Kategorie: Rudolf Steiner (Seite 1 von 8)

Pfauenauge

Tagpfauenauge (Aglais io)

https://de.wikipedia.org/wiki/Tagpfauenauge

Die Sonne scheint. Es ist marm. Ich sitze gmütlich rauchend im Garten. Prötzlich landet ein Plauenauge auf dem weißen Plastiksessel neben mir. Sitzt mit geschossenen Flügeln. Öffnet sie kurz um mir das herliche Bild zu zeigen.

Eine tiefes Staunen ergrieft mich. Wie immer wenn ich draußen sitze. Wie kann das sein – wie kann diese Wesen sich entwickeln. Von  der Raupe zum Schmetterling. Wie kommen die raffinierten Farben und Zeichnungen zu stande.

Je älter ich werde, je mehr staune ich. Die Naturwissenschaft kann mir die Dinge nicht mehr erklären. Jetzt brauchen wir den Geist!

(Viellicht mal bei R. Steiner nachlesen – vorsicht, es gibt so vieles da – kann ein Leben lang dauern.)

Sehen Sie, der Schmetterling ist aus dem Licht geschaffen; aber das Licht mußte erst, indem es die Erdenmaterie in sich aufnahm und einen Kokon machte, in der Puppe zum Faden gemacht werden. Alles das, was entsteht an tierischen Wesenheiten, wird aus dem Licht heraus geschaffen. Auch der Mensch wird aus dem Licht heraus geschaffen durch die Vorgänge, die durch die Befruchtung des weiblichen Eikeimes geschehen; der schützt im Inneren des Menschen durch eine Hülle das Licht. Und in Wahrheit ist es das Licht, das den Menschen im Körper der Mutter schafft, das also die Möglichkeit schafft, daß der Mensch aus dem Lichte heraus entstehen kann. So sieht man also am Schmetterling, daß er aus dem Licht heraus, das erst gefangen worden ist, entsteht.“ (Lit.GA 351, S. 20f)

Demeter – bio-dyn Landwirtschaft

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Die Bäume spenden Leben –

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Wer Kompost macht, hat auch viele Helfer – die Regenwürmer. Sie sorgen für lebendige Erde, auf der alles wächst.

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Wilde Hecken schützen die Felder, geben Schutz für Tiere, Vögel und Käfer, ein ökologisches Gleichgewicht statt Monsanto Kahlschlag.

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Wilde Hecken bilden Schutz, Nahrung und Wohnung für unsere Singvögel

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Eine ökologische Landwirtschaft brauch Kuhmist zum düngen statt Chemie. Im Offenstall sind die Tiere viel glücklicher und der Mist bekommt dann den Pflanzen besser! Das ist eine logische Kette: glückliche Kühe, glücklicher Mist, glückliches Korn, glückliches Brot, glückliche Kinder –

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Brot braucht der Mensch: Dinkel (Triticum spelta) ist eine Weizenart und botanisch nahe verwandt mit dem Weichweizen (Triticum aestivum), der heute wirtschaftlich bedeutendsten Weizenart.
Zusammen mit den alten Getreidesorten Einkorn und Emmer sowie auch der Gerste gehört Dinkel zu den so genannten „Spelzgetreiden“, was sich noch in seinem botanischen Namen „Triticum spelta“ widerspiegelt.
Bei diesen Getreidearten ist das eigentliche Korn noch von einer Schutzhülle – der Spelzhülle oder einfach dem Spelz – umgeben, die vor der weiteren Verarbeitung erst im so genannten „Gerbgang“ entfernt werden muss.
Bereits vor etwa 8.000 Jahren soll Dinkel von den Ägyptern angebaut worden sein. Später verbreitete er sich mittels Völkerwanderung bis nach Mittel- und Nordeuropa.

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Glückliche Kühe, die im Sommer auf der Alm oder anderen Wiesen fressen und wiederkäuen dürfen, deren Kälbchen Muttermilch naschen, sind Bedingung für herrlichen Käse.

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Besonders wenn die Kühe im Sommer in den Bergen auf der Alm sind, muss die Milch zu Käse verarbeitet werden, denn der Transport der Milch per LKW ist nicht möglich. Jede Region hat eigenen Käse. Dank der würzigen Kräuter gibt es viele herrliche Käse Varianten. von Appenzeller bis Roquefort.

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Damit auch in Zukunft die Erde fruchtbar bleibt und so die Menschen ernährt werden können, hat Rudolf Steiner in Koberwitz die Anregungen gegeben. 1. Hornmist: Kuhfladen in Hörner füllen, 1 Jahr vergraben, dann in Wasser rühren, rechts bis Trichter entsteht (Ordnung) dann links (Chaos) bis wieder Ordnung ist. Das 1 Stunde land. Das so durchgeistige Wasser auf die Felder sprühen.

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Das Hornkieselpräparat wird ähnlich dem Hornmistpräparat gerührt und ausgebracht. Es besteht aus fein zerriebenem Bergkristall, der um Boden überwintert hat. Dient der Blüten und Frucht Stärkung. Seit Jahren verwende ich es in unserem Garten. Der Humus nimmt zu, Regenwürmer in Massen, Obst – besonders viele Beerensträucher, Salat und Tomaten gibt es reichlich.

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Der Bio-Dyn Kompost wird nach -Aufschichtung mit 6 Präparaten „geimpft“ – Als erstes kommt das Schafgarbenpräparat: Schafgarbenblüten (Achilea millefolium) werden gesammelt, angfeuchtet und in die Blase eines Hirsches gefüllt. Die so gefüllte Hirschblase wird über den Sommer an der Sonne aufgehängt und im Herbst vergraben. Sie überwintert in der Erde und im Frühjahr findet man beim Ausgraben eine humose Substanz, die man sorgfältig aufbewahrt, bis man damit den Mist, die Jauche oder den Kompost impft. Man braucht dazu nur homöopathische Mengen. Dieses Präparat unterstützt die Kalium-Prozesse.

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Anordnung der Präparate im Bomposthaufen:

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Präparat 503: Getrocknete Kamille wird mit einem Trichter und einem Stock in Kuhinnereien gestopft und dann in einem Tontopf von Herbst bis Frühling vergraben. Das trägt dazu bei, dass Kalzium und Stickstoff vom Boden besser verarbeitet wird. „Das Organ löst sich im Grunde während des Prozesses auf, es dient nur als Behälter“, sagt Gabe.

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Präparat 505: „Der Schädel ist mit weißer Eichenrinde gefüllt, in Blättern eingewickelt und unter Wasser vergraben, damit das Präparat in einem anaeroben Prozess verarbeitet wird—ohne Luft also. Wenn du die Rinde wieder aus dem Schädel rausnimmst, hat sie diesen sehr speziellen Geruch und ist leuchtend pink. Dieses Präparat erhöht den pH-Wert der Erde ohne Kalkdüngung.“

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So entsteht eine lebendige Nahrung: Demeter

Rudolf Steiner Fotos

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Rudolf Steiner (Mitte) auf dem Weg zur Uhlandhöhe in Stuttgart. Die Aufnahme wurde 1922 von einer 12-jährigen Waldorfschülerin gemacht.

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Von links nach rechts:
• Münchner Kongress 1907
• Goetheanum-Gelände, wahrscheinlich Grundsteinlegung zum Ersten Goetheanum.
• Leider keine weiteren Angaben zu diesem Bild möglich.
• Rudolf Steiner und Marie von Sievers vor dem Haus eines Theosophen.

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• Rudolf Steiner, Mitte, auf dem Weg zur Baustelle des Ersten Goetheanums.
• „Gruß aus Landin“. Postkarte.

Gruppenfoto mit Familie Specht

In Söcking bei Sternberg. 1910 oder 1911

 

Franz von Assisi – R.Seiner

fRudolf Steiner über Franz von Assisi

„Die eigentümliche Art des Franz von Assisi, die ja so viel Ähnlichkeit hat, auch in dem Leben seiner Mönche, mit den Schülern des Buddha, ergibt sich aus dem Umstand, daß Franz von Assisi selbst ein Schüler des Buddha war.“ (Lit.: GA 130, Seite 317)

„Franz von Assisi ist seitdem nur einmal als Kind kurz auf der Erde erschienen und in der Kindheit gestorben und war seither nicht mehr verkörpert. Er ist seitdem verbunden mit der Tätigkeit des Buddha und einer der hervorragendsten Folger des Buddha auf dem Mars.“ (Lit.: GA 130, Seite 322f)

„Es war wohl am auffallendsten, am einleuchtendsten, daß bei einer solchen Persönlichkeit wie Franz von Assisi starke, gewaltige moralische Impulse gewirkt haben müssen, damit diese Persönlichkeit hat zu ihren Taten gelangen können. Umgeben war zunächst Franz von Assisi von Menschen mit sehr schweren Krankheiten, für welche die übrige Welt dazumal keine Hilfe hatte. Bei ihm wirkten seine moralischen Impulse nicht nur so, daß viele von diesen schwer Kranken in ihrer Seele eine moralische Stütze, einen großen Trost hatten. Das war gewiß für viele allein zu erreichen. Aber es war für manche immerhin auch zu erreichen, daß die moralischen Impulse, die moralischen Kräfte, die ausströmten von Franz von Assisi, sogar heilende, gesundheitsbringende Wirkung hatten, wenn der Glaube, das Vertrauen der Kranken hinlänglich groß war.“ (Lit.: GA 155, Seite 85)f1

„Dadurch, daß er die starken moralischen Impulse hatte, hat er wieder andere um sich versammelt, die, wenn auch im minderen Maße, doch in seinem Sinne wirkten. Eigentlich waren es recht viele, die in seinem Sinne damals gewirkt haben. Es hat nur nicht lange gedauert. Wie war nun wieder in Franz von Assisi hineingekommen eine solche Seelenkraft?“ (Lit.: GA 155, Seite 95)f2

„Wie der Buddhismus sich in Asien ausgebreitet hat, Sie wissen es. Aber in einer mehr verborgenen und verschleierten Gestalt findet derselbe auch seine Ausbreitung innerhalb des europäischen Geisteslebens; und wir haben vor allen Dingen darauf hinzuweisen, daß jener Teil der großen Lehre des Buddha, der sich bezog auf die Gleichheit der Menschen, in ganz besonderem Maße geeignet war, von der europäischen Bevölkerung aufgenommen zu werden, weil eben die europäische Bevölkerung nicht hingeordnet war auf eine Kasteneinteilung. An den Ufern des Schwarzen Meeres wurde in den Jahrhunderten, die noch weit in die christliche Zeit hineingingen, eine Art von Geheimschule begründet.“ (Lit.: GA 155, Seite 96)f3

„Franz von Assisi war in seiner vorhergehenden Inkarnation, im 7., 8. Jahrhundert dort ein Schüler einer Individualität, die nicht mehr in einer Inkarnation im physischen Leibe verkörpert war, einer Wesenheit, die nur noch im Geistleib unter den Schülern, zu denen auch dazumal Franz von Assisi gehörte, dazumal wirkte, und das war kein anderer als der (frühere) Gautama Buddha. (Lit.: GA 140, Seite 200)f4

„Diese Geheimschule wurde geleitet von Menschen, welche vorzugsweise den eben charakterisierten Teil der Buddha-Lehre sich zum höchsten Ideal gesetzt hatten. Aber sie hatten die Möglichkeit, in dieser Geheimschule dasjenige, was der Buddha den Menschen gebracht hatte, gleichsam bescheinen zu lassen, mit einem neuen Lichte versehen zu lassen in den nachchristlichen Jahrhunderten dadurch, daß sie den christlichen Impuls zugleich in sich aufgenommen hatten.f5

Da fanden sich Menschen zusammen, welche zunächst äußerlich Lehrer auf dem physischen Plane hatten. Dann, wenn sie in gehöriger Weise vorbereitet waren, wurden sie dazu gebracht, daß die tiefer in ihnen liegenden Kräfte, die tieferen Weisheitskräfte aus ihnen herauf- und herausgeholt werden konnten, so daß sie zu einem hellseherischen Erschauen der geistigen Welt gebracht wurden.f6 Diese Geheimschüler lernten also wirklich, wenn man das Geistige von ihm so nennen darf, von Angesicht zu Angesicht vorzugsweise den Buddha kennen. Eine gewisse größere Anzahl von diesen Schülern blieben solche Hellseher, andere aber hatten ganz besonders neben den Eigenschaften des Erkennens, neben den Eigenschaften der psychischen Hellsichtigkeit, das spirituelle Element ausgebildet, das nicht zu trennen ist von einer gewissen Demut, von einer gewissen hochentwickelten Andachtsfähigkeit. f7Diese gelangten dann dazu, daß sie gerade in dieser Geheimschule in hervorragendem Maße den Christus-Impuls empfangen konnten. Sie konnten auch hellsichtig in der Weise werden, daß sie die besonders auserlesenen Nachfolger des Paulus wurden und den Christus-Impuls unmittelbar im Leben empfingen. f8Aus dieser Schule gingen also sozusagen zwei Gruppen hervor: eine Gruppe, die den Impuls hatte, überall hineinzutragen die Lehre des Buddha, wenn sie auch dessen Namen dabei nicht nannten, und eine zweite Gruppe, die noch dazu den Christus-Impuls empfing. Nun zeigte sich der Unterschied zwischen diesen beiden Gattungen nicht so stark in der einen Inkarnation, sondern erst in der nächsten. Diejenigen, die zum Buddha-Impuls gekommen waren, die wurden die Lehrer jener Gleichheit und Brüderlichkeit der Menschen.f9 Diejenigen Schüler aber, welche den Christus-Impuls empfangen hatten, waren in der nächsten Inkarnation so, daß dieser Christus-Impuls in ihrer physischen Inkarnation weiterwirkte, so daß sie nicht nur lehren konnten und dies auch nicht als ihre Hauptaufgabe betrachteten, sondern daß sie durch ihre moralische Kraft namentlich wirkten. Ein solcher Schüler wurde später als Franziskus von Assisi geboren. Kein Wunder also, daß in ihm die Weisheit, die er empfangen hatte, die Weisheit von der menschlichen Verbrüderung, von der Gleichheit aller Menschen, von der Notwendigkeit, alle Menschen gleich zu lieben, lebte, daß diese Lehre seine Seele durchpulste und diese Seele durchkraftet wurde mit dem Christus-Impulse, der so wirkte, daß, als Franz von Assisi hineinversetzt wurde in eine Bevölkerung, in welcher ganz besonders wirkten die alten Krankheitsdämonen, daß dieser Christus-Impuls an die Krankheitsdämonen durch ihn herankam und das, was schlechte Substanz an den Krankheitsdämonen war, aufsog, an sich zog und von den Menschen hinwegnahm. Bevor er das tat, verkörpert er sich in dieser Substanz so, daß der Christus-Impuls in Franz von Assisi zuerst Vision wurde in jener Vision, wo ihm der Palast erschien, und in jener Vision, wo er aufgefordert wurde, die Last der Armut auf sich zu nehmen.“ (Lit.: GA 155, Seite 97ff)f10

„In der Mysterienstätte nahm Franz von Assisi alles dasjenige auf, das ihn befähigte in dem Leben, in das er dann eintrat als Franziskus, sich selbst zu beleuchten die höheren Hierarchien, die ihn dann in das Dasein treten ließen als den großen Mystiker, der eine so starke Wirkung in seiner Zeit haben konnte.“ (Lit.: GA 140, Seite 232)

„Dadurch wurden diese seine moralischen Kräfte so stark, daß sie wegnehmen konnten die geistig schädlichen Stoffe, welche charakterisierte Krankheit nach sich gezogen hatte. Dadurch allein war die Möglichkeit geschaffen, die Nachwirkungen des alten atlantischen Elementes, zu einer höheren Entwickelung zu bringen, wegzufegen von der Erde die schlimmen Substanzen, zu reinigen die europäische Welt von diesen Substanzen.“ (Lit.: GA 155, Seite 99)

„Wo so starke Nachwirkungen des moralisch Bösen da sind, daß schon Krankheitsdämonen existieren, da müssen auch übermoralische Kräfte wirken, wie es diejenigen des Franz von Assisi gewesen sind. Aber überall ist das Bessermachen eines Menschen darin begründet, daß wir seine geistige Verirrung wegschaffen. Das ist das Erste, was wir sagen müssen, wenn wir überhaupt in Worten von Moral sprechen wollen, daß es ein unermeßlich Gutes ist, was auf dem Grunde der Menschennatur vorhanden ist. Der grandiose Glaube an das Gute in jeder Menschennatur, auch der gestraften Menschennatur, das war es, was Franz von Assisi ganz besonders auszeichnete. Dadurch war es möglich, daß die entgegengesetzte Kraft auftrat in seiner Seele, und dieses ist die Kraft moralisch gebender, moralisch helfender, ja sogar heilender Liebe. Und niemand kann, wenn er wirklich den Glauben an das ursprünglich Gute der Menschennatur zum vollen Impulse entwickelt, zu etwas anderem kommen als dazu, diese Menschennatur als solche zu lieben. Diese zwei Grundimpulse sind es zunächst, welche ein wirklich moralisches Leben begründen können: Erstens der Glaube an das Göttliche auf dem Grunde einer jeden Menschenseele, zweites die aus diesem Glauben hervorsprießende maßlose Liebe zum Menschen.“ (Lit.: GA 155, Seite 102f)f11

„Dasjenige, was wir aus dem Zusammenwirken des ursprünglich guten Grundes der menschlichen Seele und der werktätigen Liebe hervorgehen sehen, das berechtigt zu einer Perspektive für die Zukunft, die sich dahin aussprechen kann, daß eine jegliche Seele, auch wenn sie noch so weit herabgestiegen ist aus der Höhe des geistigen Lebens, für dieses geistige Leben wiedergefunden werden kann. Das ist der dritte Impuls, das ist die Hoffnung für jede Menschenseele, daß sie den Weg wieder zurückfinden kann zu dem Göttlich-Geistigen. Diese drei Impulse, wir können sagen, daß sie Franz von Assisi unendlich oft hat aussprechen hören, daß sie ihm unendlich oft vor Augen getreten sind während seiner Einweihung in die kolchischen Mysterien. Wir können aber auch sagen, daß er in dem Leben, das er als Franz von Assisi zu führen hatte, wenig predigte von Glauben, von Liebe, daß er aber selber die Verkörperung war dieses Glaubens und dieser Liebe. In ihm waren sie gleichsam verleiblicht. Es wirkte nicht der Glaube, es wirkte nicht die Hoffnung – die muß man zwar haben –, aber wirksam ist nur die Liebe. Franziskus war ein ritterlicher Knabe. Starkmut, Tapferkeit haben sich umgewandelt in seiner Individualität, die von dem Christus-Impulse durchpulst war, in wirksame, werktätige Liebe. So sehen wir gleichsam wieder auferstehen die alte Tapferkeit, den alten Starkmut in der Liebe, wie sie uns bei Franz von Assisi entgegentritt. Starkmut ins Spirituelle umgesetzt ist Liebe.“ (Lit.: GA 155, Seite 103f.)

„In dem Astralleib des Franz von Assisi war einverwoben ein Abbild des Astralleibes des Jesus von Nazareth. Bei Franziskanern und Dominikanern finden Sie viele, welche solche Abbilder des Astralleibes damals verkörpert haben.“ (Lit.: GA 109, Seite 58)

http://anthrowiki.at/Franz_von_Assisi

R. Steiner – Ostern

oDie Oster-Imagination, die Rudolf Steiner gegeben hat, schildert, wie sich aus dem irdisch-kosmischen Geschehen heraus das Bild des Christus formt, der zwischen den Widersachermächten Luzifer und Ahriman steht und beide im Gleichgewicht hält.

Kalk und Ahriman

Der Kalk macht im Jahreslauf, wenn man das Augenmerk auf seine seelisch-geistigen Eigenschaften richtet, bedeutsame Metamorphosen durch. Der Frühlingskalk ist ganz anders geartet als der Winterkalk. Der Winterkalk in seiner Gesamtheit ist gleichsam eine durch und durch zufriedene Wesenheit. Im Winter ist das Geistige der Erde, die mannigfaltigen Elementarwesen, ganz in den Schoß der Erde zurückgekehrt. Die Salze der Erde – und insbesondere der Kalk – sind ganz durchgeistigt. Eben das bedeutet eine tiefe Befriedigung für den Kalk. Er ist gewissermaßen so zufrieden wie ein Menschenkopf, der lange um die Lösung eines schwierigen Problems gerungen hat und nun die Lösung in Form kristallklarer Gedanken in sich trägt.o1

Wenn es gegen das Frühjahr zu geht, lösen sich nach und nach die Elementarwesen aus den Erdentiefen, das Geistig-Seelische der Erde wird wieder ausgeatmet. Dadurch aber wird der Kalk dumpf in bezug auf seine geistigen Eigenschaften. Er entwickelt nun aber eine rege innere Lebendigkeit und vor allem wird er jetzt begierdenhaft, und das um so mehr, je mehr die Pflanzen aus der Erde heraussprießen. Die Pflanzen entziehen dem Kalk etwas von Wasser und etwas von Kohlensäure, und das entbehrt er, aber er wird dadurch innerlich immer lebendiger. Dieser Prozess setzt sich bis weit gegen den Sommer hin fort.

Dadurch, dass der Kalk innerlich immer lebendiger wird, über er eine ungeheure Anziehungskraft auf die ahrimanischen Wesenheiten aus. Sie sind ja selbst vorwiegendätherischer Natur, aber kalt und seelenlos. Jedes Jahr um diese Zeit erwacht die Hoffnung der ahrimanischen Wesenheiten, dass sie Astralisches, das ihnen selbst fehlt, aus dem Kosmos herabziehen ziehen können, um den lebendigen Kalk damit zu beseelen. Sie wollen die Erde, insofern in ihr der Kalk wirkt, so mit Seelischem durchdringen, dass sie bei jedem Tritt, ja bei jeder leisen Berührung Schmerz empfinden würde. Das gäbe den ahrimanischen Wesenheiten ein ungeheures Wohlbefinden. In gewaltigen Imaginationen jagen diese ahrimanischen Hoffnungen im Frühjahr über die Erde. Aber es sind nur Illusionen, die sich die ahrimanischen Wesenheiten machen, ihre Hoffnungen werden regelmäßig jedes Jahr wieder zerstört. An die Natur kommt Ahriman nicht unmittelbar heran.o7

Der Mensch aber bleibt nicht ungefährdet von diesen ahrimanischen Illusionen. Indem er die Nahrungsmittel genießt, die in dieser Atmosphäre der Hoffnungen und Illusionen gedeihen, wird er auch durchtränkt von diesen ahrimanischen Kräften. Und wenn diese schon das Astralische des Kosmos nicht herunterziehen können, so greifen sie nun um so mehr nach dem Seelischen des Menschen und versuchen es der Erde einzuverleiben. Nach und nach würde die Erde den Menschen aufnehmen. Aus der Erde würde allmählich eine große einheitliche Erdenwesenheit entstehen, in der gleichsam alle Menschen aufgelöst wären. Auf dem Weg dorthin würde der menschliche Organismus immer mehr von dem lebendigen Kalk durchdrungen. Eine immer sklerotischere Menschengestalt mit fledermausartigen Flügeln und ganz verknöchertem Kopf würde entstehen, wie sie Rudolf Steiner im unteren Teil der Statue des Menschheitsrepräsentanten angedeutet hat. Diese Gestalt würde sich schließlich ganz im Irdischen auflösen, ganz zum Bestandteil der irdisch-ahrimanischen Wesenheit werden.

Kohlensäure und Luzifero3

Der Christus als Menschheitsrepräsentant zwischen Luzifer und Ahriman, Holzskulptur von Rudolf Steiner.

Wenn im Frühjahr die Elementarwesen aus der Erde heraufsteigen in jene Regionen, wo die Erdendünste, die Luft und die Wärme wirken, sich dort mit den Wolkenbildungen verbinden und sich dabei auf Bahnen bewegen, die den planetarischen Rhythmen entsprechen, kommen sie in den Bereich der luziferischen Mächte. Diese sind ganz anders geartet als die ahrimanischen Wesen, aber auch in ihnen erwachen zur Frühjahrszeit bestimmte Hoffnungen und Illusionen. Die ahrimanischen Wesen sind ätherischer Natur und ihnen mangelt das Seelische. Die luziferischen Geister hingegen sind astrale Wesen, denen das Ätherische fehlt, die aber eine ungeheure Sehnsucht haben, sich zum ätherischen Zustand zu verdichten. Besonders zur Frühlingszeit erwacht in ihnen die Hoffnung, dass ihnen das gelingen könnte. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Kohlensäure.

Die Pflanzen, die im Frühling aus der Erde zu sprießen beginnen, bauen sich dadurch auf, dass sie Kohlensäure assimilieren. Mit Hilfe der Kohlensäureassimilation ernährt sich die Pflanze durch Photosynthese im Grunde unmittelbar vom Sonnenlicht. Während bei den Pflanzen die Kohlensäure ganz am Beginn ihrer Lebenstätigkeit steht, ist sie bei Tier und Mensch das Endprodukt des Stoffwechsels und damit Ausdruck eines radikalen Abbau- bzw. Todesprozesses. Was für die Pflanze lebensfördernd ist, wirkt auf den Menschen in höherer Dosis tödlich. Diese Todesprozesse sind aber notwendig, um das bloß vegetative Leben der Pflanze zum Bewusstseinsleben des Menschen zu verwandeln. Tatsächlich spielt das im Blut gelöste und zum Gehirn transportierte Kohlendioxid eine wesentliche Rolle für die Ausbildung des menschlichen Bewusstseins. Wird das Kohlendioxid durch Hyperventilation zu stark abgeatmet, treten Schwindelanfälle auf; das Bewusstsein wird getrübt. Es können sogar Krämpfe auftreten, was ein Zeichen dafür ist, dass der Astralleib aufgrund des Kohlendioxidmangels nicht genügend in den Organismus eingreifen kann.o4

Die Kohlensäure wird sehr stark angezogen von den luziferischen Wesen. Sie wollen gleichsam die Kohlensäure von der Erde weg nach oben heben, sie wollen eine Art Kohlensäureverdunstung bewirken. Gelänge ihnen das in größerem Umfang, müsste alles Atmen auf der Erde aufhören, alle atmenden Wesen müssten ersticken. Dann müsste auch das Physische des Menschen abfallen und sein Ätherisches könnten die luziferischen Mächte heraufziehen und dadurch selbst ätherische Wesen werden. Sie wollen eine Äthersphäre der Erde schaffen, die sie selbst bewohnen können.

Könnten die luziferischen Wesen ihr Ziel erreichen, würde eine Äthergestalt entstehen, die die unteren Partien des menschlichen Leibes nicht hätte. Der Leib wäre, imaginativ betrachtet, wie aus bläulich-violettem Erdendunst geschaffen, aber nur bis zur Brust ausgebildet. Das Haupt dieser merkwürdigen Gestalt ist idealisch übersteigert und aus den Wolken heraus bilden sich in gelblich-rötlichen Farbtönen so etwas wie weit ausgreifende Flügel, die sich von der Seite her zu Gehörorganen verdichten und nach vorne hin zu einem mächtigen Kehlkopf zusammendrängen. Diese Flügel in ihren wellenartigen Formungen ertasten alles, was im Weltenall geheimnisvoll webt und wirkt. Und was die Flügel so ertasten, das wird durch die Ohrenbildungen ergriffen und durch den mächtigen Kehlkopf zum schöpferischen, schaffenden Wort verdichtet, in dem sich die Geheimnisse des Weltalls aussprechen. Bis zu einem gewissen Grad sind die Hoffnungen der luziferischen Wesenheiten in der Vergangenheit tatsächlich erfüllt worden – und das hatte auch wesentliche, durchaus positive Konsequenzen für den Menschen. Indem sie die Hauptestätigkeit des Menschen mit den Kohlensäurekräften durchzogen haben, weckten sie das Bewusstsein des Menschen und schufen damit die Grundlage für die menschliche Freiheit.o6

Die Freiheit entfaltet sich zunächst im Denken. Die Denkkräfte sind eine Metamorphose der Fortpflanzungskräfte. Die Freiheit des Denkens wurde in der Frühzeit der Menschheitsentwicklung vorbereitet durch die Befreiung der Fortpflanzungskräfte von der engen Bindungen an den Jahreslauf, wie sie im Tierreich noch sehr stark gegeben ist. Auch bei den Menschen war es noch in alten Zeiten so, dass die Befruchtung nur zur Frühjahrszeit geschehen konnte und die Geburten dann in die Weihnachtszeit fielen. Von dieser jahreszeitlichen Bindung wurden wir durch die luziferischen Wesenheiten befreit. Ihnen verdanken wir die Möglichkeit der Freiheit.

o5

Christus zwischen Luzifer und Ahriman

Jedes Jahr zur Osterzeit erneuert sich in gewisser Weise das Mysterium von Golgatha, der Tod und die Auferstehung des Christus. Und so erscheint in der Oster-Imagination der Christus in seiner Auferstehungsgestalt, oben überschwebt von den luziferischen Mächten, unten gegründet auf die ahrimanischen Gewalten, beide nicht bekämpfend, sondern in das rechte Gleichgewicht bringend. In der Formung des Christus-Kopfes wird der Sieg über die ahrimanischen Mächte deutlich und das Christus-Antlitz, die ganze Physiognomie, erscheint mit einem solchen Blick, mit einer solchen Mimik, die abgerungen ist den verflüchtigenden Kräften Luzifers. Fest stehend auf dem Irdischen, in dem Ahriman wirkt, wird zugleich die auflösende, das Physische zum Ätherischen verflüchtigen wollende luziferische Kraft in gesunder Weise hereingeholt in das Irdische.

Künstlerisch ausgestaltet wurde das Motiv der Oster-Imagination von Rudolf Steiner in der Holzplastik des Menschheitsrepräsentanten und in der Kuppelmalerei desersten Goetheanums. Dazu sollte sich nach der Meinung Rudolf Steiners ein Mysterienspiel mit dem Menschen und Raphael mit dem Merkurstab als Hauptpersonen: Der Mensch, belehrt von Raphael, inwiefern die ahrimanischen und luziferischen Kräfte den Menschen krankmachen, und inwiefern man durch die Raphael-Gewalt angeleitet werden kann, das heilende Prinzip, die große Weltentherapie, die im Christus-Prinzip lebt, zu durchschauen, zu erkennen. (Lit.: GA 229, S. 53)

http://anthrowiki.at/Oster-Imagination

R. Steiner – Mein Ledensgang: Berlin Die Wilhelm Liebknecht Arbeiterbildungsschule

abIn dieser für mich schweren Zeit trat nun der Vorstand der Berliner Arbeiterbildungsschule an mich heran mit dem Ersuchen, ich solle in dieser Schule den Unterricht in Geschichte und «Rede»übungen übernehmen. Mich interessierte zunächst der sozialistische Zusammenhang, in dem die Schule stand, wenig. Ich sah die schöne Aufgabe vor mir, gereifte Männer und Frauen aus dem Arbeiterstande zu belehren. Denn junge Leute waren wenige unter den «Schülern». Ich erklärte dem Vorstande, wenn ich den Unterricht übernähme, so würde ich ganz nach meiner Meinung von dem Entwickelungsgange der Menschheit Geschichte vortragen, nicht in dem Stil, wie das nach dem Marxismus jetzt in sozialdemokratischen Kreisen üblich sei. Man blieb dabei, meinen Unterricht zu wünschen.

Nachdem ich diesen Vorbehalt gemacht hatte, konnte es mich nicht mehr berühren, daß die Schule eine sozialdemokratische Gründung des alten Liebknecht (des Vaters) war. Für mich bestand die Schule aus Männern und Frauen aus dem Proletariat; mit der Tatsache, daß weitaus die meisten Sozialdemokraten waren, hatte ich nichts zu tun.ab1

Aber ich hatte selbstverständlich mit der Geistesart der «Schüler» zu tun. Ich mußte in Ausdrucksformen sprechen, die mir bis dahin ganz ungewohnt waren. In die Begriffs- und Urteilsformen dieser Leute mußte ich mich hineinfinden, um einigermaßen verstanden zu werden.

Von zwei Seiten her kamen diese Begriffs- und Urteilsformen. Zunächst aus dem Leben. Die materielle Arbeit und deren Ergebnisse kannten diese Leute. Die die Menschheit in der Geschichte vorwärts geleitenden geistigen Mächte traten nicht vor ihre Seele. Deshalb hatte der Marxismus mit der «materialistischen Geschichtsauffassung» so leichtes Spiel. Er behauptete, die treibenden Kräfte im geschichtlichen Werden seien nur die wirtschaftlich-materiellen, die in materieller Arbeit erzeugten. Die «geistigen Faktoren» seien bloß eine Art Nebenprodukt, das aus dem Materiell-Wirtschaftlichen aufsteigt: sie seien eine bloße Ideologie.ab2

Dazu kam, daß sich damals in der Arbeiterschaft ein Eifer nach wissenschaftlicher Bildung seit lange entwickelt hatte. Aber der konnte nur in der populären materialistisch-wissenschaftlichen Literatur befriedigt werden. Denn nur diese Literatur traf eben auf die Begriffs- und Urteilsformen der Arbeiter auf. Was nicht materialistisch war, war so geschrieben, daß ein Verständnis für den Arbeiter unmöglich war. So kam die unsäglich tragische Tatsache, daß, als das werdende Proletariat mit höchster Sehnsucht nach Erkenntnis begehrte, ihm diese nur mit dem gröbsten Materialismus befriedigt wurde.

Man muß bedenken, daß in dem wirtschaftlichen Materialismus, den die Arbeiter durch den Marxismus als «materialistische Geschichte» in sich aufnehmen, Teilwahrheiten stecken. Und daß diese Teilwahrheiten gerade das sind, was sie leicht verstehen. Hätte ich daher mit völligem Außerachtlassen dieser Teilwahrheiten idealistische Geschichte gelehrt, man hätte in den materialistischen Teilwahrheiten ganz unwillkürlich das empfunden, was von meinem Vortrage zurückstieß.ab3

Ich ging deshalb von einer auch für meine Zuhörer zu begreifenden Wahrheit aus. Ich zeigte, wie bis zum sechzehnten Jahrhundert von einer Herrschaft der wirtschaftlichen Kräfte, so wie dies Marx tut, zu sprechen, ein Unding sei. Wie vom sechzehnten Jahrhundert an die Wirtschaft erst in Verhältnisse einrückt, die man marxistisch fassen kann; wie dieser Vorgang dann im neunzehnten Jahrhundert seinen Höhepunkt erlangt.

So war es möglich, für die vorangehenden Zeitalter der Geschichte die ideell-geistigen Impulse ganz sachgemäß zu besprechen und zu zeigen, wie diese in der neuesten Zeit schwach geworden sind gegenüber den materiell-wirtschaftlichen.ab4

Die Arbeiter bekamen auf diese Art Vorstellungen von den Erkenntnisfähigkeiten, den religiösen, den künstlerischen, den sittlichen Triebkräften in der Geschichte und kamen davon ab, diese nur als «Ideologie» anzusehen. Dabei polemisch gegen den Materialismus zu werden, hätte gar keinen Sinn gehabt; ich mußte aus dem Materialismus heraus den Idealismus erstehen lassen.

In den «Redeübungen» konnte allerdings nur wenig nach der gleichen Richtung getan werden. Nachdem ich immer im Beginne eines Kurses die formalen Regeln des Vortragens und Redens erörtert hatte, sprachen die «Schüler» in Übungsreden. Sie brachten da selbstverständlich das vor, was ihnen nach ihrer materialistischen Art geläufig war.ab5

Die «Führer» der Arbeiterschaft bekümmerten sich zunächst gar nicht um die Schule. Und so hatte ich völlig freie Hand.

Schwieriger wurde für mich die Sache, als zu dem geschichtlichen Unterricht der naturwissenschaftliche hinzuwuchs. Da war es besonders schwer, von den in der Wissenschaft, namentlich bei deren Popularisatoren, herrschenden materialistischen Vorstellungen zu sachgemäßen aufzusteigen. Ich tat es, so gut es nur irgend ging.ab6

Nun dehnte sich aber gerade durch die Naturwissenschaft meine Unterrichtstätigkeit innerhalb der Arbeiterschaft aus. Ich wurde von zahlreichen Gewerkschaften aufgefordert, naturwissenschaftliche Vorträge zu halten. Insbesondere wünschte man Belehrung über das damals Aufsehen machende Buch Haeckels: «Welträtsel». Ich sah in dem positiv biologischen Drittel dieses Buches eine präzis-kurze Zusammenfassung der Verwandtschaft der Lebewesen. Was im allgemeinen meine Überzeugung war, daß die Menschheit von dieser Seite zur Geistigkeit geführt werden könne, das hielt ich auch für die Arbeiterschaft richtig. Ich knüpfte meine Betrachtungen an dieses Drittel des Buches an und sagte oft genug, daß man die zwei ändern Drittel für wertlos halten muß und eigentlich von dem Buche wegschneiden und vernichten solle.ab7

Als das Gutenberg-Jubiläum gefeiert wurde, übertrug man mir die Festrede vor 7000 Setzern und Druckern in einem Berliner Zirkus. Meine Art, zu den Arbeitern zu sprechen, wurde also sympathisch empfunden.

Das Schicksal hatte mich mit dieser Tätigkeit wieder in ein Stück Leben versetzt, in das ich unterzutauchen hatte. Wie die Einzelseele innerhalb dieser Arbeiterschaft schlummerte und träumte, und wie eine Art Massenseele diese Menschheit ergriff, die Vorstellung, Urteil, Haltung umschlang, das stellte sich vor mich hin. 

Man darf sich aber nicht vorstellen, daß die Einzelseelen erstorben gewesen wären. Ich habe nach dieser Richtung tiefe Blicke in die Seelen meiner Schüler und überhaupt der Arbeiterschaft tun können. Das trug mich in der Aufgabe, die ich mir bei dieser ganzen Tätigkeit stellte. Die Stellung zum Marxismus war damals bei den Arbeitern noch nicht so, wie zwei Jahrzehnte später. Damals war ihnen der Marxismus etwas, das sie wie ein ökonomisches Evangelium mit voller Überlegung verarbeiteten. Später ist er etwas geworden, wovon die proletarische Masse wie besessen ist.

Aus dem Straßenbild waren sie nicht wegzudenken. An fast jeder Ecke standen sie mit ihren bunten Kopftüchern und boten die Blumen der Saison an. Auch die Damen der bürgerlichen Gesellschaft kauften bei ihnen ein, wie die Dame auf diesem Bild, die sich am Blumenstand beim Viadukt der Verbindungsbahn am Praterstern gelbe und rote Rosen aussucht.

Aus dem Straßenbild waren sie nicht wegzudenken. An fast jeder Ecke standen sie mit ihren bunten Kopftüchern und boten die Blumen der Saison an. Auch die Damen der bürgerlichen Gesellschaft kauften bei ihnen ein, wie die Dame auf diesem Bild, die sich am Blumenstand beim Viadukt der Verbindungsbahn am Praterstern gelbe und rote Rosen aussucht.

Das Proletarierbewußtsein bestand damals in Empfindungen, die wie Wirkung von Massensuggestionen sich ausnahmen. Viele der Einzelseelen sagten immer wieder: es muß eine Zeit kommen, in der die Welt wieder geistige Interessen entwickelt; aber zunächst muß das Proletariat rein wirtschaftlich erlöst werden.

Ich fand, daß meine Vorträge in den Seelen manches Gute wirkten. Es wurde aufgenommen, auch was dem Materialismus und der marxistischen Geschichtsauffassung widersprach. Als später die «Führer» von meiner Art Wirken erfuhren, da wurde es von ihnen angefochten. In einer Versammlung meiner Schüler sprach einer dieser «kleinen Führer». Er sagte das Wort: «Wir wollen nicht Freiheit in der proletarischen Bewegung; wir wollen vernünftigen Zwang.» Es ging das darauf hinaus, mich gegen den Willen meiner Schüler aus der Schule hinauszutreiben. Mir wurde die Tätigkeit allmählich so erschwert, daß ich sie bald, nachdem ich anthroposophisch zu wirken begonnen hatte, fallen ließ.

Ich habe den Eindruck, wenn damals von Seite einer größeren Anzahl unbefangener Menschen die Arbeiterbewegung mit Interesse verfolgt und das Proletariat mit Verständnis behandelt worden wäre, so hätte sich diese Bewegung ganz anders entfaltet. Aber man überließ die Leute dem Leben innerhalb ihrer Klasse, und lebte selbst innerhalb der seinigen. Es waren bloß theoretische Ansichten, die die eine Klasse der Menschen von der ändern hatte. Man verhandelte in Lohnfragen, wenn Streiks u. dgl. dazu nötigten; man gründete allerlei Wohlfahrtseinrichtungen. Das letztere war außerordentlich anerkennenswert.

Aber alles Tauchen dieser weltbewegenden Fragen in eine geistige Sphäre fehlte. Und doch hätte nur ein solches der Bewegung ihre zerstörenden Kräfte nehmen können. Es war die Zeit, in der die «höheren Klassen» das Gemeinschaftsgefühl verloren, in der der Egoismus mit dem wilden Konkurrenzkampf sich ausbreitete. Die Zeit, in der sich die Weltkatastrophe des zweiten Jahrzehnts des zwanzigsten Jahrhunderts schon vorbereitete. Daneben entwickelte das Proletariat auf seine Art das Gemeinschaftsgefühl als proletarisches Klassenbewußtsein. Es nahm an der «Kultur», die sich in den «oberen Klassen» gebildet hatte, nur insoferne teil, als diese Material lieferten zur Rechtfertigung des proletarischen Klassenbewußtseins. Es fehlte allmählich jede Brücke zwischen den verschiedenen Klassen.

So stand ich durch das «Magazin» in der Notwendigkeit, in das bürgerliche Wesen unterzutauchen, durch meine Tätigkeit in der Arbeiterschaft in das proletarische. Ein reiches Feld, um die treibenden Kräfte der Zeit erkennend mitzuerleben.

Das Vaterunser

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Das Vaterunser, Paternoster – Kirchenbuch 1908
Vater unser, der Du bist im Himmel. Geheiliget werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, als wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung; Sondern erlöse uns von dem Übel. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

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Das Vaterunser verbindet rund 2,3 Milliarden Christen auf der ganzen Welt – Protestanten wie Katholiken, Orthodoxe wie Freikirchen. Das gesamte Wertesystem des europäischen Abendlandes fußt auf der Lehre Jesu, die kurz und prägnant im Vaterunser zusammengefasst ist.
Jesus Christus selbst soll das Vaterunser seinen Jüngern gelehrt haben. Davon zeugt das Neue Testament, das seit Jahrhunderten seinen Wortlaut bewahrt und überliefert hat. Auf einem Hügel oberhalb des Sees Genezareth soll der Herr Jesus Christus einer Schar Gläubigen dieses „Herrengebet“ gelehrt haben. Er wollte ihnen beibringen, sich im Gebet kurz zu fassen und mit wenigen Worten all das zu erbitten, wonach sich Menschen im Leben sehnen.

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Vor rund zweitausend Jahren, als Jesus dieses Gebet formuliert hat, wussten seine Jünger sehr genau, worum es in den sieben Fürbitten ging. Aus ihnen sprachen die Sorgen und Ängste aber auch die Hoffnungen der Menschen seiner Zeit.
Und heute? – Fürbitten wie „Dein Reich komme“ oder „Dein Wille geschehe“, sind schnell heruntergebetet. Aber wer denkt noch darüber nach, was mit dem „Reich“ Gottes gemeint ist? Wo befindet sich dieses Reich? Jenseits der Wolken? In den Herzen der Menschen?
„VaterUnser“ nimmt sich Fragen wie diesen an und bietet Denkanstöße, die zwei ausgewiesene Experten formulieren:
Maria Jepsen, bis Juli 2010 Bischöfin von Hamburg-Lübeck, und Kardinal Walter Kasper, ehemaliger Ökumene-Chef der katholischen Kirche. Als Theologen und Seelsorger bauen die beiden seit Jahrzehnten Brücken zwischen gelehrter und gelebter Religion.

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In neun – jeweils 15 Minuten langen – Folgen führen Jepsen und Kasper den Zuschauer auf eine ganz persönliche Entdeckungsreise zu den Ursprüngen des christlichen Glaubens. Sie erklären die Leitgedanken des Vaterunsers, seine jüdischen Wurzeln, seine Überlieferung und seine Botschaften, die über die Jahrhunderte ihre Gültigkeit behalten haben. „Es ist das Gebet, das uns mit Jesus verbindet“, so Maria Jepsen, „aber auch mit dem Judentum. Es ist ein jüdisches Gebet, der christlichen Gemeinschaft geschenkt.“
Entstehung, Wandel und Beständigkeit – über Jahrhunderte und Konfessionen hinweg hat das Vaterunser nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Denn die zeitlosen Lehren Jesu können gerade in einer säkularisierten Welt Halt und Orientierung bieten. „Wenn man nur in der Gegenwart lebt, wird das platt und oberflächlich und auch schwierig, das Leben zu bewältigen“, so Kardinal Walter Kasper. „Wenn ich dagegen Beispiele habe von früher, wo es ja oft schwieriger war als für uns heute, dann hilft das, gibt das auch Kraft. Die haben’s damals geschafft. Warum soll ich’s heute nicht auch schaffen?“

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Rudolf STEINER
ESOTERISCHES (APOSTEL-)VATERUNSER

Vater, der Du warst, bist und sein wirst
in unser aller innerstem Wesen!

2

Dein Wesen wird in uns allen verherrlicht und hochgepriesen.

Dein Reich erweitere sich in unseren Taten und in unserem Lebenswandel.

Deinen Willen führen wir in der Betätigung unseres Lebens so aus,
wie Du, o Vater, ihn in unser innerstes Gemüt gelegt hast.

1

Die Nahrung des Geistes, das Brot des Lebens,
bietest Du uns in Überfülle in allen wechselnden Zuständen unseres Lebens.

Lasse Ausgleich sein unser Erbarmen an anderen für die Sünden an unserem Wesen begangen.

3

Den Versucher lässt Du nicht über das Vermögen unserer Kraft in uns wirken,
da in Deinem Wesen keine Versuchung bestehen kann;
denn der Versucher ist nur Schein und Täuschung,
aus der Du, o Vater, uns durch das Licht Deiner Erkenntnis sicher herausführen wirst.

Deine Kraft und Herrlichkeit wirke in uns

13

Das Vaterunser – Mattheus

5 Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. 6 Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten öffentlich.

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7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viel Worte machen. (Jesaja 1.15) 8 Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichstellen. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiligt. (Hesekiel 36.23) (Lukas 11.2-4) 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. (Lukas 22.42) 11 Unser täglich Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben. (Matthäus 18.21-35) 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel Andere Übersetzung: „erlöse uns von dem Bösen“. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. (1. Chronik 29.11-13) (Johannes 17.15) 14 Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben, 15 Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergebenin den Zeitenläufen der Zeitläufe!

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Lukas – Kapitel 11 – Das Vaterunser
„Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns unser täglich Brot immerdar. Und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die uns schuldig sind. Und führe uns nicht in Versuchung.“

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1 Und es begab sich, daß er war an einem Ort und betete. Und da er aufgehört hatte, sprach seiner Jünger einer zu ihm: HERR, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. 2 Und er sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. 3 Gib uns unser täglich Brot immerdar. 4 Und vergib uns unsre Sünden, denn auch wir vergeben allen, die uns schuldig sind. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.

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So fing alles an: Die erste Waldorfschule Uhlanshöhe Stuttgart

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Diese gezeichnete Postkarte zeigt das »Restaurant Uhlandshöhe« (heute Verwaltungsgebäude der Schule), das sich in Stuttgart vor dem Ersten Weltkrieg als Ausflugslokal großer Beliebtheit erfreute. Das Restaurant, zu dem man zu Fuß oder mit Kutsche aus der Stadt herauf kam, befand sich auf dem Gelände des 1899 abgerissenen Schützenhauses. Der Restaurant-Besitzer Josef Müller plante sogar Erweiterungen mit großem Tanzsaal und Sportanlagen.
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Am offensichtlich schematisierten Hintergrund erkennt man, dass wir außerhalb der Stadt sind und dass oberhalb der »Roten Wand« auf der Uhlandshöhe Wein angebaut wurde. Der Weinbau reichte zu dieser Zeit sogar weit den Hang herunter.

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Damals wie heute erschlossen die beiden Treppen von der Haussmannstraße her (übrigens bis 1946 noch Kanonenweg genannt) den Zugang zum Gelände. Sie befinden sich heute noch an gleicher Stelle wie auf dieser Postkarte der Gottlob Issler, Lithografischen Kunstanstalt & Druckerei, Stuttgart.

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Nach dem Krieg – dann im Besitz von Emil Molt – wurde das Gebäude um ein Stockwerk erhöht, um Raum für Lehrerwohnungen zu gewinnen.bü5

Das originärste Relikt dieses Baus ist die Rundbögen-Fassade des »Schlösschens«, wie später dieser Teil des Steinhaubereiches genannt wurde: unter dem heutigen Hortgebäude rechts vom Treppenaufgang.

http://www.waldorfschule-uhlandshoehe.de/schule/bildergalerien/jubilaeumsbilder/

Waldorfschulen 1933-1945: Eine Chronik

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Waldorf und “Gleichschaltung”: Die 1919 von Rudolf Steiner gegründete Stuttgarter Schule im Jahr 1936 bei einem der vorgeschriebenen Appelle (Bild aus: Esterl 2012: 222, Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Info3/Mayer-Verlags)

Vorab: Über die Geschichte der Waldorfschulen im Nationalsozialismus wird immer wieder gestritten. Einerseits verkündeten sie lautstark Kollaborationsbereitschaft und setzten jüdische Lehrer ohne ein Wort des Bedauerns vor die Tür. Gleichzeitig haben sie den Ernst ihrer Lage allenfalls realisiert, als es zu spät war. Konzessionen blieben auf der Vereinsebene, sie wollten buchstäblich alle Eigenheiten ihrer Pädagogik bewahren und im Zweifelsfall die Nazis davon überzeugen, gerade das leiste das beste für die “Volksgemeinschaft”. Zahlreiche Nazigutachter kamen so auch zu dem Schluss, Nationalsozialistisches habe an den Schulen keinen Einzug gehalten. Streit gab es stets über das Ausmaß der Kompromisse. Unter den Lehrern, mit Nazi-Eltern an den Schulen, vor allem aber untereinander: Zwei Schulen versicherten vor ihrer Selbstschließung, in einem Staat, in dem die Anthroposophie verboten sei, gebe es auch für sie keinen Platz mehr. Sie warfen dem Rest der “Bewegung” faule Kompromisse vor. Andere glaubten, den Nazis die Ideale ihrer Pädagogik plausibel machen zu können. Schließlich ging es um den Geist der Jugend und die Mission Deutschlands, und auf beides hatte in ihren Augen selbstverständlich die Anthroposophie das Monopol: Ideologische Anfeindungen seitens der Nazis konnten also nur auf Missverständnissen beruhen. Die allermeisten verstanden vom NS so wenig wie die allermeisten Nazis von Rudolf Steiner.

Waldorfschulen 1933-1945: Eine Chronik

R. Steiner: Nächstenliebe

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Nächstenliebe ist eine Form der Liebe, durch die der Mensch unmittelbar für seinen Mitmenschen tätig werden will. Sie ist mehr als ein bloßes Gefühl der Hinwendung und des Verständnisses, das zwar den Ausgangspunkt bildet, aber dann in konkrete Taten mündet.
„Es handelt sich also vielleicht doch darum, daß man nicht bloß von der Nächstenliebe spricht, sondern wie man von dieser Nächstenliebe spricht, ob man in abstrakter Weise von ihr spricht oder ob man in Konkretheit nachsieht, wie diese Nächstenliebe sich betätigen kann […]
Nicht darauf kommt es an, Nächstenliebe zu predigen! Ich habe oftmals gesagt in den verschiedensten Kreisen: Wenn im Zimmer ein Ofen steht, und ich rede so, wie es nun üblich geworden ist in der bürgerlichen Weltanschauung, von allerlei ethischen Forderungen zu sprechen, zu denen auch die Nächstenliebe gehört, dann müßte ich sagen: Der Ofen hat die Pflicht, das Zimmer warm zu machen. Aber wenn ich mich auch bemühe zu sagen: Lieber Ofen, es ist deine Ofenpflicht, das Zimmer warm zu machen, es ist deine heilige Pflicht -, und ich wiederhole das immer wieder und wieder, das Zimmer wird halt kalt bleiben! Aber ich kann mir die Rede sparen, wenn ich Holz einlege und es anzünde. Da tue ich das Konkrete, da wird es warm im Zimmer.“

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