Ich bin 13 Tage nach Beginn des II. Weltkrieges geboren. Wegen der Unruhen des Krieges in Berlin hielten es meine Eltern für angebracht, dass ich meine Kindheit unbeschwehrt auf den Gütern der Grosseltern erleben sollte.
Die ersten Erinnerungen an Rittgarten /Uckermark zeigen Bilder von Kuhställen, Scheunen voll Heu, einem Kaltblüter Gespann, dass von einem alten Landarbeiter geführt, kleinere Transporte erledigte wie Ackergerät zu den Feldern bringen, Feldsteine zum Bau herbeischaffen, oder auch den Eber, den Grossvater geschossen hatte mit einer Schleppe zurück zu holen. Ich durfte auf dem Eber sitzen, und saß auch ständig auf einem der Ackergäule mit weit gestreckten Beinen.

Pflügen mit 2 Dampfmaschinen – Anfang 20. Jahrh. üblich auf den riesigen Schlägen der  märkischen Güter.

Die Bilder, die ich heute noch liebe waren das eine – doch wichtiger noch ist die Erinnerung an die Düfte und Gerüche. Das Heu in den Scheunen, die Kühe in den Ställen, die warme Milch – von endlosen Reihen der Schweizer auf angebundenen einbeinigen Hockern sitzend – gemolken – manch Strahl traf den aufgerissenen Mund und auch das ganze Gesicht war dann nass und roch so gut.
Und erst der Mist. Der sanfte warme Pferdemist. Der wild duftende Kuhmist. Und als Krönung der bissige herrliche Schweinemist vermischt mit dem im Stroh Rascheln, Schnauben, Grunzen Quietschen dieser uns so nahen Tiere.

Später zogen Teams von 5 paar Ochsen die Tiefscharpflüge durch den Acker.

Heute kann ich kaum noch diesen Duft riechen. Die Kühe werden mit Grass- oder anderer Silage gefüttert. Futter, das mit Überdüngung schnell wächst  – nie ausreifen darf,  triebig und geil ist, ein Futter, dass nur Blähungen und Durchfall erzeugt. Stinkt erbärmlich. Hat aber den Vorteil, dass der unbequeme Spaltenboden (kann das wirklich fröhlich stimmen, wenn man immer auf Betonspalten steht?) mit dem Schlauch entmistet werden kann. Spart Arbeitskräfe. die man ja auch nicht hat, weil man im zuge der Globalisierung billig produzieren muss. Wegen dieser Blähungen, müssen die Holländer beim Käsemachen mit chemischen Agregaten die „Luft“ unterdrücken – sonst hätte der Gouda nur Löcher wie der Schweizer Käse.

Doch es gibt noch Hoffnung für meine Nase. Auf den biologisch dynamischen Höfen ist alles in Ordnung. Der Mist riecht wie er soll – edles Parfüm für empfindliche Nasen.  Der Käse braucht keine Zusatzstoffe. Der Hof ist eine organische Einheit. Hecke bieten Unterschlupf für Vögel und Kleintier. Die Vögel halten die unerwünschten Mitesser (Schnecken, Käfer usw. ) im Zaum. Kühe sorgen für Mistdüngung. Gepflegte Komposthaufen bieten organische Nahrung für die Pflanzen.

So könnte unser Land auch aussehen. Keine Chemie, kein Tod – die Stickstoffdüngung entstant nachdem die Schiesspulverproduktion des I. Weltkrieges nicht mehr gebraucht wurde mangels Umsatz, die Herbizide wurden in den Gilfgasfabriken als Verkaufsersatz entwickelt.
Eine lebendige Landschaft. Vielfältig wie die Regionen und die Liebe der Bauern.
Übrigens, nach Tschernobil zeigte ein Geigerzähler erheblich geringere Werte auf biologisch-dynamischen Höfen als in vergleichbaren Landschaften.

Neuere unabhängige Studien zeigen, dass die BRD voll mit ökologischer Landwirtschaft ernährt werden kann. Zudem schafft sie viele Arbeitsplätze.