z2Ein Schützenfest ist ein Volksfest, das sich aus dem regelmäßigen Treffen von Schützenbruderschaften bzw.Schützenvereinen herleitet. Im Verlauf des Festes wird in der Regel in einem Schießwettbewerb der beste Schütze (Schützenkönig) bestimmt. Einige lokale Bräuche ermitteln den Schützenkönig auch durch andere Wettbewerbe, wieRingstechen, Vogelschießen, Scheibenschießen oder das Schießen mit Pfeil und Bogen.z4

Geschichte

Im Mittelalter mussten sich einige Städte noch selber vor Plündererbanden schützen. Aus diesem Grund wurden Vereine gegründet, die einer Bürgerwehr ähnelten. Mit dem von König Heinrich I. im Jahr 924 erlassenen Gesetz zur Wehrverfassung der Städte wurden diese Bürgerwehren, zumindest was Siedlungen mit Stadtrecht betrifft, dann erstmals auch sanktioniert und offizieller Teil der Stadtverteidigung. Im Zusammenhang mit den Übungen und den Musterungen der Aufgebote der Städte wurden Feierlichkeiten, verbunden mit Umzügen, veranstaltet. Zu diesen Schützenhöfen wurden auch Teilnehmer aus befreundeten Gemeinden und teilweise auch die feudalen Stadtoberhäupter eingeladen. Der selbstbewusste Charakter dieser Veranstaltungen der Bürger wurde aber nicht zu allen Zeiten von der Obrigkeit gebilligt. Daher entwickelten sich regional sehr unterschiedliche Traditionen. Die militärische Bedeutung dieser Einrichtungen nahm über die Jahrhunderte ab und wurde mit dem Aufstellen regulärer Truppen und Garnisonen zur Landesverteidigung bedeutungslos. Die Schützenfeste und Schützenvereine blieben als heimatliche Tradition und regionale Brauchtumspflege.z5

Im Gegensatz dazu haben Schützenfeste in der militärischen Miliztradition der Schweiz (ohne stehendes Heer) ihren Wehrcharakter weitgehend behalten. Sie haben auch eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt der verschiedenen Sprachregionen gespielt, insbesondere die Eidgenössischen Schützenfeste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis heute spielt das Militär mit Finanzierungsbeihilfen eine wichtige Rolle. Die Teilnahme am jährlich durchgeführten Eidgenössischen Feldschiessenist kostenlos. Es wurde insbesondere gegründet um die Treffsicherheit der Wehrmänner zu verbessern. Bis 1996 musste jeder Armeeangehörige in einem der Schützenvereine der Schweiz Mitglied werden und das „Obligatorische Programm“ absolvieren. Bei den seither verbliebenen Mitgliedern stehen die Tradition, Kameradschaft und die sportliche Herausforderung im Vordergrund.z6

Die Bräuche um das Schützenfest werden vor allem in Bayern und Niedersachsen, aber auch am Niederrhein, Mittelrhein und in Westfalen (insbesondere imSauerland mit dem Dachverband Sauerländer Schützenbund) mit Schützenumzügen gepflegt. An die alte Tradition wird seit der deutschen Wiedervereinigung auch inOstdeutschland wieder angeknüpft. Die mit den Schützenfesten verbundenen Traditionen können regional sehr unterschiedlich sein.

Das Bremer Schützen- und Volksfest zu Oberneuland (1846, Holzstich-Illustration aus der Illustrirten Zeitung).z9

Zu diesen regionalen Traditionen gehört unter anderem der „Fahnenschlag“ (ein spezielles Fahnenschwenken). Es symbolisiert die Fesselung des heiligen St. Sebastianus, des Schutzpatrons der Jungschützen. Der Fahnenschlag und auch das Fahnenschwenken werden nach festgelegten Regeln durchgeführt, welche in der Bundesfahnenschwenkerordnungfestgelegt sind, sodass auf Wettbewerben Schiedsrichter die Darbietungen auch bewerten können.z7

Schützenfeste können von einem bis zu mehreren Tagen dauern und von unterschiedlichen Beiprogrammen begleitet sein. Sie finden oft in einem Festsaal der lokalen Gastwirtschaft oder in einem extra aufgebauten Festzelt statt. Im Sauerland haben die meisten Orte eine eigene Schützenhalle, die für die Schützenfeste genutzt wird. Viele Schützenfeste beginnen mit einem festlichen Umzug, bei dem der amtierende Schützenkönig mit seinem Hofstaat, von seinen Vereinsmitgliedern abgeholt, mit Musik durch den Ort zum Schützenplatz oder Festzelt marschiert oder kutschiert wird. Rund um das Festzelt wird oft ein Jahrmarkt oder eine Kirmes errichtet.