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Ein Raddampfschlepper ist ein Raddampfer zum Schleppen von Lastkähnen. Der Vortrieb erfolgte im europäischen Raum meistens über seitlich angebrachte Schaufelräder, seltener über ein Heckrad. In der Binnenschifffahrt werden sie als Räderboote bezeichnet, in Österreich heißen sie Radzugschiff. Seit dem Erscheinen der ersten Raddampfschlepper auf dem Rhein fürchteten die Halfen und Treidelknechte um ihre Existenz, und so kam es ab 1831 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, in Sinzig und anderen Orten entlang des Rheins wurden die Schlepper beschossen.20

Geschichte

Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten Dampfschiffe für den Personen- und Warentransport erfolgreich eingesetzt wurden, unternahm man ab 1821 in den Niederlanden die ersten Schleppversuche mit dem dafür gebauten Raddampfschlepper Hercules. Das Schiff war 53,40 m lang, 6,50 m breit und konnte 100 Tonnen laden und bis zu sechs Schiffe mit insgesamt 350 Tonnen Ladung ziehen. Angetrieben wurde es von einer 200 PSi starken Verbunddampfmaschine. Ab 1829 wurde die Hercules regelmäßig zwischen Rotterdam und Köln eingesetzt. 1845 wurde auf der Werft Jacobi, Haniel&Huyssen in Duisburg-Ruhrort der erste eiserne Raddampfer in Deutschland gebaut. Die Ruhr war 62,20 m lang, 6,70 m breit und wurde von einer 180 PSi starken Dampfmaschine angetrieben. Die ersten Radschleppdampfer hatten noch Schaufelräder mit feststehenden Schaufeln. Diese Räder waren gegenüber den später verwendeten Schaufelrädern mit Excentersteuerung schmal und besaßen einen großen Durchmesser.18

Während die ersten Dampfmaschinen noch mit Niederdruck arbeiteten und die Schaufelräder mit dem Balanciergestängeangetrieben wurden, erfolgte bei den späteren Mittel- und Hochdruckdampfmaschinen, die liegend eingebaut waren, der Antrieb direkt von der Kurbelwelle auf die Schaufelräder. Die Drehzahl lag bei rund 40 Umdrehungen pro Minute. Mit der Einführung der excentergesteuerten Schaufelräder erhöhte sich die Schleppkraft auf 6000 bis 7000 Tonnen, die Schleppzüge waren bis zu 1500 m lang und bestanden aus bis zu acht Lastkähnen. Die Schaufelräder wurden breiter, bis zu sechs Meter, und ihr Durchmesser geringer. Waren die ersten Raddampfer noch verhältnismäßig schmal, so erreichten die Schiffe im Laufe der Jahre eine Breite über alles von fast 23 m. Der Tiefgang lag zwischen 1,20 m bis 1,70 m. Für die Fahrt auf dem Oberrheinkamen spezielle Schiffstypen, die sogenannten Baselfahrer zum Einsatz.21

Eine Konkurrenz zu den Radschleppern waren die Ketten- und Seilschiffe, die auf der Elbe, der Weser, der Oder, der Saale, dem Main, dem Neckar, der Donau der Rhone und dem Rhein eingesetzt wurden. Vorteil der Kettenschifffahrt war der erheblich niedrigere Kohleverbrauch gegenüber den freifahrenden Schleppern. Allerdings verschwanden die Tauer auf dem Rhein sehr schnell, da sie die übrige Schifffahrt stark behinderten.19

1929 ließ die Reederei Franz Haniel ihren Raddampfschlepper Franz Haniel I auf Dieselmotorantrieb mit zwei Motoren zu je 500 PS umbauen. Es wurden auch die Schlepper Zürich (1921), Dordrecht (1922) und Toulon (1929) mit Turbinenantrieb gebaut. Die Turbinen des Raddampfers Dordrecht leisteten 1500 PS bei 3600 Umdrehungen pro Minute, die mit Stirnradgetrieben auf 40 Radumdrehungen reduziert wurden. Das französische Räderboot Metz wurde 1930 auf Kohlenstaubfeuerung umgestellt, die bis zu 30 Prozent Brennstoffeinsparung brachte. Vereinzelt wurden auch Heckraddampfschlepper gebaut. Diese hatten, anders als bei den amerikanischen Heckraddampfern, zwei getrennte Schaufelräder unter einer Verkleidung am Heck. Haupteinsatzgebiet dieser Schiffe waren die Elbe und die Donau, vereinzelt auch der Rhein.

Unterkünfte

Im Vorschiff waren unter Deck die Unterkünfte für die Heizer, Matrosen, Maschinisten und Steuerleute. Der Kapitän hatte auf dem Achterschiff, teilweise  auch unter Deck, eine geräumige Wohnung mit Schlafzimmer, Salon, Büroraum, Bad und Toilette sowie eigener Küche. Die Sanitärräume und die Küche für die Mannschaften befanden sich in den Aufbauten zu beiden Seiten der Schaufelräder.