Meist mies gelaunt, wortkarg, nicht wiederzuerkennen, und wenn man am t16Frühstückstisch einen guten Morgen wünscht, bekommt man schon mal eine motzige Antwort. Die Pubertät ist eine der schwierigsten Phasen – für Jugendliche und Eltern gleichermaßen.

Bei den Jugendlichen, meist zwischen 11 und 15 Jahren, beginnt eine vermehrte Produktion von Sexualhormonen. Dadurch kommt es zu tiefgreifenden körperlichen und seelischen Veränderungen. Es setzt ein Wachstumsschub ein, der erst einmal die natürlichen Proportionen durcheinander bringt und das Aussehen verändert. Auch entdecken Jugendliche, dass es das andere Geschlecht gibt, gleichzeitig aber verlaufen die ersten Annäherungen meist erfolglos

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Auch in der Eltern-Kind-Beziehung verändert sich einiges. Manche Eltern hören das ungern: Aber genauso, wie das Kind sich in den ersten Lebensjahren bedingungslos an sie bindet, löst es diese Bindung in der Pubertät wieder – weitgehend – auf. Dadurch wird der Jugendliche fähig, stabile emotionale Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen. Er sucht Nähe nicht mehr bei den Eltern, sondern bei Gleichaltrigen und später in einer partnerschaftlichen Beziehung. Das Ziel dieser Entwicklung ist von der Natur gegeben: t3Nur so kann sich der junge Mensch von den Eltern lösen und schließlich eine eigene t14Familie gründen.

Aber bis dieser ganze Prozess abgeschlossen ist, und Eltern und Kinder ihre neuen Rollen gefunden haben, werden manche Streits ausgefochten und sicherlich auf beiden Seiten t11manche Tränen der Verzweiflung und der Ratlosigkeit fließen. Auch sind Jugendliche in dieser Zeit besonders experimentierfreudig, vor allem im Ausloten ihrer eigenen Grenzen. So ist es auch zu erklären, dass man in diesem Alter neugierig gegenüber legalen wie auch illegalen Drogen ist.

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Für viele Jugendliche gehören illegale Drogen zur Alltagserfahrung: Die Hälfte der 12- bis 15-Jährigen hat schon einmal illegale Drogen angeboten bekommen. Ein Drittel von ihnen hat sie auch schon probiert, einmal oder mehrfach. Die größte Erwartung, die Jugendliche mit illegalen Drogen, vor allem mit Cannabis verbinden, lautet: „Drogen verschaffen Glücksgefühle und helfen Hemmungen zu überwinden.“ Diese Meinung teilen mehr als die Hälfte derjenigen mit t9Drogenerfahrung, und mehr als ein Drittel derjenigen ohne Drogenerfahrung. Verständlich, dass dieser Punkt Sie als Eltern besonders belastet. Sie wissen, dass Sie Ihr Kind loslassen müssen, damit es seinen eigenen Weg gehen kann. Gleichzeitig aber möchten Sie natürlich, dass es sich nicht mit Suchtmitteln die Zukunft verbaut. Sie sind wahrscheinlich deswegen verunsichert, weil Sie nicht wissen, t13wie Sie es vor einem Hineingleiten in eine Sucht bewahren oder ihm aus einer Sucht wieder heraushelfen können.

Zuerst einmal ein paar grundsätzliche Bemerkungen: Es ist völlig selbstverständlich und normal, dass auch Sie als Eltern mit der Situation, einen pubertierenden Jugendlichen zuhause zu haben, an Ihre eigenen Grenzen kommen. t10Unsicherheiten in der Erziehung und Konflikte mit den Jugendlichen sind an der Tagesordnung. Für Sie als Eltern ist es jetzt vor allem wichtig, über diese Themen gut informiert zu sein, damit Sie Ihrem Kind gleichwertige Gesprächspartner sein können. Wenn Sie wissen, wovon Sie reden, werden Sie von Ihrem Kind ernster genommen und Sie selbst fühlen sich auch sicherer in der Argumentation und imVerhalten.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl