Kategorie: Rassismus

Neonazis in den USA

Hakenkreuz und Sternenbanner

Der Mord an dem US-Neonazi Jeff Hall zeigt vor allem eines: Auch in der amerikanischen Gesellschaft sind Rechtsextreme aktiv. Die meisten Hassgruppen sind zwar zersplittert und zerstritten. Bürgerrechtler warnen trotzdem.Bildergebnis für neonazis USA

Bei der Erinnerung an den Vorfall geriet Jeff Schoep schnell ins Schwärmen: Eine tolle „Schlacht“ sei das gewesen, bei der sich seine „Kameraden“ gegen die „bewaffneten Entarteten“ zur Wehr gesetzt hätten. „Als alles vorbei war“, schreibt Schoep auf seinem Blog, „hatten wir den Kommunisten-Abschaum in die Flucht geschlagen.“ Er selbst habe einen „Anarchisten“ verprügelt: „Es war mir eine Ehre.“

Schoep, 38, ist Chef des National Socialist Movement (NSM), der größten Neonazi-Gruppe in den USA. Mitte April rief der kahlköpfige „Kommandeur“ seine Gesinnungsgenossen zum Jahrestreffen nach New Jersey. In NS-Montur hockten sie in einem gemieteten Gemeindesaal, der sonst von den Anonymen Alkoholikern genutzt wird, und schwangen Reden gegen Juden und Ausländer. Auf den Tischen standen Rosen, an den Wänden hingen riesige Hakenkreuze.Bildergebnis für neonazis USA

Die wahre Action spielte sich aber draußen ab: Gut ein Dutzend Anwohner rückten an, um ihrem Unmut Luft zu machen. Die „Schlacht“, die Jeff Schoep später bejubelte, war freilich kaum mehr als eine ziellose Schlägerei, bei der beide Seiten mit Klappstühlen aufeinander losgingen. Als Polizeisirenen ertönten, löste sich das Gerangel schnell auf, und die Neonazis verzogen sich wieder in den Gemeindesaal.

Dennoch stellte Schoep die knapp dreiminütige Szene als YouTube-Video auf die NSM-Homepage, untermalt von Heavy-Metal-Musik. Es sei ein „großartiger Tag“ gewesen, jubelte er – und dankte den „Truppen, die vorne an der Front kämpften“.

Völlig legale HakenkreuzeBildergebnis für neonazis USA

Auf dem NSM-Video aus New Jersey ist auch ein großer, bulliger Mann in Schwarz zu erkennen, der ganz vorne bei der Prügelei mitmischt. Es ist der Klempner Jeff Hall aus dem kalifornischen Riverside. Zwei Wochen später wurde Hall in seinem Haus in einer idyllischen Seitenstraße erschossen – den Ermittlern zufolge von seinem eigenen zehnjährigen Sohn.Ähnliches Foto

Die Medien berichteten im großen Stil über den Fall. Seither steht auch die Neonazi-Szene der USA im Fokus.

Hall, „Sergeant und Regionaldirektor“ der NSM, galt als Vertrauter Schoeps: „Jeff war wie ein Bruder“, schrieb der zum Abschied. „Wir sehen uns in Walhalla wieder!“ Solch pseudomythisches Gerede eint Amerikas Rechtsextremisten – doch sonst gibt es nicht viel Gemeinsames. Die Bewegung ist zersplittert, zerschlagen, zerstritten. Die lauten Parolen kaschieren oft nur noch das Kostümspiel trauriger Randgrüppchen, die gelegentlich durch Gewalt auffallen. Ihre Dachorganisationen, die Aryan Nations und die National Alliance, sind in der Bedeutungslosigkeit versunken. Nur die NSM gilt noch als nennenswerte Größe.Bildergebnis für trump mit neonazis

Zwar vermeldet der rechte Rand der USA seit der Präsidentenwahl Barack Obamas wieder mächtigen Zulauf: 2010 identifizierte die Bürgerrechtsgruppe Southern Poverty Law Center (SPLC) eine Rekordzahl von 1002 „aktiven Hassgruppen“ im Land. Die Gründe: Widerstand gegen den Demografiewandel der USA, wirtschaftliche Frustration und Hass auf die Zentralregierung, angefacht durch die Tea Party und die Rechtspolemiker in den Medien.

Die Neonazis jedoch – jene, die offenen Antisemitismus predigen und Hitler verehren – nehmen darin nur noch einen verschwindend geringen Teil ein. Bei ihren Veranstaltungen sind sie den Gegendemonstranten meist weit unterlegen. Trotzdem warnt das SPLC: „Die NSM und andere antisemitische Bewegungen in Amerika müssen weiter sorgfältig beobachtet werden.“

Auch wenn der Kongress die Gesetze gegen „hate crimes“ 2009 verschärft hat: Die US-Verfassung, die Redefreiheit garantiert, gibt Neonazis viel mehr Spielraum als etwa in Deutschland. So ist die Zurschaustellung des Hakenkreuzes in den USA völlig legal – die Justiz wird erst aktiv, wenn Gewalt im Spiel ist.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/neonazis-in-den-usa-hakenkreuz-und-sternenbanner-a-762293.html

 

Strange Fruit

„Strange Fruit“ (engl. Sonderbare Frucht) ist ein Musikstück, das seit dem Auftritt der afroamerikanischen Sängerin Billie Holiday 1939 im Café Society in New York weltweit bekannt wurde. Das von Abel Meeropol komponierte und getextete Lied gilt als eine der stärksten künstlerischen Aussagen gegen Lynchmorde in den Südstaaten der USA und als ein früher Ausdruck der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Der Ausdruck Strange Fruit hat sich als Symbol für Lynchmorde etabliert.Bildergebnis für Strange Fruit

Die im Lied angesprochene Strange Fruit ist der Körper eines Schwarzen, der an einem Baum hängt. Der Text gewinnt seine emotionale Schlagkraft vor allem dadurch, dass er das Bild des ländlichen und traditionellen Südens aufgreift und mit der Realität der Lynchjustiz konfrontiert.Bildergebnis für Strange Fruit

Southern trees bear a strange fruit,
Blood on the leaves and blood at the root,
Black body swinging in the Southern breeze,
Strange fruit hanging from the poplar trees.

Pastoral scene of the gallant South,
The bulging eyes and the twisted mouth,
Scent of magnolias sweet and fresh,
And the sudden smell of burning flesh.Ähnliches Foto

Here is a fruit for the crows to pluck,
For the rain to gather, for the wind to suck,
For the sun to rot, for the tree to drop,
Here is a strange and bitter crop.

Die Südstaaten-Bäume tragen merkwürdige Früchte,
Blut auf den Blättern und Blut an der Wurzel.
Schwarzer Körper baumelt im Südstaaten-Wind;
Merkwürdige Früchte hängen von den Pappeln.

Idyllische Szene im prächtigen Süden
Die hervorgetretenen Augen und der entstellte Mund.
Magnolienduft, süß und frisch,
Und plötzlich der Geruch nach verbranntem Fleisch.

Dies ist eine Frucht, die von Krähen zerrissen,
Vom Regen benetzt, vom Winde verweht,
Von der Sonne versengt, vom Baume fallen wird,
Dies ist eine merkwürdige und bittere Frucht.Bildergebnis für Strange Fruit

Auch nach dem Ende der Sklaverei und der Reconstruction-Ära blieb Rassismus in den USAnoch ein alltägliches Phänomen. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hatte Rassentrennung unter dem Grundsatz Getrennt, aber gleich zugelassen, was in der Praxis nur sehr selten auf ein aber gleich hinauslief. Nach eher konservativen Annahmen des Tuskegee Institute wurden in den Jahren 1889 bis 1940 insgesamt 3833 Menschen gelyncht; 90 Prozent dieser Morde fanden in den Südstaaten statt, vier Fünftel der Opfer waren Afroamerikaner. Oft war nicht einmal ein Verbrechen als Anlass des Mordes nötig; wie im Fall Emmett Till reichte manchmal die Begründung: Damit die Schwarzen nicht zu aufmüpfig werden. 1939 hatte es bereits drei Lynchmorde gegeben, eine Umfrage in den Südstaaten ergab, dass sechs von zehn Weißen die Praxis des Lynchens befürworteten.Ähnliches Foto

Das Café Society war ein Club der linken und liberalen Intellektuellen und der New Yorker Bohème im Greenwich Village. Obwohl überwiegend von Weißen besucht, fand sich doch ein gemischtes Publikum ein – es war der einzige New Yorker Club außerhalb Harlems, der überhaupt Weißen und Schwarzen gleichzeitig offenstand. Der Betreiber Barney Josephson war ebenso ein vehementer Anhänger der „Rassenintegration“ wie von gutem Jazz und guter Unterhaltung.

https://de.wikipedia.org/wiki/Strange_Fruit

Rassismus in den USA heute

50 Jahre nach King ist Diskriminierung präsentBildergebnis für rassismus usa aktuell
Ein halbes Jahrhundert nach der Rede Martin Luther Kings vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C. haben die USA mit Barack Obama den ersten schwarzen Präsidenten zum zweiten Mal ins Amt gewählt. Doch Bürgerrechtler bestreiten, dass Rassismus in den USA Geschichte ist.Bildergebnis für rassismus usa aktuell
„Die Narben und Makel des Rassismus sind immer noch tief in die amerikanische Gesellschaft eingebrannt“, sagt der Kongressabgeordnete John Lewis. Er ist der letzte überlebende Redner des „Marschs auf Washington“ von 1963 und fühlt sich von jüngsten Ereignissen an die dunkle Vergangenheit erinnert. „Einige Menschen sind noch immer nicht wirklich frei.“Ähnliches Foto
88 Prozent fühlen sich diskriminiert

Fünf Dekaden nach Kings Weckruf sagten bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Pew im Juni 2013 immer noch 88 Prozent der Afroamerikaner, dass sie in den USA diskriminiert würden. 46 Prozent empfinden dies sogar in hohem Maße. Von den weißen Befragten hingegen empfanden 57 Prozent Diskriminierung von Afroamerikanern. Jedoch meinen nur 16 Prozent, dies geschehe in großem Ausmaß.Ähnliches Foto

Den 30 Millionen Afroamerikanern in den USA verleiden nicht nur alltägliche Probleme mit rassistischen Vorurteilen das Leben in einem Land, das seit Jahrhunderten ihre Heimat ist. Es sind auch ungelöste Konflikte. Gerade habe der Oberste Gerichtshof das historische Wahlgesetz zum Schutz von Minderheiten aufgeweicht, moniert John Conyers, der seit 1965 im Abgeordnetenhaus sitzt. Zugleich machten es immer mehr US-Staaten diesen Gruppen schwieriger, zu wählen, beklagt er. Die Konservativen zerstörten Antidiskriminierungsmaßnahmen. Das mühsam integrierte Schulsystem teile sich wieder in weiße Schulen für Kinder von reichen Eltern und schwarze Schulen für Kinder armer Eltern.Bildergebnis für rassismus usa aktuell
Obama: „rassistisches Ungleichgewicht“

Für dieselben Verbrechen sitzen Schwarze 20 Prozent länger im Gefängnis als Weiße. „Wir sind noch nicht am Ziel angekommen, und es scheint, als gingen wir rückwärts statt vorwärts“, sagte Bettina Moore, eine Afroamerikanerin aus Michigan. „Das Land verändert sich in solch negativer Weise.“ Selbst Obama, der sich als Präsident aller US- Amerikaner in diesen Fragen meist vorsichtig zurückhält, prangerte das „rassistische Ungleichgewicht“ in der Gesellschaft an: „Es gibt sehr wenige afroamerikanische Männer in diesem Land, die nicht die Erfahrung gemacht haben, verfolgt zu werden, während sie in einem Kaufhaus einkauften. Das gilt auch für mich“, sagte er.Ähnliches Foto

Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Arbeitslosigkeit unter Afroamerikanern ist aktuell sogar größer als 1963. Damals lag die Quote bei zehn Prozent, heute bei 12,6 Prozent. Der Wert ist fast konstant doppelt so hoch wie bei der weißen Bevölkerung. Zudem verdient ein Schwarzer im gleichen Job im Schnitt zehn Prozent weniger als ein Weißer. Und doch gibt es Hoffnungsschimmer, wie die Organisation „National Urban League“ berichtet: 85 Prozent der Afroamerikaner verlassen die Schule heute mit einem Abschluss, 1963 waren es nur 25 Prozent. Die Zahl schwarzer Hochschüler habe sich verdreifacht. Der Anteil derer, die unter der Armutsgrenze leben, sei von 48 auf 28 Prozent gefallen. Aber dennoch geht es weißen US-Amerikanern im Durchschnitt viel besser. Der Kampf um Gleichstellung ist noch nicht beendet.

 

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