, die hier – anders als bei den meisten archäologischen Ausgrabungsstätten – an ihrem ursprünglichen Platz wieder aufgestellt wurden. Der Besucher kann sich dadurch ein originalgetreues Bild von dem antiken Heiligtum machen. Ebenfalls interessant ist das Zentrum des Orakeltempels, das noch zum Großteil im Original besteht. Die Keilsteinbögen sind noch deutlich sichtbar.8

Orakel in Europa: Dodona

 

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Dodona (auch Dōdōnē, griechisch Δωδώνη) war ein antikes griechisches Heiligtum und Orakel. Es galt als ältestes Orakel Griechenlands und war nach Delphi das bedeutendste überregionale Orakel der griechischen Welt.

Der mit dem Orakel verbundene Zeuskult scheint sich aus einem älteren Kult entwickelt zu haben, von dem sich in späterer Zeit unerklärliche Riten der Priesterschaft erhalten hatten. So wurde aus dem Rauschen einer dem Zeus heiligen Eiche geweissagt. Zusätzlich wurde der Flug von Tauben interpretiert und später mit Hilfe von Losen Anfragen beantwortet.40

Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Geschichte der Landschaft Epirus verbunden. Erste Spuren menschlicher Zivilisation finden sich aus der frühen Bronzezeit. Die Ureinwohner der Region sollen die Pelasger gewesen sein, die bei der ersten griechischen Einwanderungswelle von Thesprotern verdrängt worden sein sollen. Diese konnten Dodona bei späteren Einwanderungswellen verteidigen und verloren die Herrschaft möglicherweise erst zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. an die Molosser. Durch diese lang währende Kontinuität konnten sich zunächst althergebrachte Riten erhalten. Der Ausbau Dodonas zu einem „modernen“ Heiligtum begann nach der Machtübernahme durch die Molosser. Zu dieser Zeit wurde der Ort religiöses und kulturelles Zentrum der Epiroten. Im Zuge der Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Epirus wurde Dodona mehrfach zerstört, doch blieb der Kultplatz bis in die Spätantike bestehen.

Die heute zum Teil nur noch schlecht erhaltene und noch nicht komplett ausgegrabene archäologische Stätte besteht aus den Resten mehrerer Tempel und profaner Verwaltungsgebäude. Besonders gut erhalten ist das Theater, das eines der größten seiner Art im griechischen Mutterland war.41

Gründungsmythos und früheste Erwähnungen

Schon bei den Griechen stand Dodona in einem besonderen Ruf, wofür die mythologischen Begebenheiten um die Stadt sprechen. Die Pelasger, die zu den mythischen Ureinwohner Griechenlands gezählt wurden, sollen schon sehr lange in Dodona ihre namentlich nicht überlieferten Götter verehrt haben. Die Gründungssage beschreibt eine enge Beziehung zum Alten Ägypten. Laut einer Variante der Gründungssage, die Herodot im ägyptischen Theben hörte, entführtenPhönizier zwei Priesterinnen aus Theben und verkauften eine von ihnen nach Libyen, wo sie in der Oase Siwa das Heiligtum des Zeus Ammon stiftete. Die andere verkauften sie nach Dodona, wo sie den Kult des Zeus begründet haben soll. In Dodona selbst wurde Herodot erzählt, dass aus Theben zwei schwarze Tauben entflogen seien, von denen eine in die Oase Siwa flog und ein Orakel des Zeus gestiftet habe, während die andere bis Dodona gekommen sei. Dort habe sie sich auf einer Eiche niedergelassen und die Bewohner mit menschlicher Stimme angewiesen, hier ein Zeusorakel zu errichten.[6] Schon Herodot deutete die Tauben allegorisch als Priesterinnen.[7] Die Verbindung zu Ägypten, das – wie seit Herodot bereits antike griechische Autoren mehrfach betonten – die weitaus ältere Hochkultur besaß, ist zumindest ein Hinweis auf das Alter, die Bedeutung und nicht zuletzt den Anspruch des Orakels als größter Konkurrent Delphis, im Ansehen als herausragendes Orakel in Griechenland zu gelten.45

 

Die erste Nennung des Orakels in der Literatur ist jedoch noch weitaus älter als die Schrift Herodots. Schon in Homers Ilias, in der Dodona als einzige Orakelstätte Erwähnung findet, betet Achilleus:

„Zeus, pelasgischer, weitab wohnender, Herr von Dodona, / Wo der Winter so rauh. Dort lagern am Boden die Selloi, / Deine Seher, um dich mit nie gewaschenen Füßen. / Wie schon einmal das Wort du erhörtest meines Gebetes, / Ehrend mich, und mächtig schlugst du das Volk der Achäer; / Also gewähre auch jetzt mir wiederum dieses Verlangen: / Ich zwar bleibe noch hier am Sammelplatz der Schiffe, / Doch den Gefährten entsend ich mit Scharen der Myrmidonen, / Um zu kämpfen; gib Ruhm, O weithindonnernder Zeus, ihm, / Und ermutige ihm im Innern das Herz, daß auch Hektor / Es erfahre, ob auch allein er zu kämpfen verstehe, / Unser Gefolgsmann, oder ob die unnahbaren Hände / Dann nur wüten, wenn ich in Ares’ Gewühl mich begebe.“45

 

Die Anrufung des Zeus von Dodona als „pelasgischer“ und die Erwähnung von barfüßigen Sehern sind singulär in der Überlieferung. Auch in der Odyssee spielte das Orakel eine Rolle. So soll Odysseus während seiner Irrfahrt das Orakel befragt haben:

„Noch sei er fort nach Dodona: aus hochbewipfelter / Eiche Spricht dort Zeus, der Gott, dessen Rat er zu hören verlange, / Wie er wohl Heimkehr finde ins liebe Land seiner Heimat, / Heimlich oder dass alle ihn sähen; denn lange sei er ferne.“44

Weitere Bezüge zu Dodona im griechischen Mythos sind etwa die sprechende und weissagende Planke aus dodonischem Eichenholz, die in der Argo verbaut wurde, und der bei Sophokles überlieferte Tod des Herakles, der in Dodona geweissagt wurde.

Orakel in Europa: Ephyra

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Ephyra (griechisch Έφυρα, altgriechisch Ἔφυρα) war in der Antike eine Stadt an der Küste von Epirus in Griechenland. Nach ihr ist die Keramikgattung Ephyra-Schalebenannt. Ihr ursprünglicher Name lautete Kichyros (alternative Transkription Cichorus, Cichyrus). Sie war Hauptstadt der antiken Landschaft Thesprotia und wurde von dem Pelasger-Anführer Thesprotos errichtet.19

Die Ruinen von Ephyra liegen nördlich des heutigen Dorfes Mesopotamo und 4 km vom Dorf Ammoudia in der Präfektur Thesprotia. Die Ruinen von Ephyra sind offensichtlich spätmykenischen Ursprungs. In der Nähe der ehemaligen Stadt mündet wie in der Antike auch der Fluss Pyriphlegeto (Vovos) in den Fluss Kokytos, welcher von Norden aus Paramythia her kommend auf Ephyra zufließt und auf Höhe der Ruinen in den aus Osten bzw. Nordosten kommenden Acheron mündet. In einer Entfernung von ca. 500 m findet sich auf einem Berg eine kleine Kirche eines spätbyzantinischen Klosters.

In antiker Zeit fand sich in unmittelbarer Nähe von Ephyra der Acherousia-See, welcher vom Acheron gespeist wurde und in seiner heutigen Mündungsebene lag. Der See ist mittlerweile verlandet und in Mündungsebene des Acheron integriert. Diese hat auch die in der Antike noch weit in das Landesinnere ragende Bucht Glykys Limen (Bucht von Ammoudia) verlanden lassen und entsprechend verkleinert. In der Nähe der Stadt Ephyra fanden sich folgende weitere antike Siedlungen und Städte: Pandosia, Elaia und Buchetion.21

Die Ausgrabungen in Ephyra wurden ab 1958 durch Sotiris Dakaris durchgeführt. 1976 bis 1977 wurde im Rahmen der Ausgrabungen das Totenorakel Nekromanteionmit einer Fläche von 62 mal 46 Meter unterhalb einer Kirche freigelegt. Das Nekromanteion war das einzige Totenorakel in Griechenland. Die Überreste des Nekromanteion fanden sich in 500 m Entfernung zu den Überresten der mykenischen Ruinen aus dem 14. Jahrhundert v. Chr.20

In der Mythologie spielt Ephyra als Inhaftierungsort von Theseus und Peirithoos eine Rolle. Die Inhaftierung erfolgte aufgrund des Versuches beider Inhaftierten, Proserpina zu entführen. In der Mythologie wird des Weiteren davon ausgegangen, dass der Erbauer der Stadt Phidippos, der Enkel von Herkules, gewesen ist

Auf der Suche nach der Seele des verstorbenen Teiresias, denn nur dieser konnte ihm den Heimweg nach Ithaka zeigen, wagte Odysseus sich in das Reich Hades und dessen gestrenger Gattin Persephone. Orpheus überzeugte auf musikalische Weise den dreiköpfigen Kerberos, der furchterregende Wachhund Hades, ihm Einlass in die Unterwelt zu gewähren. Aber auch für unmusikalische Nicht-Helden besteht die Möglichkeit mit den Toten zu kommunizieren, in der Nekromanteion von Ephyra.

Orakel in Europa: Delphi

 

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Das Orakel von Delphi war eine Weissagungsstätte des antiken Griechenlands. Sie befand sich am Hang desParnass bei der Stadt Delphi in der Landschaft Phokis. Die Kultstätte von Delphi mit dem Orakel war die wichtigste der hellenischen Welt und bestand bis in die Spätantike. Delphi galt lange Zeit sogar als Mittelpunkt der Welt, der symbolisch durch den Omphalos markiert wurde.8

Der Kult in Delphi, das bis zum fünften Jahrhundert v. Chr. Pytho hieß, galt laut mythologischem Bericht zunächst der Erdgöttin Gaia und erst später dem Apollon. Der genaue Zeitpunkt der Übernahme des Heiligtums durch Apollon ist nicht mehr feststellbar, doch bereits bei Homer wird von einem Apollonkult in Delphi gesprochen. Funde zeigen einen Aufstieg des Heiligtums ab dem achten Jahrhundert v. Chr.9

Auf die kultische Verehrung der Gaia ist es zurückzuführen, dass Apollon nicht durch einen Priester, sondern durch die Pythia sprach. Diese saß auf einem Dreifuß über einer Erdspalte. Der Überlieferung nach stiegen aus dieser Erdspalte Dämpfe, die die Pythia in einen Trancezustand versetzten. Das Ende des Delphischen Orakels kam durch den christlichen Kaiser Theodosius I., der 391 n. Chr. alle Orakelstätten durch ein Edikt aufhob.10

Für die Alten Griechen war Delphi der Nabel der Welt, praktisch der Mittelpunkt der Welt und allen Geschehens. Symbol dieser Mittelpunktsvorstellung, war der Omphalos, ein Steinmonument, von dem nur noch eine hellenistisch-römische Kopie aus Marmor existiert. Im Museum von Delphi kann man sie betrachten. Wenn man nicht weiß, worum es sich handelt, geht man daran vorbei, denn der runde Stein ist eher unscheinbar. Ähnlichkeit mit einem Nabel konnte ich auch nicht entdecken, eher mit einem Phallus.

Orakel in Europa

 

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Das Orakel (lat. oraculum, „Götterspruch, Sprechstätte“ zu „orare“, „sprechen, beten“) bezeichnet eine mit Hilfe eines Ritualsoder eines Mediums gewonnene transzendente Offenbarung, die der Beantwortung von Zukunfts- oder Entscheidungsfragendient. Die mittels des Orakels gewonnenen Hinweise und Zeichen können dem Fragenden als Rechtfertigungsgrund eigener Entscheidungen und Handlungen dienen.2

Im Unterschied zum Hellsehen, das als individuelle Fähigkeit einer leibhaftigen Person angesehen wird, befragt das Orakel stets eine höhere Instanz. Durch die Erwartung der Beantwortung einer Frage ähnelt das Orakel entfernt der Prophetie, welche meist, aber nicht immer ungebeten zuteil wird.1

Im erweiterten Sinn wird auch der Ort an dem das Orakel gegeben wurde, als solches bezeichnet. Orakelstätten können Heiligtümer wie beispielsweise Tempel sein. Bekanntestes Beispiel ist das Orakel von Delphi.

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