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Kategorie: Parzival

Willehalm von Wolfram von Eschenbach

 

Willehalm in strijd

Der Willehalm ist eine Verserzählung Wolframs von Eschenbach, die zu den bedeutendsten epischen Werken dermittelhochdeutschen Literatur zählt. Über seine Entstehungszeit herrscht in der Forschung ein breiter Diskurs; als einzig sicheres Datum zur Einordnung kann das Jahr 1217 gelten, in dem der Auftraggeber des Werkes, der Thüringer LandgrafHermann, verstarb. Es muss also vor diesem Zeitpunkt begonnen und später fortgeführt worden sein. Der Willehalm ist allerdings fragmentarisch geblieben.

Aufgrund der im Willehalm besonders stark ausgeprägten Sprachkunst Wolframs und des für die damalige Zeit außergewöhnlich toleranten Bildes, das der Dichter vom Islam zeichnet, gilt der Willehalm formal und inhaltlich als eines der bedeutendsten deutschen Versepen des Mittelalters.

Prolog

Ein Eingangsgebet an den dreieinigen Gott eröffnet das Epos. Der Dichter zeigt damit gleich zu Beginn, dass den Hörer kein Artusroman erwartet, sondern ein religiöses Werk. Dies Gebet ist der Invocatio im Rolandslied des Pfaffen Konrad angelehnt, es gibt einen ersten Hinweis, dass der Willehalm an der älteren Erzählung anknüpft.

Der Dichter bittet nun um Beistand, um die Geschichte richtig zu erzählen; in dem er das Bücherwissen ablehnt und seine Erkenntnisfähigkeit ganz in Gottes Hand legt, formuliert er zugleich eine werkbezogene Poetik. Dies gleicht nicht nur der „Selbstverteidigung“ am Ende des zweiten Parzival-Buchs, es stellt auch den Unterschied zwischen weltlichem Wissen und dem von Gott empfangenen „Sinn“. Der Dichter ist ein poeta illiteratus.

Nach der Vorstellung des Helden – Willehalm ist ein kampferprobter Ritter von hoher Geburt, der im irdischen Leben und als Heiliger Vorbild bleibt – nennt Wolfram das eigentliche Thema des Werks: Leid in Liebe und anderen Dingen. Gemeint ist damit, dass viele Menschen wie Willehalm und Gyburc um ihres religiösen Bekenntnisses willen leiden mussten.

Das 1. Buch

Graf Heimrich von Narbon hat seine sieben Söhne enterbt und einen Patensohn zum Erben gemacht. Die Söhne sollen im Dienst hoher Herren wie Karl dem Großen ein Lehen erwerben. Willehalm, der älteste der Brüder, gerät im Kampf gegen König Tybalt in Kriegsgefangenschaft und wird nach Arabi verschleppt. Im Gefängnis begegnet er Arabel, der Frau Tybalts. Er flieht mit ihr, überzeugt sie, zum Christentum zu konvertieren, und heiratet sie. Nach ihrer Taufe trägt sie nun den Namen Gyburg. Willehalm besetzt Tybalts Land in der Provence und gründet in Oransche seine Grafschaft.allischanz

Tybalts Schwiegervater, der heidnische Großkönig Terramer, setzt ein riesiges Heer in Bewegung, das an der Küste der Provence landet. Es kommt zur Schlacht in Alischanz. arlesDie provenzalischen Christen schlagen zwar die ersten Angriffe der Könige Halzebier und Nöupatris zurück; letzterer wird von Willehalms Neffen Vivianz erschlagen. Als Terramer und sein Bruder Arofel zum Heer stoßen, die christlichen Truppen versprengen, wobei Vivianz tödlich verwundet wird, erleidet das Christenheer eine vernichtende Niederlage.

Willehalm kann sich mit einigen Männern nach Oransche retten. Er lässt Gyburg hier zurück, und als der Rest seiner Leute von König Poufameiz getötet wird, muss er alleine fliehen.

Das 2. Buch

Auf der Flucht sieht Willehalm den sterbenden Vivianz, dem er die Beichte abnimmt und das Abendmahl erteilt; Vivianz stirbt als christlicher Märtyrer.

Nach der Totenwache reitet er weiter. Er trifft auf fünfzehn Heidenkönige, von denen er sieben tötet. Einzig Ehmereiz verschont er, weil der als Sohn von Arabel-Gyburg sein Stiefsohn ist. Er tötet auch Arofel und Tenebruns. Als Kriegslist legt er Arofels Rüstung an und besteigt dessen Pferd, um für einen Araber gehalten zu werden und zwischen den feindlichen Linien hindurch reiten zu können. Die Treue seines eigenen Pferdes Puzzat verrät ihn, denn es trabt neben ihm her. Er wird von König Tesereiz angegriffen und tötet ihn im Kampf.pferd

Die Rüstung wird ihm zum Verhängnis, als er nach Oransche gelangt. Gyburg hält ihn für einen Heiden. Willehalm muss zuerst zum Beweis die gefangenen Christen befreien, die in diesem Augenblick vorbeigeführt werden. Als sie ihm auch dann nicht glaubt, nimmt er schließlich den Helm ab – Gyburg erkennt ihn an der im Kampf verstümmelten Nase.

In der Nacht bricht Willehalm auf, um in Munleun beim französischen König Loys, d. h. Ludwig dem Frommen, Beistand zu erbitten. Die Rüstung und seine Kenntnis des Arabischen helfen ihm dabei.

Das 3. Buch

Der Belagerungsring um Oransche schließt sich. Terramer droht seiner Tochter Gyburg mit dem Tod; sie antwortet, indem sie sich erneut zum Christentum bekennt.

Willehalm ist in Orlens eingetroffen und verbirgt sich in einer kleinen Herberge. Gleich gerät er mit einem königlichen Beamten, der ihm unberechtigt Wegzoll abverlangt, in Streit und erschlägt ihn.orlens Dessen Witwe sucht Beistand bei einem Ritter, der Willehalm zum Kampf herausfordert. Auch der Verteidiger unterliegt und wäre fast erschlagen worden, hätte er nicht seinen Namen genannt – es ist einer von Willehalms Brüdern, der ihm mitteilt, dass die ganze Familie beim Hoftag in Munleun anwesend sein wird. Willehalm verbringt eine Nacht im Kloster und lässt dort Arofels Schild zurück. Dann reitet er nach Munleun. Hier wird Willehalm völlig missachtet, keiner empfängt ihn mit höfischen Ehren. Seine Schwester, die inzwischen Königin ist, befiehlt sogar, man solle direkt vor ihm die Tore schließen. Der Kaufmann Wimar nimmt ihn schließlich auf. Ein standesgemäßes Mahl und ein bequemes Nachtlager lehnt Willehalm aber ab, weil er an Gyburgs Situation denkt.

Er reitet am folgenden Tag zornig zum Königshof, wo die anderen Fürsten vor ihm zurückweichen. Als Heimrich von Narbon mit seiner Familie einzieht, tritt Willehalm vor den König und weist ihn mit unhöflicher Rede darauf hin, dass der ihm seine Herrschaft verdanke. Der König antwortet ihm jedoch trotzdem gemessen. Willehalms Schwester verweigert ihm jede Hilfe, worauf es zum Eklat kommt: er reißt ihr die Krone vom Kopf und hätte sie wohl getötet, wenn nicht ihre gemeinsame Mutter Irmenschart sie in Schutz genommen hätte. Erst als sie erfahren, dass Vivianz tot und das ganze Heer verloren ist, sagen sie ihre Hilfe zu. Willehalms Nichte, die schöne Prinzessin Alyze, klärt schließlich die Missstimmung. Sie bittet Loys um Vergebung, weil sich ihre Mutter ungebührlich verhalten habe.

Das 4. Buch

Willehalms Schwester hat ihre Haltung überdacht und sagt Willehalm jede Hilfe zu, stellt einen Teil ihres Vermögens zur Verfügung und redet auch ihrem Mann zu. Doch Loys ist zunächst beleidigt wegen Willehalms Beleidigung und will zuvor das Hoffest zu Ende bringen.

Nach dem Mahl kommt es erneut zum Aufruhr; Loys vertröstet Willehalm erneut, so dass dieser auf die Festtafel springt und droht, seine Lehen zurückzugeben, was eine große Schmach für den König ist. Diesmal greifen die Brüder hilfreich ein, indem sie gemeinsam mit Graf Heimrich endliche eine Zusage erreichen. Die Kämpfer werden mobilisiert, innerhalb von zehn Tagen soll sich ein Heer einfinden.

Willehalm bleibt in cOrlens. Ihm begegnet eines Abends ein riesenhafter und starker Küchenknecht, den die Edelleute verspotten.orlens1 Sein Name ist Rennewart. Er muss niedrige Dienste verrichten, weil er sich weigert, die Taufe anzunehmen. Willehalm erbittet sich vom König den Jungen, um ihn für den bevorstehenden Kampf ritterlich auszurüsten – Rennewart verlangt jedoch lediglich eine schwere Stange statt der Waffen.

Da nach zehn Tagen das Heer versammelt ist, begleitet König Loys die Kämpfer bis Orlens, wo er Willehalm die Reichsfahne übergibt. Dieser hat nun den Oberbefehl. Rennewart küsst Prinzessin Alyze zum Abschied. Als sie sich Oransche nähern, erblicken sie die Stadt in Flammen.

Das 5. Buch

Die Belagerung von Oransche dauert an. Terramer hat nochmals vergeblich versucht, Gyburg zu bewegen, dass sie zum Islam zurückkehrt. Nach einem Sturmangriff ging die Stadt in Flammen auf, nur die Burg Glorjet blieb verschont. Das heidnische Heer zog ab, um sich an den Schiffen neu zu versorgen.

Gyburg meint, einen neuen heidnischen Angriff zu sehen; es ist zu ihrer großen Freude aber Willehalm mit dem Christenheer.orange Die Heerführer schlagen ihre Lager vor der Stadt auf; Gyburg und Willehalm bereiten die Verpflegung vor. Die Truppenverbände nähern sich Oransche von verschiedenen Seiten, unter ihnen Willehalms Brüder und sein Vater. Sie kommen alle zum Festmahl in die Burg Glorjet. Gyburg beklagt dem alten Heimrich den Tod von heidnischen und christlichen Kämpfern. Viele Ritter aus Willehalms Familie sind in Terramers Gefangenschaft. Sie berichtet von einem Wunder während der Schlacht: viele gefallene christliche Ritter wurden in Sarkophage gebettet, die nicht von Menschenhand geschaffen sind.

Das 6. Buch

Das Festmahl ist in vollem Gange, als Rennewart den Saal betritt. Die Gesellschaft ist von seiner Größe und Kraft sichtlich beeindruckt. Aber er trinkt zu viel vom gesüßten Wein. Als zwei Schildknappen seine Stange nehmen, verliert er die Beherrschung und schlägt auf sie ein. Die Knappen fliehen, das Mahl endet in Aufruhr.

Willehalm geleitet die Fürsten in ihr Lager, dann geht er mit Gyburg zur Ruhe. Rennewart nächtigt in der Küche von Glorjet.Ulrich_von_Türheim Der Koch sengt dem Schlafenden mit einem glühenden Scheit den Bart – diesen bösen Streich bezahlt er mit seinem Leben. Willehalm erfährt am nächsten Morgen davon und bittet Gyburg, sich Rennewarts anzunehmen. Sie hat eine Ahnung, dass er ihr Bruder sein könnte; doch verweigert der jede Antwort auf Fragen nach seiner Familie. Gyburg lässt die Rüstung König Synaguns holen, die dieser trug, als er Willehalm gefangennahm. Sie überredet ihn, die Rüstung anzulegen und auch ein Schwert zu tragen.

Die Fürsten versammeln sich zu einem Kriegsrat, dem auch Gyburg beiwohnt. Willehalm eröffnet den Rat, indem er die Leiden schildert, die die heidnischen Krieger über Frankreich gebracht haben. Er verheißt den Kämpfern doppelten Lohn, den Himmel und die Gunst edler Frauen. Seine Brüder und sein Vater sind entschlossen, den Kampf in Alischanz aufzunehmen, doch die Fürsten des französischen Reichsheeres verweigern Willehalm die Gefolgschaft. Mit der Entsetzung von Oransche ist für sie die Mission erfüllt. Willehalm dringt in sie, sich nicht an Christus zu versündigen und den Heiden das Land zu lassen, worauf auch die Reichsfürsten ihre Teilnahme zusagen. Gyburgs Bitte um Schonung der besiegten Heiden, die wie die Christen Geschöpfe Gottes seien, beschließt den Kriegsrat.

Die Fürsten nehmen eine letzte Mahlzeit ein, zu der Rennewart in Synaguns Rüstung erscheint. Dann bricht das Heer auf.

Das 7. Buch

Die Kämpfer haben bereits eine Tagsreise in Richtung Alischanz hinter sich, als Rennewart bemerkt, dass er seine Stange in Oransche vergessen hat. Willehalm lässt sie durch einen Boten ins nächste Nachtquartier nachbringen. Wieder vergisst Rennewart seine Stange – diesmal läuft er selbst zurück, beschämt über seine Vergesslichkeit und beim Gedanken, man könnte seine Eile als Flucht missverstehen. Er findet seine Stange, die nun im Feuer gehärtet ist, und kehrt schnell zurück.

Das Heer ist beim heidnischen Lager, von einer Anhöhe aus überblicken Willehalm und seine Gefolgsleute Terramers ungeheuer großes Heer.turnier Willehalm spricht den Fürsten Mut zu: nicht einer dürfe fliehen. Doch er erreicht das Gegenteil, die französischen Fürsten ziehen mit ihren Truppen ab, Ruhm und Ehre wollen sie lieber imTurnier erwerben. Willehalm lässt sie seinen Groll spüren, den verbliebenen Rittern versichert er, dass Gott sie noch an diesem Tage belohnen werde.

Die abziehenden Fürsten schaffen es nur bis zur Schlucht von Petit Punt, dort begegnet ihnen Rennewart, der einen Wortwechsel gar nicht erst abwartet, sondern gleich mit seiner Stange auf die Abtrünnigen einschlägt. 45 von ihnen tötet er, bis sie einsichtig werden und begreifen, dass es die Hand Gottes ist, die sie trifft. Einer der Kämpfer, der als weise erscheinen will – während er doch in Wahrheit der dümmste von allen ist und lediglich gut reden kann –, versucht Rennewart zur Umkehr zu überreden; der könne doch den ganzen Tag in der Schenke liegen, statt in den Kampf zu ziehen. Das entfacht Rennewarts Zorn nur noch mehr, er erschlägt weitere flüchtige Ritter und hält erst ein, als sie ihm einen Eid leisten, mit ihm unter seinem Befehl nach Alischanz zurückzukehren.

Dort hat Willehalm unterdessen die Reichsfahne eingeholt und sein eigenes Banner gehisst. Gemeinsam mit dem Bruder Arnalt führt er die erste der fünf Heeresgruppen; diese bekommt ihren Sold von seiner Mutter und seiner Schwester. Die zweite leitet der alte Heimrich, die dritte die Brüder Buov und Bernart, die vierte Gybert und Bertram, die letzte schließlich der jüngere Heimrich und dessen Freund König Schilbert. Rennewart trifft mit den übrigen Rittern ein und wird zur sechsten Abteilung, die Reichsfahne wird mit der Rückkehr der französischen Fürsten wieder enthüllt.

Terramer erblickt das königliche Banner und meint, Loys selbst griffe ihn an. Er definiert sein Kriegsziel neu: Rache für den Tod der vielen heidnischen Könige in der ersten Schlacht von Alischanz. Dies tilge die Schande, die seinem Glauben angetan worden war – die jüngeren Krieger sollten den Kampf als Minnedienst, die älteren als Dschihad verstehen. Nun enthüllt Terramer auch seine eigentlichen Kriegsmotive: die Niederlage seines Onkels Baligan gegen Karl den Großen solle gerächt werden. Außerdem sei er ein Nachfahre des Pompeius, dem deshalb auch die Herrschaft über das Reich gebühre. Er wolle Oransche und Paris zerstören, um dann den Thron in Aachen zu besetzen und das Christentum zu vernichten. Terramer teilt sein Heer in zehn Verbände und nennt jeden der Führer mit einer rühmenden Rede. Er lässt die Kämpfer Standbilder der heidnischen Gottheiten mit in die Schlacht führen; diese sind so schwer, dass man sie an Pfählen befestigen und auf Rinderkarren transportieren muss. Terramers ältester Sohn Kanliun soll die Wagen schützen – der lässt sie aber während des Kampfes im Stich. Schließlich lässt sich Terramer von den Königen in einer feierlichen Zeremonie wappnen. Hier erwähnt er die Sarkophage, die wohl „der Zauberer Jesus“ über das Schlachtfeld verteilt haben müsse.

Das 8. Buch

Der Angriff Halzebiers eröffnet die Schlacht, er trifft auf die fünfte Abteilung. Jede der zehn Gruppen des heidnischen Heeres fällt nach und nach ein. Schließlich befinden sich alle, Heiden und Christen, im Kampf.schlacht Die Übermacht von Terramers Truppen zersprengt die ganze Schlachtordnung Willehalms, schließlich überrennen die Heiden mit dem letzten Angriff das ganze Feld. Das Reichsheer sieht sich ausweglos und schon der Niederlage gegenüber.

Das 9. Buch

Die Schlachtordnung löst sich auf. Der alte Heimrich wehrt einen Angriff von König Cernubile ab, den er mit einem einzigen Schwerthieb erschlägt. Fürsten des Reichsheeres fallen, doch Rennewart greift ein und tötet allein fünf Heerführer aus Terramers Gefolge. Halzebier weicht zurück, um Kraft zu schöpfen. Rennewart geht ihm nach, erreicht das Schiff mit den Kriegsgefangenen und überwältigt allein die heidnischen Krieger, die in den Rüstungen der Gegner und auf deren Pferden in die Schlacht ziehen. Gemeinsam erschlagen sie Halzebier.

Der alte König Oukin beklagt den Tod seines Sohnes Poydwiz; er greift Willehalm an und wird von ihm niedergestreckt. Rennewart ruht sich vom Kampf aus. Unterdessen greifen Purrel und seine 14 Söhne das Reichsheer an. Rennewart eilt mit seiner Stange in die Schlacht und schlägt ihn nieder; dabei zerbricht seine Stange. Purrel überlebt mit schweren Verletzungen, Gefolgsleute tragen ihn zu den Schiffen. Zunächst kämpft Rennewart mit den Fäusten weiter, doch dann besinnt er sich auf Gyburgs Ratschlag und zieht sein Schwert. Er schlägt Tybalt und seine Truppe in die Flucht.

Ektor von Salenie, der Fahnenträger der heidnischen Armee, wird von Bernart getötet; dies leitet die Niederlage ein. fahneDas ganze Heidenheer ergreift die Flucht, die Krieger retten sich zu den Schiffen oder fliehen in die umliegenden Berge. Viele werden von den Verfolgern eingeholt und erschlagen, die übrigen legen hastig vom Ufer ab. Im letzten Zweikampf treffen endlich die Führer Terramer und Willehalm aufeinander. Der heidnische Großkönig wird schwer verwundet, seine Gefährten retten ihn auf das Schiff. Noch immer kämpft Rennewart, zuletzt erschlägt er seinen Halbbruder Kanliun und greift König Poydjus an, dann verliert sich seine Spur im Kampfgetümmel.

Das christliche Reichsheer hat den Sieg errungen, doch es beklagt schwere Verluste. Die Krieger suchen das Schlachtfeld nach ihren Verwandten ab und bemächtigen sich der kostbaren Rüstungen der Gegner. Am Abend fallen sie über das feindliche Lager her und halten eine große Siegesfeier.

Am folgenden Tag werden die Toten der Schlacht zusammengetragen. Die einfachen Männer werden begraben, die Edelleute einbalsamiert. In einer Klagerede betrauert Willehalm den Verlust Rennewarts, den er als „seine rechte Hand“ preist; Bernart wirft ihm vor, seine Pflichten als Heerführer zu missachten und schlägt vor, den sicher nur entführten Rennewart gegen 25 gefangene Heidenkönige auszutauschen. Willehalm willigt ein und lässt sich von den anderen Fürsten die gefangenen Könige übergeben. Den König Matribleiz beauftragt er damit, die Leichname der Gefallenen beider Schlachten in ihre Heimat zu überführen, damit sie nach muslimischem Ritus bestattet werden können. – Hier bricht die Erzählung ab.

Wolfram von Eschenbach: Parzival und Titurel – Kapitel 6 – III. Gurnemans.

 

 

 

Das Vorwort, nicht das Vorwort des ganzen Gedichts, denn die zwei ersten Bücher scheinen später hinzugedichtet, enthält einen beschönigenden Widerruf dessen, was der Dichter in der Erbitterung wider Eine von den Frauen überhaupt zu Anfange dieses Abschnittes gesagt hatte: es lebe nun kein Weib mehr, die wie Herzeleide die weltlichen Freuden um der himmlischen willen hingeben würde. Herzeleide hat sich, ihren Kronen entsagend, mit wenigen Leuten in die Wüste von Soltane zurückgezogen, wo sie ihren Knaben in bäurischer Einfalt erzieht und ihn sorgfältig vor aller Kunde des Rittertums zu bewahren sucht.

 

 

 

Doch schnitzt er sich Bogen und Bolzen und schießt nach den Vögeln, deren Tod er gleichwohl beweint, weil ihr Gesang ihm die Brust schwellt.sie bescheiden ihn aber, daß sie nur Ritter seien, und weisen ihn, da er auch Ritter zu werden verlangt, zu König Artus. Seinem Verlangen dahin kann die Mutter nicht widerstehen; sie giebt ihm aber Thorenkleider und Lehren auf den Weg, die er allzuwörtlich befolgt. Sein Abschied bringt ihr den Tod. Im Walde Briziljan kommt er zu Orilus prächtigem Gezelte, dessen Gemahlin Jeschute er, nach der Mutter Rath, Fingerring und Fürspann (Halsschmuck) raubt. Er findet Sigunen mit dem eben von Orilus (von dem auch Galoes gefallen ist) erschlagenen Schionatulander. Sie sagt ihm seinen Namen u Da will die Mutter alle Vögel fangen und tödten laßen; er aber bittet für sie, und sie gedenkt, daß es auch Gottes Geschöpfe sind. Er fragt sie nach Gott, und sie beschreibt ihn lichter als der Tag, und er sollte ihn anflehen, dagegen den schwarzen Höllenwirth so wie den Zweifel meiden. Er übt sich auch mit dem Wurfspieß und erlegt viel Wild. Einst begegnen ihm auf seiner Jagd vier Ritter in glänzenden Rüstungen, welche den Jungfernräuber Meljakanz verfolgen. Er hält sie für Engel; und weist ihn gen Bretagne.  So kommt er zu Gurnemans, dem Hauptmann der wahren Zucht (feinen höfischen Sitte), wo er seine kindische Einfalt ablegt.

 

Gurnemans wünscht ihm seine Tochter zu verEin Fischer, dem er den Fürspann schenkt, geleitet ihn bis in die Nähe von Nantes, der Hauptstadt des Artus. Hier begegnet ihm Ither, der rothe Ritter, der auf Artus Krone Anspruch erhebt und mit seinen Rittern zu kämpfen draußen hält. Mit dessen Aufträgen kommt er an den Hof, wo sein Aufzug wie seine Schönheit Alles in Verwunderung setzt. Kunneware, des Orilus Schwester, die nicht eher lachen wollte, bis sie den Ritter des höchsten Preises ersähe, lacht, und Antanor, der nicht eher reden wollte, bis sie lachte, bricht sein Schweigen. Beide werden von Keien gezüchtigt, welche Misshandlung Parzival zu rächen gedenkt. Mit dem Wurfspieß erschlägt er Itheren und bemächtigt sich seiner Rüstung, die ihm Artus auf seine Bitte geschenkt hatte.mählen und entläßt ihn so ungern, als verlöre er in ihm den vierten seiner Söhne.

 

IV.
Kondwiramur.

Inhalt.

In Gedanken an die schöne Liaße überläßt sich Parzival seinem Pferde, das ihn in einem Tage von Graharz in das Königreich Brobarz trägt, dessen Hauptstadt Pelrapär von einem feindlichen Heere belagert und ausgehungert wird. Da er seine Dienste anbietet, wird er eingelaßen und der Königin Kondwiramur, der Tochter Tampentärs, vorgestellt, welcher er, nach Gurnemans Rath, unnützes Fragen zu meiden, stumm gegenüber sitzt, bis sie selber das Schweigen bricht. Ihre Oheime, Kiot und Manfilot, die nach Schoisianens Tod sich des Schwerts begeben haben und als Einsiedler befriedet im Gebirge wohnen, versprechen ihr einige Lebensmittel zu schicken. In der Nacht schleicht sich die Königin an Parzivals Bette, weckt ihn mit ihren Thränen und klagt ihm, wie Klamide, König von Brandigan und Iserterre, und sein Seneschall Kingron ihr Land verheert, ihr Volk erschlagen hätten, sie aber lieber sterben wolle als sein Weib werden, zumal Klamide auch Schenteflur, ihren Verlobten, Liaßens Bruder, getödtet habe.tournament_bavarian_engraving Am Morgen besiegt Parzival den Seneschall und nöthigt ihm das Versprechen ab, sich Kunnewaren, jener an Artusens Hof seinethalb von Keie gemisshandelten Jungfrau, als Gefangener zu gestellen. Der Sieger wird von den Belagerten, denen der Sturm nun auch Lebensmittel in den Hafen verschlägt, der Königin zugeführt, die ihn umarmt, und keines Andern Weib zu werden gelobt. Das Beilager wird vollzogen, er läßt sie aber Magd, obgleich sie sich sein Weib wähnt. Erst in der dritten Nacht gedenkt er der Lehren seiner Mutter und des alten Gurnemans und umfängt sie minniglich. Klamide vernimmt seines Seneschalls Besiegung und versucht, während Jener den König Artus in seinem Jagdhause Karminal antrifft, die Stadt mit Sturm zu nehmen. Die Bürger wehren sich mit niederstampfenden Baumstämmen und zerstören sein Belagerungswerkzeug durch griechisches Feuer. Als auch die Hoffnung verschwindet, Pelrapär durch Hunger zu zwingen, fordert Klamide den Gemahl der Königin zum Zweikampf, in welchem auch er gezwungen wird, sich als Kunnewarens Gefangener zu Artus zu begeben, den er zu Dianasdron beim Pfingstfeste findet. Nach einiger Zeit nimmt Parzival Urlaub von Kondwiramur, um nach seiner Mutter zu sehen, wohl auch um Abenteuer aufzusuchen.

V.
Anfortas.

Inhalt.

Mit schnellem, ziellosem Ritt gelangt Parzival Abends an einen See, wo er Fischer nach Herberge fragt. Der Eine, reichgekleidet, doch traurig, bescheidet ihn zu einer nahen Burg, wo er selber Wirth sein werde. Er reitet dahin. Ein Knappe läßt, als er hört, daß ihn der Fischer gesandt habe, die Zugbrücke nieder. Im Burghofe wächst Gras, ein Zeichen, daß hier fröhliche Ritterspiele selten begangen werden. Er wird gut empfangen und mit dem Mantel der Königin,frau Repanse de Schoie, bekleidet. Ein Mann ruft ihn gebieterisch zum Könige. ergrimmt ballt Parzival die Faust, wird aber beruhigt, weil es dieses Mannes Amt sei, ihre Traurigkeit durch Scherze zu erheitern. Im Saale findet er hundert Kronleuchter und eben so viel Ruhebetten, auf jedem vier Ritter. Auf drei marmornen Feuerheerden brennt Aloeholz. Der Wirth, der in Pelzwerk gehüllt bei der mittlern Feuerstatt auf einem Spannbette (Feldbette) ruht, läßt Parzival neben sich Platz nehmen. Ein Knappe trägt eine bluttriefende Lanze durch den Saal, bei deren Anblick Alles in Jammer ausbricht. Nun beginnt der Dienst, d. i. die Bewirthung. Durch eine Stahlthüre treten zwei Jungfrauen ein, auf goldnen Leuchtern brennende Kerzen tragend; die eine ist Klarischanze, Gräfin von Tenabrock, die andere Garschiloie von Grünland. Ihnen folgen zwei Herzoginnen, jedwede setzt zwei Helfenbeinstollen vor den König hin. Diese vier tragen braunen Scharlach, die folgenden acht sind in grünen Samt von Aßagog gekleidet. Viere davon tragen Lichter voraus, die vier andern ein Tischblatt aus durchsichtigem Granatjachant, das sie auf die Stollen legen. Zwei Gräfinnen, Florie von Nonel und Anflise von Reil, bringen scharfe silberne Meßer; bei ihnen sind vier Jungfrauen mit Lichtern. Sechs andere wie die vorigen in getheilten Röcken, halb Plialt, halb Seide von Ninive, begleiten, in Gläsern brennenden Balsam tragend, die in arabischen Pfellel gekleidete jungfräuliche Königin, Repanse de Schoie, von welcher der Gral, ihrer Reinheit willen, sich tragen zu laßen würdigte. Diesen setzt sie auf einem grünen Achmardizeuge vor den König, tritt dann zurück und steht mit der Krone in der Mitte der vier und zwanzig Jungfrauen. Darauf werden hundert Tische, je Einer für vier Ritter, hereingetragen und gedeckt; an jedem reicht ein Kämmerer in goldenem Becken das Handwaßer und ein Junker eine weiße Zwickel zum Abtrocknen; dem Wirth und Parzival bietet sie ein Grafensohn knieend. Bei jeder Tafel schneiden zwei Knappen knieend vor, zwei andere tragen Trank und Speise zu. Vier Wagen mit goldenen Trinkgeschirren fahren im Saale umher, vier Ritter setzen sie auf die Tische, ein Schaffner hebt sie hernach wieder ab. Hundert Knappen nehmen vor dem Gral Brot in weiße Tücher und vertheilen es auf die Tische. Von dem Gral kommt auch sonst Trank und Speise, was und so viel nur ein Jeder zu eßen und zu trinken begehrt. Wohl bemerkt Parzival dieß Wunder, des Königs Schmerz und die allgemeine Trauer bei solchem Reichtum, aber der Lehre Gurnemans eingedenk, fragt er nicht, auch dann nicht, als ihm der König ein kostbares Schwert schenkt und dabei seiner schweren Verwundung erwähnt. Als das Mal zu Ende geht, wird das Geräth wieder in gleicher Ordnung hinausgeschafft und die Königin und ihre Jungfrauen entfernen sich, wie sie gekommen waren. Gral_02gParzival blickt ihnen nach und sieht durch die offene Thüre einen schönen schneeweißen Greis (Titurel) auf einem Spannbette ruhen. Vom Wirth entlaßen, bringen ihn Ritter in ein kerzenhelles Schlafgemach mit prächtigem Bette, wo er von Edelknaben entkleidet und noch im Bette von Jungfrauen mit Obst und Getränke gelabt wird. In der Nacht quälen ihn ängstliche Träume, am Morgen erwacht er, vermisst die Dienerschaft und entschläft wieder. Spät erwacht, sieht er seine Rüstung und zwei Schwerter vor dem Bette liegen. Er wappnet sich und geht hinaus; sein Ross ist vor der Stiege angebunden, Schwert und Schild lehnt dabei. Vergebens ruft er und sucht nach den Leuten. Niemand zeigt sich; nur Spuren in Gras und Thau. Er reitet hinaus: gleich zieht ein Knappe die Brücke auf, schilt ihn eine Gans, daß er den Wirth nicht gefragt habe und schlägt das Thor vor ihm zu. Einer klagenden Frauenstimme folgend, findet er Sigune auf einer Linde den gebalsamten Leichnam des Geliebten in den Armen haltend. Von ihr erfährt er, daß er zu Monialväsche gewesen ist, wohin man nur unfreiwillig gelangen kann, und welche Bewandtniss es mit dem geschenkten Schwerte hat. Sie preist ihn über Alles glücklich, wenn er gefragt habe; als sie aber hört, daß die Frage unterblieben ist, schilt sie ihn aufs Heftigste und will nichts mehr von ihm hören. Traurig reitet Parzival weiter und begegnet Jeschuten, welcher er die seinethalb eingebüßte Huld des Gemahls wieder erwirbt, indem er ihn besiegt und zu Kunnewaren schickt, darnach aber ihre Unschuld freiwillig beschwört. Orilus findet Artus am Plimizöl.

VI.
Artus.

Inhalt.

Artus war von Karidol aufgebrochen, um dem rothen Ritter nachzuziehen, welchen die Tafelrunde in ihre Genoßenschaft aufnehmen wollte. An den Ufern des Plimizöl läßt er sich wegen der Nähe von Monfalväsche und des Gralsheeres von seinen Rittern geloben, ohne seine ausdrückliche Erlaubniss nicht zu streiten. Parzival, den der Zufall dahin führt, versinkt beim Anblick dreier Blutstropfen im Schnee ganz in Gedanken an Kondwiramur. So findet ihn ein Knappe Kunnewarens, der es als einen Schimpf für die Tafelrunde beschreit. Segramors wirkt sich Erlaubnis zum Kampf aus, wird aber von dem bewustlosen Parzival abgestochen. Gleiches Schicksal hat Keie, der im Fall den rechten Arm und das linke Bein zerbricht, womit Kunnewarens Schmach an ihm gerochen ist. Gawan reitet unbewaffnet hinaus, erkennt Parzivals Zustand und wirft ein Tuch über die Blutstropfen.artus Parzival kommt zu sich und reitet mit Gawan zu Artus, wo ihn Kunneware als ihren Ritter empfängt, kleidet und schmückt. Artus und seine Ritter bitten ihn, Genoß der Tafelrunde zu werden, die zwar zu Nantes geblieben ist, hier aber durch ein rundgeschnittenes Tuch vorgestellt wird. Ueber dem Festmal erscheint Kondrie la Sorziere, die ungeheure Botin des Grals, erklärt die Tafelrunde für entehrt durch die Mitgliedschaft Parzivals (dessen Namen und Geschlecht hier zuerst verlautet) und flucht diesem, weil er bei Anfortas Qual und den Wundern des Grals nicht gefragt habe. Dann lädt sie zur Befreiung der vier zu Chatelmerveil gefangen gehaltenen Königinnen ein. Gleich darauf erscheint Kingrimursel und fordert Gawanen, als den Mörder seines Herrn und Vetters Kingrisin, zum Zweikampf, der nach vierzig Tagen zu Schampsenzon vor dem König Vergulacht von Askalon Statt haben soll. Klamide wird auf Parzivals Fürsprache mit Kunnewaren verlobt. Ekuba, die heidnische Königin von Janfuse, erzählt Parzival von seinem Bruder Feirefiss. Parzival verzichtet auf die Tafelrunde, gelobt sich dem Gral und reitet traurig und an Gott verzweifelnd hinweg. Auch Gawan rüstet sich zu seiner Fahrt, Ekuba schifft sich ein, Artus zieht gen Karidol und Orilus mit Klamide gen Brandigan, wo seine Hochzeit mit Kunnewaren feierlich begangen wird.

 

VII.
Obilot.

Inhalt.

Gawan, während Parzivals Verzweiflung Herr der Aventüre, begegnet einem Heere, das der junge König Meljanz von Li gegen Lippaut, seinen Erzieher und Lehensträger, nach Beaurosche führt, weil ihm dessen Tochter, die schöne Obie, obwohl sie ihn liebte, Minnelohn verweigert hat. Sein Oheim, König Poidikonjonz von Gross, dessen Sohn Meljakanz, und der Herzog Astor von Lanveronz, der die vor Jahren von Poidikonjonz gefangen genommenen Britten führt, bilden die Stärke seines Heeres, das sonst meist aus Kinden (Edelknaben) besteht, die Meljanz zu Rittern geschlagen hat. Die Bürger, welche die Pforten vermauert hatten, öffnen sie wieder, als ihnen Hülfe zuzieht. Auch Gawan, welcher der Burg zugeritten ist, wird von Obiens kleiner Schwester Obilot zum Beistand ihres Vaters vermocht, während Obie selbst, aus Minnezorn und um gegen die Schwester Recht zu behalten, ihn als einen Falschmünzer verfolgen läßt.rot Die kindische Jungfrau nimmt ihn zu ihrem Ritter an und schenkt ihm einen Aermel als Kleinod, den er auf seinen Schild schlagen läßt. Gawan reitet mit seinem Wirthe, dem Burggrafen Scherules, in den Streit, rennt Lisavander, den Schatelier (Kastelan) von Beauvais, einen der Kinde des jungen Königs, der die Sporen an ihm verdienen will, nieder, schützt den Herzog Kardefablet de Jamor, den Schwager Lippauts, vor Meljakanz, fängt den starken Lahduman, Komte de Montan, weicht den gefangenen Britten aus, verwundet und fängt Meljanzen und würde auch Meljakanzen gefangen haben, wenn ihn der Herzog Astor ihm nicht entzogen hätte. Unterdessen hat ein rother Ritter (Parzival), der auf Meljanzens Seite focht, den König Schirniel von Lirivoin, dessen Bruder König von Avendroin und den Herzog Marangließ gefangen, die er nun in die Stadt schickt, um gegen Meljanz ausgewechselt zu werden. Gawan giebt den im Kampf zerfetzten Aermel Obiloten zurück, die ihn sogleich anlegt. Hernach schenkt er ihr auch seinen Gefangenen König Meljanz. Sie schenkt ihn ihrer Schwester Obie, wodurch Sühne und Vermählung zu Stande kommt. Gawan, dessen Ross Ingliart, mit den kurzen Ohren, bei Meljanzens Gefangennehmung dem rothen Ritter zugelaufen ist, nimmt Abschied von Obiloten und zieht weiter.

 

 

VIII.
Antikonie.

Inhalt.

Gawan kommt vor die prächtige Burg Schampfanzon im Lande Askalon, dessen König Vergulacht, um sich bei der Reiherbeize nicht stören zu laßen, ihn der Pflege seiner Schwester Antikonie empfiehlt. Beide Geschwister, welche Kingrisin, den Gawan ermordet zu haben fälschlich beschuldigt ist, mit Fleurdamur, der Tochter Gandeins und Schwester Gachmurets, erzeugt hat, theilen die Schönheit des ganzen von den Feien stammenden Geschlechts.gawan Die Reize Antikoniens, mit der Gawan allein geblieben ist, verleiten ihn zu ungestümer Liebeswerbung. Eben soll er erhört werden, als ein grauer Ritter eintritt und das Volk zu den Waffen ruft, weil Gawan, nicht zufrieden den König ermordet zu haben, nun auch dessen Tochter nöthigen wolle. Gawan flüchtet sich mit der Königin in einen festen Thurm, gebraucht den Thorriegel als Waffe, und ein Schachbrett dient ihm zum Schilde, während Antikonie die Schachbilder gegen die Anstürmenden schleudert. Vergulacht kommt hinzu und mahnt die Seinen zu neuem Angriff, statt sich als Wirth seines Gastes anzunehmen; der Landgraf Kingrimursel aber, der Gawanen zum Zweikampf dahin geladen, schlägt sich auf seine Seite, weil er ihm Geleit zugesagt hatte. Auf das Zureden der Seinigen bewilligt Vergulacht einen Waffenstillstand. Antikonie und Kingrimursel, seines Oheims Sohn, tadeln sein Betragen; letzterer geräth darüber mit Liddamus, einem reichen aber feigen Lehnsfürsten des Königs, in Wortwechsel und schließt mit Gawan einen Sonderfrieden, wonach ihr Zweikampf nach einem Jahre zu Barbigöl vor dem König Meljanz von Li gefochten werden soll. Vergulacht, indem er sich mit seinen Fürsten beräth, erzählt diesen, wie er jüngst einem Ritter (Parzival), der ihn abgestochen, geloben müßen, ihm den Gral zu erwerben oder der Königin von Pelrapär seine Sicherheit zu bringen. Auf den Rath des Liddamus wird Gawan unter der Bedingung entlaßen, daß er diese Verpflichtung Vergulachts über sich nehme. Kingrimursel verspricht, seine Edelknaben durch Scherules Vermittlung zu Artus zu senden, worauf Gawan Urlaub nimmt und hinwegreitet, nach dem Grale zu forschen.

 

IX.
Trevrezent.

Inhalt.

Die Aventüre begehrt Einlaß in des Dichters Herz, um ihm weiter von Parzival zu sagen. Sie übergeht Manches, Anderes deutet sie nur an, wie das Abenteuer von dem zersprungenen, in dem Brunnen Lach bei Karnant wieder ganz gewordenen Gralsschwerte. Es folgt eine neue Begegnung mit Sigunen, die jetzt im härenen Hemde eine Klause über dem Grabe des Geliebten bewohnt. Sie verzeiht ihm, in Betracht, daß er hart genug gestraft sei, die unterlaßene Frage und räth ihm, Kondrieen, welche ihr alle Samstag Nacht Speise brächte und sie erst vor Kurzem verlaßen hätte, nachzureiten. Parzival folgt der frischen Spur, hat sie aber wieder verloren, als ein Gralsritter ihm Kampf bietet, weil er es gewagt habe, Monsalväsch so nahe zu reiten. Der Templeise wird besiegt, entkommt aber lebend; sein Ross mit der Turteltaube, dem Wappen des Grals, am Buge besteigt Parzival statt des ihm erschlagenen. Lange Zeit darnach begegnet ihm ein grauer Ritter, der mit seinem Weib, zweien Töchtern und fürstlichem Gefolge barfuß, obgleich Schnee gefallen war, seine jährliche Buß- und Bittfahrt durch den Wald zu einem Einsiedel unternommen hat und es herzlich beklagt, daß Parzival im Harnisch die heilige Zeit nicht begehe, indem heute Karfreitag sei; er räth ihm, gleichfalls bei dem Einsiedel zu beichten und Buße zu thun. Die Jungfrauen laden ihn zu Gaste: er will aber nicht neben ihnen reiten, während sie zu Fuße gehen den zu verehren, welchen er haßt, beurlaubt sich und reitet weiter. Darauf aber wird er reuig, gedenkt zum Erstenmal seines Schöpfers, und überläßt, dessen hülfreiche Führung zu versuchen, dem Ross die Zügel.taube Da bringt es ihn gen Fontain-sauvasche, wo Trevrezent als Einsiedel ein strenges Bußleben führt. Hier erfährt er die Märe von dem Gral, welche der Dichter bisher absichtlich verschwiegen hat. Parzival erkennt die Stelle, wo er Orilus durch einen Eid über Jeschutens Treue beruhigt hat. Er steigt vom Pferde und erzählt dem Klausner von dem Ritter, der ihn hieher gewiesen habe, seine Sünden zu beichten. Trevrezent führt sein Ross an einen Felsenbrunnen, ihn selbst zu einem Feuer in einer Gruft, wo der Held sich wärmt, entwappnet und einen Rock des Einsiedels anlegt. In einer zweiten Höhle findet er auf dem Altar die Heiltumskapsel, der er bei jenem Schwur die Hand aufgelegt hat. Er fragt, wie lange das her sei, und erfährt, daß fünftehalb Jahre seitdem verfloßen sind. Er bekennt, in all dieser Zeit kein Gotteshaus besucht zu haben, indem er Haß zu Gott im Herzen trage. Der Klausner belehrt ihn über Gottes hülfreiche Barmherzigkeit und Güte, warnt ihn vor Vermeßenheit an Lucifers, Evas und Kains Beispiele und fragt, welcher Kummer ihn beschwere. Als ihm Parzival seine Sorgen um den Gral und sein Weib klagt, lobt er letztere und nennt die andere thöricht, weil den Gral nur der vom Himmel dazu Benannte gewinnen könne. Nun erzählt er von dessen himmlischem Ursprung, von der Taube mit der Oblate, von der erscheinenden und verschwindenden Schrift u. s. w. Als Parzival ihn mit dem Wunsch unterbricht, durch die Schrift zum Gral benannt zu werden, warnt er ihn vor Hochfahrt an dem Beispiele des Anfortas und fährt fort zu berichten, wie die Templeisen die Grenzen des Gralreichs schützen; gleichwohl sei Lähelein bis an den See Brumbane vorgedrungen, wo er einen Gralsritter getödtet und dessen Ross erbeutet habe. Für Lähelein hält der Einsiedel seinen Gast wegen seines Pferdes: doch bekennt sich dieser für den Sohn Gachmurets und Ithers Sieger. Trevrezent erschrickt, als er hört, daß sein Neffe den nahe Verschwägerten (Ither war mit Lamiren, der Tochter Gandeins, also Gachmurets Schwester, vermählt) erschlagen; wie er denn auch scheidend seine Mutter, Trevrezents Schwester, getödtet habe. Er erzählt nun von seinen übrigen Geschwistern, Tschoisianen, der Mutter Sigunens, Repansen de Schoie, die den Gral zu tragen gewürdigt wird, und Anfortas, dem König des Grals; dann des letzten Verirrung im Minnedienst, seine Verwundung mit dem vergifteten Sper des Heiden, die vergeblichen Heilungsversuche, und wie zuletzt die Schrift am Gral einen Ritter gemeldet, dessen Frage Erlösung brächte, der aber dann keine Frage gethan habe. Dann gehen Beide Gras und Laub für das Ross, sich selber Wurzeln und Kräuter suchen. Nach dem kargen Mal gesteht Parzival, daß er jener Ritter gewesen sei. Sein Oheim beklagt ihn, hofft aber, ihm werde noch Heil blühen, wenn er sein Herz so erkühnen könne, daß er an Gott nicht mehr verzweifle. Darauf erklärt er ihm Alles, was er zu Monsalväsche gesehen hat, die blutige Lanze, die Meßer mit den Silberklingen, Anfortas Frieren und Lehnen, sein Fischen auf dem See Brumbane und die dienenden Frauen; schildert ihm dann der Templeisen Leben, wie der Gral aus seiner Schar den herrenlosen Ländern Fürsten heimlich schicke, die Jungfrauen aber, wie Parzivals Mutter, öffentlich vermähle, und wie alle Gralsritter, außer dem Könige, Frauenminne verschwören müsten, eine Vorschrift, die auch er in seiner Jugend unbeachtet gelaßen, wie seine Erzählung ergiebt. Nach solchen und ähnlichen Gesprächen gehen sie zur Ruhe. Vierzehn Tage bleibt Parzival bei dem Einsiedel; beim Abschied ermahnt ihn dieser, Frauen und Priester zu ehren und spricht ihn frei von Sünden.

 

X.
Orgeluse.

Inhalt.

Gawan, aus dessen Zweikampf mit Kingrimursel auch zu Barbigöl nichts geworden ist, weil sich seine Unschuld und nahe Verwandtschaft mit Vergulacht herausstellt hatte, begegnet, indem er nach dem Grale forscht, einem verwundeten Ritter, lehrt dessen Freundin das Blut durch ein Rohr aus der Brustwunde ziehn, verfolgt den Sieger nach Logrois, findet dort Orgelusen, die Herzogin des Landes, und wirbt um ihre Minne. Da er trotz ihrer schnöden Antworten darauf besteht ihr zu dienen, so heißt sie ihn ihr Pferd aus einem nahen Baumgarten holen, wo ihn alle Leute vor der Herzogin warnen. Er bringt ihr gleichwohl das Pferd, sie besteigt es ohne seine Hülfe und heißt ihn vorausreiten. Unterwegs pflückt er ein Heilkraut für jenen Wunden, worüber Orgeluse spottet. Ein missgeschaffner Knappe der Herzogin, Malkreatüre, Kondriens Bruder, reitet ihr auf elender Mähre nach und beleidigt Gawan, der ihn züchtigt und zu Boden wirft, sich aber an seinem igelborstigen Haar die Hand verletzt. Parzival-in-der-Gralsburg-beim-leidenden-Amfortas-700x357Sie kommen zu dem verwundeten Ritter, der erst vor Orgelusen warnt, dann dem Gawan durch List sein Pferd entführt und sich als Urjan zu erkennen giebt, dem Artus auf Gawans Fürbitte die verwirkte Todesstrafe in eine Ehrenstrafe verwandelt hat. Für Gawan bleibt nur jene elende Mähre übrig, die er unter den Spottreden der Herzogin zuletzt doch besteigt. Sie kommen endlich an das Ziel, wo ihm ein Kämpe der Herzogin, Lischois Giwellius, der schon Urjan besiegt hat, auf stattlichem Pferde entgegenreitet, indes Orgeluse sich von einem Fährmann über Waßer setzen läßt. Jenseits sehen über vierhundert Frauen aus den Fenstern eines herlichen Schloßes dem ungleichen Kampfe zu. Lischois wird besiegt; sein Pferd aber, das Gawan für das ihm von Urjan entführte Ross Gringuljet erkennt, nimmt Plippalinot, der Fährmann, als Zins des Kampffeldes in Anspruch. Er überläßt ihm dafür den Besiegten, wird von dem Fährmann bewirthet und von Benen, dessen Tochter, gepflegt.

 

XI.
Arnive.

Inhalt.

Vor Tag erwacht sieht Gawan die schon gestern gewahrten Frauen noch aus den Fenstern des Schloßes niederblicken. Als Bene zu ihm kommt, fragt er sie, welche Bewandtniss es mit ihnen habe. Sie bittet ihn, darnach nicht zu forschen, und bricht in Thränen aus, als er die Frage wiederholt.löwe Ihr Vater, der hinzukommt, will ihm erst auch nicht Rede stehen, um ihn nicht in neuen Kampf zu verlocken; als er aber darauf besteht, es zu erfahren, entdeckt er ihm, daß er zu Terre merveille in Klinschors Lande sei; daß sich im Schloß das Lit merveille befinde, wo, wer das Abenteuer bestehe, die vier Königinnen und fünfhundert Frauen erlöse, von welchen er schon am Plimizöl aus Kondriens Munde vernommen hat. Zugleich erfährt er, daß Parzival gestern in Plippalinots Kahne übergefahren ist, nach dem Abenteuer von Chatel merveil aber nicht gefragt hat. Von dem Fährmann ausgerüstet und unterrichtet, reitet Gawan nach dem Schloße. Ein Krämer, der vor dem Thor köstliche Schätze feil hält, übernimmt es, sein Ross zu hüten. Er tritt in den Saal, den die Frauen eben verlaßen haben, und von da in ein Gemach, über dessen spiegelglatten, von Edelsteinen getäfelten Estrich das Wunderbette aus vier rubinenen Scheiben vor ihm hin und her rollt. Er springt glücklich hinein, da prallt es mit ihm unter furchtbarem Getöse gegen die vier Wände. Als endlich das Bett stille steht, schleudern fünfhundert Wurfschwingen Steine, schießen fünfhundert Armbrüste Pfeile gegen ihn, die ihn durch den harten Schild des Fährmanns vielfach verwunden. Ein wilder Mann mit einer Keule tritt ein, und als er sieht, daß der Ritter noch lebt, läßt er einen Löwen gegen ihn los, den Gawan zwar erschlägt, aber bewustlos auf ihn niederfällt. Die alte Königin Arnive, die er mit drei andern Königinnen von Klinschors Zauberbanne erlöst hat, schickt ihm zwei Jungfrauen zu Hülfe und übernimmt dann selbst seine Heilung.

 

XII.
Cidegast.

Inhalt.

Gawan, den Minnenoth nicht schlafen läßt, springt vom Lager und beschaut sich die Wunderburg. Auf dem Warthaus steht eine hohe Säule, die Alles abspiegelt, was sich im Umkreiß von sechs Meilen begiebt. Darin sieht er Orgelusen mit einem Ritter, dem Türkowiten, nach der Kampfwiese reiten. Er hält dieß, wie es in der That gemeint ist, für eine Herausforderung, wappnet sich, reitet hin und sticht auch diesen Kämpen der Herzogin ab. Diese reizt ihn wieder durch höhnische Reden, verheißt ihm aber Minne, wenn er ihr aus dem Klinschorwalde einen Kranz von dem Baume bringe, den König Gramoflanz hege. Diesen zu holen will er bei dem Waßer Sabins über die gefährliche Furt Ligweiß Prellius sprengen, stürzt aber mit dem Pferde in die reißende Flut und erreicht nur mit großer Noth das Gestade.flut Als er den Kranz bricht, erscheint Gramoflanz unbewaffnet, verschmäht aber den Kampf mit ihm, weil er nur mit Zweien zugleich zu kämpfen gewohnt sei. Gramoflanz hat Orgelusens Gemahl Cidegast erschlagen und sie selbst entführt, ohne sie gewinnen zu können; aus Rache stellt sie ihm jetzt nach dem Leben. Er liebt nun eine der vier Königinnen auf Schatelmerveil, die junge Itonjê, Gawans Schwester, deren Vater Lot jedoch seinen Vater Irot im Gruß erschlagen haben soll, weshalb er mit Lots Sohne Gawan ausnahmsweise zum Einzelkampfe bereit sei. Als sich Gawan zu erkennen giebt und für seinen Vater einzustehen erbietet, wird ein Zweikampf auf dem Plan vor Joflanze verabredet, zu dem sich beide Theile mit großem Gefolge von Rittern und Frauen, namentlich Gawan mit Artus und seiner Massenie (Ingesinde), einfinden sollen. Darauf sprengt Gawan, obwohl eine Brücke in der Nähe ist, über den Strom zurück und bringt Orgelusen den Kranz. Diese bittet ihm fußfällig ihre bisherige Härte ab, die ihn nur versuchen und für den Kampf mit Gramoflanz gewinnen sollte. Um an diesem Cidegasts Tod zu rächen, hat sie eine große Schar von Rittern, worunter Herzoge und Könige, um Sold und Minnelohn geworben (nur Parzival hatte sie verschmäht) und den reichen Kram (den Sekundille mit Kondrien la Sorziere und Malkreatüre dem Anfortas, und dieser Orgelusen, seiner Geliebten geschenkt) mit Klinschors Bewilligung vor das Thor des Schloßes gesetzt, damit Gramoflanz, weil ihr Besitz daran hing, zu dem Abenteuer gereizt würde und umkäme. Die Herzogin begleitet nun Gawan nach dem Schloße, von dessen Zinne sie erkannt und von Klinschors Ritterschaft eingeholt werden. Nach der Ueberfahrt, bei welcher sie Bene bewirthet, bedingt sich Plippalinot als Lischoisens Lösegeld aus Sekundillens Goldkram eine Harfe, Schwalbe genannt. Gawan schickt Artusen Brief und Boten nach Bems an der Korka im Lande Löver wegen seines Zweikampfes mit Gramoflanz. Arnive, der Gawan seinen Namen und nahe Verwandtschaft verheimlicht, versucht vergebens den Boten auszuforschen.

 

XIII.
Klinschor.

Inhalt.

Auch die Herzogin, von Gawan gewarnt, verschweigt Arniven seinen Namen. Auf dem Saale wird ein Fest begangen, bei welchem Gawan die beiden Kämpen der Herzogin auf ihre Bitte frei giebt, seiner Schwester Itonjê Ring und Botschaft von Gramoflanz überbringt und ihrer Liebe Beistand verspricht. Nach dem Male tanzen die Frauen mit Klinschors Ritterschaft: beiden ist es zu früh, als Gawan zum Zeichen des Aufbruchs den Nachttrunk fordert. Darauf hält er, nur mit Arnivens und Benes Mitwißen, sein Beilager mit Orgelusen. Der nach Löver gesandte Knappe spricht erst heimlich bei Ginover vor, die ihn unterweist, wie er seine Botschaft öffentlich werben und den König gewinnen solle. Er kehrt mit dessen Zusage heim und widersteht abermals Arnivens ausforschenden Fragen. Von dieser läßt sich Gawan erzählen, welche Bewandtniss es mit dem Schloße und Klinschors Zauberkunst habe. Er war Herzog von Kapua in Terre de Labeur (Kampanien) und Neffe des Zauberers Virgilius in Neapel und minnte Iblis, die Gemahlin Iberts, Königs von Sizilien, der ihn auf Kalot-Embolot in ihren Armen ertappte und zum Kapaun machte. In der Stadt Persida erlernte er die Zauberkunst, durch welche er seine Schmach an der Welt zu rächen gedachte. König Irot von Roschsabins, Gramoflanzens Vater, schenkte ihm einen Berg mit acht Meilen Umkreiß, wo er Chatelmerveil erbaute, viel Frauen und Ritter aus der Christenheit und Heidenschaft, namentlich die vierhundert Frauen und vier Königinnen von Artus Hofe dahin entführte und Burg und Land Dem verhieß, der das Abenteuer des Wunderbettes bestehen würde. klArtus, der seinem Versprechen gemäß mit großem Heere heranzieht, war vor Logrois mit der Ritterschaft der Herzogin, die einen Angriff Gramoflanzens vermuthete, in Kampf gerathen. Gawan, der ihm eine Ueberraschung bereiten will, läßt ihn unbegrüßt vorüberziehen. Darauf ernennt er vier Amtleute, zieht sie ins Geheimniss, befiehlt ihnen, keinen Aufwand zu sparen, und schickt den Marschall auf den Plan vor Joflanze voraus, ihm neben Artus Gezelten ein gesondertes Lager aufzuschlagen. Dann bricht er mit seiner Schar auf, zieht durch Artus Lager und umgiebt dessen Gezelt mit einem Kranz von Frauen. Artus und Ginover kommen hervor, ihn zu begrüßen; die Königin führt ihn mit den Vornehmsten ins Gezelt, während Artus im Kreiße umherreitet, um auch die Frauen mit ihren dienenden Rittern willkommen zu heißen. Als er ins Zelt zurückkommt, stellt ihm Gawan in Arniven Utepandragons Wittwe, Artusens Mutter, in Sangiven König Lots Wittwe, Artusens Schwester und Gawanens Mutter, in Itonjê und Kondriê Lots und Sangivens Töchter, Gawanens Schwestern vor, wodurch er sich Arniven als ihren Enkel zu erkennen giebt und ihre Neugierde befriedigt. Es wird verabredet, auch Orgelusens Ritterschaft und die von ihr gefangenen Britten, welche die Herzogin frei giebt, kommen zu laßen, um den Glanz der Versammlung zu mehren. Darauf begiebt sich Gawan mit seinem Gefolge in das von dem Marschall für sie aufgeschlagene Lager. Am Morgen ziehen die von Logrois heran und schlagen gleichfalls ein Sonderlager auf. Artus schickt Boten nach Roschsabins und ersucht Gramoflanz, sich zum Zweikampf einzufinden. Gawan empfängt Orgelusens Minneritter, wappnet sich und reitet hinaus, sich zum Kampf vorzubereiten. Am Sabins begegnet ihm ein Ritter, mit dessen Erscheinen die Märe zu ihrem Helden zurückkehrt.

 

XIV.
Gramoflanz.

Inhalt.

Der Ritter, mit welchem Gawan in Kampf geräth, weil er ihn für Gramoflanz hält, trägt von dessen Baum einen Kranz und reitet, wie er selbst, ein Pferd mit dem Wappen des Grals. Als die Boten des Artus von Gramoflanz zurückkehren, der ihnen auf dem Fuße folgt, finden sie Gawanen im Begriff, dem Unbekannten zu unterliegen und rufen klagend seinen Namen aus. Darüber bestürzt giebt sich der Sieger als Parzival zu erkennen. Ohnmächtig sinkt Gawan zur Erde, erst von einem der Boten, dann von Benen gepflegt, die mit Gramoflanz hinzukommt. Der verabredete Zweikampf wird auf den andern Morgen vertagt, obgleich Parzival bereit ist, sogleich für den erschöpften Gawan zu kämpfen, was Gramoflanz ablehnt und deßhalb von Benen gescholten wird. Parzival wird den vier Königinnen und Orgelusen vorgestellt; letztere kann ihm ihre Verschmähung nicht vergeben. Artus nimmt ihn wieder in die Tafelrunde auf; gleichwohl weigert sich Gawan, ihm den Zweikampf mit Gramoflanz zu überlaßen.kl1 Als er sich aber am Morgen gestellt, ist ihm Parzival zuvorgekommen und Gramoflanz besiegt, dessen Zweikampf mit Gawan nun ebenfalls auf morgen verschoben wird. Gramoflanz giebt den Boten, die Artus ersuchen sollen, ihm dießmal den rechten Kampfgenoßen zuzuschicken, einen Brief an Itonjê mit. Bestürzt über den Zweikampf des Bruders und des Geliebten, wendet sich diese durch Arnivens Vermittlung an Artus, welcher dem Kampf zu wehren verspricht, als er aus dem Minnebrief des Königs, den Benes Geschicklichkeit zur rechten Zeit herbeischafft, ersieht, daß es diesem mit Itonjê Ernst ist. Er bescheidet die Boten, schickt Benen mit ihnen und läßt Gramoflanz zu sich laden, welchem Beaukorps, Gawans und Itonjês Bruder, entgegenreitet. An der Aehnlichkeit mit diesem erkennt Gramoflanz die Geliebte, die er jetzt zum ersten Mal sieht. Artus und Brandelidelein, Gramoflanzens Oheim, beschließen die Sühne zu stiften, die mit Beitritt der Herzogin unter der Bedingung zu Stande kommt, daß der König auch dem Anspruch wegen seines Vaters Ermordung entsage. Darauf wird Gramoflanz mit Itonjê, Lischois mit Kondriê, Sangive mit dem Türkowiten vermählt, und die Hochzeit prächtig begangen, zumal nun auch die Herzogin ihre Vermählung mit Gawan veröffentlicht, und Gramoflanz sein Heer herbeizieht und jeden seiner Fürsten ein Sonderlager aufschlagen heißt. Parzival, dessen Stimmung zu diesen Freuden nicht passt, reitet heimlich hinweg.

 

XV.
Feirefiss.

Inhalt.

Parzival begegnet einem heidnischen Ritter, der mit fünfundzwanzig Heerscharen von verschiedenen Sprachen über Meer gekommen war und in der Nähe geankert hatte. Sie rannten sich an und der Heide erstaunt, als ihm Parzival den Sattel nicht räumt. Thasme und Thabronit sind seine Losungsworte, und der Gedanke an Sekundillen leiht ihm solche Kraft, daß Parzival im Schwertkampf vor ihm auf ein Knie sinkt. Doch jetzt gedenkt auch dieser, der seit der Begegnung mit Trevrezent Gott vertraute, an Kondwiramur, wählt Pelrapär zum Feldrufe und schlägt den Heiden, daß er auf die Kniee stürzt, Ithers Schwert aber auf seinem Helme zerbricht, wodurch Parzival wehrlos ist. Der Heide benutzt aus Großmuth diesen Vortheil nicht, sondern fragt den Gegner nach seinem Namen, giebt sich zuerst als Feirefiss Anschewein zu erkennen und wirft sein Schwert hinweg. Nach Ekubas Beschreibung erkennt Parzival den Bruder an der Elsternfarbe seiner Haut, will ihn aber nicht dutzen, weil jener älter und reicher ist. Feirefiss war nach dem Abendlande gezogen, um seinen Vater Gachmuret aufzusuchen, dessen Tod er erst durch Parzival erfährt. Mit diesem reitet er zu Artus, der durch die Spiegelsäule schon von dem Zweikampf vernommen und auf Parzival gerathen hat. Sie steigen in Gawans Gezelt ab, der sie entwappnen und das Mal bereiten läßt. Nach Tische kommt Artus hinzu, den Gast zu begrüßen.ff Er läßt sich erst von Feirefiss, dann auch von Parzival die Namen der Grafen, Herzoge und Könige nennen, die sie bezwungen haben. Auf Gawans Befehl wird die prächtige Rüstung des Heiden hereingetragen und allgemein bewundert. Artus beschließt auf den nächsten Tag ein Fest an der Tafelrunde, um Feirefiss in den Bund aufzunehmen. Ueber dem Mal bringt Kondrie la Sorziere die Botschaft, daß Parzival zum König des Grals ernannt sei, sein Sohn Loherangrein ihm in dieser Würde folgen und Kardeiß seine weltlichen Kronen erben solle. Nur Ein Mann dürfe ihn nach Monsalväsch begleiten, wozu Parzival seinen Bruder Feirefiss wählt. Ehe sie Kondrien dahin folgen, schickt der Heide nach den Schiffen, um Geschenke für alle versammeltem Fürsten und Frauen herbeizuholen.

XVI.
Loherangrin.

Inhalt.

Anfortas hatte die Templeisen oft vergebens gebeten ihn sterben zu laßen; auch war er zu schwach gewesen, die Augen lange genug vor dem Gral verschloßen zu halten. Die Wiederkehr der Planeten Jupiter oder Mars hatten seine Schmerzen so geschärft, daß er laut aufschreien muste; köstliche Gerüche und heilkräftige Steine, die das Spannbette schmückten, brachten nur wenig Linderung. Als Parzival ankommt, bittet er auch diesen um den Tod, weil er ihm nicht andeuten darf, was er zu thun habe. Zur Dreifaltigkeit flehend wirft sich Parzival dreimal vor dem Grale zur Erde und fragt dann den Oheim, was ihm fehle. Augenblicklich wird Anfortas gesund und über alle Vergleichung schön. Da Parzival als König des Grals anerkannt ist, bringt ein Templer die Nachricht, daß Kondwiramur, von Kiot begleitet, unterwegs sei und schon den Plimizöl erreicht habe. Indem ihr Parzival entgegenreitet, spricht er erst bei Trevrezent vor, der jetzt seine frühere Aussage wegen der gefallenen Geister, die bei dem Grale wären, zurücknimmt und erklärt, er habe ihn damit nur von dem vergeblichen Trachten nach demselben zurückbringen wollen. Er bittet den Einsiedler um seinen stäten Rath, reitet weiter und erreicht am Morgen den Plimizöl, wo ihn Kiot zu der Gattin und den Kindern führt. Mit jener bleibt er allein bis zum vollen Morgen und sieht nun nach fünfjähriger Trennung seine frühere Sehnsucht an derselben Stelle erfüllt. Nach der Messe läßt er seinen Sohn Kardeiß zum Könige seiner Erblande krönen, worauf die von diesem belehnten Mannen mit ihm heimziehen.lg Indem Parzival nun mit Loherangrin und den Templern gen Monsalväsche zieht, besucht er Sigunens Klause, findet sie über dem Sarge des Geliebten todt und läßt sie neben ihm bestatten. Nach dem festlichen Empfange Kondwiramurs wird der Gral hereingetragen, und Alles wiederholt sich wie bei Parzivals erster Anwesenheit, nur daß er dießmal der König ist, und Alles mit Freuden, ohne die Lanze, begangen wird. Feirefiss sieht als ein Heide den Gral nicht, aber seine Trägerin, Repanse de Schoie, nimmt sein Herz so gefangen, daß er Sekundillens vergißt und seine falschen Götter abzuschwören bereit ist. Parzival, der ihn jetzt duzt, weil er als König des Grals so reich ist wie er, übernimmt die Vermittlung. Am Morgen wird er im Tempel getauft, empfängt Repansen zum Pathengeschenk und sieht nun den Gral. Die Schrift an diesem verordnet hierauf, wer künftig aus seiner Schar fremden Ländern zum Herrn gesandt werde, solle Fragen über seine Herkunft verbieten. Vergebens bittet Feirefiss, daß ihm Anfortas oder Loherangrin nach dem Morgenlande folgen. Als er mit seinem Weibe und Kondrieen, die ihm als Botin voranreist, und im Geleite des Burggrafen von Karkobra den Hafen erreicht, war seinem Heere die Nachricht von Sekundillens Tode zugegangen. In Indien, wo er das Christentum verbreiten ließ, gebar ihm Repanse einen Sohn, welcher Priester Johannes hieß, ein Name, den nach ihm dort alle Könige führten. Loherangrin ward der jungen Herzogin von Brabant zum Gemahl gesandt; von einem Schwan im Nachen gezogen, stieg er zu Antwerpen ans Land und verbot jene Frage. Als diese dennoch nicht unterblieb, schied er, obwohl ungern, von dannen und ließ Schwert, Horn und Ring zurück.

 

Titurel.

I.
Sigune und Schionatulander.

Inhalt.

Der alte Titurel übergiebt die Pflege des Grals seinem Sohne Frimutel, von dessen fünf Kindern Anfortas und Trevrezent sich schon Waffenruhm erwarben; die Töchter sind Schoisiane, Herzeleide und Repanse de Schoie. Schoisiane wird dem Herzoge Kiot von Katelangen (Katalonien) vermählt, stirbt aber bei der Geburt Sigunens. Vor Leid begiebt sich Kiot nebst seinem Bruder Manfilot des Schwertes; sein anderer Bruder Tampentär, König von Brobarz, von dem Kiot sein Herzogtum zu Lehen trägt, leiht es nun Sigunen und nimmt diese zu sich, um sie mit seiner Tochter Kondwiramur zu erziehen. Herzeleide wird mit Kastis vermählt, der am Hochzeittage stirbt und ihr die Königreiche Waleis und Norgals hinterläßt, welche sie ihrem zweiten Gemahl, Gachmuret, zubringt. Nach Tempentärs Tode, dem Kardeiß in Brobarz folgt, wird Sigune, auf Herzeleidens Bitte, zu dieser gebracht und mit Schionatulander bei ihr erzogen. Diesen jungen Delfin (Dauphin) von Graswaldane (Graisivaudan, Viennois oder Dauphinée), den Helden der Aventüre, hatte die Königin Anflise von Frankreich, Gachmurets Jugendgeliebte, diesem anvertraut. Sein Ahn war Gurnemans de Graharz, sein Vater Gurzgri, seine Mutter Mahaute, des Pfalzgrafen Eckunat Schwester. Schionatulander hatte Gachmureten oft als Bote zu Anflisen gedient; jetzt ward er selber von Sigunens Minne berührt.sl Er bittet um ihre Hülfe, und ein reizendes Gespräch über Minne entspinnt sich zwischen den Kindern. Sigune ist ihm hold, doch soll sie Schionatulander erst unter Schildesdach verdienen. Um diese Zeit zieht Gachmuret zum andern Mal nach dem Morgenlande, dem Baruch gegen die babylonischen Brüder beizustehen; Schionatulander begleitet ihn, beginnt aber dort aus Sehnsucht nach Sigunen zu siechen. Gachmuret, der seinen Kummer bemerkt, stellt ihn zur Rede und verheißt ihm, als er seine Liebe zu Sigunen bekennt, Beistand und Fürsprache. Ein ähnliches Zwiegespräch zwischen Sigunen und Herzeleiden beschließt den wahrscheinlich ganz erhaltenen Abschnitt.

 

II.
Gardevias.

Inhalt.

Schionatulander weilt mit Sigunen in dem Gezelt, das sie in einem Walde aufgeschlagen haben, als ein lautjagender Bracke auf der Fährte eines angeschobenen Wildes das Dickicht durchbricht. Schionatulander fängt ihn seines Schmuckes wegen und bringt ihn Sigunen.Fischerei_Adel_n Der Hund hieß Gardevias, zu deutsch: Hüte der Fährte, und war dem Pfalzgrafen Eckunat entsprungen, dem ihn seine Geliebte Klauditte von Kanedig, die Schwester und Erbin jener Florie, für die Ilinot, Artus Sohn, im Kampfe gefallen war, erst bei dieser Jagd als einen »wildlichen« Brief zugesandt hatte: denn das köstliche Halsband und das noch reicher geschmückte zwölf Klafter lange Seil trug eine Schrift, deren Buchstaben Edelsteine bildeten, die mit goldenen Nägeln auf den Strang genietet waren, und deren Inhalt nebst einer sittlichen Auslegung des Hundenamens die Geschichte der beiden Liebenden war. Sigune liest die Aventüre, während Schionatulander draußen im Bach mit bloßen Beinen nach Fischen angelt. Auf die Fortsetzung begierig, löst sie das an der Zeltstange befestigte Seil, als der Hund ausreißt, das Seil nach sich zieht und durch das Zugloch (Winde) des Zeltes lautbellend auf die Fährte des Wildes entkommt. Vergebens setzt ihm Schionatulander nach, Dornen und Stifte verwunden seine bloßen Beine, die noch bluten, als er ohne den Bracken in das Zelt tritt, wo er Sigunen findet, deren Hände das durchgestreifte Seil blutig geschunden hat. Sie verlangt von ihm das Brackenseil, an dem sie die Aventüre zu Ende lesen will und erklärt, daß sie ihren Besitz an diese Bedingung knüpfe. Mit Schionatulanders Versprechen, nicht zu rasten, bis er ihr das Brackenseil wieder erworben habe, schließt das Abenteuer.

 

Einleitung.

Wolfram von Eschenbach, der gröste Dichter, nicht, wie Friedrich Schlegel meinte, der Deutschen überhaupt, doch des deutschen Mittelalters, lebte gegen das Ende des zwölften und den Anfang des dreizehnten Jahrhunderts, also in der besten Zeit der Hohenstaufen und mitten in der von ihm selber mit heraufgeführten ersten Blütezeit unserer Sprache und Literatur. Während der furchtbaren Kämpfe, welche das Kaisertum wider die Hierarchie bestand, wuste er durch hohe Dichterkraft und sittliche Würde die Gemüther unserer Vorfahren zu gewinnen und zu fesseln. Sein Ruhm würde sich über seine Nation hinaus verbreitet haben, wenn jene Kämpfe mit dem Siege des Kaisertums, statt mit Deutschlands Erniedrigung geschloßen hätten. Indem das Reich sank, welkte unsere Poesie, und wie sich Italien hob, ließ sich auch der dichterische Geist jenseits der Alpen nieder, und auf Wolfram von Eschenbach folgte Dante der Florentiner. Noch drei Jahrhunderte währte Wolframs Ansehen in seinem Volke, bis ihn die gänzliche Umwandlung der Sprache, welche sich durch die Reformation entschied, und die schon früher herschend gewordene humanistische Richtung mit allen Dichtern des dreizehnten Jahrhunderts in ein unverschuldetes Dunkel stellte. Aus der Glaubensspaltung und den erschöpfenden Kriegen, welche von der Religion Anlaß und Vorwand entliehen, trug der deutsche Geist eine Trübung und Lähmung davon, die er Jahrhunderte lang nicht überwinden konnte. Erst zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts entwickelte die deutsche Sprache und Literatur eine zweite Blüte, aus welcher wir den Samen eines neuen Volksbewustseins reifen sahen. Wenn dieser aufgeht, und mit hochschlagendem Herzen gewahren wir täglich das kräftige Gedeihen der jungen Pflanze, dann werden uns auch die Dichter, welche in jener frühern Periode unsere Nation verherlicht haben, nicht mehr fremd sein, und Wolfram von Eschenbach, der deutscheste von allen, das nächste Recht auf unsere Liebe und Bewunderung geltend machen.

1. Wolframs Heimat.

Von den Lebensumständen des Dichters, den ich der Gunst der spätern Enkel empfehle, hat uns die Sorglosigkeit seiner Zeitgenoßen nichts Zuverläßiges gemeldet, und nur wenig Aufschluß geben darüber seine Werke. Da er sich selber (121, 7) einen Baiern nennt, so kann er dem schweizerischen Geschlechte deren von Eschenbach, das durch K. Albrechts Ermordung befleckt und fast ausgerottet wurde, nicht angehört haben, vielmehr scheint das nordgauische, bei Ansbach gelegene, Schloß und Städtchen Eschenbach der Stammsitz seiner Ahnen. Dafür spricht außer der Nähe von Pleienfelden, nach dem er im jüngern Titurel und bei Püttrich von Reicherzhausen »von Eschenbach und Pleienfelden« heißt, auch die der meisten deutschen Ortschaften, deren Wolfram gedenkt, und die es von allen Seiten so umgeben, daß es gleichsam den Mittelpunkt seines Horizontes bildet, vgl. §. 5. Auch stimmt das Wappen, das ihm das Bild in der sog. Manessischen Sammlung beilegt, zwei weiße, mit dem Rücken gegen einander gekehrte, Meßer im rothen Felde, mit dem der baierischen Eschenbache, drei silberne Meßer im rothen Felde, in der Hauptsache überein. Anders lautet die Angabe Püttrichs, der, Wolframs Grab aufzusuchen, zwanzig Meilen weit nach der Frauenkirche in dem damaligen Marktflecken Eschenbach geritten sein will: daß er einen Hafen (Topf) mit Blumen im Schilde und auf dem Helme geführt habe. Wir mögen uns nicht auf das Feld der Vermuthungen begeben, sonst läge es nahe, in dem zuerst erwähnten, mehrfach auch aus Grünenbergs Wappenbuche bestätigten Wappen Wolframs die silbernen Meßer Trebüchets, deren im Parzival 490, 20, vgl. 234, 18 ff. gedacht wird, wieder zu finden, und das von Püttrich beschriebene Schild und Helmzeichen für das alte Wappen seines Geschlechts zu erklären.

 

 

Parzival Wolfram von Eschenbach – II. Herzeleide.

 

 

ii

Da sein Vetter, König Kailet, den er zu Sevilla vergebens aufsucht, gen Kanvoleis zum Turnier gezogen ist, so macht auch er mit hundert neuen Speren sich dahin auf. Dieß Turnier hatte die Königin Herzeleide, die jungfräuliche Wittwe, ausgeschrieben, und dem Sieger ihre Hand und beide Königreiche, Waleis und Norgals mit den Hauptstädten Kanvoleis und Kingrivalis, verheißen. Gachmuret läßt sein vor Patelamund erworbenes Prachtgezelt aufschlagen und hält einen glänzenden Einzug in Kanvoleis: durch beides erregt er die Bewunderung der Königin, deren stralende Schönheit auch ihn durchzuckt. Hier findet er Kailet, Killirjakag und Gaschier wieder. Kailet bittet ihn, ihm im Turnier gegen Hardeiß, König von Gaskon, beizustehen, der ihn haßt, weil er seine Schwester Aleißverschmäht hat, welche jetzt dem gleichfalls gegenwärtigen Herzog Lämbekein voll1n Brabant vermählt ist. Die zum Turnier anwesenden Ritter haben sich in ein inneres und äußeres Heer getheilt, je nachdem sie in der Stadt oder draußen auf dem Felde liegen. Zum inneren Heere, dem sich Gachmuret beigesellt, halten sich, außer dessen schon genannten Freunden, der alte Britenkönig Utepandragon, dessen Sohn Artus schon drei Jahre seiner von dem Zauberer Klinschor entführten Mutter nachzieht, ferner König Lot von Norwegen, mit seinem unmündigen, hier zuerst erwähnten Sohne Gawan, die Könige von Patrigalt und Portugall, die Provenzalen und Waleisen u. s. w. Zum äußern gehören, außer König Hardeiß von Gaskon und seinem Schwager, dem Herzog Lämbekein von Brabant, noch die Könige Brandelidelein von Punturtois und Schaffilor von Arragon, dann König Lähelein und der König von Askalon, ferner Morhold von Irland, Cidegast von Logrois, Poitewin von Prienlaskros u. s. w. Als Theilnehmer am Turnier werden ferner erwähnt Schiolarz de Poitou, Gurnemans de Graharz und Riwalin, König von Lohneis, der Vater Tristans. Schon am Vorabend beginnt der Kampf mit einem Vesperspiel (Vorturnier). Gachmuret, in Eisenharts Rüstung, besiegt und fängt unter Andern die Könige Hardeiß von Gaskon, Brandelidelein von Punturtois, Schaffilor von Arragon und Lähelein; Kailet sticht den Herzog von Brabant nieder, wird aber selbst von den Punturteisen gefangen, wie Killirjakag, der zuvor den König Lach niedergerannt hat, von Morholden. Doch bleibt der Sieg den Innern, vornämlich durch Gachmurets Tapferkeit. Traurig empfängt er gleichwohl die Königin Herzeleide, die ihn am Abend in seinem Zelte besucht.rr2 Ihn foltern die widersprechendsten Gefühle; denn während des Kampfs hatte ihm seine Jugendgeliebte, die Königin Anflise von Frankreich, deren Gemahl gestorben ist, ihre Hand antragen laßen; auch verdüstert seinen Sinn die Ahnung von dem Tode seines Bruders Galoes; denn ein Fürst des Landes Anschau hatte dessen Wappenschild umgekehrt, mit emporgerichteter Spitze, getragen. Dazu peinigen ihn Gewißensbiße über seine treulose Flucht von Zaßamank, dessen schwarze Königin er immer noch liebt, da ihn doch auch Herzeleidens Schönheit nicht unempfindlich läßt. Kailet und Killirjakag, von den Aeußern zur Auswechselung gegen König Brandelidelein hereingeschickt, kommen hinzu und erklären Gachmuret für Sieger im Turnier, da die Aeußern, deren Stärke Gachmuretrr3 gefangen genommen hat, es bei dem Vesperspiel bewenden laßen wollen. Da hienach Herzeleide, dem Gesetze des Turniers gemäß, seine Hand anspricht, und zugleich Anflisens Boten deren Rechte verwahren, gelobt Gachmuret, Kanvoleis nicht zu verlaßen, bis über Herzeleidens Sache entschieden sei. Als sie sich entfernt, erfährt Gachmuret durch Kailet die Bestätigung seiner Ahnung von dem Tode seines Bruders und zugleich die Nachricht, daß auch seine Mutter Schoiette gestorben ist. Er zieht sich in sein Zelt zurück und bringt die Nacht mit Jammer hin. Am andern Morgen finden Schiedsrichter, seiner Einrede, daß gar kein Turnier Statt gefunden, ungeachtet, das Urtheil, Gachmuret, als Sieger im Ritterspiel, dürfe Herzeleidens Hand nicht ausschlagen. Er unterwirft sich dem Spruch, worauf Anflisens Boten unwillig hinwegreiten. Da ihm nun mit der Hand Herzeleidens zwei Königreiche und als Erben seines Bruders auch die Krone von Gralsburg_xAnschau zugefallen, entschließt er sich als Volksherrscher zur Freude, vertauscht den Anker mit seines Vaters Wappen, dem Panther, und begeht, nachdem er Hardeißen mit Kailet versöhnt hat, eine glänzende Hochzeit. Von Herzeleiden hatte er sich monatlich ein Turnier ausbedungen: darin trägt er das seidene Hemde seiner Frauen über dem Harnische, welches sie dann, durchstochen und zerhauen, wieder anlegt. Dieß war achtzehnmal geschehen, als er wieder über Meer fährt, um dem Baruch, der von jenen babylonischen Brüdern abermals überfallen ist, beizustehen. Herzeleide, die schwanger zurückgeblieben ist, wird eines Tages von einem Traume geängstigt, der ihr den Tod des Gemahls und zugleich ihres Kindes Schicksale vorbedeutet. Als sie erwacht, bringt Tampaneis, Gachmurets Meisterknappe, die Trauerbotschaft von dessen Tod durch den Verrath Ipomidons. Vierzehn Tage später gebiert sie die Blüte aller Ritterschaft: Parzival.

 

Parzival und Titurel Rittergedichte von Wolfram von Eschenbach

rr

Parzival.

I.
Belakane.

In der Einleitung wird die Treue gegen Gott und Menschen der Untreue und dem Zweifel entgegengesetzt; dann gewarnt vor dem Vertrauen zu dem Unstäten. Auch die Frauen sollten ihre Gunst nur dem Getreuen zuwenden, sie selbst nur durch ihre Treue, nicht durch äußere Schönheit des Lobs der Männer theilhaftig werden. So bricht der Dichter seine Betrachtungen ab, verspricht seinen Zuhörern ein mannigfaltiges Gedicht von großem Umfange und geht nach dem Lobe seines noch ungeborenen Helden zu der Geschichte seines Vaters über.rr4 Gahmuret, der jüngere Sohn Gandeins, Königs von Anschau (Anjou), daher er auch Anschewein (Anjevin) heißt, will nach dem Tode seines Vaters nicht Ingesinde seines Bruders Galoes sein, dem nach dem Erstgeburtsrecht die Krone zugefallen war. Entschloßen, keinem andern zu dienen als der auf Erden die höchste Macht besäße, begiebt er sich, von der Mutter, dem Bruder und einer Freundin stattlich ausgerüstet, nur von edeln Kinden (Pagen), Knappen und Hausgesinde begleitet, in den Dienst des Baruchs (Kalifen) von Baldag (Bagdad), der mit zweien babylonischen Brüdern, Pompejus und Ipomidon, im Kriege begriffen ist. Seines Vaters Wappen, den Panther, hat er mit dem Anker vertauscht. Nachdem er sich hier und in vielen andern Ländern versucht, verschlägt ihn der Sturm in den Hafen von Patelamunt, wo Belakane, die Königin von Zaßamank im Mohrenlande, der Ermordung Eisenharts beschuldigt, von zweien Heeren, einem christlichen und einem heidnischen, belagert wird. Der Mohrenkönig Eisenhart von Aßagog hatte im Minnedienst Belakanens auf ihren Befehl und zum Beweise seiner Ergebenheit und Kühnheit die Rüstung weggegeben. Als er nun bloß auf Abenteuer ausritt, ward er von seinem Nebenbuhler Prothißilas, einem Fürsten Belakanens, in der Tjost, dem ritterlichen Zweikampf, erschlagen, und Belakanen traf der Verdacht, ihn verrathen zu haben. Der Schottenkönig Friedebrand, dessen Oheim Tankanis des Erschlagenen Vater war, zog, seinen Mord zu rächen, mit vier Genoßen über Meer, und bestürmte Patelamunt vor acht Thoren, während die andern acht der Mohr Raßalig vonrr5 Aßagog, ein Vasall Eisenharts, bedrängte. Friedebrand selber war mit Morholden, der aus Gottfried von Straßburgs Tristan bekannt ist, wieder heimgezogen, um sein eigen Land gegen die Verwandten Hernants, den er Herlindens wegen erschlagen hatte, zu schirmen; sein Heer aber bedroht noch Patelamunt. Die Belagerer führen einen durchstochenen Ritter in der Fahne, die Belagerten das Bild ihrer Königin, welche zwei Finger der rechten Hand zum Eide ausgestreckt hält, daß sie an Eisenharts Tode unschuldig sei. Sich zur Rache anzuspornen, haben die Belagerer die gebalsamte Leiche Eisenharts nebst dessen kostbarer Rüstung unter einem prächtigen Gezelte vor der Stadt aufgestellt. So stehen die Dinge, als Gahmuret anlangt und der Königin, die ihm trotz ihrer Schwärze gefällt, seine Dienste widmet. Am Morgen reitet er zuerst in das Christenheer, besiegt und fängt dessen Anführer, die Herzoge Heuteger von Schottland und Gaschier von Normandie,rr5 entweicht aber vor Kaileten, den er an dem Strauß auf dem Helm und dem Sarapandratest (Tête de serpent) am Schilde als seinen Muhmensohn erkennt. Doch will auch dieser nicht mit ihm streiten, als er von Heuteger seinen Namen erfährt. Von da reitet er zu den Mohren, deren Fürsten Raßalig er gleichfalls gefangen nimmt. Da hiemit der Krieg entschieden ist, kehrt er in die Stadt zurück, wo ihn die Königin entwappnet, und sogleich in ihr Schlafgemach führt. So wird er König der Mohrenreiche Zaßamank und Aßagog. Gahmuret giebt seine Gefangenen und seinen Neffen Killirjakak von Champagne, den die Städter früher gefangen hatten, frei, belehnt seine Fürsten, und schenkt seinem Wirthe das von Prothißilas hinterlaßene Herzogtum. Eisenharts Leiche wird zur Erde bestattet, sein prächtiges Gezelt erhält Gahmuret, und die kostbare Rüstung, welche Raßalig, Isabella I. und Ferdinand II. nach der Eroberung Granadas 1492um sie dem Lande zu erhalten, seinem neuen Könige gleichfalls erbeten hatte, verspricht Heuteger von seinem Herren Friedebrand zu erwerben und ins Mohrenland zurückzuschicken. Die christlichen Fürsten fahren heim, Gahmuret bleibt zurück, sehnt sich aber bald, zumal er keine Ritterschaft findet, wieder nach der Christenheit. Heimlich schifft er sich ein und hinterläßt der Königin einen Brief, der ihr den Grund seiner Flucht meldet und für das Kindrr8, das sie von ihm trägt, sein Geschlechtsregister ausführlich mittheilt. Jenes kommt wie eine Elster schwarz und weiß gescheckt zur Welt und wird Feirefiss Anschewein genannt. Gahmuret begegnet unterwegs noch dem Schiffe, das Eisenharts kostbare Rüstung zurückbringt. Er läßt sie sich aushändigen und fährt gen Sevilla.

http://www.germanistik.unibe.ch/SAGG-Zeitschrift/1_02/stolz.html

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